CL68CHS - Authority is destructive home

1:00 S: Mein Name ist Huston Smith, Professor der Philosohie, am Massachusetts Institut für Technologie. Ich möchte Sie zu einem Gespräch einladen, organisiert vom Blaisdale Institut in Claremont, Kalifornien. Mit Krishnamurti, der von Annie Besant, und den Theosophen erzogen wurde, um ein Weltlehrer zu werden. Und obwohl er den Mantel der Theosophie abgelegt hat, wurde er dennoch einer der Weisen dieses Jahrhunderts. Einer, dessen Stimme genauso von der heutigen Jugend gehört wird, wie überall auf der Welt, und dies seit 60 Jahren.
1:38 Krishnamurti, ich werde heute Morgen womöglich nur eine Frage haben, auf die ich auf die eine, oder andere Art, zurück kommen werde. In Ihren Schriften und Ihren Vorträgen kommen Sie immer wieder zurück auf dieses wundervolle kleine Wort, "klar" und "Klarheit". Aber ist es tatsächlich möglich, in dieser verwirrten und verwirrenden Welt zu leben, zerrissen von widersprüchlichen Stimmen von außen, und widersprüchlichen Leidenschaften im Inneren, mit Herzen, die getrübt erscheinen, und nie enden wollenden Spannungen, ist es möglich, in solch einem Leben, in solch einer Welt, mit völliger Klarheit zu leben? Und wenn ja, wie?
2:33 K: Ich frage mich, mein Herr, was Sie mit diesem Wort "klar" meinen? Ich frage mich, ob Sie "Klarheit" meinen.
2:49 S: Das ist, was als erstes in den Sinn kommt, ja.
2:54 K: Ist diese Klarheit eine Frage der intellektuellen Wahrnehmung? Oder ist es ein Wahrnehmen mit Ihrem gesamten Sein? Nicht nur ein Fragment Ihres Seins, sondern mit der Totalität Ihres ganzen Seins?
3:18 S: Es hat sicherlich den Klang des Letzteren, ja.
3:21 K: Es ist also nicht fragmentiert, daher ist es weder intellektuell, noch emotional, oder sentimental. Ist es also möglich, in dieser verwirrten Welt, mit so vielen Widersprüchen, und solchem Elend und Hunger, im Außen, wie im Innen, solch psychologischer Unzulänglichkeit, auch wenn es äußerlich so viele reiche Gesellschaften gibt, ist es überhaupt möglich für einen Menschen, der in dieser Welt lebt, in sich selbst eine Klarheit zu finden, die konstant ist, die wahrhaftig ist, das heißt, nicht widersprüchlich, kann ein Mensch, diese Klarheit finden?
4:28 S: Das ist meine Frage.
4:29 K: Das ist Ihre Frage. Ich sehe keinen Grund, warum nicht. Ich sehe nicht, warum sie nicht von jedem gefunden werden sollte, der wirklich ernsthaft ist. Die meisten von uns sind nicht im Geringsten ernsthaft. Wir wollen unterhalten werden, wollen gesagt bekommen, was zu tun ist, wir wollen jemanden, der uns erklärt, wie man lebt, was Klarheit ist, was Wahrheit ist, was Gott ist, was rechtes Verhalten ist und so weiter. Nun, wenn man all dies verwerfen könnte, vollständig, all die Autorität der psychologischen Spezialisten wie auch der religiösen Spezialisten. Wenn man wirklich tiefgehend jede Autorität dieser Art verneinen könnte, dann verließe man sich vollständig auf sich selbst.
5:46 S: Nun, ich denke, dass ich bereits jetzt dem widerspreche, was Sie vorschlagen, denn mein Impuls, nachdem Sie gesagt haben, dass es Ihnen möglich erscheint, diese Art von Klarheit zu erlangen, ist mein Impuls, Sie sofort zu fragen: "Wie?"
6:02 K: Warten Sie, mein Herr.
6:04 S: Sagen Sie, ich richte mich nach Autorität, wenn ich das frage?
6:07 K: Nein, nein. Was nötig ist, ist Freiheit von Autorität. Nicht das "Wie". Das "Wie" bedingt eine Methode, ein System, einen Weg zertreten von Anderen, und jemanden, der Ihnen sagt, "Tun Sie dies, und Sie werden es finden."
6:32 S: Sagen Sie damit, dass es unangebracht ist Sie zu fragen, wie diese Klarheit erlangt werden kann?
6:40 K: Nicht im Geringsten. Aber das "Wie" bedingt eine Methode, ein System. Und wenn Sie eine Methode haben, ein System, werden Sie mechanisch, Sie tun einfach nur, was Ihnen gesagt wird. Und das ist keine Klarheit. Es ist wie ein Kind, das von seiner Mutter gesagt bekommt, was es tun soll, von morgens bis abends. Und daher wird es abhängig von der Mutter, oder vom Vater, oder was auch immer, und da ist keinerlei Klarheit. Um Klarheit zu erlangen, ist das wesentlichste die Freiheit, Freiheit von Autorität.
7:29 S: Und ich sehe mich in einer Art Zwickmühle, denn diese Freiheit ist anziehend und ich möchte zu ihr gelangen, aber gleichzeitig möchte ich Sie verstehen und Sie fragen, wie ich weitermachen soll? Entferne ich mich von meiner Freiheit, wenn ich frage, wie ich weitermachen soll?
7:49 K: Nein, mein Herr, ich zeige die Schwierigkeit dieses Wortes auf, die Implikation dieses Wortes, des "Wie". Nicht ob man sich von Freiheit entfernt, oder irgendetwas dieser Art, sondern, dass das Wort "Wie", intrinsisch einen Geist impliziert, der sagt, "Bitte sagen Sie mir, was zu tun ist".
8:24 S: Und ich frage erneut, ist diese Frage fehlerhaft, ist es eine falsche Frage?
8:30 K: Ich würde denken, dass es eine falsche Frage ist, das "Wie". Aber wenn Sie sagen würden, was sind die Dinge, und Hindernisse, die Klarheit verhindern, dann können wir darauf eingehen. Aber wenn Sie von vorneherein sagen, was ist die Methode, nun es gab dutzende von Methoden, und sie haben alle versagt. Sie haben nicht Klarheit erzeugt, oder Erleuchtung, oder einen Zustand des Friedens im Menschen. Im Gegenteil, diese Methoden haben die Menschen gespalten: Sie haben Ihre Methode, und jemand anderes hat seine Methode, und diese Methoden streiten ewiglich miteinander.
9:17 S: Sagen Sie damit dass, sobald man bestimmte Prinzipien abstrahiert, und sie als Methode formuliert, sie zu grob werden, um bestimmten Feinheiten gerecht zu werden?
9:28 K: Das stimmt, Feinheiten, und die Komplexität, und die lebendige Qualität der Klarheit.
9:34 S: Das "Wie" muss also immer unmittelbar dort sein wo man sich befindet, im Spezifischen wie im Allgemeinen.
9:41 K: Ich würde nie die Frage nach dem "Wie" stellen. Das "Wie" sollte niemals in den Geist eindringen.
9:46 S: Nun, das ist eine schwierige Lehre. Es mag wahr sein und ich greife danach, und doch weiß ich nicht ob es möglich ist. Ich denke nicht, dass es möglich ist, vollständig, die Frage nach dem "Wie" und all dem, zu verwerfen.
9:59 K: Mein Herr, ich denke, wir werden besser in der Lage sein, einander zu verstehen, wenn wir uns langsam nicht dem "wie" zuwenden sondern der Frage, was die Dinge sind, die Klarheit verhindern.
10:15 S: Also gut, in Ordnung.
10:16 K: Durch Verneinung, durch Verneinung zur Klarheit gelangen, und nicht durch die positive Methode einem System zu folgen.
10:26 S: Das ist der verneinende Weg, das ist gut.
10:33 K: Ich denke, das ist der einzige Weg. Der positive Weg des "Wie" hat die Menschheit dazu geführt sich aufzuspalten, seine Treue, sein Streben, Sie haben Ihr "Wie" und das "Wie" von jemand anderem, und diese und jene Methode, und sie sind alle verloren.
10:54 S: In Ordnung.
10:55 K: Könnten wir also diese Frage beiseitelegen, die Frage des "Wie", zumindest bis auf Weiteres. Und vermutlich werden Sie sie hinterher nicht mehr stellen. Und ich hoffe, das werden Sie nicht.
11:05 S: Nun, wir werden sehen.
11:08 K: Es ist also wichtig herauszufinden, was sind die Hindernisse, Hemmnisse und Blockaden, die klare Wahrnehmung verhindern, von menschlicher Angst, Furcht, Sorge, schmerzlicher Einsamkeit und dem tiefliegenden Mangel an Liebe.
11:42 S: Erkunden wir die Tugenden des Negativen. Was sind diese Hindernisse?
11:49 K: Nun, zuallererst, denke ich, muss es Freiheit geben. Freiheit von Autorität.
12:00 S: Könnten wir direkt hier innehalten, beim Thema Autorität? Wenn Sie sagen, wir sollten jegliche Autorität aufgeben, erscheint mir das berechtigt, wenn das Ziel die vollkommenen Freiheit, und Eigenständigkeit ist. Und doch, so erscheint es mir, verlassen wir uns, und das zurecht, in bestimmten Sphären auf alle möglichen Arten von Autoritäten. Wenn ich in eine neue Gegend komme, und ich halte an und frage den Tankwart nach dem Weg, akzeptiere ich seine Autorität, weil er mehr zu der Frage weiß, als ich es tue. Ist das nicht...
12:36 K: Offensichtlich, mein Herr, der Spezialist weiß ein wenig mehr, als der Laie. Und die Experten, ob in der Chirurgie, oder im technologischen Bereich, wissen selbstverständlich viel mehr als jede andere Person, die sich nicht mit jener speziellen Technik beschäftigt. Aber wir betrachten nicht Autorität einer bestimmten Art, sondern das gesamte Problem der Autorität.
13:11 S: Und die Antwort liegt darin, die Bereiche zu verstehen, in denen es spezialisierte Autorität gibt, welche wir akzeptieren sollten, und wo...
13:23 K: Und wo Autorität schädlich ist, Autorität zerstörerisch ist. In die Frage der Autorität sind also zwei Probleme verwoben: Es gibt nicht nur die Autorität des Experten, lassen Sie ihn uns vorerst so nennen, welche notwendig ist, sondern auch die Autorität des Menschen, welcher sagt, "Psychologisch weiß ich bescheid, Sie nicht."
13:49 S: Ich verstehe.
13:52 K: "Das ist wahr, das ist falsch", "Sie müssen dieses tun, und jenes sollten sie nicht tun."
13:57 S: Man sollte also niemals sein Leben hingeben für...
14:02 K: Für irgendwen.
14:04 S: ... für irgendwen anderes.
14:05 K: Denn die Kirchen überall auf der Welt, die verschiedenen Religionen haben gesagt: "Gib uns dein Leben, wir werden führen, wir werden es formen, wir werden dir sagen, was zu tun ist. Tu dies, folge dem Erlöser, folge der Kirche und du wirst Frieden finden." Aber im Gegenteil, Kirchen haben furchtbare Kriege geführt. Religionen jeder Art haben zur Fragmentierung des Geistes geführt. Die Frage ist also nicht Freiheit von einer bestimmten Autorität, sondern der gesamten konzeptuellen Akzeptanz von Autorität.
14:50 S: Ja. in Ordnung. Ich denke, das begreife ich. Und man sollte also niemals von seinem eigenen Gewissen zurücktreten.
14:57 K: Nein, ich spreche nicht von Gewissen. Unser Gewissen ist eine beschränkte, kleinliche Angelegenheit.
15:03 S: Ich denke an die Gewissenhaftigkeit, wie ich mein Leben führen sollte.
15:10 K: Nein, wir haben damit angefangen zu fragen, wie es kommt, dass der Mensch, der für zwei Millionen Jahre, oder mehr gelebt hat, warum ist der Mensch nicht im Stande, klar wahrzunehmen und zu handeln? Das ist die eigentliche Frage.
15:27 S: Richtig. Und Ihr erster Punkt ist, dass es daher kommt, weil er nicht die volle Verantwortung akzeptiert.
15:34 K: Nein, das sagte ich nicht. Ich bin noch nicht zu diesem Punkt gekommen. Wir sagten, wir müssen uns diesem Problem negativ nähern. Was bedeutet, ich muss herausfinden, was die Blockaden sind.
15:54 S: Hindernisse. K. Hindernisse
15:55 die klare Wahrnehmung verhindern. S. Richtig.
15:58 K: Nun, einer der größten Blockaden oder Hindernisse,
16:01 ist diese völlige Akzeptanz von Autorität.
16:09 S: In Ordnung. Seid ein Licht für Euch selbst.
16:12 K: Das stimmt. Sie müssen sich selbst ein Licht sein.
16:15 S: Sehr gut.
16:17 K: Und um sich selbst ein Licht zu sein, muss man alle anderen Lichter verneinen, wie groß dieses Licht auch sein mag. möge es das Licht des Buddha sein, oder von X Y Z.
16:28 S. Vielleicht akzeptiert man es hier und da, aber dennoch bewahrt man die Grenze, bis zu der eine Einsicht gültig sein könnte.
16:39 K: Nein, mein Herr. Nein, nein.
16:41 S: Sie würden niemals akzeptieren...
16:42 K: Meine eigene Autorität? Was für eine Autorität habe ich? Meine Autorität, ist die Autorität der Gesellschaft. Ich bin konditioniert, Autorität zu akzeptieren. Wenn ich die Autorität von Außen ablehne akzeptiere ich die Autorität des Inneren. Und die Autorität des Inneren ist das Resultat der Konditionierung, in welcher ich aufgezogen wurde.
17:05 S: In Ordnung. Ich dachte, da läge ich richtig. Und ich schätze, womöglich tue ich das auch immer noch. Der einzige Punkt, über den ich mir hier nicht im Klaren bin, ist, was das Annehmen, Bestätigen und Bewahren der eigenen Freiheit...
17:25 K: Ah, das können Sie nicht. Mein Herr, wie kann ein Gefangener, außer ideologisch oder theoretisch, akzeptieren, dass er frei sei? Er ist gefangen. Und das ist die Tatsache, von der wir uns bewegen müssen. Nicht eine vage, fantastische, ideologische Freiheit annehmen, die gar nicht existiert. Was existiert ist, dass der Mensch sich dieser totalen Autorität gebeugt hat.
17:58 S: In Ordnung. Und das ist das Erste, das wir sehen und entfernen müssen.
18:05 K: Absolut. Das muss für einen ernsthaften Menschen vollständig verschwinden, der versucht die Wahrheit herauszufinden oder die Dinge sehr klar zu sehen. Das ist einer der wichtigsten Punkte. Und die Forderung nach Freiheit, nicht nur von Autorität, sondern auch von Angst, welche dazu führt, dass er Autorität akzeptiert.
18:37 S: Richtig. Das scheint ebenfalls wahr zu sein. Also liegt hinter dem Verlangen nach Autorität...
18:44 K: ...Angst.
18:45 S: ...Angst. Von wo wir Autorität suchen, um von ihr frei zu sein.
18:48 K: Das ist richtig. Die Angst macht den Menschen also gewalttätig. Nicht nur territoriale Gewalt, sondern auch sexuelle Gewalt und andere Formen von Gewalt.
19:01 S. In Ordnung.
19:04 K: Die Freiheit von Autorität impliziert also die Freiheit von Angst. Und die Freiheit von Angst impliziert die Beendigung jeder Form von Gewalt.
19:19 S: Wenn wir die Gewalt beenden, verschwindet dann die Angst?
19:25 K: Ah, nein mein Herr. Es ist keine Frage des Verschwindens der Angst. Lassen sie es uns andersherum betrachten, mein Herr. Der Mensch ist gewalttätig. Sprachlich. Psychologisch. Er ist im täglichen Leben gewalttätig, was letzten Endes zu Krieg führt.
19:49 S: Davon gibt es viel.
19:52 K: Und der Mensch hat Krieg als Lebensweise akzeptiert. Ob im Büro, Zuhause, auf dem Spielfeld, oder anderswo. Krieg wurde als eine Lebensweise akzeptiert, und das ist die Essenz von Gewalt.
20:09 S: Ja.
20:11 K: Und Aggression und all das ist involviert. Solange der Mensch die Gewalt akzeptiert, und eine gewalttätige Lebensweise führt, erhält er die Angst und die Gewalt aufrecht, und akzeptiert daher Autorität.
20:31 S: Diese drei sind also so eine Art Teufelskreis, das eine spielt dem Anderen in die Hände. In Ordnung.
20:37 K: Und die Kirchen sagen, lebe friedfertig, sei gütig, liebe deinen Nächsten, was alles reiner Nonsens ist. Sie meinen es nicht wirklich. Es ist lediglich eine verbale Behauptung, die keinerlei Bedeutung hat. Es ist nur eine Idee, denn die Moral der Gesellschaft, welche die Moral der Kirche ist, ist unmoralisch.
21:07 S: Wenn wir versuchen, die Dinge zu sehen, die zwischen uns und Klarheit und Freiheit stehen, finden wir Autorität und Angst und Gewalt, die zusammenarbeiten, um uns zu behindern. Wie geht es von hier aus weiter?
21:29 K: Es geht nirgendwo anders hin, mein Herr. Aber die Tatsache zu verstehen, dass die meisten von uns ein Leben in diesem Umfeld führen, in diesem Käfig der Autorität, Angst und Gewalt. Wir können nicht darüber hinaus gehen, wenn wir nicht frei davon sind. Nicht intellektuell oder theoretisch, sondern tatsächlich frei, von jeder Form von Autorität. Nicht die Autorität des Experten, sondern das Gefühl, der Abhängigkeit von Autorität.
22:17 S: In Ordnung.
22:19 K: Nun, ist es einem Menschen möglich, vollständig von der Angst frei zu sein? Nicht nur auf der oberflächlichen Ebene unseres Bewusstseins, sondern auch auf den tieferen Ebenen, die das Unbewusste genannt wird.
22:39 S: Ist das möglich? K. Das ist die Frage.
22:40 Sonst sind Sie gezwungen Autorität zu akzeptieren. Von jedem. Jeder Tom, Dick und Harry mit ein wenig Wissen, ein paar cleveren Erklärungen oder intellektuellen Formeln, Sie sind gezwungen, ihm zu folgen. Aber die Frage, ob ein menschliches Wesen, so stark es auch konditioniert sein mag, durch die Propaganda der Kirche, durch die Propaganda der Gesellschaft, Moral und all dem. Und ob so ein menschliches Wesen, wirklich frei von Angst sein kann, das ist die grundlegende Frage, mein Herr.
23:18 S: Das ist es, was ich hören möchte.
23:22 K: Ich sage, es ist möglich, nicht als Abstraktion, sondern es ist tatsächlich möglich.
23:30 S: In Ordnung. Und wieder ist mein Impuls zu fragen, wie.
23:33 K: Sehen Sie davon ab. Sehen Sie, wenn Sie fragen wie, hören Sie auf zu lernen. Das Lernen endet.
23:44 S: In Ordnung, lassen Sie uns vergessen, dass ich das gesagt habe, denn ich möchte nicht abgelenkt werden.
23:50 K: Nein, nein, Sie können das niemals auch nur fragen, denn wir lernen. Wir lernen über die Natur und die Struktur der menschlichen Angst, auf der tiefsten Ebene und auch auf der oberflächlichsten Ebene, und wir lernen darüber. Und wenn Sie lernen können Sie nicht plötzlich fragen, wie soll ich lernen. Es gibt kein wie, wenn Sie interessiert sind, wenn das Problem lebendig, intensiv ist, dann muss es gelöst werden, um in Frieden zu leben. Dann gibt es kein "wie". Sie sagen, lassen Sie uns darüber lernen. In dem Moment, wo man das "wie" ins Spiel bringt, bewegt man sich von der zentralen Tatsache des Lernens weg.
24:38 S: Gut, das ist in Ordnung. Lassen Sie uns den Pfad des Lernens dort weitergehen.
24:45 K: Lernen. Was heißt es, zu lernen?
24:52 S: Fragen Sie mich das?
24:54 K: Ja, offensichtlich. Was bedeutet es zu lernen?
25:00 S: Es heißt, wahrzunehmen, wie man in einer bestimmten Sache vorgehen sollte.
25:10 K: Nein, mein Herr, sicherlich. Hier gibt es ein Problem der Angst. Ich möchte darüber lernen. Zuallererst darf ich es nicht verurteilen, ich darf nicht sagen, es sei schrecklich, um dann davor weg zu rennen.
25:26 S: Für mich klingt es, als hätten Sie es verurteilt, auf die eine oder andere Weise.
25:31 K: Das habe ich nicht. Ich möchte lernen. Wenn ich etwas über eine Sache lernen möchte, sehe ich hin. Dann gibt es da keine Verurteilung.
25:39 S: Gut, wir näherten uns dem, über den Weg der Verneinung...
25:43 K: Das ist es, was ich mache.
25:44 S: Und Angst ist ein Hinderniss..
25:47 K: Über welches ich lernen werde.
25:48 S: In Ordnung.
25:50 K: Deswegen kann ich es nicht verurteilen.
25:53 S: Nun, es ist nicht gut. Sie befürworten es nicht.
25:56 K: Ah, nein. Weder befürworten, noch verurteilen. Hier ist Angst als Tatsache. Und ich möchte darüber lernen. In dem Moment, wo ich darüber etwas lerne, bin ich frei davon. Lernen ist wichtig, was also ist im Lernen impliziert. Was ist im Lernen impliziert? Zunächst einmal, um über etwas zu lernen, muss es eine vollständige Beendigung von Verurteilung oder Rechtfertigung geben.
26:30 S: In Ordnung. Ja, das kann ich sehen. Wenn wir beginnen, etwas zu verstehen, wenn wir unsere Emotionen raushalten, und einfach versuchen, leidenschaftslos...
26:42 K: Zu lernen. Sie bringen Wörter wie "leidenschaftslos" ein. Das ist unnötig. Wenn ich etwas über diese Kamara lernen möchten, beginne ich sie mir anzusehen, und mich damit zu befassen. Ohne die Frage nach Leidenschaft oder Leidenschaftslosigkeit Ich möchte lernen! Ich möchte also etwas über diese Frage der Angst lernen. Um zu lernen, darf es keine Verurteilung geben. keine Rechtfertigung der Angst. Und somit kein verbales Entkommen von dem Fakt der Angst.
27:26 S: In Ordnung.
27:28 K: Aber die Tendenz ist, sie zu leugnen.
27:34 S: Die Realität der Angst leugnen?
27:36 K: Die Realität der Angst. Die Realität, dass Angst all diese Dinge verursacht. Sie zu leugnen, indem man sagt: "Ich muss Mut entwickeln." Daher werden wir auf dieses Problem der Angst eingehen, weil es wirklich eine sehr wichtige Frage ist. Ob der menschliche Geist je frei sein kann, von Angst.
28:06 S: Das ist es ganz sicher.
28:08 K: Was bedeutet, ob der Geist im Stande ist, die Angst anzusehen, anzusehen, nicht abstrahiert, sondern Angst wie sie tatsächlich ist.
28:26 S: Der Angst begegnen
28:28 K: Der Angst begegnen.
28:29 S: In Ordnung, das sollten wir tun. und ich stimme überein, wir können es nicht leugnen.
28:34 K: Ihr begegnen, ohne zu verurteilen.
28:39 S: In Ordnung.
28:41 K: Keine Rechtfertigung.
28:43 S: Einfach nur wirklich objektiv sein.
28:46 K: Der Angst bewusst sein.
28:48 S: Anerkennen?
28:50 K: Ich erkenne sie nicht an. Wenn dort eine Kamera ist, erkenne ich sie nicht an, sie ist da.
28:58 S: In Ordnung, ich möchte mit den Worten unseren Gedankengang nicht unterbrechen.
29:03 K: Deshalb muss man hier mit Worten furchtbar vorsichtig sein. Das Wort ist nicht die Sache, deshalb möchte ich mich nicht davon entfernen. Um über die Angst zu lernen, darf es weder Verurteilung noch Rechtfertigung geben. Das ist eine Tatsache. Dann kann der Geist die Angst ansehen. Was ist Angst. Es gibt jegliche Art von Angst: Angst vor Dunkelheit, vor der Ehefrau, Angst vor dem Ehemann, Angst vor Krieg oder Angst vor Sturm, so viel psychologische Ängste, und sie haben unmöglich ausreichend Zeit, um alle Ängste zu analysieren, das würde das gesamte Leben dauern. Bis dahin haben sie immer noch keine Angst verstanden.
29:56 S: Also ist es eher das Phänomen der Angst selbst, als eine...
29:59 K: ...als eine bestimmte Angst.
30:01 S: Richtig. Also was sollten wir lernen?
30:04 K: Warten Sie mein Herr, ich werde es Ihnen zeigen, gehen Sie langsam vor. Um über etwas zu lernen, müssen sie damit im vollständigen Kontakt sein. Sehen Sie, mein Herr, ich möchte etwas über Angst lernen. Also muss ich sie ansehen, ich muss ihr begegnen. Nun, etwas begegnen impliziert einen Geist, der nicht das Problem der Angst lösen möchte.
30:41 S: Also die Angst ansehen...
30:43 K: ...heißt nicht, das Problem der Angst zu lösen. Sehen Sie, es ist sehr wichtig zu verstehen, weil in dem Moment, wo ich die Angst lösen möchte, bin ich mehr mit der Lösung beschäftigt, als damit der Angst zu begegnen.
31:03 S: Vor einem Moment aber sagten wir, wir müssen ihr begegnen...
31:06 K: Ich begegne ihr. Aber wenn ich sage, "Ich muss sie lösen", bin ich schon jenseits davon und sehe nicht hin.
31:14 S: Sie sagen, wenn wir versuchen, das Problem der Angst zu lösen, dann begegnen wir ihm nicht wirklich, stimmt das?
31:20 K: Das stimmt, mein Herr. Sehen Sie, Angst zu begegnen, dafür muss der Geist, seine gesamte Aufmerksamkeit der Angst widmen, und schenken Sie ihr nur teilweise Aufmerksamkeit, das heißt: "Ich löse es, um darüber hinauszugehen", dann geben sie nicht ihr volle Aufmerksamkeit.
31:42 S: Ich verstehe. Bei geteilter Aufmerksamkeit, ist man nicht voll aufmerksam.
31:46 K: Die gesamte Aufmerksamkeit, dem Lernen über die Angst widmen, schließt weitere Aspekt ein. Ich muss mich kurz halten, da unsere Zeit begrenzt ist. Wir sehen Angst normalerweise als etwas außerhalb von uns an. Also stellt sich die Frage des Beobachters und des Beobachtetem. Der Beobachter sagt: "Ich habe Angst." und er sieht die Angst als etwas außerhalb von ihm.
32:20 S: Ich bin nicht sicher. Wenn ich Angst habe, bin ich verängstigt, ich fühle es sehr hier drin.
32:26 K: Aber wenn Sie es beobachten, ist es anders.
32:33 S: Wenn ich Angst beobachte...
32:35 K: Dann sehe ich sie außerhalb.
32:38 S: Nun, das erscheint mir nicht ganz richtig.
32:42 K: In Ordnung. In dem Moment der Angst gibt es weder den Beobachter noch das Beobachtete.
32:49 S: Das ist wahr.
32:50 K: Das ist alles, was ich sage. In der Krise, im Moment tatsächlicher Angst, gibt es keinen Beobachter.
32:58 S: Es füllt den Horizont.
33:00 K: Also, in dem Moment wo Sie beginnen sie anzusehen, ihr zu begegnen, gibt es diese Teilung.
33:07 S: Zwischen dem ängstlichen Selbst und..
33:09 K: Dem nicht ängstlichen Selbst.
33:11 S: ...dem Bär, der mich dort draußen auffressen möchte.
33:14 K: Also bei dem Versuch, etwas über die Angst zu lernen, entsteht eine Teilung zwischen Beobachter und Beobachtetem. Ist es möglich, die Angst anzusehen, ohne den Beobachter? Bitte mein Herr, dies ist wirklich eine ziemlich schwierige Frage, eine komplizierte Frage, auf die man sehr tief eingehen muss. Solange es den Beobachter gibt, welcher über die Angst lernt, gibt es eine Teilung.
33:51 S: Das ist richtig. Wir sind damit nicht gänzlich in Kontakt.
33:55 K: Daher ist in dieser Teilung ein Konflikt im Versuch, die Angst loszuwerden oder zu rechtfertigen. Also, ist es möglich, Angst anzusehen, ohne den Beobachter, sodass wir die gesamte Zeit, damit in Kontakt sind?
34:19 S: Gut, dann erleben sie also die Angst.
34:23 K: Ich würde ungern das Wort "erleben" nutzen, weil erleben impliziert, etwas durchzumachen. Damit abzuschließen.
34:33 S: In Ordnung. Ich weiß nicht welches Wort. Es erscheint besser als ansehen, weil "ansehen" eine Teilung zu implizieren scheint, zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten.
34:41 K: Daher nutzen wir das Wort "beobachten". Sich der Angst bewusst zu sein ohne auszuwählen weil das Wort "wählen" den Beobachter impliziert wählen, ob man etwas mag oder nicht. Ist der Beobachter abwesend, gibt es ein wahlfreies Bewusstsein der Angst.
35:07 S: Ja, gut.
35:09 K: In Ordnung. Was findet dann statt? Das ist die ganze Frage. Der Beobachter schafft die sprachliche Differenz zwischen sich und der beobachteten Sache. Hier kommt die Sprache ins Spiel. Deshalb verhindert das Wort, vollständig mit Angst in Kontakt zu sein.
35:43 S: Ja. Worte können ein Schutzschild sein.
35:46 K: Ja. Das ist alles, was wir sagen. Das Wort darf sich also nicht einmischen.
35:51 S: Stimmt. Wir müssen darüber hinausgehen.
35:53 K: Jenseits des Wortes. Aber ist das möglich, jenseits des Wortes zu sein? Theoretisch sagen wir ja, aber wir sind Sklaven der Worte.
36:04 S: Viel zu sehr. Das ist wahr.
36:06 K: Das ist offensichtlich, wir sind Sklaven der Worte. Der Verstand muss sich seiner eigenen Versklavung, durch Worte, bewusst werden, erkennen, dass das Wort niemals die Sache ist. So ist der Geist frei vom Wort, um zu schauen. Das ist alles impliziert. Mein Herr, schauen Sie, die Beziehung zwischen zwei Menschen, Ehemann und Ehefrau, ist die Beziehung zwischen Bildern. Offensichtlich, daran gibt es keinen Zweifel. Sie haben Ihr Bild, und sie hat ihr Bild von Ihnen. Die Beziehung besteht zwischen diesen beiden Bildern. Nun, die wirkliche, die menschliche Beziehung ist, wenn es die Bilder nicht gibt. In gleicher Weise ist die Beziehung zwischen dem Beobachter und Beobachtetem, sie verschwindet, wenn das Wort nicht ist. Er ist also direkt in Kontakt mit der Angst.
37:18 S: Es geht hindurch...
37:20 K: Da ist sie. Da ist die Angst. Es gibt Angst, auf der bewussten Ebene, die man relativ schnell verstehen kann. Aber es gibt die tieferen Schichten der Angst, sozusagen in den verborgenen Winkeln des Geistes. Sich dessen bewusst zu sein. Ist es nun möglich gewahr zu sein, ohne Analyse? Analyse braucht Zeit.
37:53 S: Sicherlich ist es möglich.
37:55 K: Wie? Nicht das 'wie' der Methode. Sie sagen, es ist sicher möglich. Ist es das? Es gibt dieses ganze Reservoir an Angst. Angst vor Rassen, können Sie folgen, der gesamte Inhalt des Unbewussten. Der Inhalt ist das Unbewusste.
38:18 S: Na gut.
38:19 K: Also, sich all dessen bewusst zu sein, nicht durch Träume, das dauert wieder zu lange.
38:28 S: Sie sprechen jetzt darüber, ob wir uns explizit der vollen Reichweite des Geistes, bewusst sein können?
38:35 K: Ja. Der gesamte Inhalt und Reichweite des Geistes, der sowohl das Bewusste, als auch die tieferen Schichten umfasst. Die Gesamtheit des Bewusstseins.
38:47 S: Ja. Und können wir uns all dessen explizit bewusst sein? Ich bin nicht sicher.
38:54 K: Ich sage, es ist möglich. Es ist nur möglich, wenn Sie sich tagsüber bewusst sind, was Sie sagen, die Worte, die Sie benutzen, die Gesten, die Art und Weise wie Sie sprechen, wie Sie gehen, was Ihre Gedanken sind, sich all dessen voll und ganz gewahr zu sein.
39:13 S: Glauben Sie, dass all das vor Ihnen sein kann, bei vollem Bewusstsein?
39:18 K: Ja, mein Herr. Absolut. Wenn es keine Verurteilung und Rechtfertigung gibt. Wenn Sie unmittelbar damit in Kontakt stehen.
39:30 S: Es scheint mir, dass der Geist wie ein Eisberg ist, mit Teilen, die...
39:35 K: Ein Eisberg ist zu neun Zehnteln unter und zu einem Zehntel über dem Wasser. Es ist möglich, das Ganze davon zu sehen, wenn Sie sich während des Tages, Ihrer Gedanken, Ihrer Gefühle, und der Motive bewusst sind, das einen Geist erfordert, der hochsensibel ist.
39:58 S: Wir können uns sicherlich vielem, vielem mehr gewahr sein, als gewöhnlich. Wenn Sie sagen, wir können...
40:06 K: Völlig. Ja, mein Herr.
40:08 S: ...uns aller psychologischen Faktoren gewahr sein.
40:09 K: Ich zeige es Ihnen, ich zeige es Ihnen! Sie verneinen es. Sie sagen, 'es ist nicht möglich', dann ist es nicht möglich.
40:16 S: Nein, gerne würde ich glauben, es sei möglich.
40:18 K: Nein, es ist keine Frage von Glauben. Ich muss nicht an das glauben, was ich sehe. Nur wenn ich nichts sehe, glaube ich, an Gott, an dieses oder jenes.
40:29 S: Für mich ist es eine Glaubenssache, vielleicht nicht für Sie, da Sie..
40:32 K: Nein, Glaube ist der destruktivste Teil des Lebens. Warum sollte ich glauben, dass die Sonne aufgeht. Ich sehe den Sonnenaufgang. Wenn ich nicht weiß, was Liebe ist, dann glaube ich an die Liebe.
40:48 S: Wie so viele Male, wenn ich Ihnen zuhöre, kommt es mir vor wie eine Halbwahrheit, die als ganze Wahrheit dargestellt wird, und ich frage mich, ob dies nur um der Nachdrücklichkeit willen ist, oder ob Sie es wirklich, wirklich so meinen, wie Sie es sagen.
41:11 K: Nein, für mich ist das wirklich so.
41:13 S: Wir haben über die Aspekte gesprochen, die uns blockieren, die Dinge, die uns abhalten, in Klarheit und Freiheit zu leben. Autorität, Gewalt, Angst. Unsere Zeit ist kurz und ich möchte nicht die ganze Zeit, mit diesen Hindernissen verbringen. Gibt es etwas Positives, dazu zu sagen?
41:36 K: Mein Herr, alles was bestätigend ist, deutet Autorität an. Es ist nur der autoritäre Verstand der nach Bestätigung sucht. Was im Gegensatz zur Verneinung steht. Aber die Verneinung, von der wir reden, hat kein Gegenteil.
42:00 S: Nun, wenn ich Sie jetzt um eine bekräftigende Aussage bitte, scheint es mir nicht so, als würde ich die Entscheidung treffen, Sie zur Autorität zu machen. Ich möchte nur hören, ob Sie etwas Interessantes zu sagen haben, und ich werde dann ein Urteil fällen.
42:18 K: Mit Bezug auf was?
42:20 S: Inwiefern es zu meinem Zustand passt.
42:23 K: Was? Mit Bezug auf was? Sie sagten "etwas", worüber?
42:28 S: Über den Zustand des Lebens, so scheint es mir, wir mühen uns damit ab, diesen mit Worten zu beschreiben.
42:37 K: Wollen Sie sagen, mein Herr, dass das Leben nur in der Gegenwart liegt?
42:46 S: In gewisser Weise denke ich, das ist wahr. Wollten Sie das sagen?
42:49 K: Nein, ich frage Sie, ist es das, was Sie fragen: Ist Leben zu unterteilen, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, was dann fragmentiert wird, und nicht, eine vollständige Wahrnehmung des Lebens?
43:08 S: Nun, wie so oft scheint es mir, dass die Antwort ein Sowohl-als-auch ist. In einem Sinne ist es eine Einheit und sie ist gegenwärtig und die Gegenwart ist alles, was wir haben, aber Menschen sind zeitbindende Wesen, die, wie man sagt, vor- und zurückschauen.
43:25 K: Der Mensch ist das Ergebnis von Zeit. nicht nur evolutionär, sondern auch chronologisch sowie psychologisch.
43:35 S: Ja.
43:36 K: Also ist er das Ergebnis von Zeit: Der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Nun, er lebt vorwiegend in der Vergangenheit.
43:50 S: In Ordnung, meistens.
43:51 K: Er ist die Vergangenheit.
43:55 S: Na gut. Das ist wieder diese Halbwahrheit.
43:59 K: Nein, nein, ich zeige es Ihnen. Er ist die Vergangenheit, weil er in Erinnerungen lebt.
44:05 S: Nicht vollkommen.
44:06 K: Mein Herr, folgen Sie mir Schritt für Schritt. Er lebt in der Vergangenheit und daher denkt er und untersucht und schaut vor dem Hintergrund seiner Vergangenheit.
44:18 S: Ja. Was sowohl gut und schlecht ist.
44:22 K: Nein, nein. Wir sagen nicht gut oder schlecht. Es gibt keine gute oder schlechte Vergangenheit. Wir beschäftigen uns mit der Vergangenheit geben Sie ihr keinen Namen.
44:31 S: In Ordnung.
44:32 K: Es gut oder schlecht nennen, da gehen wir verloren. Er lebt in der Vergangenheit, untersucht alles von dort, und projiziert die Zukunft, aus der Vergangenheit heraus. Er lebt also in der Vergangenheit, er ist die Vergangenheit. Und wenn er an die Zukunft oder die Gegenwart denkt, denkt er in Begriffen der Vergangenheit.
45:01 S: Nun gut. Es scheint mir, dass dies die meiste Zeit stimmt, aber es gibt neue Wahrnehmungen die hindurch brechen, neue Erfahrungen, die durch die Vergangenheit brechen.
45:15 K: Neue Erfahrungen brechen durch, doch nur, wenn die Vergangenheit abwesend ist.
45:23 S: Nun, es scheint mir, wie eine Verschmelzung von Dingen, die wir zwangsläufig aus der Vergangenheit mitbringen, aber um mit dem Neuen zu spielen, der Neuheit der Gegenwart und es ist eine Verschmelzung der Beiden.
45:38 K: Sehen Sie, mein Herr, wenn ich etwas Neues verstehen will, muss ich es mit klaren Augen ansehen. Ich kann die Vergangenheit nicht mitnehmen mit all den Wiedererkennungsprozessen, mit all den Erinnerungen, und dann übersetze ich das, was ich sehe, als neu. Sicherlich, nur eine Minute: Der Mann, der den Jet erfunden hat, muss vergessen haben, oder vollkommen mit dem Propeller vertraut sein, und dann gab es noch einen Mangel an Wissen, in dem er das Neue entdeckte.
46:15 S: Das ist gut so.
46:16 K: Warten Sie, warten Sie. Es ist keine Frage, ob das gut ist. Das ist der einzige Weg, im Leben zu agieren. Das heißt, es muss ein vollständiges Gewahrsein der Vergangenheit geben, eine Abwesenheit der Vergangenheit, um das Neue zu sehen, oder auf das Neue zu stoßen.
46:38 S: In Ordnung.
46:40 K: Sie geben widerwillig nach.
46:42 S: Ich gebe widerwillig nach, weil ich denke ich sehe, was sie sagen wollen. Und ich denke, dass ich dem Punkt, den Sie machen, zustimme. Aber es ist auch wahr, man handelt im Sinne...
46:56 K: Der Vergangenheit.
46:57 S: ...Symbole, die man hat. Und es ist nicht so, dass wir "de novo" beginnen.
47:02 K: "De Novo" ist nicht möglich, aber wir müssen "De Novo" beginnen, weil das Leben es verlangt. Wir haben auf diese Weise gelebten, Kriege akzeptiert, Hass, Brutalität, Wettbewerb und Angst, Schuldgefühle und all das. Wir haben dies akzeptiert. Wir Leben auf diese Weise. Und ich sage, um eine andere Qualität hervorzubringen, eine andere Lebensweise, muss die Vergangenheit verschwinden.
47:32 S: Wir müssen offen für Neues sein.
47:34 K: Ja, daher darf die Vergangenheit keine Bedeutung haben.
47:38 S: Dem kann ich nicht zustimmen.
47:41 K: Das ist es, was die ganze Welt ablehnt. Die etablierte Ordnung sagt, "Ich kann nicht loslassen" - für das Neue. Und die jungen Menschen, auf der ganzen Welt sagen, "lass uns dagegen rebellieren". Aber sie verstehen nicht alle damit verbundenen Komplikationen. Also sagen sie, was habt ihr uns gegeben, außer Examen, Arbeit, eine Wiederholung von alten Abläufen, Kriegen und Lieblingskriegen, Kriegen
48:16 S: Nun, Sie weisen darauf hin, so scheint es mir, wie wichtig es ist, nicht Sklaven der Vergangenheit zu sein. Und das ist so wahr und ich will nicht in irgendeiner Weise...
48:29 K: Vergangenheit ist die Tradition, Vergangenheit ist das Muster der Moral, welche die soziale Moral ist, die nicht moralisch ist.
48:37 S: Aber gleichzeitig gibt es nur eine Generation, nämlich uns selbst, die zukünftige Generation von Höhlenmenschen unterscheidet.
48:47 K: Damit bin ich einverstanden.
48:48 S: Wären die Höhlenmenschen vollständig aufgehoben, würden wir gerade anfangen.
48:52 K: Oh nein, nein. Durch die Vergangenheit zu brechen, mein Herr, erfordert ein hohes Maß an Intelligenz, ein hohes Maß an Sensibilität, zur Vergangenheit. Sie können sich nicht einfach davon losreißen.
49:06 S: Ok, ich bin einverstanden.
49:12 K: Das Problem ist wirklich, mein Herr, ob wir auf eine andere Art leben können?
49:20 S: Hört, hört!
49:22 K: Eine andere Art, in der es weder Kriege, noch Hass gibt, in welcher der Mensch den Menschen liebt, ohne Wettbewerb, ohne Trennung, zu sagen, du bist Christ, du bist Katholik, du bist Protestant, du bist dies... all das ist so unreif! Es hat keine Bedeutung. Es ist alles intellektuelle, ausgeklügelte Trennung. Und das ist überhaupt kein religiöser Geist, das ist nicht Religion. Ein religiöser Geist ist ein Geist, der keinen Hass kennt, der vollständig ohne Angst lebt, ohne Furcht, in dem es nicht ein Teilchen des Widerspruchs gibt. Daher ein Geist der liebt. Dies ist eine ganz andere Dimension des Lebens. Und niemand möchte das.
50:20 S: Und andererseits, will das jeder.
50:22 K: Aber sie werden es nicht tun.
50:26 S: Sie werden es nicht tun?
50:27 K: Natürlich nicht. Sie sind von so vielen Dingen abgelenkt, ihre Vergangenheit hat sie so stark konditioniert, sie halten daran fest.
50:34 S: Aber ich glaube, einige werden dem nachgehen.
50:37 K: Warten Sie, mein Herr, es gibt nur sehr wenige.
50:39 S: Die Zahlen spielen keine Rolle.
50:41 K: Die Minderheit ist immer das Wichtigste.
50:45 S: Krishnamurti, beim Zuhören, versuche ich auch durch die Worte zu hören, zu dem was Sie sagen, so scheint es mir, was ich höre, ist, dass erstens, ich, und jeder von uns, sollte am eigenen Seelenheil arbeiten, und sich nicht auf äußere Autoritäten verlassen. Zweitens, nicht zuzulassen, dass Worte eine Schicht zwischen uns und der tatsächlichen Erfahrung bilden. Die Speisekarte, nicht mit der Mahlzeit zu verwechseln. drittens, Vergangenes nicht die Gegenwart verschlucken zu lassen, Besitz ergreifend, auf eine Konditionierung aus der Vergangenheit zu reagieren, sondern vielmehr immer offen zu sein für das Neue, das Neuartige, das Frische. 51:39 Und schließlich, so scheint es mir, dass Sie sagen, dass der Schlüssel dazu in einer radikalen Umkehrung unserer Sichtweise liegt. So als wären wir Gefangene, die sich an Gitterstäben nach Licht sehnen, und nach dem Lichtschein suchen, den wir draußen sehen, und fragen uns, wie wir dorthin gelangen können, während die Tür der Zelle hinter uns offen steht. Wenn wir uns nur umdrehen würden, könnten wir in die Freiheit hinausgehen. So hört es sich für mich an, als würden Sie das sagen. Ist es das?
52:13 K: Ein bisschen, mein Herr, ein bisschen.
52:15 S: In Ordnung. Was noch? Was sonst noch? Oder wenn Sie es erweitern wollen.
52:23 K: Sicherlich, mein Herr, darin ist, der ewige Kampf, der Konflikt, enthalten. Der Mensch ist in seiner eigenen Konditionierung gefangen, und unermüdlich kämpfend, schlägt er sich den Kopf ein, um frei zu sein. Und wieder haben wir akzeptiert, mit der Hilfe der Religionen, und dem ganzen Rest der Gruppe, dass Anstrengung notwendig und ein Teil des Lebens ist. Für mich ist das die höchste Form von Blindheit,

den Menschen zu begrenzen und zu sagen: "Du musst ewig in Anstrengung leben".
53:20 S: Und Sie denken, wir müssen das nicht. K: Nicht 'ich denke', es ist...
53:22 Mein Herr, es ist keine Frage des Denkens. Der Gedanke ist das...
53:28 S: Streichen wir die beiden Worte, und sagen einfach, wir müssen es nicht.
53:32 K: Aber ohne Anstrengung zu leben erfordert die größte Sensibilität und die höchste Form der Intelligenz. Man sagt nicht einfach: "Gut, ich kämpfe nicht", und wird wie eine Kuh. Aber man muss verstehen, wie Konflikt entsteht, die Dualität in uns, die Tatsache von dem "was ist" und "was sein sollte", dort liegt der Konflikt. Wenn es kein "was sein sollte" gibt, was ideologisch ist, was nicht real ist, das Fiktion ist, und sehen, "was ist", und sich dem stellen, damit leben, ohne dem "was sein sollte", dann gibt es überhaupt keinen Konflikt. Es ist nur, wenn man mit dem "was sein sollte" vergleicht und bewertet, und dann von dem "was sein sollte", auf das "was ist", blickt, dann entsteht der Konflikt.
54:41 S: Es sollte keine Spannung geben zwischen dem Ideal und der Tatsache.
54:45 K: Überhaupt kein Ideal. Warum sollten wir ein Ideal haben? Das Ideal ist die idiotischste Form des konzeptionellen Denkens. Warum sollte ich ein Ideal haben? Wenn die Tatsache dort brennt, warum sollte ich dann ein Ideal haben?
55:00 S: Also, erneut, wenn Sie so sprechen, scheint es mir, dass Sie es in ein Entweder-Oder teilen. K: Nein, nein.
55:07 S: Nicht das Ideal, sondern die Tatsache
55:09 wo es mir scheint, die Wahrheit ist irgendwie beides.
55:14 K: Ah, nein. Die Wahrheit ist keine Mischung aus Ideal und dem "was ist", dann produziert man eine Mischung aus irgendeinem Schmutz. Es gibt nur das, "was ist". Mein Herr, nehmen Sie ein ganz einfaches Beispiel: Wir Menschen sind gewalttätig. Warum sollte ich ein Ideal der Gewaltlosigkeit haben? Warum kann ich mich nicht mit der Tatsache abfinden? S: Mit der Gewalt?
55:41 K: Mit der Gewalt, ohne Gewaltlosigkeit.
55:43 Das Ideal ist eine Abstraktion, ist eine Ablenkung. Tatsache ist, ich bin gewalttätig, der Mensch ist gewalttätig. Lassen Sie uns das anpacken, lassen Sie uns das in den Griff bekommen und schauen, ob wir nicht ohne Gewalt leben können.
56:02 S: Aber kann...
56:05 K: Bitte, mein Herr, es gibt keinen dualistischen Prozess. Es gibt nur die Tatsache, dass ich gewalt- tätig bin, und der Mensch gewalttätig ist. und ist es möglich frei davon zu sein. Warum sollte ich idealistischen Unsinn hineinbringen?
56:26 S: Kein Dualismus, sagen Sie, keine Trennung, und ist es Ihrer Ansicht nach der Fall, dass es keine Trennung gibt?
56:34 K: Absolut.
56:37 S: Gibt es eine Trennung, du und ich?
56:39 K: Mein Herr, warten Sie, physisch gibt es eine. Sie haben einen schwarzen Anzug, sind eine fairere Person, und so weiter. S: Aber Sie fühlen sich nicht...
56:46 K: Fühlte ich mich dualistisch,
56:47 würde ich mich nicht hinsetzen um mit Ihnen zu diskutieren, dann spielten wir intellektuell miteinander.
56:56 S: Genau. Vielleicht sagen wir das Gleiche, aber wie es in meinem Kopf aussieht, ist es ein Sowohl-als-auch, wir sind sowohl getrennt als auch vereint.
57:06 K: Nein. Mein Herr, wenn Sie jemand lieben, mit dem Herz, nicht dem Verstand, fühlen Sie sich dann getrennt?
57:11 S: In gewisser Weise schon. Es ist beides. Ich fühle mich getrennt und zusammen.
57:16 K: Dann ist es keine Liebe.
57:18 S: Ich stelle das infrage, weil ein Teil der der Freude an der Liebe, die Beziehung ist, was in gewisser Weise beinhaltet, wie Ramakrishna sagte, 'Ich möchte kein Zucker sein, ich möchte Zucker essen'.
57:30 K: Ich kenne Ramakrishna nicht, ich will keine Autorität,
57:35 Ich will keinen Vogel zitieren. S: Hängen Sie sich nicht daran auf.
57:37 K: Sir, nein! Wir haben es hier mit Tatsachen zu tun, nicht mit dem, was jemand gesagt hat. Die Tatsache ist...
57:45 S: Dass in der Liebe, ein Teil der Schönheit und der Herrlichkeit, das Gefühl der Einheit ist, welches das umfasst, was ein Stück weit getrennt ist.
57:58 K: Mein Herr, einen Moment. Lassen Sie uns ein bisschen unromantischer sein. Tatsache ist, wenn es Liebe gibt zwischen Mann und Frau, geht es darin um Besitz, Dominanz, Autorität, Eifersucht, alles das hängt damit zusammen. Natürlich tut es das. Und Komfort, sexuelles Vergnügen, und die Erinnerung. All das. Ein Bündel von all dem.
58:32 S: Und es gibt einige positive Dinge, die Sie weggelassen haben, aber Sie gehen von diesen aus.
58:36 K: Ja, ja. Ein Bündel von all dem. Ist Liebe Eifersucht? Ist Liebe Lust? Ist Liebe Begehren? Wenn es nur Vergnügen ist, so ist es lediglich die Aktivität des Denkens, welches sagt: 'Nun, ich habe mit dieser Frau geschlafen, also gehört sie mir'. Und die Erinnerung an all das. Das ist keine Liebe. Der Gedanke ist keine Liebe. Der Gedanke erzeugt Angst, Gedanken erzeugen Schmerz, Gedanken erzeugen Vergnügen, und Vergnügen ist nicht Liebe. S: Der Gedanke erzeugt nur Negatives?
59:13 K: Was ist das Positive?
59:15 Was ist das Positive, das der Gedanke hervorbringt,
59:22 außer mechanischen Dingen? S: Ein Liebesgedicht.
59:24 K: Mein Herr, ein Liebesgedicht. Was? Der Mensch fühlt etwas, und schreibt es nieder. Das Niederlegen ist irrelevant, lediglich eine Form der Kommunikation. Aber es zu fühlen! Das hat nichts mit dem Denken zu tun. Es zu übersetzen ist also notwendig, für das Denken. Aber zu lieben...
59:48 S: Gedanken und Worte können unseren Gefühlen auch eine Form geben, ohne die sie unfertig bleiben würden. Sie zur Vollendung bringen, zu zufriedenstellenden Ergebnissen, durch ihren Ausdruck.
1:00:05 K: Ist Beziehung eine Sache des Denkens?
1:00:10 S: Nicht nur, aber Gedanken können zu einer Beziehung beitragen.
1:00:17 K: Der Gedanke ist immer das Alte, Beziehung ist etwas Neues.
1:00:22 S: Ja, aber es gibt neue Gedanken.
1:00:24 K: Ah! So etwas wie neue Gedanken gibt es nicht. Verzeihen Sie mir, meine Nachdrücklichkeit.
1:00:30 S: Nein, es gefällt mir.
1:00:31 K: Ich glaube nicht, dass dass es einen neuen Gedanken gibt. Ein Gedanke ist niemals frei, weil er die Folge einer Erinnerung ist, der Gedanke ist Folge der Vergangenheit.
1:00:40 S: Wenn ein großer Dichter mit den richtigen Worten um eine neue Wahrnehmung zu artikulieren, die noch niemand zuvor hatte, nicht einmal Gott hat an diese besonderen Worte gedacht.
1:00:54 K: Das ist nur eine Frage einer cleveren Gabe, Worte zusammenzusetzen. Aber worüber wir sprechen...
1:01:00 S: Ein edles Metier. Poesie ist ein großer Beitrag.
1:01:03 K: Ach, das ist eine Nebensache. Nein, mein Herr, es ist eine Nebensache, die Hauptsache ist, die Schönheit des Lebens zu sehen. Und die Unermesslichkeit des Lebens zu sehen, und zu lieben, zu lieben.
1:01:21 S: Da endete sie, eine Konversation mit Krishnamurti. Aber was endete, waren nur die Worte, nicht das darunter liegende. Denn Krishnamurti sprach, wie immer, von dem Leben, das weder ein Ende, noch einen Anfang hat.
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