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Ordnung im Bewusstsein

London - 6 June 1982

Public Talk 2



0:22 Dürfen wir mit dem fortfahren,
was gestern gesagt wurde?
  
0:34 Wir sprachen ausführlich über
das Problem der Angst.
  
0:41 Ob es überhaupt möglich ist
 
0:45 vollkommen frei von Angst zu sein.
 
0:53 Wir wiesen auf die Natur und
Struktur der Angst hin,
  
1:01 und darauf, was sie hervorruft.
 
1:09 Und wir sagten, dass die
Angst nicht unterdrückt, verändert
  
1:17 oder vermieden werden kann.
 
1:24 man sollte sie beobachten
 
1:27 und erkennen,
dass der Beobachter das Beobachtete ist,
  
1:36 der Beobachter
ist nicht von der Angst getrennt.
  
1:41 Der Beobachter, der die Vergangenheit ist,
 
1:44 mit all
dem angesammelten Wissen,
  
1:48 grenzt sich ab
 
1:50 und unterdrückt die Angst,
 
1:55 er flieht vor ihr
oder versucht sie zu überwinden,
  
1:59 über sie hinauszugehen.
 
2:01 All das verursacht Konflikt.
 
2:06 Und da wir Menschen seit tausenden
von Jahren mit Konflikten leben,
  
2:12 sollten wir gemeinsam überlegen,
 
2:15 ob es möglich ist, die Angst,
den Konflikt vollkommen zu beseitigen.
  
2:23 Und das ist nur möglich,
 
2:25 wenn der Beobachter erkennt,
dass er nicht getrennt ist
  
2:31 von dem, was er beobachtet,
 
2:34 psychisch.
 
2:38 Die Trennung zwischen dem
Beobachter und dem Beobachteten
  
2:43 verschwindet dann vollkommen.
 
2:46 Dies ist nicht einfach eine Idee,
 
2:49 eine geschickte Aktion des Denkens.
 
2:55 Die Wahrnehmung hat
mit dem Denken nichts gemein.
  
3:01 Die gesamte Bewegung der Angst
wahrzunehmen,
  
3:11 ihre Vielschichtigkeit,
 
3:14 ihr ohne Motiv
zu begegnen,
  
3:18 sie nicht loswerden zu wollen,
 
3:21 sondern sie nur zu beobachten.
 
3:24 Und es scheint, dass
es sehr wichtig ist,
  
3:29 dass wir lernen müssen
- wenn wir dieses Wort benutzen können,
  
3:37 und Lernen ist hier
keine Frage der Zeit -
  
3:43 zu beobachten ohne die angesammelten
Erinnerungen der Vergangenheit.
  
3:53 Das verlangt
einen hohen Grad von Gewahrsam,
  
4:00 sich gewahr zu sein,
welche Ursachen zur Angst beitragen,
  
4:07 und die Folgen der Angst.
 
4:11 Und sie zu beobachten,
wie sie wächst, wie sie sich verändert.
  
4:18 Und wenn es keinen Konflikt gibt,
 
4:20 was nur der Fall sein kann,
wenn der Beobachter erkennt,
  
4:25 dass das, was er beobachtet,
er selbst ist,
  
4:30 dass der Beobachter
das Beobachtete ist,
  
4:33 dann ist alle Energie,
 
4:37 die wir im Laufe des Konflikts
vergeudet haben,
  
4:43 bei dem Versuch, ihn zu
überwinden, zu unterdrücken,
  
4:47 vollkommen verbraucht.
 
4:50 Folglich, wenn es den
Beobachter gibt, der das Beobachtete ist,
  
4:57 gibt es die Energie,
die nicht vergeudet ist,
  
5:01 die die Angst dann
vollkommen auflöst.
  
5:04 Das ist das, worüber wir
gestern gesprochen haben.
  
5:13 Man hört
viele dieser Ideen
  
5:19 und erlangt eine Erkenntnis,
 
5:23 eine Abstraktion
des Gehörten,
  
5:29 und diese Abstraktion
wird zu einem Prinzip, einem Ideal,
  
5:38 etwas, das erreicht werden muss.
 
5:43 Wenn man aber zuhört,
ohne dass eine Abstraktion entsteht,
  
5:50 wenn man der gesamten psychischen
Bewegung der Angst gewahr ist,
  
5:59 sie nicht zu einer Idee macht,
 
6:03 sondern sie nur wahrnimmt,
 
6:07 so wie man ein wunderschönes
Bergmassiv wahrnimmt
  
6:13 - Sie können nichts machen,
es ist da.
  
6:18 Und gleichermaßen dieses
gesamte Wesen der Angst zu beobachten.
  
6:24 Und in diesem Beobachten
gibt es keine Vergeudung von Energie.
  
6:30 Und demzufolge löscht
die Gesamtheit dieser Energie
  
6:36 die Angst aus, vollkommen.
 
6:43 Entweder wir hören das Gesagte, machen
eine Abstraktion in der Form einer Idee,
  
6:49 und verfolgen diese Idee,
 
6:55 oder wir beobachten unsere eigene Angst,
ohne eine Abstraktion zu machen,
  
7:01 denn die meisten von uns
haben alle möglichen Ängste.
  
7:05 Momentan
haben wir vielleicht keine Angst,
  
7:08 während wir hier sitzen,
in einer ziemlich heißen Halle,
  
7:15 aber es gibt diese Angst,
versteckt oder offenkundig.
  
7:22 Und wo die Angst ist, gibt es
alle möglichen neurotischen Aktivitäten.
  
7:30 Ist man sich
der gesamten Wurzel der Angst bewusst,
  
7:39 der bewussten und
der versteckten Ängste,
  
7:43 tief in den Nischen
der eigenen Psyche?
  
7:52 Oder hören wir nur
diesen Worten zu,
  
7:57 ohne eine Beziehung zu der Angst,
die wir tatsächlich haben, herzustellen?
  
8:06 Oder hören Sie sehr aufmerksam zu,
 
8:12 entdecken für sich selbst, ob es
falsch oder richtig ist?
  
8:20 Und gerade das Verleugnen
des Falschen
  
8:25 verschwendet viel Energie,
 
8:29 und dann haben Sie diese angesammelte
Energie, um die Angst aufzulösen.
  
8:37 Wir sagten gestern auch, dass wir
über das Vergnügen sprechen würden:
  
8:46 verschiedene Arten des Vergnügens,
das Vergnügen etwas zu besitzen,
  
8:53 das Vergnügen jemand zu werden,
 
9:00 das Vergnügen jeder
sinnlichen Wahrnehmung.
  
9:11 Aber um die Natur des
Vergnügens zu verstehen,
  
9:15 muss man verstehen, was Liebe ist.
 
9:26 Denn wenn man liebt,
wenn das überhaupt möglich ist,
  
9:33 hat das Vergnügen eine
ganz andere Bedeutung.
  
9:37 Es mag überhaupt nicht vonnöten sein.
 
9:43 Deshalb sollten wir, gemeinsam,
 
9:45 wie wir gestern in unserem
Gespräch sagten,
  
9:52 dieses sehr komplexe Problem,
 
9:55 was die Liebe ist, untersuchen.
 
10:03 Und bitte,
dies ist keine Predigt.
  
10:14 Wir haben dieses Wort zerstört.
 
10:19 Wir benutzen es auf so
unterschiedliche Weise:
  
10:24 Die Liebe zum Bergsteigen,
 
10:28 die sexuelle Liebe,
 
10:31 die Liebe zum Erfolg,
 
10:36 die Liebe zur Macht, zum Status,
 
10:42 die Liebe zu etwas, das uns
Vergnügen bereitet, und so weiter.
  
10:52 Was ist der Unterschied
 
10:58 zwischen dem Gedanken,
der das Vergnügen der Liebe erschaffen hat
  
11:06 und der Liebe an sich?
 
11:13 Was ist das Wesen der Liebe,
die nicht Verlangen ist?
  
11:20 - darüber haben wir gestern
kurz gesprochen -
  
11:26 und Liebe, die nicht Vergnügen ist,
 
11:33 Liebe, die keine Erinnerung
an vergangene Ereignisse ist.
  
11:44 Also fragt man, ist Liebe Verlangen?
 
11:53 Ist Liebe Vergnügen?
 
11:58 Eine Erinnerung an
glückliche Ereignisse,
  
12:03 sinnliche oder
psychische.
  
12:14 Ist die Erinnerung
an vergangene Ereignisse,
  
12:24 das Vergnügen, das man aus
diesen Ereignissen zieht,
  
12:30 und die Kultivierung des Verlangens,
 
12:36 ist all das Liebe?
 
12:43 Wie wird man das herausfinden?
 
12:48 denn aus unserem Gespräch
scheint hervorzugehen,
  
12:55 dass ohne diese Qualität,
 
13:01 die man Liebe nennt,
 
13:05 ohne ihren Duft,
 
13:09 ohne ihre Wirklichkeit,
 
13:12 nicht in der wörtlichen Beschreibung,
 
13:18 in der Wirklichkeit
dieser Geisteshaltung,
  
13:24 das muss man ganz tief begreifen,
 
13:29 dass Verlangen, Vergnügen und Erinnerung
 
13:35 in der Liebe
ganz und gar keinen Platz haben.
  
13:43 Ist das überhaupt möglich?
 
13:51 Während wir diese
Angelegenheit hinterfragen,
  
13:55 müssen wir ebenfalls bedenken,
 
13:59 dass das Gehirn
jedes Ereignis speichert.
  
14:10 Es ist ein Speichermechanismus,
wie ein Computer,
  
14:14 es ist also mechanisch.
 
14:21 Und da es mechanisch ist,
 
14:24 ist es ständig im Wiederholen begriffen.
 
14:30 Und wir sind konditioniert,
um das Vergnügen zu wiederholen,
  
14:36 sexueller oder anderer Natur.
 
14:46 Ist es möglich, dass das Gehirn nur
das absolut Notwendige speichert,
  
14:57 und alle Arten psychischer
Ereignisse nicht registriert?
  
15:03 Bitte, dies ist eine sehr
ernste Frage,
  
15:09 denn unsere gesamte Konditionierung,
 
15:16 der Inhalt unseres Bewusstseins,
 
15:21 ist der mechanische Prozess
des Gehirns, das aufzeichnet.
  
15:30 Und so wird unser Leben mechanisch.
 
15:36 In diesem mechanischen Umfeld
mag man etwas erfinden,
  
15:40 doch das entstammt mmer noch
dem Wissen,
  
15:46 und das Wissen ist
immer unvollständig,
  
15:51 mit allem.
 
15:58 Also wird das Denken aus
dem Wissen geboren,
  
16:02 deshalb ist das Denken
immer lückenhaft.
  
16:08 Das Denken bewegt sich immer
im Schatten des Nichtwissens.
  
16:15 Also funktionieren wir immer
im Bereichs des Wissens,
  
16:20 das ist unsere Konditionierung.
 
16:27 Bitte, man darf Sie darauf hinweisen,
 
16:32 und man zögert das zu tun,
 
16:38 bitte folgen Sie all diesen Ausführungen
nicht so als wären es Worte, Ideen,
  
16:45 sondern untersuchen Sie mit dem Sprecher
 
16:50 das Wesen Ihres mechanischen, im
Wiederholen begriffenen Geistes,
  
16:57 ohne etwas zu akzeptieren oder abzulehnen,
 
17:00 doch beobachten Sie genau.
 
17:08 Wenn Sie die Natur Ihres eigenen
Gehirns beobachten,
  
17:15 wie furchtbar konditioniert es ist,
 
17:20 als Brite oder Franzose und so weiter,
 
17:23 und ebenso konditioniert durch
religiöse Konzepte,
  
17:30 konditioniert durch das Klima,
 
17:33 durch Traditionen.
 
17:41 Und wenn wir ein so tiefes Thema
wie das der Liebe hinterfragen,
  
17:52 geziemt es sich, das nicht mit unserer
Konditionierung zu tun.
  
18:00 Also, können wir Ordnung
 
18:06 in unser verwirrtes, chaotisches
Bewusstsein bringen?
  
18:12 Kann es Ordnung in dieser
Unordnung geben:
  
18:16 in unserer gesamten Lebensweise,
 
18:20 unserer Gesellschaft,
 
18:24 unserer Kultur,
 
18:28 der Sprache, die wir benutzen,
 
18:32 unseren so widersprüchlichen Reaktionen,
 
18:40 und unser Bewusstsein samt
Inhalt beobachten?
  
18:47 Denn wenn man es beobachtet,
 
18:49 gibt es darin so viele Widersprüche:
 
18:54 Frieden zu haben,
 
18:57 ein glückliches, kreatives
Leben zu führen,
  
19:04 und dennoch genau das Gegenteil
von dem zu tun.
  
19:11 Also befindet sich unser Bewusstsein
in einem ständigen
  
19:17 und ziemlich chaotischen Konflikt.
 
19:22 Und ist es möglich,
Ordnung zu schaffen?
  
19:33 Denn Ordnung ist die höchste Tugend.
 
19:42 Ordnung steht in keinem Verhältnis
zur Unordnung.
  
19:52 Ein ungeordnetes Gehirn,
Bewusstsein zu haben,
  
20:00 und dabei Ordnung in die Unordnung bringen
zu wollen,
  
20:04 ist immer noch Unordnung.
 
20:08 Richtig?
Ich hoffe wir verstehen uns.
  
20:13 Wenn ich verwirrt bin,
unordentlich und chaotisch,
  
20:18 und ich versuche in diesem Durcheinander
eine Ordnung zu finden,
  
20:24 ist diese Ordnung immer noch Unordnung.
 
20:30 Ordnung gibt es nur, wenn die
Unordnung vollkommen beseitigt ist.
  
20:38 Das heißt,
die Unordnung drückt sich im Konflikt aus,
  
20:47 im Widerspruch,
 
20:50 wenn man eine Sache sagt
und eine andere andere tut,
  
20:55 wenn man eine Sache denkt
und vollkommen anders handelt.
  
21:00 wir sind solche
 
21:03 - wenn man das sagen darf ohne
Anstoß zu erregen -
  
21:10 wir sind solche Heuchler.
 
21:19 Und aus dieser Unordnung heraus
versuchen wir Ordnung zu finden.
  
21:26 Also kann die Unordnung aufhören,
 
21:29 denn wenn die Unordnung
vollkommen beendet wird,
  
21:33 gibt es höchste Ordnung.
 
21:39 Also müssen wir herausfinden, was
Unordnung ist, wie sie entsteht.
  
21:48 Ich hoffe, Sie sind an
all dem interessiert.
  
21:56 Da Sie hier sind,
 
21:57 sind Sie möglicherweise ein wenig an
all dem interessiert,
  
22:01 nicht zutiefst,
 
22:05 vielleicht ist das
Wetter so schön,
  
22:06 dass Sie lieber draußen
Golf spielen würden.
  
22:11 Aber da Sie hier sind,
 
22:17 an einem heißen, ungemütlichen Ort sitzen,
 
22:23 erwägen Sie bitte ernsthaft,
was der Sprecher zu sagen hat,
  
22:31 tun Sie es nicht ab.
 
22:35 Denn die Welt befindet sich in
vollkommener Unordnung,
  
22:41 Die Welt ist in einem
Zustand des Irrsinns:
  
22:48 es wird von Frieden geredet
und man bringt sich gegenseitig um
  
22:54 es wird von Frieden geredet
und es werden Waffen verkauft.
  
23:00 All das passiert,
 
23:02 wir sprachen gestern kurz darüber.
 
23:08 Es ist eine sehr ernste Angelegenheit,
 
23:12 kein Vergnügen,
 
23:16 und unser Geist ist
Vergnügen gewohnt.
  
23:22 Also bitte schenken Sie all dem
Ihre volle Aufmerksamkeit,
  
23:28 wenn Sie mögen.
 
23:35 Was ist Unordnung?
 
23:39 Denn wo Unordnung ist,
kann die Liebe nicht sein,
  
23:46 wo es Angst gibt,
gibt es keine Liebe,
  
23:50 wo es lediglich um die Suche nach
dem Fortbestand des Vergnügens geht,
  
23:58 kann die Liebe unmöglich sein.
 
24:02 Also muss man fragen,
 
24:08 - wenn Sie überhaupt ernsthaft
und sehr, sehr ehrlich sind -
  
24:18 was ist das Wesen der Unordnung,
 
24:23 weshalb leben wir in einer
solchen Unordnung.
  
24:30 Ist die Unordnung nicht ein Widerspruch?
 
24:37 Ist Unordnung nicht das,
was sich im Konflikt äußert,
  
24:48 psychisch, im innen oder außen?
 
24:56 Ist die Unordnung nicht die
Verfolgung eines Ideals,
  
25:08 wenn man mit Tatsachen
konfrontiert ist?
  
25:16 Gibt es nicht Unordnung,
 
25:20 wenn die Zukunft
verlockender ist als die Gegenwart?
  
25:27 - und so weiter.
 
25:33 Also ist die Unordnung
im Wesentlichen ein Widerspruch.
  
25:42 Also, wie wir gestern sagten,
 
25:46 sind Menschen gewalttätig,
 
25:50 das ist eine Tatsache.
 
25:56 Bei der geringsten Herausforderung
 
26:02 oder Verletzung oder Beleidigung
sind wir gewillt einander zu töten.
  
26:11 Nach zwei schrecklichen Kriegen
fahren wir fort mit Kriegen,
  
26:17 und wir reden immer noch vom Frieden,
 
26:19 das ist ein Widerspruch,
 
26:23 eine vollkommene Unehrlichkeit.
 
26:31 Und wo es in der Beziehung untereinander
Konflikt gibt:
  
26:38 Mann, Frau, mit dem Nachbarn,
 
26:40 oder einem Nachbarn,
tausende von Meilen weit weg,
  
26:50 wo es in unseren Beziehungen
Konflikt gibt,
  
26:53 muss es Unordnung geben.
 
26:58 Wenn wir das sofort erkennen,
 
27:03 es nicht rationalisieren,
diskutieren, klug reden,
  
27:08 aber die Wahrheit darin sehen,
 
27:13 sofort,
 
27:18 dass es nur diese Tatsache gibt,
wir sind gewalttätig,
  
27:25 und nicht zu versuchen,
gewaltfrei zu werden.
  
27:31 Während Sie versuchen
gewaltfrei zu werden,
  
27:34 sind Sie gewalttätig.
 
27:37 Andererseits, wenn wir die Tatsache
sehen, dass wir gewalttätig sind,
  
27:44 über Jahrhunderte vererbt,
 
27:49 von den Tieren vererbt, und so weiter.
 
27:57 Wissen Sie, das Falsche zu sehen,
 
28:07 unsere Illusionen zu sehen,
 
28:15 und sich vom Falschen abzuwenden,
was dann da ist, ist die Wahrheit.
  
28:22 Doch wir haben so viele Illusionen,
 
28:26 und dies sind die Faktoren, die
zu unserer Unordnung beitragen.
  
28:31 Dieser ganzen Bewegung
der Unordnung gewahr zu sein,
  
28:36 nicht zu sagen ich muss sie auflösen,
um Ordnung zu haben,
  
28:44 sondern sie genau zu beobachten,
 
28:52 mit all Ihrer Energie,
 
28:58 dann verschwindet dieser Zustand
der Unordnung in uns vollkommen.
  
29:08 Das heißt
unser Haus in Ordnung bringen.
  
29:12 Dann gibt es Ordnung,
und es gibt keinen Gegensatz.
  
29:19 Sie meinen genau was Sie sagen,
 
29:25 es gibt keine widersprüchlichen Aussagen.
 
29:32 Das heißt, man muss
sich selbst ein Licht sein,
  
29:37 niemandem nachfolgen.
 
29:41 Im Bereich des Geistes
gibt es keine Autorität,
  
29:50 keinen Vermittler
 
29:53 zwischen Ihnen
und dieser Realität, dieser Wahrheit.
  
30:00 Aber wir haben es zugelassen
Vermittler zu haben,
  
30:05 Führer, und so weiter.
 
30:11 Also wenn wir das Wesen
dieser Unordnung verstehen,
  
30:16 dann entsteht daraus auf natürliche,
einfache, liebliche Weise, Ordnung,
  
30:25 die die höchste Form der Tugend ist,
 
30:29 in unseren Taten,
in unserem Denken, und so weiter.
  
30:35 Und wie wir sagten,
 
30:37 wenn in uns Unordnung und
Widerspruch ist,
  
30:42 ist die Liebe nicht möglich.
 
30:46 Ich könnte meiner Frau - vorausgesetzt,
ich habe eine Frau oder eine Freundin -
  
30:50 sagen, ich liebe dich.
 
30:51 Aber das ist nur
eine angenehme Redensart.
  
30:58 Doch Liebe erfordert, dass man
sie hinterfragt.
  
31:05 Wir können einander nicht lieben,
wenn wir irgend einer Gruppe,
  
31:13 einer Nationalität, Religion angehören.
 
31:21 Um zu lieben muss Freiheit da sein,
vollkommene Freiheit.
  
31:25 Dieses Wort Freiheit
ist der Ausdruck von Liebe.
  
31:33 Das Wort an sich, Freiheit,
bedeutet Liebe.
  
31:45 Und ohne Liebe
gibt es kein Mitgefühl,
  
31:49 der Dienst am Nächsten, Gutes tun,
nett sein,
  
31:55 zärtlich, großzügig,
haben nichts mit Mitgefühl zu tun,
  
32:00 sie sind nur ein Bestandteil der
Anteilnahme, ein natürlicher Ausdruck davon.
  
32:06 Doch das Mitgefühl erfordert
sehr viel Intelligenz.
  
32:19 Die Intelligenz des Denkens,
die Cleverness,
  
32:23 ist nicht Intelligenz.
 
32:30 Diese höchste Form von Intelligenz
ist nur dort wo Mitgefühl ist,
  
32:35 Liebe und Ordnung.
 
32:42 Nun können wir zum
nächsten Thema kommen.
  
32:47 Es kann keine Liebe geben,
wenn Neid, Hass im Spiel sind.
  
32:57 Kein Gefühl von Feindseligkeit.
 
33:02 Wie können Sie sich gegenseitig töten,
wenn sie wirklich lieben,
  
33:08 sei es für Ihr Land,
für Ihre Interessen,
  
33:11 für Gott oder für wen auch immer, wie
können Sie sich töten, wenn Sie lieben?
  
33:19 Bitte, dies alles
ist eine sehr ernsthafte Angelegenheit,
  
33:23 bitte bedenken Sie all das,
 
33:26 denn wir leben in einer Welt,
die furchtbar gefährlich ist,
  
33:30 die gefährlich geworden ist,
 
33:34 vollkommen unsicher,
 
33:38 und ohne
diese Qualität der Intelligenz,
  
33:43 die aus dem Mitgefühl und der Liebe
geboren ist
  
33:48 können wir keine vollkommen
andere soziale Ordnung schaffen.
  
34:04 Wir sollten auch darüber sprechen,
 
34:12 ob das Leid enden kann,
 
34:17 und wie verhält sich die
Liebe zum Leid.
  
34:27 Kann es Liebe geben,
wo Leid ist,
  
34:33 sowohl im Innen wie im Außen?
 
34:42 also sollten wir darüber sprechen,
 
34:45 ob es möglich ist,
das Leiden zu beenden,
  
34:53 diese furchtbare Last,
die die Menschheit
  
34:57 seit Millionen von Jahren mit sich
herumgetragen hat.
  
35:03 Es gibt nicht nur das
persönliche Leid,
  
35:09 sondern das Leid der Welt.
 
35:13 Menschen, die ohne Kleidung,
ohne Nahrung aufgewachsen sind,
  
35:20 oder mit nur einer Mahlzeit am Tag,
 
35:26 die im Zustand der Erniedrigung, Armut
 
35:33 leben, und diese schrecklichen Kriege.
 
35:39 Wie viele Menschen haben Tränen vergossen.
 
35:45 Und offensichtlich scheinen wir
daraus nicht zu lernen,
  
35:49 wir fahren noch immer fort
wie primitive Völker,
  
35:55 Barbaren, die einander töten.
 
35:59 Wir sollten also überlegen,
 
36:03 was ist das Verhältnis der
Liebe zum Schmerz.
  
36:11 Wenn man seinen Bruder verliert,
seine Frau, seine Kinder,
  
36:21 und man eine Bindung hat,
 
36:26 ist diese Bindung Liebe?
 
36:31 Wo es Bindung gibt,
muss es Leid geben.
  
36:43 Die Bindung gebiert Furcht, Angst,
 
36:53 Schmerz, Trauer,
 
36:57 ein Gefühl des vollkommenen Verlusts
 
37:04 - und das bringt Leid hervor.
 
37:11 Ist es möglich, einander zu lieben,
ohne vollkommene Bindung,
  
37:17 ohne irgend eine Art der Bindung?
 
37:29 Und wenn wir dieser Angelegenheit
nicht für uns selbst ganz tief
  
37:34 auf den Grund gehen,
 
37:38 hat es sehr wenig Bedeutung, über
die Liebe zu sprechen.
  
37:45 Vielleicht haben einige von Ihnen
dem Sprecher
  
37:49 über die letzten 60 Jahre zugehört,
 
37:55 und wir sind noch immer in der
alten Tradition und den alten Gewohnheiten
  
38:01 der Verbundenheit gefangen, und
den Versuchen, uns zu distanzieren.
  
38:04 Den Anstrengungen, uns zu distanzieren.
 
38:10 Diese Distanziertheit führt zu
Zynismus, Grausamkeit,
  
38:16 während, wenn wir die
Natur der Verbundenheit verstehen,
  
38:20 sie genau untersuchen und
deren Auswirkungen erkennen,
  
38:26 wenn wir das Falsche erkennen,
verschwindet es von selbst.
  
38:35 Wir haben keine Zeit, uns weiter
mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen,
  
38:37 denn wir müssen über noch
andere Dinge sprechen,
  
38:43 wenn Sie nicht zu müde sind.
 
38:48 Wir sollten über ein sehr komplexes
Problem sprechen,
  
38:52 was derTod ist.
 
38:58 Weshalb Menschen
in der gesamten Welt
  
39:01 - egal welcher Hautfarbe,
welcher Nationalität,
  
39:03 welcher Rasse,
welcher Religion,
  
39:07 eine solche Angst vor dem Tod haben.
 
39:13 Entweder betrachten Sie das Leben
als eine wunderschöne Erfahrung,
  
39:16 und wenn Sie sterben, sagen Sie,
ich habe ein wunderschönes Leben gehabt.
  
39:25 Aber diejenigen,
die ziemlich ernsthaft sind
  
39:29 in ihrem Versuch, den
Sinn des Todes herauszufinden,
  
39:40 müssen nicht nur
die Angst hinterfragen,
  
39:46 die wir untersucht haben,
 
39:47 aber auch den Tod
- das Ende.
  
39:53 Was bedeutet das Ende?
 
40:00 Warum haben wir solche Angst,
wenn Dinge zu Ende gehen ?
  
40:11 Ich werde meinen Bruder verlieren,
 
40:16 er ist tot, er stibt.
 
40:23 Und ich bin ihm verbunden,
ich mag ihn,
  
40:26 seine Gesellschaft,
und alles andere,
  
40:28 oder meine Frau,
oder meine Schwester oder Freundin.
  
40:38 Und ich habe Angst vor dem Verlust,
 
40:41 Angst davor, vollkommen einsam zu sein,
 
40:51 dem Alter gegenüberzutreten,
ohne eine Gemeinschaft zu haben.
  
40:59 Oder wenn man jung ist,
wird dasselbe Muster wiederholt,
  
41:03 wenn man überhaupt darüber nachdenkt.
 
41:09 Also was ist der Tod,
was ist der Sinn des Todes,
  
41:14 das heißt das Ende,
das Ende von allem:
  
41:25 Das Ende Ihres Besitzes,
 
41:29 das Ende Ihrer Erinnerungen,
 
41:34 das Ende Ihrer Bindungen,
 
41:40 das Ende aller angenehmen
oder unerfreulichen Gewohnheiten.
  
41:50 Also sollten wir untersuchen,
nicht was der Tod ist,
  
41:55 sondern vielmehr, was das
Ende des Bekannten bedeutet.
  
42:07 Denn unser Verstand, unser Gehirn
 
42:10 hat immer innerhalb des
Bekannten funktioniert.
  
42:18 Und wenn es herausgefordert wird,
 
42:23 das heißt wenn das Bekannte endet,
 
42:26 was den Tod bedeutet,
 
42:28 hat es Angst,
es fürchtet sich und verkümmert.
  
42:36 Also ist es möglich,
Dinge zu beenden während wir leben,
  
42:43 keinen Selbstmord zu begehen,
das meine ich nicht,
  
42:46 wenn ich beenden sage.
 
42:50 Nehmen wir als Beispiel
das Ende von Bindungen,
  
42:59 die Verbundenheit mit der Arbeit,
dem Namen, der Familie,
  
43:07 den Ideen,
dem Glauben und den Lehren,
  
43:11 Das Ende des Gottes,
wenn man einen Gott hat.
  
43:20 Die vollkommene Verneinung
- das ist die Essenz des Todes -
  
43:27 von allem Bekannten.
 
43:34 Das ist der Tod.
 
43:37 Also während wir leben,
mit all unserer Energie, Klarheit,
  
43:45 ist das Ende des Bekannten der Tod,
 
43:52 also können wir zu jeder Zeit
mit dem Tod leben?
  
43:56 Ich frage mich, ob Sie verstehen,
wovon ich spreche.
  
44:01 Ich lebe, mit viel Vitalität,
Energie, Tatkraft, Klarheit,
  
44:08 doch bin ich an etwas gebunden.
 
44:10 Ich bin abhängig von meinem Ruf,
während ich hier sitze und mit Ihnen spreche.
  
44:19 Ich bin davon abhängig,
glaube ich.
  
44:28 Diese Abhängigkeit zu beenden,
 
44:33 vor großen Versammlungen zu sprechen,
in der ganzen Welt,
  
44:39 vollkommen,
 
44:42 ohne Anstrengung,
dieses Gefühl der Abhängigkeit zu beenden,
  
44:51 denn das ist der Tod.
 
44:54 Also während wir leben,
 
44:59 mit diesem fortwährenden Beenden
von Anhäufung zu leben,
  
45:05 dem sofortigen Ende jeder Aufzeichnung.
 
45:09 Das erfordert große
Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Energie.
  
45:19 Wenn Sie das einmal wahrgenommen haben,
 
45:22 wird es wie ein Fluss, voll mit
fließendem Wasser.
  
45:33 Ich weiß nicht, wie spät es ist.
 
45:43 Wir sollten auch,
 
45:48 wenn Sie nicht zu müde sind,
 
45:51 über die Frage der Religion sprechen,
 
45:58 Meditation,
 
46:00 und ob es etwas gibt, das heilig ist.
 
46:09 Der Sprecher
behandelt Meditation und Religion
  
46:15 am Ende des Vortrags,
 
46:17 denn wenn wir zu Beginn über
Religion und Meditation sprechen,
  
46:26 kann ein Geist, der verwirrt,
unordentlich ist,
  
46:30 unmöglich meditieren
- es hat keinen Sinn.
  
46:36 Er mag alle möglichen unsinnigen
Theorien praktizieren.
  
46:43 Bitte seien Sie durch das, was der
Sprecher sagt, nicht beleidigt.
  
46:51 Also sollten wir erwägen,
was ein religiöser Geist ist.
  
47:04 Religionen in aller Welt
 
47:08 haben in unserem Leben eine
außergewöhnlich große Rolle gespielt,
  
47:13 ernsthaft oder oberflächlich.
 
47:19 Es ist zu einer Unterhaltung geworden.
 
47:25 Alle Worte und Symbole,
 
47:30 und die Prozessionen,
 
47:33 und alle Dinge, die
im Namen der Religion geschehen,
  
47:40 haben ihren Ursprung im Denken.
 
47:49 Und das Denken,
- das haben wir neulich besprochen,
  
47:52 gestern und vorher -
 
47:55 ist ganz und gar nicht heilig,
 
47:58 es ist ein rein materieller Prozess,
 
48:03 aus dem Wissen, der Erinnerung geboren,
 
48:07 im Gehirn gespeichert.
 
48:12 Um also erst einmal herauszufinden,
was ein wahrhaft religiöser Geist ist,
  
48:19 müssen wir frei sein
von allem religiösen Dogma,
  
48:23 sei es nun hinduistisch, buddhistisch,
 
48:26 christlich oder was auch immer,
muslimisch, aus der islamischen Welt,
  
48:30 vollkommen frei davon.
 
48:42 Denn das ist Teil unserer Konditionierung.
 
48:44 Wir sind seit 2000 Jahren als
Christen programmiert worden,
  
48:51 3 bis 5000 Jahre als
Hindus, Buddhisten, und so weiter.
  
49:01 Denn um selbst herauszufinden,
was ein religiöser Geist ist,
  
49:07 muss es vollkommene Freiheit geben
von aller Orthodoxie, Tradition,
  
49:16 allem Zeitvertreib,
der im Namen der Religion geschieht.
  
49:27 Denn in diesen Ideen,
in diesen Konzepten,
  
49:30 in den Symbolen, den Erlösern,
haben wir Sicherheit gefunden,
  
49:34 in einem komplexen,
elenden, verwirrenden Leben.
  
49:43 Darin besteht unsere Flucht.
 
49:48 Doch wenn wir jetzt hier in
unserem Leben Ordnung geschaffen haben,
  
49:56 dann gibt es keine Angst,
 
50:00 und der Geist, der vollkommen
frei von jedem Schatten der Angst ist,
  
50:05 psychisch,
 
50:08 hat diese Qualität
eines religiösen Geistes.
  
50:17 Und Glaubensinhalte,
 
50:19 seien es der
christliche Glaube oder der buddhistische,
  
50:23 oder der hinduistische,
oder der Glaube der Muslime,
  
50:30 warum sollten wir
überhaupt einen Glauben haben?
  
50:35 Der Glaube an Gott
 
50:40 - Gott ist eine Erfindung des Denkens,
 
50:45 denn Gott ist die
letztendliche Sicherheit.
  
50:54 Und im Namen Gottes haben wir
schreckliche Dinge getan,
  
51:01 Menschen verbrannt, sie gefoltert.
 
51:10 Also muss man vollkommen frei von
jeglichem Glauben und Dogma sein.
  
51:23 Weshalb sind wir so leichtgläubig,
 
51:28 wenn wir über religiöse Dinge sprechen?
 
51:32 Offensichtlich gebrauchen wir nicht
unseren gesunden Menschenverstand.
  
51:40 Wir akzeptieren alles.
 
51:48 Und Skepsis und Zweifel sind in der
christlichen Welt verpönt.
  
51:59 In der hinduistischen und buddhistischen
organisierten Religion
  
52:06 wird zum Zweifel ermutigt,
 
52:09 der Zweifel ist Teil derTugend.
 
52:14 Also kann der Geist nur in diesem Sinne
verstehen, was Religion ist,
  
52:22 herausfinden,
 
52:27 oder dem begegnen,
was heilig ist
  
52:30 - falls es etwas Heiliges gibt.
 
52:39 Denn die technologische Kultur
 
52:46 kann unmöglich eine vollkommen
 
52:50 globale Kultur, Religion hervorbringen,
 
53:00 das ist unmöglich
 
53:03 - ein globaler Zusammenhang
der Menschheit,
  
53:09 was das einzige Ziel
jeglicher Politik ist.
  
53:25 Und um das zu erreichen:
 
53:28 Wenn es irgend etwas Heiliges gibt,
das kein Gedanke erfunden hat,
  
53:36 ist Meditation notwendig.
 
53:45 Indien hat dieses Wort leider kürzlich
in die westliche Welt gebracht.
  
53:57 Die christliche Welt hatte ihre eigene
kontemplative Ordnung,
  
54:02 ihre kontemplative Geisteshaltung.
 
54:12 Doch die Gurus und andere haben
diese Idee der Meditation gebracht.
  
54:22 Und diese Leute haben ihre alte Tradition
 
54:29 aus Tibet mitgebracht,
 
54:32 vom Zen in Japan,
 
54:36 aus Burma, aus Indien,
 
54:40 Der Unfug begann zuerst in Indien:
 
54:49 Dass Meditation bedeutet, etwas
praktizieren zu müssen,
  
54:53 eine Methode,
 
54:56 üben still zu sein,
 
55:00 Gewahrsein zu üben,
 
55:05 den Moment, der die Gegenwart ist,
und so weiter
  
55:10 - praktizieren.
 
55:17 Wenn Sie etwas praktizieren,
wiederholen Sie.
  
55:24 Wenn Sie Klavier spielen
und Sie üben,
  
55:27 könnten Sie den falschen Ton üben.
 
55:35 Aber hier denken Sie, es sei nötig,
Tag für Tag zu üben,
  
55:43 ein Gelübte ablegen, ein Mönch sein,
 
55:45 Sie kennen das Geschäft - die Zeit
ist nicht da, um das auszuführen.
  
55:49 Also üben wir.
 
55:51 Je mehr Sie üben, desto mehr wird
Ihr Gehirn abstumpfen,
  
55:56 offensichtlich.
 
55:59 Ob Sie nun verschiedene Systeme der
Meditation praktizieren,
  
56:06 was bedeutet, dass Ihr Gehirn immer
mechanischer wird,
  
56:11 es ist nie frei.
 
56:16 Und um dem zu begegnen, was
namenlos, zeitlos, heilig ist,
  
56:24 muss vollkommene Freiheit da sein,
 
56:29 nicht herbeigeführt durch das Verlangen,
durch Gedanken,
  
56:35 sondern durch das Beenden
dessen, was nicht frei macht,
  
56:39 wie Anhaftungen,
 
56:41 wie das Streben nach Vergnügen,
 
56:45 wie die Selbstverwirklichung,
das eigennützige Verhalten, und so weiter.
  
56:51 Dies erfordert ein großes Maß
an Hinterfragen,
  
56:56 ein großes Maß an Energie,
Wahrnehmung,
  
57:01 nicht sich selbst zu kennen
 
57:08 durch irgend eine Form der Analyse,
 
57:16 sondern sich zu kennen
durch Beobachtung,
  
57:19 durch unsere Reaktionen in unserem
menschlichen Miteinander.
  
57:25 Diese Reaktionen zeigen uns, wer wir sind.
 
57:31 Und wenn offenbar wird, was wir sind,
 
57:34 wird diese Offenbarung zu unserem Wissen,
 
57:37 und auf diese Weise sammeln wir immer
mehr Wissen über uns an.
  
57:42 Und dieses Wissen wird zum
Hindernis zur Freiheit.
  
57:48 Bitte, ich habe keine Zeit darauf einzugehen,
sehen Sie nur schnell die Wahrheit darin.
  
57:55 Also fragt man sich,
 
57:58 können das Denken und die Zeit aufhören?
 
58:07 Denn wenn wir in der Zeit sind,
 
58:12 das heißt im Denken,
 
58:17 - diese immerwährende Beschaftigung,
 
58:21 die meisten von uns sind ständig
damit beschäftigt,
  
58:25 über Dinge nachzudenken,
 
58:33 ist das Gehirn nie still,
 
58:38 ständig am Tasten, Suchen,
sich Erinnern, Hoffen.
  
58:47 Solch ein Geist ist offensichtlich nie still.
 
58:56 Doch wahrzunehmen, dass er nicht still ist
 
58:59 - ohne Richtung, ohne zu sagen, dass
er still sein muss -
  
59:03 wenn wir das wahrnehmen,
 
59:07 wird er außergewöhnlich still,
 
59:11 ohne Zwang, ohne Übung.
 
59:15 Das erfordert große Empfindsamkeit,
 
59:18 Aufmerksamkeit, Gewahrsam.
 
59:27 Nur wenn der Geist vollkommen still ist,
 
59:34 eine Stille, die nicht
den Gedanken entspringt,
  
59:41 es ist keine Stille zwischen Geräuschen,
 
59:47 zwischen zwei Geräuschen oder
zwischen zwei Gedanken
  
59:50 - diese Stille ist nicht das.
 
59:53 Diese Stille erfordert vollkommene
Freiheit von aller eigennütziger Aktivität,
  
1:00:01 von dem Streben nach Vergnügen,
von der Angst und so weiter.
  
1:00:06 Nur in dieser vollkommenen Stille
 
1:00:11 kann das Namenlose sein.
 
1:00:44 Darf ich aufstehen?
 
1:00:49 Bitte klatschen sie nicht.
 
1:00:54 Das macht nur Lärm.