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Ihr Denken entscheidet darüber, was Sie sind

New York - 18 April 1971

Public Talk 2



0:25 Wir haben gestern
 
0:30 über die Bedeutung von
Beziehungen nachgedacht,
  
0:41 und darüber, wie wir immer
in der Vergangenheit leben.
  
0:49 Wir möchten herausfinden,
ob es überhaupt möglich ist,
  
0:55 unsere Lebensweise radikal
zu verändern.
  
1:04 Wir werden gemeinsam
der Frage nachgehen,
  
1:10 was im Bewusstsein verborgen ist,
 
1:17 in den tieferen Schichten des Geistes,
 
1:23 was gemeinhin
das Unbewusste genannt wird.
  
1:28 Denn es liegt uns daran,
 
1:35 in uns selbst, und folglich in
der Gesellschaft
  
1:42 eine radikale Revolution herbeizuführen.
 
1:47 Die physische Revolution,
 
1:53 die heutzutage überall in der Welt
propagiert wird,
  
2:02 führt nicht dazu, den Menschen
fundamental zu verändern.
  
2:12 Und es ist unabdingbar,
dass in einer korrupten Gesellschaft,
  
2:16 wie sie hier und in Europa und
in Indien und anderswo existiert,
  
2:22 ein fundamentaler Wandel in eben jener
Gesellschaftsstruktur geschieht.
  
2:31 Wenn der Mensch selbst korrupt bleibt,
 
2:37 in seinen Handlungen,
 
2:41 wird er jedwede Struktur beseitigen,
 
2:46 wie perfekt diese auch sein mag.
 
2:48 Es ist also ein Gebot der Stunde,
 
2:51 absolut essentiell,
dass er umkehrt.
  
3:01 Kann dieser Wandel graduell bewirkt werden,
über eine gewisse Zeitspanne hinweg,
  
3:12 durch allmähliche Errungenschaften,
 
3:16 durch einen allmählichen Wandel,
 
3:23 oder wird sich dieser Wandel
in einem einzigen Augenblick vollziehen?
  
3:30 Das werden wir jetzt
gemeinsam untersuchen.
  
3:37 Wir erkennen, dass ein Wandel
in uns selbst stattfinden muss.
  
3:44 Je sensibler,
 
3:46 je wacher und je intelligenter wir sind,
 
3:52 desto mehr erkennen wir, dass
 
3:58 ein tiefer, bleibender,
lebendiger Wandel unumgänglich ist.
  
4:09 Der Inhalt des Bewusstseins
macht das Bewusstsein aus,
  
4:13 beide sind nicht voneinander getrennt.
 
4:17 Was in das Bewusstsein
eingepflanzt wurde,
  
4:20 macht das Bewusstsein aus.
 
4:30 Um einen Wandel im Bewusstsein
herbeizuführen,
  
4:35 sowohl im oberflächlichen
wie im versteckten,
  
4:40 ist man dafür
auf eine die Analyse angewiesen?
  
4:53 Ist man auf Zeit angewiesen,
 
4:57 oder ein Einwirken der Umgebung,
 
5:05 oder sollte der Wandel
 
5:09 völlig unabhängig von
jeglichem Druck geschehen,
  
5:16 von jeglicher Anstrengung,
jeglichem Zwang?
  
5:24 Wissen Sie,
es wird nicht einfach sein,
  
5:27 dieser Frage nachzugehen,
denn sie ist ziemlich umfangreich,
  
5:32 und ich hoffe, dass wir beide
 
5:37 in der Lage sein werden,
das Gesagte zu teilen.
  
5:53 Ich weiß nicht recht, wo wir
anfangen sollen, wissen Sie es?
  
6:10 Sehen Sie, wenn diese Angelegenheit
nicht sehr ernsthaft behandelt wird,
  
6:16 wenn wir uns nicht wirklich bemühen,
 
6:21 mit tiefem Interesse,
mit Leidenschaft,
  
6:24 fürchte ich, dass wir nicht sehr weit
kommen werden.
  
6:32 Weit kommen nicht im zeitlichen
oder räumlichen Sinn,
  
6:36 sondern in uns selbst, in der Tiefe.
 
6:40 Dafür benötigen wir
außerordentliche Leidenschaft,
  
6:45 außerordentlich viel Energie,
 
6:50 doch die meisten von uns verschwenden
ihre Energie in Konflikten,
  
6:56 und um diese ganze Angelegenheit
des Daseins zu untersuchen,
  
7:04 wird Energie benötigt.
 
7:08 Energie stellt sich ein, wenn
eine Veränderung möglich ist.
  
7:15 Wenn keine Veränderung möglich ist,
 
7:18 verkümmert die Energie.
 
7:24 Wir glauben, dass wir uns
unmöglich verändern können,
  
7:28 wir akzeptieren die Dinge so wie sie sind,
 
7:35 und werden dabei
ziemlich mutlos, deprimiert,
  
7:41 und unsicher und verwirrt.
 
7:46 Eine radikale Veränderung ist möglich,
 
7:51 und das werden wir untersuchen.
 
7:55 Wenn Sie den Worten des Sprechers
nicht genau folgen,
  
8:01 sondern seine Worte als Spiegel benutzen,
 
8:08 um sich selbst zu beobachten,
 
8:17 und um mit Leidenschaft,
mit Interesse, mit Lebendigkeit,
  
8:21 und mit viel Energie nachzuforschen,
 
8:24 dann werden wir möglicherweise
an einen Punkt gelangen,
  
8:31 an dem offenbar wird,
 
8:36 dass der radikale Wandel geschieht,
 
8:41 ohne jegliche Anstrengung,
 
8:45 ohne jegliches Motiv.
 
8:58 Wie wir gestern sagten,
 
9:02 gibt es nicht nur das oberflächliche
Wissen über unser Selbst,
  
9:07 sondern es gibt auch
den tiefen, versteckten
  
9:16 Inhalt unseres Bewusstseins.
 
9:21 Wie wird man dem auf die Spur kommen?
 
9:25 Wie kann man diesen gesamten Inhalt
aufdecken?
  
9:32 Sollte das nach und nach,
langsam, allmählich geschehen,
  
9:41 oder sollte der Inhalt
vollkommen aufgedeckt
  
9:52 und augenblicklich verstanden werden,
 
9:56 wobei der gesamte analytische Prozess
ein Ende findet?
  
10:04 Wir werden jetzt dieses Thema
der Analyse untersuchen.
  
10:15 Für mich, den Sprecher,
 
10:19 ist die Analyse
eine Weigerung zu handeln,
  
10:29 da eine Handlung immer
in der Gegenwart stattfindet.
  
10:36 Handlung bedeutet nicht 'getan haben'
oder 'tun werden', sondern tun.
  
10:44 Die Analyse verhindert
ein Handeln in der Gegenwart,
  
10:53 denn die Analyse beinhaltet Zeit,
 
11:05 sozusagen ein schrittweises Freilegen
aller Schichten,
  
11:13 wobei jede Schicht untersucht
 
11:18 und der Inhalt jeder Schicht
analysiert wird.
  
11:25 Und wenn diese Analyse nicht vollkommen,
vollständig, wahrhaftig ist,
  
11:34 dann wird diese Analyse,
da sie unvollständig ist,
  
11:43 ein Wissen hinterlassen,
 
11:50 das nicht allumfassend ist.
 
11:54 Dann basiert die darauf folgende Analyse
auf diesem Unvollständigen.
  
12:02 Können wir all dem folgen?
 
12:06 Sehen Sie, ich beobachte mich,
ich analysiere mich,
  
12:13 und wenn meine Analyse nicht vollständig,
wahrhaftig ist,
  
12:19 dann wird aus dieser Analyse das Wissen,
 
12:25 mit dem ich
die nächste Schicht analysiere.
  
12:34 Dieser Prozess bewirkt,
 
12:37 dass jede Analyse unvollständig bleibt,
 
12:46 was zu weiteren Konflikten führt
und ein Handeln verhindert.
  
12:56 Soll ich fortfahren?
 
13:00 In der Analyse
 
13:03 gibt es den Analysierenden und denjenigen,
der analysiert wird,
  
13:09 sei der Analysierende nun ein Fachmann
 
13:13 oder Sie selbst, der Laie.
 
13:17 Es gibt diese Dualität,
 
13:22 den Analysierenden, der analysiert,
 
13:27 der etwas analysiert, von dem er glaubt,
es sei von ihm verschieden.
  
13:38 Und der Analysierende,
 
13:43 was ist er?
 
13:45 Er ist die Vergangenheit,
 
13:47 Er ist das angesammelte Wissen von
all den Dingen, die er analysiert hat.
  
13:55 Und mit diesem Wissen
aus der Vergangenheit
  
14:00 analysiert er die Gegenwart.
 
14:05 Dieser Prozess birgt Konflikt in sich,
 
14:11 denn es wird nach
Entsprechungen gesucht,
  
14:17 oder dem Analysierten wird
eine Richtung vorgegeben.
  
14:27 Und in der Analyse
 
14:30 gibt es diesen gesamten Prozess
des Träumens.
  
14:40 Ich weiß nicht, ob Sie sich
jemals damit befasst haben,
  
14:43 vielleicht haben Sie auch Bücher
darüber gelesen.
  
14:48 Das wäre sehr bedauerlich,
 
14:53 denn dann wiederholen sie nur,
was andere Leute gesagt haben,
  
14:57 wie spezialisiert, wie berühmt
diese auch sein mögen.
  
15:03 Aber wenn Sie nicht
all diese Bücher lesen,
  
15:06 das tut der Sprecher auch nicht,
denn sie sind ziemlich langweilig,
  
15:11 dann müssen Sie selbst nachforschen,
 
15:15 das wird dann viel spannender,
 
15:19 viel origineller,
viel direkter und wahrhaftig.
  
15:30 Im Prozess der Analyse
 
15:37 gibt es diese Traumwelt,
 
15:44 und wir akzeptieren,
dass Träume notwendig sind,
  
15:48 da die Fachleute gesagt haben,
 
15:50 dass Sie träumen müssen,
um nicht verrückt zu werden,
  
15:54 und darin liegt eine gewisse Wahrheit.
 
16:01 Was sind Träume?
 
16:05 All diese Fragen untersuchen wir,
 
16:09 da wir versuchen, herauszufinden,
 
16:12 ob ein radikaler Wandel möglich ist.
 
16:20 Inmitten all dieser Verwirrung,
diesem Leid,
  
16:24 all dem Haß in der Welt,
all dieser Brutalität,
  
16:30 in der es kein Mitleid gibt
 
16:35 muss man diese Dinge hinterfragen,
wenn man es ernst meint.
  
16:44 Unser Nachforschen dient nicht nur
einer intellektuellen Unterhaltung,
  
16:49 sondern wir versuchen
wirklich herauszufinden,
  
16:57 ob eine Umkehr möglich ist.
 
17:01 Wenn Sie die Möglichkeit
eines Wandels erkennen,
  
17:10 egal, wie wir sein mögen,
wie seicht, wie oberflächlich,
  
17:14 wie sehr wir uns wiederholen
oder andere nachahmen;
  
17:19 Wenn wir erkennen, dass ein radikaler
Wandel möglich ist,
  
17:23 dann haben wir die Energie,
um uns zu verändern.
  
17:27 Wenn wir diese Möglichkeit bestreiten,
wird die Energie vergeudet.
  
17:34 Wir untersuchen also diese Frage,
 
17:43 ob die Analyse tatsächlich einen radikalen
Wandel herbeiführen kann,
  
17:49 oder ob sie lediglich eine
intellektuelle Unterhaltung ist,
  
17:56 um ein Handeln zu umgehen.
 
18:03 Wie wir sagten,
 
18:06 setzt die Analyse voraus, dass wir
in die Traumwelt eindringen.
  
18:20 Was sind Träume?
 
18:23 Wie entstehen diese Träume?
 
18:35 Ich weiß nicht, ob Sie das
untersucht haben.
  
18:43 Wenn Sie es getan haben,
werden Sie sehen,
  
18:47 dass Träume die Fortsetzung
unseres Alltags sind.
  
18:57 Was Sie während des Tages machen,
 
19:01 all das Unheil, die Korruption,
 
19:07 der Hass, die flüchtigen Freuden,
 
19:12 die Begierden, die Schuldgefühle, usw,
 
19:18 all das findet seine Fortsetzung
 
19:27 in der Traumwelt,
 
19:30 in der Form von Symbolen,
 
19:36 Bildern und Metaphern.
 
19:44 Diese Bilder und Metaphern
müssen interpretiert werden,
  
19:49 wodurch all diese Aufregung
und Unwirklichkeit verursacht wird.
  
19:58 Man fragt sich nie, weshalb man
überhaupt träumen sollte.
  
20:05 Man hat akzeptiert, dass Träume
essentiell sind, ein Teil des Lebens.
  
20:13 Wir fragen uns nun, wenn Sie mir folgen,
 
20:18 weshalb wir überhaupt träumen?
 
20:23 Ist es möglich, beim Einschlafen
 
20:26 einen vollkommen stillen Geist zu haben?
 
20:37 Denn nur in diesem stillen Zustand
wird er sich erneuern,
  
20:44 er entleert sich seines gesamten Inhalts,
 
20:49 so dass er frisch wird und jung,
 
20:53 selbstbestimmt und klar.
 
21:03 Wenn Träume die Fortsetzung
unseres Alltags sind,
  
21:09 unseres täglichen Aufruhrs,
der Angst,
  
21:15 des Sicherheitsstrebens,
 
21:19 der Bindungen,
 
21:22 dann ist es unumgänglich,
 
21:26 dass Träume in ihrer symbolischen Form
 
21:31 notwendig sind.
 
21:36 Das ist klar, nicht wahr?
 
21:42 Man fragt sich,
 
21:46 weshalb man überhaupt träumen sollte,
 
21:50 weshalb die Gehirnzellen
nicht zur Ruhe kommen
  
21:56 und die täglichen Geschäfte
hinter sich lassen können.
  
22:07 Um das herauszufinden,
 
22:10 versuchsweise,
 
22:14 ohne zu akzeptieren,
was der Sprecher sagt,
  
22:17 tun Sie das bitte um Himmels Willen nie,
 
22:21 denn wir teilen gemeinsam,
wir erforschen gemeinsam.
  
22:28 Um das versuchsweise herauszufinden,
 
22:32 können Sie es ausprobieren,
 
22:38 indem Sie den ganzen Tag lang
vollkommen aufmerksam sind,
  
22:45 Ihre Gedanken beobachten,
 
22:48 Ihre Motive,
 
22:52 Ihre Sprache,
 
22:55 wie Sie gehen und wie Sie reden.
 
22:59 Wenn Sie in dieser Weise achtsam sind,
 
23:04 wird sich das Unterbewusstsein melden,
die tieferen Schichten,
  
23:13 denn dann haben Sie Zugang
 
23:18 zu all den versteckten Motiven,
 
23:25 all den Ängsten,
 
23:27 und der Inhalt des Unbewussten
wird freigelegt.
  
23:33 Wenn Sie dann einschlafen,
 
23:38 werden Sie feststellen,
 
23:40 dass Ihr Geist und mit ihm
auch Ihr Verstand
  
23:47 außerordentlich still ist,
er ruht sich aus,
  
23:54 denn Sie haben mit dem, was Sie
den Tag über getan haben, abgeschlossen.
  
24:01 Ich weiß nicht, ob Sie jemals
 
24:06 den Tag haben Revue passieren lassen,
 
24:12 wenn Sie schlafen gehen.
 
24:15 Gehen Sie nicht noch einmal durch, was Sie
den Tag über gemacht haben?
  
24:20 Sagen Sie nicht, ich hätte das machen,
jenes besser lassen sollen?
  
24:27 es wäre so besser gesagt gewesen,
wenn ich jenes nur nicht gesagt hätte.
  
24:35 Das heißt,
 
24:37 wenn Sie die Geschehnisse des Tages
Revue passieren lassen,
  
24:44 versuchen Sie Ordnung zu schaffen.
 
24:49 Bitte seien Sie aufmerksam.
 
24:53 Sie versuchen Ordnung zu schaffen,
bevor Sie einschlafen.
  
24:59 Und wenn Sie vor dem Einschlafen
keine Ordnung schaffen,
  
25:03 versucht das Gehirn Ordnung zu schaffen,
 
25:09 während Sie schlafen.
 
25:11 Denn das Gehirn funktioniert nur
einwandfrei, wenn Ordnung da ist,
  
25:18 nicht, wenn Unordnung herrscht.
 
25:26 Es ist am leistungsfähigsten,
 
25:30 wenn vollkommene Ordnung da ist,
 
25:37 sei diese neurotisch oder vernünftig.
 
25:46 Folgen Sie all dem?
 
25:51 Denn in einer Neurose,
einem Ungleichgewicht,
  
25:55 herrscht Ordnung,
 
26:00 und das Gehirn akzeptiert diese Ordnung.
 
26:10 Wenn Sie also
 
26:16 alle Geschehnisse des Tages
Revue passieren lassen,
  
26:21 vor dem Einschlafen,
 
26:25 dann versuchen Sie Ordnung zu schaffen,
 
26:30 so dass das Gehirn keine Ordnung
zu schaffen braucht, während Sie schlafen,
  
26:37 denn Sie haben das tagsüber getan.
 
26:41 Wenn Sie tagsüber in jeder Minute
diese Ordnung schaffen,
  
26:46 das heißt,
 
26:48 wenn Sie alles, was geschieht,
genau wahrnehmen,
  
26:52 im Außen wie im Innen.
 
26:54 Folgen Sie?
 
26:57 Das Außen bezieht sich auf
die Unordnung um Sie herum,
  
27:01 die Grausamkeit, die Gleichgültigkeit,
die Herzlosigkeit,
  
27:07 den Dreck,
das Elend, die Streitereien,
  
27:10 die Politiker
mit ihren Machenschaften,
  
27:12 Sie wissen, was vor sich geht.
 
27:17 Und Ihre Beziehung
zu Ihrem Mann, Ihrer Frau,
  
27:20 zu Ihrem Mädchen oder Jungen,
 
27:22 wenn Sie sich tagsüber
all dessen gewahr sind,
  
27:26 ohne es ändern zu wollen,
sich dessen nur bewusst sind.
  
27:31 Sobald Sie versuchen, etwas zu ändern,
schaffen Sie Unordnung.
  
27:36 Doch wenn Sie einfach nur
das beobachten, was ist,
  
27:43 dann ist das was ist Ordnung.
 
27:52 Nur wenn Sie versuchen, das was ist
zu verändern, entsteht Unordnung,
  
27:57 denn Sie möchten mit dem Wissen,
das Sie erworben haben,
  
28:01 Änderungen herbeiführen.
 
28:06 Dieses Wissen ist die Vergangenheit,
 
28:11 und Sie versuchen, das, was ist,
das nicht die Vergangenheit ist,
  
28:15 mithilfe des Erlernten zu verändern.
 
28:21 Es gibt also einen Widerspruch,
es gibt eine Verzerrung,
  
28:25 es gibt Unordnung.
 
28:31 Ich hoffe, Sie strengen sich ebenso an
wie der Sprecher.
  
28:40 Darf ich meinen Mantel ausziehen?
 
29:02 Wenn Sie also
während des Tages achtsam sind,
  
29:13 Ihre Gedankengänge beobachten,
 
29:17 Ihre Motive,
 
29:23 die Scheinheiligkeit, das falsche Gerede,
 
29:28 eine Sache tun und etwas anderes sagen,
etwas anderes denken,
  
29:35 die Täuschungsmanöver,
die Masken, die Sie tragen,
  
29:43 die unterschiedlichen Tricks,
 
29:48 derer man sich so bereitwillig bedient.
 
29:53 Wenn Sie sich all dessen den ganzen
Tag über bewusst sind,
  
29:57 müssen Sie vor dem Einschlafen
keine Bilanz ziehen,
  
30:02 denn Sie schaffen in jeder Minute Ordnung.
 
30:06 Wenn Sie dann einschlafen,
 
30:09 werden Sie feststellen,
dass Ihre Gehirnzellen,
  
30:16 die alles gespeichert haben und
die Vergangenheit in sich tragen,
  
30:26 vollkommen still werden.
 
30:30 Ihr Schlaf wird dann
 
30:36 etwas vollkommen anderes sein.
 
30:41 In diesem Schlaf
 
30:44 ist der Geist, wenn wir das
Wort Geist benutzen,
  
30:49 schließen wir das Gehirn mit ein,
 
30:52 das gesamte Nervensystem,
 
30:58 alle Neigungen.
 
31:00 Der Geist umfasst die gesamte
menschliche Struktur.
  
31:07 Wenn wir dieses Wort gebrauchen,
meinen wir all das,
  
31:10 nicht etwas Separates.
 
31:13 Darin ist der Intellekt,
das Herz,
  
31:18 das gesamte Nervensystem
mit eingeschlossen.
  
31:24 Wenn Sie dann einschlafen,
 
31:29 hat der analytische Prozess
vollkommen aufgehört.
  
31:36 Nach dem Aufwachen
 
31:38 sehen Sie die Dinge dann
genau so wie sie sind,
  
31:45 nicht so, wie Sie sie interpretieren,
oder mit Ihrem Wunsch, sie zu verändern.
  
31:59 Deshalb meint der Sprecher,
dass die Analyse
  
32:05 ein Handeln verhindert.
 
32:11 Und ein Handeln ist unbedingt notwendig,
 
32:15 jetzt,
 
32:17 um diesen radikalen Wandel
herbeizuführen.
  
32:23 Also ist die Analyse nicht der Weg.
 
32:30 Akzeptieren Sie bitte nicht,
was der Sprecher sagt,
  
32:34 beobachten Sie es selbst,
 
32:38 machen Sie Ihre Erfahrungen,
 
32:40 nicht durch mich,
sondern beobachten Sie,
  
32:47 was die Analyse beinhaltet:
 
32:51 Zeit,
 
32:54 den Analytiker, und denjenigen,
den er analysiert,
  
32:58 der Analytiker ist das Analysierte.
 
33:08 Und jede Analyse muss vollständig sein,
 
33:11 da sonst die nächste Analyse
dadurch entstellt wird.
  
33:17 So gesehen, ist dieser gesamte
Prozess der Analyse,
  
33:21 egal ob nach innen gerichtet
oder intellektuell,
  
33:26 vollkommen falsch.
 
33:35 Er ist kein Ausweg.
 
33:38 Er mag für eine mehr oder weniger
labile Persönlichkeit notwendig sein,
  
33:45 und vielleicht sind ja
die meisten von uns labil.
  
33:52 Doch ist das nicht der Ausweg.
 
33:56 Wir müssen also einen Weg finden,
 
34:01 um unseren
gesamten Bewusstseinsinhalt
  
34:05 ohne den Analytiker
 
34:09 betrachten zu können.
 
34:12 Folgen Sie mir?
 
34:16 Wissen Sie, es macht großen Spaß,
all das zu untersuchen,
  
34:23 denn dann haben Sie alles,
was je darüber gesagt wurde,
  
34:26 vollkommen abgelehnt.
 
34:33 Nein, bitte lachen Sie nicht.
 
34:36 Denn dann sind Sie auf sich gestellt,
 
34:41 und Sie finden es selbst heraus.
 
34:44 Es wird authentisch sein,
real und wahrhaftig.
  
34:48 Es wird von keinem Professor,
Psychologen oder Analytiker
  
34:55 abhängen.
 
35:01 Man muss also einen Weg finden,
zu beobachten ohne zu analysieren.
  
35:13 Ich werde das erläutern.
 
35:19 Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen?
 
35:22 Nein.
 
35:24 Dies ist keine Gruppentherapie.
 
35:34 Dies ist keine öffentliche Beichte.
 
35:39 Der Sprecher analysiert Sie nicht und
versucht auch nicht, Sie zu verändern
  
35:44 oder Sie zu wundervollen Menschen
zu machen,
  
35:47 das müssen Sie selbst tun.
 
35:52 Und da die meisten von uns Menschen
aus zweiter oder dritter Hand sind,
  
35:57 wird es sehr schwer sein,
 
36:00 alles vollkommen beiseite zu lassen,
 
36:04 was uns von professioneller Seite
aufgedrängt wurde,
  
36:08 sei es religiöser oder
wissenschaftlicher Art.
  
36:14 Wir müssen selbst dahinterkommen.
 
36:22 Und wenn die Analyse nicht der Weg ist,
 
36:26 und was den Sprecher anbelangt,
ist sie es nicht,
  
36:30 denn er hat logisch erklärt weshalb,
 
36:37 wie ist es dann möglich,
 
36:41 den gesamten Bewusstseinsinhalt
 
36:45 zu untersuchen oder wahrzunehmen?
 
36:52 Und woraus besteht der gesamte Inhalt?
 
36:57 Woraus besteht
der Inhalt des Bewusstseins?
  
37:00 Wiederholen Sie bitte nicht,
was andere gesagt haben.
  
37:09 Woraus besteht Ihr gesamter Inhalt?
 
37:17 Haben Sie ihn jemals angeschaut,
haben Sie ihn jemals wahrgenommen?
  
37:25 Wenn ja, ist es so,
 
37:35 dass er aus all den
gespeicherten Ereignissen,
  
37:43 Geschehnissen besteht,
 
37:45 ob nun angenehmer
oder unangenehmer Art,
  
37:50 den diversen Glaubensinhalten,
 
37:55 Traditionen,
 
38:00 den diversen persönlichen
 
38:05 Erinnerungen,
 
38:09 der Prägung durch die Rasse,
die Famlie,
  
38:18 der Kultur, in der man aufgewachsen ist,
 
38:22 all das ist der Inhalt, nicht wahr?
 
38:29 Man kam in Indien als Hindu
auf die Welt,
  
38:34 als Brahmane usw,
 
38:38 mit all den Traditionen und
dem Aberglauben,
  
38:44 dem Dogma, den Glaubensinhalten,
 
38:49 in denen die Kultur von tausenden
von Jahren gespeichert ist.
  
38:59 Und alles,
 
39:03 was jeden Tag geschieht,
die Erinnerungen,
  
39:08 all die Schmerzen,
 
39:13 die Traurigkeit, die Zwischenfälle,
die Beleidigungen,
  
39:22 das alles wird gespeichert.
 
39:27 Aus all dem setzt sich
mein Bewusstsein zusammen,
  
39:32 wie auch das Ihre.
 
39:34 Sie als Katholik, Protestant,
leben in dieser westlichen Welt
  
39:42 und sind auf der Suche nach immer mehr,
 
39:53 nach einer Welt voller Vergnügen,
 
39:58 Unterhaltung,
 
40:01 Reichtum,
 
40:05 mit dem immerwährenden Geräusch
des Fernsehers,
  
40:12 den Bildern, der Brutalität,
 
40:14 das alles sind Sie,
das ist Ihr Inhalt.
  
40:25 Wie kann all das aufgedeckt werden,
 
40:31 und ist es so, dass,
wenn es offenbar wird,
  
40:36 jedes Ereignis,
 
40:42 jedes Geschehen, jede Tradition,
 
40:45 jede Verletzung, jeder Schmerz,
nach und nach untersucht wird,
  
40:49 oder ist es möglich,
alles als eine Einheit zu sehen?
  
40:58 Folgen Sie all dem?
 
41:02 Wenn Sie alles stückweise,
nach und nach untersuchen,
  
41:07 begeben Sie sich in die Welt der Analyse,
 
41:14 und dann gibt es kein Ende,
Sie werden analysierend sterben.
  
41:22 Die Analytiker werden dabei
viel Geld an Ihnen verdienen,
  
41:26 wenn das für Sie in Ordnung ist.
 
41:30 Oder können wir alles
als eine Gesamtheit sehen?
  
41:40 Wir werden herausfinden, was es mit
all den Fragmenten auf sich hat,
  
41:47 die das Bewusstsein ausmachen,
 
41:51 in ihrer Gesamtheit, nicht analytisch.
 
42:01 Kommunizieren wir miteinander?
 
42:03 Ja.
 
42:08 Wir werden also herausfinden,
wie man wahrnehmen kann,
  
42:19 ohne jegliche Analyse.
 
42:26 Das heißt, wir haben alles betrachtet,
den Baum, die Wolke,
  
42:33 Ihre Frau, Ihren Mann,
das Mädchen oder den Jungen,
  
42:37 alles als Beobachter, der beobachtet.
 
42:45 Richtig?
 
42:50 Bitte schenken Sie all dem
ein wenig Aufmerksamkeit.
  
42:57 Sie haben Ihren Ärger betrachtet,
 
43:00 Ihre Gier oder Ihre Eifersucht,
oder was auch immer,
  
43:06 als ein Beobachter,
der die Gier beobachtet.
  
43:12 Der Beobachter ist die Gier,
 
43:16 doch Sie haben den Beobachter
von der Gier getrennt,
  
43:19 da Ihr Verstand auf den
analytischen Prozess konditioniert ist.
  
43:27 Daher betrachten Sie immer den Baum,
die Wolke,
  
43:33 alles im Leben als ein Beobachter,
der ein Gegenüber beobachtet.
  
43:41 Haben Sie das bemerkt?
 
43:44 Sie betrachten Ihre Frau
 
43:47 mit dem Bild, das Sie sich von ihr
gemacht haben.
  
43:50 Dieses Bild ist der Beobachter,
 
43:54 dieses Bild ist die Vergangenheit,
 
44:00 dieses Bild ist
im Laufe der Zeit entstanden.
  
44:07 Und der Beobachter ist die Zeit,
 
44:12 ist die Vergangenheit,
 
44:14 ist das angehäufte Wissen von allen
Vorkommnissen, Zufällen,
  
44:20 Ereignissen, Erfahrungen, usw.
 
44:24 Dieser Beobachter ist die Vergangenheit,
 
44:28 und er beobachtet das, was er sieht,
 
44:33 als ob er kein Teil davon wäre,
sondern davon getrennt.
  
44:42 Nun, können Sie
ohne den Beobachter beobachten?
  
44:52 D.h., können Sie den Baum betrachten
 
44:57 - bitte hören Sie zu -
 
44:59 können Sie den Baum betrachten,
ohne Vergangenheit, ohne den Beobachter?
  
45:16 Denn wenn der Beobachter da ist,
 
45:21 gibt es einen Abstand zwischen dem
Beobachter und dem Beobachteten,
  
45:27 dem Baum.
 
45:30 Dieser Abstand ist Zeit,
 
45:34 weil eine Entfernung vorhanden ist.
 
45:38 Diese Zeit enthält Eigenschaften
des Beobachters,
  
45:44 der die Vergangenheit ist,
 
45:49 das angehäufte Wissen,
 
45:53 der sagt, das ist der Baum,
 
45:57 oder das ist das Bild meiner Frau.
 
46:03 Nun, können Sie
ohne den Beobachter beobachten?
  
46:10 D.h., können Sie
 
46:14 nicht nur den Baum, sondern auch
Ihre Frau oder Ihren Mann
  
46:18 ohne eine Vorstellung betrachten?
 
46:26 Das erfordert eine enorme Disziplin.
 
46:34 Ich werde Ihnen etwas aufzeigen:
 
46:37 Disziplin bedeutet normalerweise
 
46:41 Konformität,
 
46:45 Zwang,
 
46:49 Nachahmung,
 
46:53 Konflikt
 
46:56 zwischen dem, was ist
und dem, was sein sollte.
  
47:02 Daher gibt es in der Disziplin Konflikt:
 
47:07 Unterdrückung, Überwindung,
Willensausübung, usw,
  
47:13 all das ist in diesem Wort enthalten.
 
47:16 Doch die Bedeutung dieses Wortes
ist lernen,
  
47:24 nicht sich anzupassen,
 
47:28 keine Unterdrückung,
 
47:34 sondern ein Lernen.
 
47:41 Und die Eigenschaft des Geistes,
der lernt,
  
47:43 hat seine eigene Ordnung,
d.h., Disziplin.
  
47:51 Wir lernen jetzt, ohne den Beobachter
zu beobachten,
  
47:58 ohne die Vergangenheit,
ohne eine Vorstellung.
  
48:03 Wenn Sie das 'was ist'
in dieser Weise betrachten,
  
48:11 ist das, was tatsächlich ist,
etwas Lebendiges,
  
48:16 nicht etwas,
das wie etwas Totes betrachtet wird,
  
48:23 im Lichte eines vergangenen Ereignisses,
 
48:26 mit überholtem Wissen.
 
48:33 Lassen Sie uns das vereinfachen.
 
48:44 Sie sagen mir etwas, das mich verletzt,
 
48:55 und diese Verletzung, der Schmerz
dieser Verletzung, wird aufgezeichnet.
  
49:09 Die Erinnerung daran setzt sich fort,
 
49:18 und die nächste Verletzung
 
49:21 wird wieder aufgezeichnet.
 
49:27 In dieser Weise wird die Verletzung
von Kindheit an verfestigt.
  
49:36 Wenn hingegen etwas schmerzhaft ist,
 
49:41 Sie mir etwas Verletzendes sagen,
 
49:43 es derart aufmerksam zu beobachten,
dass es nicht als Verletzung gespeichert wird.
  
49:52 Folgen Sie mir?
 
49:55 Sobald es als Verletzung aufgezeichnet wird,
 
50:01 wird diese Aufzeichnung fortgesetzt,
 
50:07 und Sie werden Ihr Leben lang
verletzt werden,
  
50:12 weil Sie immer mehr
Verletzungen hinzufügen.
  
50:15 Hingegen, wenn Sie
den Schmerz beobachten,
  
50:23 ihn derart ausschließlich beobachten,
ohne ihn aufzuzeichnen, d.h.,
  
50:30 dass Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit
augenblicklich dem Schmerz zuwenden.
  
50:40 Machen Sie das alles?
 
50:50 Sehen Sie,
wenn Sie spazieren gehen,
  
50:54 gibt es alle möglichen Geräusche
auf der Straße,
  
50:59 viel Geschrei,
 
51:02 Vulgarität, Brutalität,
 
51:05 der überwältigende Lärm,
das ist sehr destruktiv.
  
51:12 Je sensibler Sie sind,
desto destruktiver wird es,
  
51:18 es schädigt Ihren Organismus.
 
51:23 Sie widerstehen diesem Schmerz,
 
51:31 und errichten eine Mauer.
 
51:35 Und wenn Sie eine Mauer errichten,
isolieren Sie sich,
  
51:40 und bestärken damit die Isolation,
 
51:43 die immer mehr Schmerz hervorrufen wird.
 
51:48 Wenn Sie
diesen Lärm allerdings
  
51:55 aufmerksam beobachten,
 
52:01 werden Sie sehen, dass Ihr Organismus
niemals verletzt wird.
  
52:12 Wenn Sie dieses eine
radikale Prinzip verstehen,
  
52:20 werden Sie etwas
Unermessliches verstanden haben,
  
52:25 dass, wenn ein Beobacher da ist,
 
52:31 der sich von dem Beobachteten trennt,
 
52:36 Konflikt vorprogrammiert ist.
 
52:44 Was Sie auch tun, solange eine Trennung
zwischen dem Beobachter
  
52:48 und dem Beobachteten besteht,
muss es Konflikt geben.
  
52:53 Solange eine Trennung da ist.
 
52:56 Solange eine Trennung zwischen
Muslimen und Hindus besteht,
  
53:00 muss es Konflikt geben.
 
53:02 Solange eine Trennung zwischen
Katholiken und Protestanten besteht,
  
53:05 muss es Konflikt geben.
 
53:08 Sie mögen einander tolerieren,
 
53:11 was ein intellektuelles Zudecken
der Intoleranz ist.
  
53:18 Solange eine Trennung zwischen
schwarz und weiß
  
53:22 und lila und blau
und gelb und schwarz besteht,
  
53:25 muss es Konflikt geben.
 
53:28 Solange es eine Trennung
zwischen Ihnen und Ihrer Frau gibt,
  
53:31 muss es Konflikt geben.
 
53:41 Diese Trennung besteht fundamental,
grundlegend,
  
53:50 solange der Beobachter von dem
Beobachteten getrennt ist.
  
53:57 Solange ich behaupte, dass der Ärger
etwas von mir Getrenntes ist,
  
54:03 dass ich den Ärger kontrollieren muss,
dass ich ihn verändern muss,
  
54:07 dass ich meine Gedanken verändern,
kontrollieren muss,
  
54:13 gibt es Trennung, infolgedessen Konflikt.
 
54:16 Der Konflikt beinhaltet Unterdrückung,
Anpassung, Nachahmung,
  
54:24 alles ist darin enthalten.
 
54:26 Wenn Sie wirklich die Schönheit sehen,
die darin liegt,
  
54:34 dass der Beobachter das Beobachtete ist,
 
54:38 dass die beiden nicht
voneinander verschieden sind,
  
54:47 dann können Sie ohne Analyse
das gesamte Bewusstsein wahrnehmen,
  
54:52 Sie sehen augenblicklich
den gesamten Inhalt.
  
55:14 D.h., der Beobachter
und der Denker sind eins.
  
55:26 Wir haben dem Denker
so viel Bedeutung beigemessen,
  
55:34 nicht wahr?
 
55:37 Wir leben durch das Denken,
 
55:44 wir agieren durch das Denken,
 
55:49 unser Denken macht Pläne für unser Leben,
 
55:58 unser Handeln wird
durch das Denken bestimmt.
  
56:07 Das Denken wird in der
ganzen Welt
  
56:12 als etwas außerordentlich
Wichtiges verehrt,
  
56:16 da es Teil des Intellekts ist.
 
56:26 Und das Denken wiederum
- bitte folgen Sie dem ein wenig -
  
56:30 das Denken hat sich
als Denker eigenständig gemacht.
  
56:39 Der Denker unterscheidet zwischen guten
und unnützen Gedanken.
  
56:48 Er bestimmt, welches Ideal
das bessere ist,
  
56:54 welcher Glaube der bessere ist.
 
57:01 Das ist alles das Ergebnis des Denkens,
 
57:06 das Denken, das sich eigenständig
gemacht hat,
  
57:11 sich als Denker, als Erfahrender
abgespalten hat.
  
57:18 Das Denken hat sich in das höhere
und das niedere Selbst aufgeteilt.
  
57:25 In Indien nennen sie es den Atman,
das Höhere,
  
57:29 hier nennen sie es die Seele,
oder so ähnlich,
  
57:31 doch es ist immer noch der Denkprozess.
 
57:36 Das ist klar, nicht wahr?
 
57:39 Es ist logisch, nicht irrational.
 
57:43 Ich werde Ihnen jetzt
das Irrationale daran zeigen.
  
57:55 All unsere Bücher, unsere Literatur,
 
58:01 alles hat seinen Ursprung im Denken.
 
58:08 Unsere Beziehungen sind auf
Gedanken gegründet, überlegen Sie mal!
  
58:19 Meine Frau - ich habe keine -
 
58:23 meine Frau ist das Bild, das ich
durch das Denken erschaffen habe.
  
58:35 Dieses Denken setzt sich aus
der Nörgelei zusammen,
  
58:39 Sie kennen die Dinge, die zwischen
Eheleuten vor sich gehen,
  
58:43 Vergnügen, Sex, Ärger,
Ablehnung,
  
58:49 all das geschieht,
 
58:51 all die ausgrenzenden Instinkte,
die sich abspielen.
  
58:58 Und unser Denken
 
59:03 ist das Ergebnis unserer Beziehung.
 
59:11 Was ist das Denken?
 
59:17 Wenn Sie gefragt würden,
was das Denken ist,
  
59:22 bitte wiederholen Sie nicht, was
jemand anders gesagt hat,
  
59:26 finden Sie es selbst heraus.
 
59:33 Was ist das Denken?
 
59:37 Sicherlich ist das Denken
eine Reaktion auf Erinnerungen.
  
59:47 Erinnerung als Wissen,
 
59:51 Erinnerung als angesammelte Erfahrung,
 
59:56 die in den Gehirnzellen gespeichert wurde.
 
1:00:00 Also speichern die Gehirnzellen
die Erinnerung.
  
1:00:12 Wenn Sie gar nicht denken würden,
wären Sie in einem Zustand der Amnesie,
  
1:00:19 Sie wären nicht in der Lage,
nach Hause zu finden.
  
1:00:26 Das Denken beruht also auf
angehäuften Erinnerungen
  
1:00:30 von Wissen, Erfahrung,
 
1:00:33 ob nun Ihre eigene oder die ererbte
oder gemeinschaftliche, usw.
  
1:00:44 Das Denken ist also eine Reaktion
auf die Vergangenheit.
  
1:00:51 Es kann in die Zukunft projiziert werden,
 
1:00:55 doch ist es immer noch die Vergangenheit,
die gegenwärtig ist
  
1:01:00 und in die Zukunft reicht.
Doch es ist immer noch die Vergangenheit.
  
1:01:07 Bene? Soll ich fortfahren?
 
1:01:12 Das Denken ist also nie frei.
 
1:01:18 Wie könnte es?
 
1:01:20 Es kann sich Freiheit vorstellen,
 
1:01:26 es kann sie idealisieren,
 
1:01:35 eine Utopie des Friedens schaffen,
 
1:01:39 doch das Denken selbst
ist das Vergangene,
  
1:01:45 deshalb ist es nicht frei und immer alt.
 
1:01:52 Richtig?
 
1:01:57 Bitte, es geht nicht darum, dass Sie
dem Sprecher zustimmen,
  
1:02:02 es ist eine Tatsache.
 
1:02:11 Das Denken bestimmt unser Leben
 
1:02:18 und gründet auf der Vergangenheit.
 
1:02:23 Und dieses gestrige Denken
bestimmt, was morgen sein soll,
  
1:02:34 also gibt es Konflikt.
 
1:02:43 Daraus resultiert eine Frage:
 
1:02:48 Für die meisten von uns
 
1:02:53 hat das Denken viel Vergnügen bereitet.
 
1:03:00 Richtig?
 
1:03:04 Das Vergnügen ist ein Leitmotiv
in unserem Leben.
  
1:03:13 Wir wollen das weder verurteilen
noch befürworten,
  
1:03:18 wir wollen es untersuchen.
 
1:03:25 Vergnügen ist das,
wonach wir am meisten streben
  
1:03:31 - hier, in dieser Welt,
in der spirituellen Welt,
  
1:03:35 in der himmlischen Welt,
falls Sie einen Himmel haben - Vergnügen.
  
1:03:42 Vergnügen in jeglicher Form:
 
1:03:46 Religiöse Unterhaltung,
 
1:03:50 in die Messe gehen, all dieser Zirkus,
der im Namen von Religion vor sich geht,
  
1:03:58 und die Lust an einem Ereignis,
 
1:04:05 sei es ein Sonnenuntergang,
sei es sexueller Art,
  
1:04:08 oder jegliches sinnliche Vergnügen,
 
1:04:14 es wird aufgezeichnet und kontempliert.
 
1:04:19 Richtig?
 
1:04:23 Die genussvollen Gedanken spielen
eine gewaltige Rolle in unserem Leben.
  
1:04:35 Gestern geschah etwas,
 
1:04:37 es war wunderschön,
 
1:04:44 es wird aufgezeichnet.
 
1:04:46 Das Denken kreist immerzu
um dieses Ereignis,
  
1:04:53 es möchte,
dass es morgen wiederholt wird,
  
1:04:57 sei es sexueller oder anderer Art.
 
1:05:02 Auf diese Weise erhält das Denken
ein vergangenes Ereignis am Leben.
  
1:05:12 Ich hoffe, Sie folgen all dem.
 
1:05:16 Also ist Wissen eben jener
Prozess des Aufzeichnens,
  
1:05:23 und gehört der Vergangenheit an.
 
1:05:27 Das Denken ist die Vergangenheit.
 
1:05:36 So wird das Denken
als Vergnügen bewahrt.
  
1:05:43 Haben Sie bemerkt, dass das Vergnügen
immer der Vergangenheit angehört?
  
1:05:51 Und das Vergnügen, das wir
morgen haben wollen,
  
1:05:55 ist eine in die Zukunft projizierte
Erinnerung, also Vergangenheit.
  
1:06:06 Sie können auch beobachten,
dass Vergnügen
  
1:06:14 oder der Wunsch danach
 
1:06:17 von Angst begleitet wird.
 
1:06:23 Haben Sie das nicht bemerkt?
 
1:06:29 Die Angst vor dem,
was ich gestern getan habe,
  
1:06:40 die Angst vor durchlittenen Schmerzen,
 
1:06:45 physischen Schmerzen, vor einer Woche.
 
1:06:49 Wenn ich daran denke,
hört die Angst nicht auf.
  
1:06:58 Dieser Schmerz findet kein Ende.
 
1:07:00 Wenn es vorbei ist, ist es vorbei,
 
1:07:02 doch ich setze es fort,
weil ich ständig daran denke.
  
1:07:10 Das Denken hält sowohl am Vergnügen
 
1:07:17 als auch am Schmerz fest.
 
1:07:21 Richtig?
 
1:07:26 Verantwortlich dafür ist das Denken.
 
1:07:30 Das Vergnügen, das ich gestern hatte,
 
1:07:33 möchte ich morgen wiederholen.
 
1:07:38 Ich habe etwas getan,
oder ich hatte Schmerzen,
  
1:07:44 physische Schmerzen,
 
1:07:45 das muss ich nicht wiederhaben,
es ist alles zu schrecklich.
  
1:07:49 Ich denke daran.
 
1:07:55 Die Angst, nicht nur vor der Gegenwart
und der Zukunft,
  
1:08:00 die Angst vor dem Tod,
die Angst vor dem Unbekannten
  
1:08:03 - so viele Ängste -
 
1:08:07 die Angst, nicht zu genügen,
 
1:08:10 die Angst, nicht geliebt zu werden,
der Wunsch, geliebt zu werden,
  
1:08:14 all das geschieht durch den Denkapparat.
 
1:08:21 Es gibt also ein rationales
 
1:08:24 und ein irrationales Denken.
 
1:08:29 Folgen Sie mir?
 
1:08:33 Denken ist erforderlich,
um Dinge zu erledigen,
  
1:08:40 technischer Art, im Büro.
 
1:08:43 Für das Kochen, Abwaschen
 
1:08:46 wird Wissen benötigt.
 
1:08:52 Für das Handeln, das Tun
 
1:08:58 ist logisches Denken erforderlich.
 
1:09:01 Allerdings wird das Denken
vollkommen irrational,
  
1:09:07 wenn es am Vergnügen
und an der Angst festhält.
  
1:09:16 Dennoch besteht das Denken darauf,
das Vergnügen nicht loszulassen,
  
1:09:22 obwohl es weiß, wenn es
sensibel und gewahr ist,
  
1:09:26 dass der Schmerz die Kehrseite ist.
 
1:09:33 Also seien Sie sich
des Denkmechanismus bewusst,
  
1:09:38 des komplizierten, scharfsinnigen
Denkprozesses.
  
1:09:46 Das ist nicht schwierig.
 
1:09:49 Es ist ganz und gar nicht schwierig,
sobald Sie erkannt haben,
  
1:09:54 dass Sie eine vollkommen
andere Lebensweise entdecken müssen,
  
1:10:02 eine Lebensweise,
in der es keinen Konflikt gibt.
  
1:10:09 Wenn Sie wirklich danach streben,
 
1:10:14 genau so, wie Sie
nach dem Vergnügen streben,
  
1:10:20 wenn es Ihr nachdrückliches,
leidenschaftliches Anliegen ist,
  
1:10:27 ein innerliches und äußerliches
Leben zu leben,
  
1:10:31 in dem es keinerlei Konflikt gibt,
 
1:10:37 dann werden Sie sehen,
dass es möglich ist.
  
1:10:42 Wir haben erklärt,
 
1:10:44 dass Konflikte nur auf Trennung beruhen,
 
1:10:49 Trennung zwischen
dem Ich und dem Nicht-Ich,
  
1:10:54 ich als Hindu und Sie als Christ,
 
1:11:00 als Kommunist, Sozialist,
 
1:11:02 all der Lärm,
der in der Welt ist.
  
1:11:08 Wenn Ihnen das bewusst ist,
 
1:11:12 weder verbal noch intellektuell,
denn das ist kein Wahrnehmen,
  
1:11:17 sondern wenn Sie tatsächlich erkennen,
 
1:11:23 dass es keine Trennung zwischen
dem Beobachter und dem Beobachteten gibt,
  
1:11:29 zwischen dem Denker und dem Gedanken,
 
1:11:33 dann erkennen Sie,
Sie nehmen das wahr, was ist.
  
1:11:39 Und wenn Sie das, 'was ist',
wirklich wahrnehmen,
  
1:11:42 sind Sie schon über
das 'was ist' hinausgegangen,
  
1:11:47 dann bleiben Sie nicht bei dem 'was ist'.
 
1:11:53 Sie bleiben nur dabei,
 
1:11:55 wenn der Beobachter von dem,
was ist, verschieden ist.
  
1:12:01 Begreifen Sie das?
 
1:12:09 Moment,
 
1:12:19 ich weiß nicht, wie spät es ist,
wir werden nachfragen.
  
1:12:21 Aber bitte begreifen Sie das.
 
1:12:24 Es ist ziemlich komplex,
aber eigentlich auch einfach.
  
1:12:27 F: Könnten Sie den letzten Teil
wiederholen?
  
1:12:32 K: Könnte ich
den letzten Teil wiederholen.
  
1:12:34 Ich weiß nicht, was ich gesagt habe.
 
1:12:42 Bitte lachen Sie nicht, es stimmt.
 
1:12:45 Ich habe es wirklich vergessen.
Ich werde es anders wiederholen.
  
1:12:48 Ich werde es umformulieren.
 
1:12:52 Wir haben das Leben aufgeteilt
in das Ich und das Nicht Ich,
  
1:12:59 wir und sie,
 
1:13:03 eine Trennung auf geografischer,
nationaler, religiöser
  
1:13:09 und familiärer Ebene.
 
1:13:13 Diese Trennung ist unvermeidlich,
 
1:13:19 solange sich der Beobachter
von dem Beobachteten unterscheidet.
  
1:13:32 Wenn ich mich betrachte
 
1:13:36 als den Beobachter, der sich
von dem Beobachteten unterscheidet,
  
1:13:40 dann möchte ich 'was ist' verändern,
 
1:13:44 ich möchte es unterdrücken,
darüber hinwegkommen,
  
1:13:50 an meine Vorstellungen anpassen,
 
1:13:54 an ein Ideal, das ich, als Beobachter,
entworfen habe.
  
1:14:03 Dann entsteht Konflikt.
 
1:14:08 Aber wenn Sie tatsächlich das, 'was ist'
beobachten, ohne den Beobachter,
  
1:14:14 der die Vergangenheit ist,
der die Zeit ist,
  
1:14:19 wenn Sie in dieser Weise das, was
tatsächlich ist, beobachten,
  
1:14:24 hat das 'was ist' eine gewaltige
Veränderung erfahren.
  
1:14:29 Denn es ist nicht mehr 'was ist', etwas,
von dem Sie dachten, dass es das ist,
  
1:14:33 es ist etwas vollkommen Neues.
 
1:14:40 Ich werde es Ihnen gleich zeigen.
 
1:14:42 Brauchen Sie Beispiele?
Darin bin ich nicht so gut.
  
1:14:47 Sie begreifen das, nicht wahr?
 
1:14:51 Verstehen wir einander?
 
1:14:54 F: Darf ich Sie etwas fragen?
 
1:14:58 K: Lassen Sie mich das zu Ende bringen,
dann können Sie fragen.
  
1:14:59 Ich weiß nicht, wie spät es ist.
 
1:15:05 Heute Abend haben wir
ganz einfach darüber gesprochen,
  
1:15:12 wie wir jeglichen Konflikt in uns
 
1:15:16 beseitigen können.
 
1:15:21 Das ist nur dann möglich, wenn Sie wissen,
was Liebe ist,
  
1:15:31 und das geht nur,
 
1:15:33 wenn Sie den gesamten Inhalt
Ihres Selbst beobachten können,
  
1:15:39 ohne Analyse.
 
1:15:42 Eine Analyse muss entstehen,
wenn es einen Beobachter gibt,
  
1:15:48 einen Denker, der analysiert.
 
1:15:52 Doch der Denker, der Analytiker,
der Beobachter ist das Analysierte,
  
1:15:57 ist das, was er im Begriff ist
zu analysieren,
  
1:16:02 ist das Denken.
 
1:16:03 Wenn es ein völliges Aufhören
 
1:16:10 dieser Trennung zwischen dem Beobachter
und dem Beobachteten gibt,
  
1:16:16 dann ist 'was ist',
nicht länger 'was ist',
  
1:16:20 Sie sind darüber hinausgegangen,
der Geist ist darüber hinausgegangen.
  
1:16:27 Fahren Sie fort, was ist Ihre Frage?
 
1:16:31 Wie war die Frage?
 
1:16:33 F: Ich glaube, ich verstehe, was Sie
 
1:16:35 über den Abstand zwischen dem Beobachter
und dem Beobachteten sagen.
  
1:16:40 Ich überlege, was ich mache, wenn ich
morgens aufstehe
  
1:16:46 und mir bewusst ist, dass ich wahrnehme,
 
1:16:49 dort ist der Gegenstand, den ich wahrnehme
 
1:16:51 - ich bin der Beobachter, und dort das,
was ich beobachte -
  
1:16:55 was kann ich tun, um das zu verändern?
 
1:16:58 Im Grunde verstehe ich, was Sie sagen,
 
1:17:00 doch ich weiß nicht, was ich tun soll.
 
1:17:02 K: Ich verstehe die Frage,
lautet sie folgendermaßen:
  
1:17:05 Ich wache morgens auf,
 
1:17:09 müde, erschöpft,
 
1:17:16 - warum lachen Sie? -
 
1:17:22 träge, und ich beobachte.
 
1:17:29 Ich möchte nicht aufstehen
und all die Routine durchlaufen.
  
1:17:33 Was soll ich tun?
Ist das die Frage?
  
1:17:39 F: Ich fühle mich nicht zwangsläufig so,
 
1:17:42 wenn ich morgens aufwache.
 
1:17:44 Ich sehe den Widerspruch,
wenn ich etwas beobachten will
  
1:17:50 und gleichzeitig
mit der Situation identifiziert bin.
  
1:17:53 Ich wüsste gern,
 
1:17:57 wie ich diesem Phänomen
 
1:18:01 des Beobachters und des Beobachteten
beikommen kann.
  
1:18:04 Kann ich das nicht ändern?
 
1:18:06 Ich kann mit dem, was Sie sagen,
nicht einfach übereinstimmen.
  
1:18:10 Irgendwie muss ich etwas tun.
 
1:18:12 K: Richtig, d.h.,
 
1:18:15 es gibt überhaupt keine Identifikation.
 
1:18:19 Wenn Sie sich
mit dem Beobachteten identifizieren,
  
1:18:24 handelt es sich immer noch
um ein Gedankenmuster, nicht wahr?
  
1:18:28 F: Richtig, wie komme ich da raus?
 
1:18:32 K: Ich zeige es Ihnen.
 
1:18:37 Sie kommen da nicht raus.
Ich werde es Ihnen zeigen.
  
1:18:49 Erkennen Sie die Wahrheit,
 
1:18:54 dass der Beobachter das Beobachtete ist?
 
1:18:59 Die Wahrheit darin, die Tatsache,
die Logik.
  
1:19:05 Erkennen Sie
die darin enthaltene Wahrheit,
  
1:19:11 oder nicht?
 
1:19:15 F: Das einzige, was auftaucht,
ist eine Bemerkung.
  
1:19:22 Die Wahrheit gibt es nicht.
 
1:19:24 K: Die Tatsache existiert nicht?
 
1:19:26 F: Nein.
Ich spüre Zustimmung.
  
1:19:30 K: Stimmen Sie nicht zu.
Sie sehen die Tatsache, nicht wahr?
  
1:19:40 Bitte, es geht nicht darum,
zuzustimmen oder abzulehnen,
  
1:19:43 dies ist eine sehr ernste Angelegenheit.
 
1:19:46 Ich wünschte, ich könnte über
Meditation sprechen, aber nicht jetzt.
  
1:19:52 Sie hat einen Bezug dazu.
 
1:19:56 Einen Moment,
lassen Sie mich dies zu Ende bringen.
  
1:19:58 Bitte erkennen Sie die Tragweite.
 
1:20:07 Die Wahrheit ist, dass ich der Ärger bin,
 
1:20:13 ich bin nicht verschieden vom Ärger,
 
1:20:18 das ist die Wahrheit, nicht wahr?
 
1:20:20 Das ist eine Tatsache, nicht wahr?
 
1:20:24 Ich bin der Ärger,
ich bin vom Ärger nicht getrennt.
  
1:20:31 Wenn ich eifersüchtig bin,
ist das Ich eifersüchtig,
  
1:20:35 ich bin nicht anders als die Eifersucht.
 
1:20:40 Ich distanziere mich von der Eifersucht,
 
1:20:44 weil ich auf die Eifersucht
einwirken möchte,
  
1:20:48 ich möchte sie aufrecht erhalten
oder loswerden oder schönreden
  
1:20:51 oder mich über sie langweilen.
 
1:20:55 Doch Tatsache ist,
dass das Ich eifersüchtig ist.
  
1:21:01 Das ist eine Tatsache, nicht wahr?
 
1:21:07 Wie soll ich handeln,
wenn ich eifersüchtig bin?
  
1:21:15 Wenn das 'Ich' eifersüchtig ist?
 
1:21:19 Früher dachte ich, ich könnte handeln,
 
1:21:22 indem ich mich
von der Eifersucht distanziere.
  
1:21:24 Ich dachte, ich könnte auf sie einwirken,
 
1:21:26 sie unterdrücken, schönreden,
davonlaufen,
  
1:21:30 verschiedene Dinge tun.
 
1:21:31 Ich dache, ich tue etwas.
 
1:21:35 Hier habe ich das Gefühl,
dass ich nichts tue.
  
1:21:41 Wenn ich sage,
dass ich die Eifersucht bin,
  
1:21:47 glaube ich, nichts tun zu können.
 
1:21:55 Das stimmt, nicht wahr?
 
1:22:02 Ich werde es Ihnen zeigen.
 
1:22:07 Sehen Sie, es gibt
zwei Arten zu handeln,
  
1:22:13 die Handlung, die stattfindet,
 
1:22:17 wenn Sie von der Eifersucht
verschieden sind,
  
1:22:22 was bedeutet, dass die Eifersucht
niemals endet.
  
1:22:28 Sie können vor ihr davonlaufen,
sie unterdrücken,
  
1:22:32 Sie können sie überwinden,
ihr entfliehen usw,
  
1:22:37 doch sie wird zurückkommen,
sie wird immer da sein,
  
1:22:42 denn es gibt den Abstand
zwischen Ihnen und der Eifersucht.
  
1:22:50 Nun gibt es eine vollkommen
andere Handlungsweise,
  
1:22:54 wenn es keinen Abstand gibt,
 
1:22:58 denn dann
ist der Beobachter das Beobachtete,
  
1:23:04 er kann nichts ändern.
 
1:23:12 Vorher konnte er etwas ändern,
 
1:23:16 nun ist er ratlos,
 
1:23:19 er ist frustriert,
er kann nichts machen.
  
1:23:28 Wenn der Beobachter das Beobachtete ist,
 
1:23:32 ist es ihm unmöglich, zu sagen,
dass er nichts tun kann.
  
1:23:38 Er ist was er ist.
 
1:23:43 Er ist die Eifersucht.
 
1:23:46 Und wenn er die Eifersucht ist,
was geschieht?
  
1:23:58 Fahren Sie bitte fort.
 
1:23:59 F: Dann versteht er etwas.
 
1:24:01 K: Schauen Sie hin.
 
1:24:04 Schauen Sie bitte einen Moment lang hin.
Nehmen Sie sich Zeit.
  
1:24:09 Wenn ich erkenne,
 
1:24:15 dass ich verschieden bin
von meiner Eifersucht,
  
1:24:18 glaube ich, etwas dagegen tun zu können.
 
1:24:22 Und im Tun entsteht Konflikt.
 
1:24:28 Andererseits, wenn
ich die Wahrheit erkenne,
  
1:24:35 dass das Ich die Eifersucht ist,
der Beobachter das Beobachtete,
  
1:24:40 was geschieht dann?
 
1:24:41 F: Es gibt keinen Konflikt.
 
1:24:44 K: Was geschieht dann?
 
1:24:46 Der Konflikt endet,
nicht wahr?
  
1:24:52 Der Konflikt endet.
 
1:24:57 Hier gibt es Konflikt,
hier gibt es keinen Konflikt.
  
1:25:01 Also ist der Konflikt die Eifersucht.
 
1:25:08 Haben Sie das verstanden?
 
1:25:18 Bitte begreifen Sie, was ich gesagt habe.
 
1:25:20 Nehmen Sie sich Zeit.
 
1:25:23 Weshalb klatschen Sie?
 
1:25:25 F: Darf ich eine Frage stellen?
 
1:25:27 K: Bitte warten Sie einen Augenblick.
 
1:25:32 Es hat Konflikt gegeben,
 
1:25:35 und der Konflikt hat
einen Teil meines Leben ausgemacht.
  
1:25:39 Ich habe mit dem Konflikt gelebt,
 
1:25:41 von meiner Geburt an bis ich sterbe.
 
1:25:44 Ich kenne nur Konflikt.
 
1:25:49 Jedoch, wenn der Beobachter
das Beobachtete ist,
  
1:25:53 der Denker der Gedanke ist,
 
1:25:56 gibt es keinen Konflikt.
 
1:26:00 Wenn es keinen Konflikt gibt,
gibt es keine Eifersucht.
  
1:26:07 Die Eifersucht ist Konflikt, nicht wahr?
 
1:26:11 F: Irgendwie schon.
 
1:26:15 F: Darf ich etwas fragen?
 
1:26:17 K: Haben Sie das verstanden?
F: Ja.
  
1:26:21 K: Es hat eine vollkommene Handlung
gegeben,
  
1:26:28 eine Handlung,
frei von jeglicher Anstrengung,
  
1:26:33 deshalb ist sie vollkommen, ganz,
sie wird sich niemals wiederholen.
  
1:26:42 F: Darf ich etwas fragen?
K: Ja.
  
1:26:51 K: Was wollten Sie fragen?
 
1:26:55 F: Sie sagten, die Analyse sei ein
tödliches Werkzeug des Denkens,
  
1:26:59 oder des Bewusstseins.
 
1:27:01 Ich stimme Ihnen da vollkommen zu,
und Sie waren im Begriff zu sagen,
  
1:27:06 dass es im Gehirn oder im Denken
oder im Bewusstsein Fragmente gibt,
  
1:27:13 die anti-analytisch sind.
 
1:27:18 Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diesen
Gedanken weiter ausführen könnten.
  
1:27:23 K: Wovon?
 
1:27:26 F: Sie erwähnten, dass diese Fragmente
 
1:27:29 keinerlei Konflikt oder Anstrengung
darstellen würden.
  
1:27:33 Sie seien anti-analytisch...
 
1:27:39 K: Sie wiederholen etwas.
Was ist die Frage?
  
1:27:43 F: Ich bitte Sie nur zu erläutern,
was Sie mit Fragmenten,
  
1:27:48 die anti-analytisch sind, meinen.
Danke.
  
1:27:56 K: Das habe ich gerade erklärt.
 
1:27:59 Es muss Fragmentierung geben,
 
1:28:02 wenn der Beobachter und das Beobachtete
sich voneinander unterscheiden.
  
1:28:08 Das habe ich erklärt.
 
1:28:11 Nicht?
 
1:28:16 Sehen Sie, dies ist keine Debatte.
 
1:28:20 Es ist nichts,
das entwickelt werden könnte.
  
1:28:24 Ich bin ziemlich gründlich
darauf eingegangen.
  
1:28:28 Wir können natürlich viel mehr Zeit
darauf verwenden,
  
1:28:30 denn je tiefer Sie eindringen,
desto mehr werden Sie finden.
  
1:28:40 Wir haben unser Leben in viele Fragmente
zerlegt, nicht wahr?
  
1:28:45 In den Wissenschaftler, den Geschäftsmann,
den Künstler,
  
1:28:50 die Hausfrau, usw.
 
1:28:54 Worauf basiert diese Fragmentierung,
 
1:28:57 was ist ihre Wurzel?
 
1:29:01 Die Wurzel dieser Fragmentierung ist
der Beobachter und das Beobachtete.
  
1:29:07 Er ist für die Bruchstücke verantwortlich,
für das bruchstückhafte Leben.
  
1:29:12 Ich bin Hindu,
Sie sind Katholik,
  
1:29:18 Ich bin Kommunist,
Sie ein Bourgeois,
  
1:29:22 immerzu findet Trennung statt.
 
1:29:26 Und ich frage mich,
weshalb gibt es diese Trennung?
  
1:29:31 Wodurch wird diese Trennung verursacht?
 
1:29:35 Nicht nur die äußere, wirtschaftliche,
soziale Struktur,
  
1:29:40 sondern viel tiefer,
wodurch wird diese Trennung verursacht?
  
1:29:46 Diese Trennung, diese Fragmentierung,
entsteht
  
1:29:50 durch das Ich und das Nicht-Ich,
 
1:29:55 das Ich, das überlegen sein möchte,
berühmt, ehrgeizig,
  
1:29:59 je größer, desto mehr,
 
1:30:02 und das Du, von dir verschieden.
 
1:30:07 Das Ich ist also der Beobachter,
 
1:30:12 das Ich ist die Vergangenheit,
 
1:30:15 das die Gegenwart in die Vergangenheit
und die Zukunft aufspaltet.
  
1:30:22 Solange es also den Beobachter,
den Denker gibt,
  
1:30:26 den Erfahrenden, muss es Trennung geben.
 
1:30:34 Wir sind gemeinsam darauf gekommen,
 
1:30:38 dass es in der Trennung
Eifersucht gibt,
  
1:30:42 den Konflikt mit der Eifersucht,
 
1:30:44 demzufolge ein immerwährender Konflikt.
 
1:30:48 Wenn der Beobachter das Beobachtete ist,
hört der Konflikt auf,
  
1:30:54 denn dann hört die Eifersucht auf,
weil die Eifersucht Konflikt ist.
  
1:31:03 Eifersucht ist Konflikt, nicht wahr?
 
1:31:06 F: Ist Eifersucht
Teil der menschlichen Natur?
  
1:31:15 K: Ist Eifersucht
Teil der menschlichen Natur.
  
1:31:19 Sind Gewalt und Gier
Teil der menschlichen Natur?
  
1:31:24 F: Ich möchte Sie noch etwas fragen,
wenn ich darf.
  
1:31:28 Liege ich richtig oder falsch im Hinblick
auf das, was Sie gesagt haben,
  
1:31:32 und um es kurz und bündig auszudrücken:
 
1:31:39 Ein Mensch ist so,
wie er in seinem Herzen denkt.
  
1:31:42 Deshalb geben sie Acht auf Ihre Gedanken,
und nutzen Sie Ihre Erfahrung.
  
1:31:49 K: Was?
 
1:31:53 Ich habe Sie nicht ganz verstanden.
 
1:32:00 Wie war die Frage?
 
1:32:15 F: Ein Mensch ist so,
wie er in seinem Herzen denkt.
  
1:32:19 Wir sollten Acht geben
auf unsere Gedanken, nicht wahr,
  
1:32:22 und unsere vergangenen Erfahrungen nutzen.
 
1:32:25 K: Genau das habe ich gesagt,
Sie sind was Sie denken.
  
1:32:31 Genau so.
 
1:32:34 Sie sind wie Sie denken was Sie denken.
 
1:32:41 Was Sie denken -
dass Sie größer sind als andere,
  
1:32:46 dass Sie anderen unterlegen sind,
 
1:32:50 dass Sie vollkommen sind,
dass Sie nicht schön sind,
  
1:32:53 dass Sie ärgerlich sind
- Was Sie denken, das sind Sie.
  
1:32:58 Das ist einfach genug, nicht wahr?
 
1:33:02 Bis Sie herausfinden, ob es möglich ist,
 
1:33:07 ein Leben zu leben, in dem das Denken
seine rationale Funktion hat,
  
1:33:13 und nicht irrational wird.
 
1:33:20 Das werden wir morgen behandeln.
 
1:33:23 Nein, nächstes Wochenende.
 
1:33:27 F: Um auf ähnliche Weise fortzufahren:
 
1:33:30 Wenn ich die Eifersucht bin,
und das Ich die Eifersucht ist,
  
1:33:34 dann endet der Konflikt, da ich weiß, dass
es Eifersucht ist, und sie verschwindet.
  
1:33:39 Doch wenn ich den Straßenlärm höre,
 
1:33:42 und das Ich der Lärm ist und ich der Lärm,
 
1:33:46 wie kann der Konflikt enden,
wenn der Lärm für immer weitergeht?
  
1:33:53 K: Das ist ziemlich einfach.
 
1:33:57 Die Frage ist:
 
1:34:01 Ich gehe die Straße entlang,
und der Lärm ist fürchterlich.
  
1:34:07 Wenn ich dann sage, dieser Lärm bin ich,
 
1:34:12 hört der Lärm nicht auf,
er geht weiter,
  
1:34:17 das ist doch die Frage?
 
1:34:19 Ich sage nicht, dass ich der Lärm bin.
 
1:34:26 Ich sage nicht, dass ich die Wolke bin,
 
1:34:29 oder der Baum.
 
1:34:33 Weshalb sollte ich sagen,
dass ich der Lärm bin?
  
1:34:37 Nein, bitte, lachen Sie nicht.
 
1:34:39 Ich weiß nicht, weshalb Sie
über diesen Unsinn lachen.
  
1:34:45 Wir haben eben gesagt,
dass, wenn Sie beobachten,
  
1:34:51 wenn Sie sagen,
ich höre diesen Lärm,
  
1:34:55 ich höre nichts anderes,
 
1:34:58 ohne Widerstand,
 
1:35:04 dann mag der Lärm für immer weitergehen,
er berührt Sie nicht.
  
1:35:09 Sobald Sie widerstehen,
 
1:35:12 d.h., Sie, getrennt von dem Lärm,
 
1:35:18 nicht mit ihm identifiziert.
 
1:35:22 Ich weiß nicht,
ob Sie den Unterschied erkennen.
  
1:35:29 Der Lärm geht weiter.
 
1:35:32 Ich kann mich von ihm abschneiden,
indem ich ihm widerstehe,
  
1:35:39 eine Mauer zwischen mir
und dem Lärm errichten,
  
1:35:45 was geschieht dann?
 
1:35:48 Was geschieht,
wenn ich mich gegen etwas sträube?
  
1:35:52 Es gibt Konflikt,
 
1:35:54 nicht wahr?
 
1:35:56 Kann ich diesem Lärm zuhören,
ohne jeglichen Widerstand?
  
1:36:01 F: Ja, wenn Sie wissen, dass der Lärm
in einer Stunde aufhören wird.
  
1:36:05 K: Nein,
 
1:36:08 das ist immer noch Teil Ihres Widerstands.
 
1:36:11 F: Das heißt, dass ich
für den Rest meines Lebens
  
1:36:14 dem Straßenlärm zuhören kann,
 
1:36:16 ich könnte dabei taub werden...
 
1:36:21 K: Nein,
 
1:36:23 ich meine etwas völlig anderes.
 
1:36:28 Wir sagen, dass es Konflikt geben muss,
solange Widerstand da ist.
  
1:36:36 Ob ich mich gegen meine Frau
oder meinen Mann sträube,
  
1:36:41 oder gegen das Hundegebell,
 
1:36:45 oder den Straßenlärm,
es muss Konflikt geben.
  
1:36:50 Wie kann ich dem Lärm zuhören,
ohne Konflikt?
  
1:36:55 Nicht in der Hoffnung, dass er aufhören
 
1:36:58 und nicht ewig weitergehen wird.
 
1:37:00 Wie kann ich dem Lärm zuhören,
ohne jeglichen Konflikt?
  
1:37:06 Darüber sprechen wir jetzt.
 
1:37:08 Sie können dem Lärm zuhören,
wenn der Geist vollkommen frei
  
1:37:15 von jeglichem Widerstand ist.
 
1:37:22 Nicht nur was den Lärm betrifft,
sondern alles im Leben,
  
1:37:28 Ihr Mann, Ihre Frau,
Ihre Kinder,
  
1:37:30 die Politiker, hören Sie zu.
 
1:37:33 Was geschieht dann?
 
1:37:36 Ihr Zuhören wird viel scharfsinniger.
 
1:37:41 Sie werden viel sensitiver.
 
1:37:44 Dann ist der Lärm nur ein Teil,
 
1:37:49 er macht nicht die ganze Welt aus.
 
1:37:53 Also ist der eigentliche Vorgang
des Zuhörens wichtiger als der Lärm.
  
1:38:03 Das Entscheidende ist das Zuhören,
 
1:38:07 nicht der Lärm.
 
1:38:10 Ich sollte besser aufhören,
es ist zehn nach sieben.