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Beziehungen

New York - 24 April 1971

Public Talk 3



0:33 Heute Abend würde ich gerne
 
0:36 verschiedene Dinge ansprechen:
 
0:44 Unsere Beziehungen,
 
0:51 die Liebe,
 
0:56 und das gesamte menschliche Dasein;
 
1:02 unseren Alltag eingeschlossen,
 
1:10 und die riesengroßen Probleme,
die wir haben,
  
1:18 die Konflikte,
 
1:23 die Freuden und Ängste,
 
1:32 und dieses ganz Außergewöhnliche,
das wir den Tod nennen.
  
1:42 Wie wir neulich sagten,
 
1:50 sollten wir uns nicht
auf Theorien einlassen,
  
1:57 auf spekulative,
unterhaltsame Konzepte.
  
2:05 Wir sollten vielmehr
die Tatsache erkennen,
  
2:09 dass wir die Welt sind,
und die Welt wir.
  
2:15 Wir sind die Welt,
 
2:20 und die Welt ist jeder Einzelne von uns.
 
2:25 Wenn wir das spüren
 
2:28 und uns darauf wirklich einlassen,
auf nichts anderes,
  
2:39 werden wir nicht nur ein Gefühl
großer Verantwortung verspüren,
  
2:48 sondern es wird ein Handeln bewirkt,
das nicht fragmentarisch,
  
2:56 sondern ganzheitlich ist.
 
3:00 Wir vergessen nur allzu leicht,
 
3:05 dass unsere Gesellschaft
und die Kultur, in der wir leben,
  
3:10 in der wir aufgewachsen sind,
 
3:15 die uns konditioniert hat,
 
3:18 menschlichem Streben entspringt.
 
3:22 Sie ist das Ergebnis menschlicher
Konflikte, von Elend und Leid,
  
3:27 und beides, unsere Kultur und
das Individuum und die Gemeinschaft
  
3:32 sind wir alle, jeder Einzelne von uns,
wir sind davon nicht getrennt.
  
3:39 Um das zu spüren,
 
3:43 nicht als intellektuelle Vorstellung,
 
3:48 sondern um diese Tatsache
wirklich zu spüren,
  
3:53 müssen wir uns fragen,
was Beziehungen bedeuten.
  
4:00 Denn wir leben in Beziehungen.
 
4:07 Das Leben bewegt sich
innerhalb von Beziehungen.
  
4:12 Und wenn wir die Bedeutung
von Beziehungen nicht verstehen,
  
4:20 werden wir uns unweigerlich
nicht nur isolieren,
  
4:27 sondern eine Gesellschaft schaffen,
in der Menschen voneinander getrennt sind,
  
4:37 nicht nur was ihre Nationalität oder
Religion betrifft, sondern auch sie selbst.
  
4:42 Deshalb projizieren sie das, was sie
in sich tragen, in die Umwelt.
  
4:52 Ich weiß nicht,
 
4:54 ob wir diese Frage
zutiefst untersucht haben,
  
5:02 um herauszufinden, ob wir
 
5:07 in vollkommener Harmonie,
 
5:15 in vollkommenem Einverständnis
miteinander leben können,
  
5:25 so dass keine Barriere,
 
5:30 keine Trennung mehr vorhanden ist,
 
5:34 sondern ein Gefühl vollkommener Einheit.
 
5:40 Denn in Beziehung zu sein bedeutet,
nicht wahr,
  
5:46 verbunden zu sein.
 
5:52 Nicht durch eine Aktivität,
 
5:55 durch irgendein Projekt,
 
5:59 durch eine Ideologie oder ein Konzept,
 
6:07 sondern ganz und gar miteinander
verbunden zu sein,
  
6:13 in dem Sinn,
 
6:19 dass eine Trennung,
eine Fragmentierung
  
6:23 zwischen zwei Menschen
 
6:25 auf keiner Ebene mehr vorhanden ist.
 
6:32 Wenn wir diese Art von Beziehung
nicht herstellen können,
  
6:41 glaube ich,
 
6:48 dass bei dem Versuch,
Ordnung in der Welt zu schaffen,
  
6:54 ob nun theoretisch
oder technologisch,
  
7:01 die Menschheit unweigerlich
 
7:04 nicht nur tief spalten wird.
 
7:09 Wir werden auch die Korruption
nicht verhindern können.
  
7:21 Die Korruption hat ihren Ursprung
in der Beziehungslosigkeit.
  
7:28 Meiner Meinung nach ist das
die Wurzel der Korruption.
  
7:37 Beziehungen, wie wir sie jetzt kennen,
 
7:45 beruhen auf voneinander
getrennten Individuen.
  
7:51 Das Wort Individuum,
 
7:55 der Ursprung dieses Wortes
 
7:59 bedeutet unteilbar,
 
8:03 ein Mensch, der in sich selbst
nicht getrennt, nicht fragmentiert ist,
  
8:10 ist tatsächlich ein Individuum.
 
8:15 Doch die meisten von uns
sind keine Individuen.
  
8:20 Wir glauben, es zu sein,
 
8:23 deshalb gibt es den Widerstand
des Individuums
  
8:29 gegen die Gemeinschaft.
 
8:33 Doch wir müssen nicht nur
 
8:36 die Bedeutung dieses Wortes verstehen,
so wie sie im Wörterbuch steht,
  
8:42 sondern die tiefe Bedeutung
der Individualität,
  
8:48 in der es keinerlei Fragmentierung gibt.
 
8:53 D.h., in dem der Geist, das Herz
und der physische Organismus
  
9:00 in vollkommener Harmonie
miteinander leben können.
  
9:03 Nur dann ist Individualität möglich.
 
9:11 Unsere derzeitigen Beziehungen
zueinander
  
9:17 - egal, wie intim oder oberflächlich,
 
9:21 wie tiefgründig oder flüchtig -
 
9:27 sie sind, wenn wir sie genau untersuchen,
 
9:33 fragmentiert.
 
9:38 Die Ehefrau oder der Ehemann,
der Junge oder das Mädchen,
  
9:43 sie leben in ihrem eigenen Kokon,
 
9:49 sie leben für ihren eigenen Ehrgeiz,
 
9:56 verfolgen ihre persönlichen
und egoistischen Ziele,
  
10:05 sie sind neidvoll.
 
10:10 All das trägt dazu bei,
 
10:14 dass wir uns von uns selbst
ein Bild machen,
  
10:23 und durch dieses Bild treten wir
mit anderen in Beziehung,
  
10:30 wodurch keine wirkliche Beziehung
entstehen kann.
  
10:38 Ich weiß nicht, ob Sie sich wirklich
des Bildes bewusst sind,
  
10:45 das Sie von sich haben,
 
10:50 ob Sie die Beschaffenheit und die Natur
dieses Bildes erkennen,
  
10:54 das Sie um sich herum
und in sich errichtet haben.
  
11:02 Wir alle machen das immerzu.
 
11:07 Und wie können wir miteinander
in Beziehung treten,
  
11:16 wenn es dieses persönlichen Streben gibt,
 
11:23 den Neid, den Wettbewerb, die Gier,
 
11:29 all diese Faktoren,
 
11:35 die in der modernen Gesellschaft
gefördert und übertrieben werden.
  
11:43 Wie können wir eine Beziehung
miteinander haben,
  
11:49 wenn jeder auf seine eigene
persönliche Leistung bedacht ist,
  
11:58 seinen eigenen persönlichen Erfolg?
 
12:05 Ich weiß nicht, ob man sich dessen
überhaupt bewusst ist.
  
12:11 Wir sind in einer Weise konditioniert,
 
12:15 dass wir das als Norm akzeptieren,
 
12:20 als Lebensmuster,
 
12:24 dass jeder seinen besonderen
 
12:30 Eigenheiten nachgehen muss,
 
12:37 seinen ihm eigenen Neigungen.
 
12:43 Trotz allem versuchen wir,
mit anderen in Beziehung zu treten.
  
12:50 Wir tun das, nicht wahr,
 
12:57 wenn wir nur genau hinschauen.
 
13:02 Das ist es, was wir tun,
 
13:04 tun wir das nicht alle?
 
13:07 Sie sind möglicherweise verheiratet,
 
13:13 Sie gehen ins Büro,
in die Fabrik,
  
13:18 egal was Sie tun,
 
13:20 es ist Ihre tägliche Beschäftigung.
 
13:24 Und sie in ihrem Haushalt,
 
13:28 mit ihren eigenen Schwierigkeiten,
ihren eigenen Nichtigkeiten,
  
13:32 all das passiert.
 
13:38 Wo findet eine Beziehung
zwischen diesen beiden Menschen statt?
  
13:44 Im Bett,
 
13:49 beim Sex?
 
13:54 Diese Beziehung ist doch
derart oberflächlich,
  
14:01 derart
 
14:08 eingegrenzt,
 
14:12 und das allein ist doch verderblich.
 
14:21 Vielleicht werden Sie fragen,
 
14:26 wie man leben soll,
wenn man nicht ins Büro geht,
  
14:30 nicht dem eigenen Ehrgeiz
und Neid nachgeht,
  
14:36 dem eigenen Verlangen,
etwas zu erreichen.
  
14:44 Wenn man all das nicht tut,
was kann man dann tun?
  
14:50 Ich glaube, dass das
die vollkommen falsche Frage ist,
  
14:55 nicht wahr?
 
14:58 Denn uns geht es doch darum,
 
15:02 eine radikale Veränderung
 
15:07 in der gesamten Struktur des Geistes
herbeizuführen.
  
15:14 Die Krise ist nicht im Außen,
 
15:19 die Krise ist im eigenen Bewusstsein.
 
15:28 Und bis wir dieser Krise nicht
 
15:35 auf den Grund gegangen sind,
 
15:38 nicht mithilfe eines Philosophen
oder Lehrers,
  
15:42 sondern sie in uns selbst
in der Tiefe begriffen
  
15:47 und verstanden haben,
 
15:53 wird es uns unmöglich sein,
einen Wandel herbeizuführen.
  
15:58 Wir streben nach einer Revolution
in der Psyche.
  
16:05 Diese Revolution
kann nur vollbracht werden,
  
16:09 wenn es unter Menschen
 
16:14 angemessene Beziehungen gibt.
 
16:23 Wie können diese Beziehungen
herbeigeführt werden?
  
16:29 Dieses Problem ist offenkundig,
nicht wahr?
  
16:37 Wenn ich verheiratet bin,
 
16:39 habe ich eine Verantwortung,
 
16:42 Kinder, all das.
 
16:46 Ich gehe ins Büro oder
irgendeiner Beschäftigung nach
  
16:51 und verbringe dort meinen ganzen Tag.
 
16:56 Bitte teilen Sie dieses Problem mit mir.
 
17:02 Es ist Ihr Problem, nicht meins.
 
17:10 Es ist Ihr Leben, nicht mein Leben.
 
17:16 Es ist Ihr Leid, Ihre Sorge,
 
17:19 Ihre Angst, Ihr Schuldgefühl.
 
17:24 Die große Last des Leids,
 
17:29 daraus besteht unser Leben,
aus diesem Kampf.
  
17:42 Wenn Sie lediglich
 
17:47 einer Beschreibung zuhören,
 
17:55 werden Sie feststellen,
dass Sie nur
  
18:00 an der Oberfläche schwimmen,
ohne ein einziges Problem gelöst zu haben.
  
18:06 Es ist wirklich Ihr Problem.
 
18:13 Der Sprecher
 
18:20 beschreibt das Problem nur,
 
18:23 wohl wissend, dass eine Beschreibung
nicht das Beschriebene ist.
  
18:35 Wir teilen dieses Problem also gemeinsam.
 
18:40 Die Frage lautet,
 
18:42 wie können Menschen,
Sie und ich,
  
18:48 inmitten von all diesem Aufruhr,
 
18:53 dem Durcheinander, dem Hass, dem Krieg,
 
18:56 der Zerstörung und dem Verfall,
 
19:00 von diesen schrecklichen Dingen,
die in der Welt vor sich gehen,
  
19:04 wie können wir
angemessene Beziehungen finden?
  
19:14 Um das herauszufinden,
so scheint es mir,
  
19:18 müssen wir untersuchen,
was tatsächlich geschieht,
  
19:25 wahrnehmen, was tatsächlich ist,
 
19:27 nicht das, was wir gern hätten.
Wir sollten auch nicht versuchen,
  
19:31 unsere Beziehungen an
einem zukünftigen Konzept auszurichten,
  
19:39 sondern einfach nur beobachten,
wie sie jetzt sind.
  
19:49 Und wenn wir das,
was jetzt ist, beobachten,
  
19:53 die Tatsache, die Wahrheit,
 
19:55 die Wirklichkeit sehen,
 
20:00 dann besteht die Möglichkeit
einer Veränderung.
  
20:05 Wie wir neulich schon sagten,
 
20:08 ist außerordentlich viel Energie da,
wenn sich eine Möglichkeit offenbart.
  
20:16 Die Energie wird vergeudet,
 
20:19 wenn man meint, dass keine
Änderung möglich ist.
  
20:29 Wir müssen unsere
Beziehungen also sehen,
  
20:35 so wie sie wirklich sind,
tagtäglich.
  
20:43 Und wenn wir sehen, was ist,
 
20:49 werden wir herausfinden,
 
20:52 wie eine Veränderung
des Bestehenden herbeigeführt werden kann.
  
20:59 Wir beschreiben also Tatsachen,
 
21:07 wie beispielsweise jeder in seiner
eigenen Welt lebt,
  
21:13 in seiner Welt des Ehrgeizes,
der Gier,
  
21:18 der Angst,
 
21:21 des Erfolgszwangs, usw.,
 
21:23 Sie wissen, was vor sich geht.
 
21:33 Wir begegnen einander,
 
21:35 Eheleute,
oder ein Junge und ein Mädchen,
  
21:39 im Bett.
 
21:46 Wir nennen das Liebe,
 
21:53 führen jedoch getrennte Leben,
sind isoliert,
  
22:01 wir errichten eine Mauer des Widerstands
um uns herum, und sind
  
22:08 nur auf unser eigenes Wohl bedacht.
 
22:12 Wir alle sind auf der Suche nach
psychologischer Sicherheit,
  
22:19 wir sind voneinander abhängig,
 
22:23 wir brauchen Trost, Vergnügen
 
22:26 und Gemeinschaft,
 
22:28 denn jeder einzelne von uns
ist schrecklich einsam.
  
22:37 Wir alle verlangen nach Liebe,
 
22:40 Wertschätzung,
 
22:45 und versuchen,
einander zu beherrschen.
  
23:01 Wenn wir das erkennen,
 
23:03 - es ist offensichtlich,
 
23:07 denn Sie können sich davon überzeugen,
wenn Sie sich selbst beobachten -
  
23:18 gibt es überhaupt irgendeine Art
von Beziehung?
  
23:25 Da es zwischen zwei Menschen
keine Beziehung gibt,
  
23:32 obwohl Sie möglicherweise Kinder
und ein Haus haben,
  
23:38 sind sie in Wirklichkeit nicht
miteinander verbunden.
  
23:44 Wenn sie ein gemeinsames Projekt haben,
 
23:48 trägt dieses Projekt sie,
es hält Sie zusammen,
  
23:52 doch das ist keine Beziehung.
 
24:02 Wir sehen das alles
 
24:05 und erkennen,
 
24:07 dass Beziehungslosigkeit zwischen
zwei Menschen
  
24:13 ins Verderben führt.
 
24:16 Nicht in der äußeren
Gesellschaftsstruktur,
  
24:24 der Verunreinigung
 
24:29 im Außen.
 
24:32 Doch Verunreinigung, Verfall,
 
24:35 Zerstörung beginnt,
 
24:38 wenn Menschen einfach keinerlei
Beziehung zueinander haben,
  
24:43 so wie Sie.
 
24:47 Sie halten vielleicht Händchen,
 
24:51 küssen einander, schlafen miteinander,
 
25:00 doch wenn Sie ganz genau hinschauen,
 
25:05 gibt es da irgendeine Art
von Beziehung?
  
25:09 Das heißt, einen Bezug
zueinander zu haben,
  
25:14 nicht voneinander abhängig zu sein,
 
25:19 nicht durch Andere der eigenen
 
25:24 Einsamkeit entfliehen zu wollen,
 
25:32 nicht bei Anderen Trost
 
25:37 und Gemeinschaft zu suchen.
 
25:42 Wenn Sie Trost suchen,
 
25:46 ein Abhängigkeitsverhältnis,
 
25:52 kann man das als
Beziehung bezeichnen,
  
25:54 oder benutzen Sie einander nur?
 
26:01 Das ist nicht zynisch gemeint, sondern
wir beobachten nur Tatsachen,
  
26:08 das ist kein Zynismus.
 
26:17 Um also herauszufinden,
was Beziehung ist,
  
26:20 wie es ist, eine wirkliche
Beziehung miteinander zu haben,
  
26:24 müssen wir das Problem
der Einsamkeit verstehen.
  
26:31 Denn die meisten von uns
sind schrecklich einsam.
  
26:35 Je älter wir werden,
desto einsamer werden wir,
  
26:41 besonders in diesem Land.
 
26:44 Haben Sie alte Leute wahrgenommen,
wie sie sind?
  
26:53 Haben Sie bemerkt, wie sie auf der
Flucht sind, ihren Zeitvertreib?
  
27:02 Sie haben ihr ganzes Leben lang gearbeitet
 
27:04 und suchen jetzt Zuflucht
in irgendeiner Form von Unterhaltung.
  
27:17 Wir versuchen also, herauszufinden,
 
27:22 ob es eine Lebensweise gibt,
in der wir uns nicht gegenseitig
  
27:32 psychologisch und emotional ausnutzen,
 
27:35 in der wir nicht
voneinander abhängig sind,
  
27:43 in der wir einander nicht benutzen,
um unseren eigenen Qualen zu entfliehen,
  
27:48 unserer Verzweiflung
 
27:51 und unserer Einsamkeit.
 
28:03 Um das zu verstehen,
 
28:05 was es heißt, einsam zu sein.
 
28:16 Sind Sie jemals einsam gewesen?
 
28:20 Wissen Sie, was das heißt?
 
28:24 Dass Sie keinerlei Beziehung
zueinander haben
  
28:29 und vollkommen isoliert sind.
 
28:35 Vielleicht befinden Sie sich
im Kreis Ihrer Familie,
  
28:37 in einer Menschenmenge oder im Büro,
wo auch immer,
  
28:41 und ganz unvorbereitet trifft es Sie,
 
28:44 das Gefühl vollkommener Einsamkeit
und Verzweiflung.
  
28:55 Und bis Sie dieses Problem
nicht vollkommen gelöst haben,
  
29:02 wird aus Ihrer Beziehung
ein Mittel zur Flucht, das infolgedessen
  
29:08 ins Verderben führt,
 
29:12 ins Leid.
 
29:18 Also, wie können wir
diese Einsamkeit begreifen,
  
29:22 dieses Gefühl vollkommener Isolation?
 
29:31 Dafür müssen wir
unser eigenes Leben anschauen.
  
29:37 Ist nicht alles, was Sie tun,
 
29:44 eigennützig?
 
29:47 Hin und wieder sind Sie vielleicht
wohltätig,
  
29:51 hin und wieder großzügig,
 
29:53 und Sie tun etwas ohne Hintergedanken,
 
29:56 doch das kommt selten vor.
 
30:02 In Wirklichkeit
 
30:07 kann die Verzweiflung, wenn wir vor
ihr fliehen, niemals aufgelöst werden.
  
30:14 Wir müssen sie beobachten.
 
30:17 Also kommen wir noch einmal
auf die Frage des Beobachtens zurück.
  
30:26 Wie können wir uns selbst beobachten,
 
30:29 so dass in dieser Beobachtung
keinerlei Konflikt enthalten ist.
  
30:34 Denn jeglicher Konflikt
führt ins Verderben,
  
30:38 Konflikt ist Energieverschwendung:
 
30:40 Unser Lebenskampf besteht aus Konflikten,
 
30:43 von dem Moment unserer Geburt an
bis wir sterben.
  
30:48 Und ist es möglich, ein Leben zu führen,
 
30:50 in dem es keinen einzigen Konflikt gibt?
 
30:57 Und das für uns selbst herauszufinden,
 
31:01 müssen wir lernen, wie man beobachtet,
 
31:08 unser gesamtes Dasein.
 
31:14 Wir sind neulich auf all das eingegangen.
 
31:19 Es gibt eine Wahrnehmung,
 
31:24 die stimmig ist und wahrhaftig,
 
31:27 wenn kein Beobachter da ist,
nur reine Beobachtung.
  
31:35 Wir sind auf das eingegangen,
ich werde es nicht noch einmal tun.
  
31:39 Denn das wäre
eine ziemliche Zeitverschwendung,
  
31:41 es gibt so viele Dinge, über die
wir noch sprechen sollten.
  
31:51 Kann es Liebe geben, wenn keine
Beziehung vorhanden ist?
  
31:55 Wir werden darüber sprechen.
 
31:59 Denn Liebe, wie wir sie kennen,
 
32:04 bezieht sich auf Sex und Vergnügen,
nicht wahr?
  
32:18 Nicht?
 
32:27 Einige von Ihnen verneinen das.
 
32:32 Wenn Sie das verneinen,
 
32:39 müssen Sie frei von Ehrgeiz sein,
 
32:44 nicht mehr konkurrieren,
 
32:51 es darf keine Trennung geben
 
32:54 zwischen mir und Ihnen,
uns und den anderen,
  
32:58 keine Trennung zwischen
Nationalitäten,
  
33:03 Glaubensrichtungen,
 
33:07 keine Trennung,
die ihren Ursprung in Überzeugungen
  
33:11 oder Wissen hat.
 
33:17 Nur dann können Sie von sich behaupten,
dass Sie lieben.
  
33:27 Doch die meisten Menschen
 
33:30 verbinden Liebe mit Sex und Vergnügen,
 
33:38 und all die Mühsal, die
damit verbunden ist,
  
33:43 Eifersucht, Neid, Feindschaft,
 
33:50 Sie wissen schon, was zwischen
Männern und Frauen geschieht.
  
33:57 Wenn diese Beziehung nicht
wahrhaftig, echt, tief
  
34:04 und vollkommen harmonisch ist,
 
34:06 wie können Sie dann
Frieden in der Welt haben?
  
34:15 Wie kann der Krieg beendet werden?
 
34:27 Also sind Beziehungen
eine der wichtigsten,
  
34:32 besser gesagt, die wichtigste Sache
im Leben.
  
34:40 D.h., man muss verstehen, was Liebe ist.
 
34:47 Sie werden ihr sicherlich begegnen,
 
34:54 unverhofft, ohne dass Sie darum bitten,
 
35:01 wenn Sie herausgefunden haben,
was sie nicht ist,
  
35:10 was die Liebe nicht ist.
 
35:12 Dann werden Sie wissen, was Liebe ist,
 
35:15 nicht theoretisch, vom Intellekt her
 
35:19 oder wörtlich, sondern
 
35:21 Sie müssen wirklich herausfinden,
was sie nicht ist.
  
35:27 Das heißt,
 
35:31 dass ein Geist, der wetteifert,
 
35:36 der ehrgeizig ist,
 
35:38 strebsam,
 
35:42 der vergleicht und nachahmt,
 
35:46 ein solcher Geist kann unmöglich lieben.
 
35:52 Also können Sie,
die in dieser Welt leben,
  
35:58 können Sie vollkommen ohne Ehrgeiz sein,
 
36:03 sich niemals mit anderen vergleichen?
 
36:13 Denn sobald Sie vergleichen,
gibt es Konflikt,
  
36:19 Neid und Ehrgeiz kommen ins Spiel,
 
36:22 und es entsteht der Wunsch,
sich durchzusetzen, andere zu übertrumpfen.
  
36:30 Bitte hören Sie aufmerksam zu,
 
36:35 es ist Ihr Leben, über das wir sprechen.
 
36:42 Können denn der Geist und das Herz,
 
36:48 mit all den gespeicherten Verletzungen,
 
36:55 allen Beleidigungen,
 
36:58 allen Dingen, die sie verletzbar
und stumpf gemacht haben,
  
37:07 können ein solcher Geist und
ein solches Herz wissen, was Liebe ist?
  
37:17 Ist Liebe Vergnügen?
 
37:22 Und doch ist es das, wonach wir streben,
 
37:25 bewußt oder unbewußt.
 
37:30 Unsere Götter entspringen
unserem Vergnügen,
  
37:38 unseren Überzeugungen,
 
37:40 unserer sozialen Struktur,
unserer Sozialmoral,
  
37:45 die im wesentlichen unmoralisch ist,
 
37:48 denn sie ist das Ergebnis unserer
Vergnügungssucht.
  
37:58 Und wenn Sie sagen,
dass Sie jemanden lieben,
  
38:02 ist das Liebe?
 
38:05 Das würde voraussetzen,
dass es keine Trennug gibt,
  
38:10 keine Dominanz,
 
38:12 kein selbstsüchtiges Handeln.
 
38:20 Um also herauszufinden, ob es Liebe ist,
 
38:25 müssen Sie all das ablehnen,
 
38:32 ablehnen in dem Sinne, dass Sie
das Falsche darin erkennen.
  
38:40 Wenn Sie sehen, dass etwas falsch ist,
 
38:44 das Sie für wahr gehalten haben,
 
38:48 für natürlich, für menschlich,
 
38:53 wenn Sie das erkannt haben,
haben Sie für immer damit abgeschlossen.
  
38:59 Wenn Sie eine gefährliche Schlange sehen
oder ein gefährliches Tier,
  
39:06 werden Sie niemals mehr
damit herumspielen,
  
39:11 Sie werden Abstand halten.
 
39:15 Wenn Sie gleichermaßen erkennen,
 
39:17 dass Liebe
keine dieser Dinge ist,
  
39:23 es tatsächlich sehen, fühlen,
 
39:26 darin eintauchen,
 
39:33 damit leben,
 
39:37 dem vollkommen verpflichtet sind,
 
39:42 dann wissen Sie, was Liebe ist.
 
39:46 Sie werden dann wissen,
was Mitgefühl ist,
  
39:48 und zwar jene Leidenschaft,
die jeden Einzelnen meint.
  
39:56 Doch wir besitzen keine Leidenschaft,
 
40:02 statt dessen begehren wir
und streben nach Vergnügen.
  
40:07 Der Begriff Leidenschaft
 
40:12 hat seine Wurzel im Leiden.
 
40:22 Wir haben alle gelitten,
 
40:25 auf die eine oder andere Weise.
 
40:28 Wir haben jemanden verloren,
 
40:33 wir haben Selbstmitleid,
 
40:41 die gesamte Menschheit leidet,
 
40:47 auf kollektiver und persönlicher Ebene.
 
40:50 - Wir alle kennen das Leid -
 
40:53 der Tod eines Menschen, von dem
wir glaubten, dass wir ihn liebten.
  
41:02 Wenn wir uns diesem Leid
vollkommen hingeben,
  
41:05 nicht davor fliehen,
 
41:09 nach keinerlei Begründungen suchen,
 
41:12 weder mit Worten noch mit Taten
 
41:18 ausweichen;
 
41:20 Wenn Sie sich diesem Leid
vollkommen hingeben,
  
41:22 restlos,
 
41:26 das Denken gänzlich beiseite lassen,
 
41:31 dann werden Sie herausfinden, dass dieses
Leid sich in Leidenschaft verwandelt.
  
41:42 Diese Leidenschaft ähnelt der Liebe,
 
41:49 denn in der Liebe gibt es kein Leid.
 
42:03 Diese gesamte Daseinsproblematik
gilt es zu verstehen,
  
42:10 die Konflikte, die Kämpfe,
 
42:18 das Leben, das man führt,
 
42:21 das derart leer,
 
42:24 derart sinnlos ist,
 
42:29 dem die Intellektuellen einen Sinn,
 
42:34 eine Bedeutung zu geben versuchen.
 
42:41 Wir möchten einen Lebenssinn finden,
 
42:44 denn so, wie es von uns gelebt wird,
ist es sinnlos,
  
42:50 nicht wahr?
 
42:53 Unser ständiger Kampf,
 
42:56 die nicht enden wollende Arbeit,
 
43:04 der Kummer, das Leid,
 
43:13 die Mühsal, die das Leben mit sich bringt,
 
43:16 das alles ergibt wirklich keinen Sinn,
 
43:22 wir durchleben es aus Gewohnheit.
 
43:26 Doch um herauszufinden, welchen
Sinn das Leben hat,
  
43:33 müssen verstehen, welche Bedeutung
dem Tod zukommt,
  
43:40 denn leben und sterben sind eins,
 
43:45 sie sind nicht voneinander getrennt.
 
43:52 Wir müssen also herausfinden,
 
43:57 was es bedeutet zu sterben,
 
44:01 denn sterben ist Teil unseres Lebens,
 
44:07 nicht etwas, das in weiter Ferne liegt,
dem wir ausweichen,
  
44:16 und mit dem wir uns nur befassen,
wenn wir ernsthaft krank
  
44:22 oder alt sind, einen Unfall haben
 
44:27 oder auf dem Schlachtfeld sterben.
 
44:38 Er ist also Teil unseres Lebens,
 
44:42 unseres täglichen Lebens,
 
44:47 so wie unser tägliches Lebens
darin besteht,
  
44:50 ohne eine Spur des Konflikts
 
44:53 zu leben.
 
45:02 In unserem Leben gilt es herauszufinden,
was es heißt zu lieben.
  
45:09 Auch das ist Teil unseres Daseins,
 
45:15 denn unser gesamtes Dasein
sollte nicht einfach mit dem Tod enden.
  
45:26 Wir müssen ihn verstehen.
 
45:33 Wie verstehen wir,
was der Tod ist?
  
45:42 Verstehen Sie ihn,
wenn Sie im Begriff sind zu sterben,
  
45:46 im letzten Moment,
 
45:51 ohne Bewusstsein?
 
45:53 Möglicherweise wird Ihre Lebensweise,
 
45:57 all die Belastungen,
die emotionalen Kämpfe,
  
46:04 Ihr Ehrgeiz, Ihr Mühen
 
46:10 im letzten Moment
 
46:17 eine klare Wahrnehmung verhindern.
 
46:23 Dann gibt es das Alter
 
46:28 und die Furcht vor dem Altern,
 
46:32 wenn der Verstand nachlässt,
 
46:40 all das.
 
46:45 Man muss den Tod also jetzt verstehen,
nicht erst morgen.
  
46:53 Haben Sie beobachtet,
 
46:55 dass das Denken
darüber nicht nachdenken will?
  
47:02 Es denkt an all die Dinge,
die es morgen tun wird,
  
47:09 wie es Brücken bauen,
 
47:13 Dinge erfinden wird,
 
47:16 schönere Badezimmer,
 
47:19 alles, womit die Gedanken
sich beschäftigen können,
  
47:24 doch sie möchten nicht
über den Tod nachdenken,
  
47:28 denn sie wissen nicht,
was er bedeutet.
  
47:40 Kann der Sinn des Todes
 
47:42 durch den Denkprozess gefunden werden?
 
47:51 Teilen wir diese Frage miteinander?
 
47:57 Bitte tun Sie es.
 
48:03 Wenn wir sie teilen,
 
48:05 werden wir beginnen,
die Schönheit darin zu erkennen.
  
48:10 Doch wenn Sie dort sitzen
und dem Sprecher das Reden überlassen,
  
48:16 seinen Worten einfach nur zuhören,
dann teilen wir nicht.
  
48:22 Gemeinsam an etwas teilzuhaben beinhaltet
eine gewisse Fürsorge,
  
48:28 Aufmerksamkeit, Zuneigung und Liebe.
 
48:34 Denn der Tod stellt uns vor
ein gewaltiges Problem.
  
48:41 Junge Menschen sagen vielleicht,
was kümmert es Sie?
  
48:47 Denn ein Teil ihres Lebens
 
48:50 dreht sich um die Enthaltsamkeit.
 
48:55 Nicht nur, weshalb über
die Enthaltsamkeit gesprochen wird,
  
48:59 das ist Sache der alten Knacker,
 
49:03 der dummen Mönche.
 
49:09 Doch für die Menschen ist sie
ein Problem gewesen,
  
49:16 sie wurde nicht von Priestern erfunden
 
49:20 oder von modernen Katholiken,
 
49:24 das Problem gibt es
seit fünftausend Jahren,
  
49:31 zu verstehen, was es heißt,
enthaltsam zu leben.
  
49:42 Es gilt auch zu fragen,
 
49:49 ob der Geist vollkommen
unschuldig sein kann.
  
49:58 Da wir nicht wissen, wie
ein keusches Leben gelebt werden kann,
  
50:05 unterwerfen wir uns Keuschheitsgelübten
und erleiden Qualen,
  
50:15 biologische Qualen.
 
50:20 Das ist keine Enthaltsamkeit.
 
50:25 Enthaltsamkeit ist etwas völlig anderes.
 
50:29 Es bedeutet, einen Geist zu haben,
der frei ist von allen Bildern,
  
50:38 von jeglichem Wissen,
was bedeutet,
  
50:42 den gesamten Vorgang
des Vergnügens und der Angst zu verstehen,
  
50:46 wir haben das neulich behandelt.
 
50:51 Auf ähnliche Weise
 
50:53 muss man den Tod verstehen.
 
51:03 Wie gehen wir vor, wenn wir
etwas verstehen wollen,
  
51:07 vor dem wir uns entsetzlich fürchten?
 
51:16 Haben nicht die meisten von uns
Angst vor dem Tod?
  
51:20 Oder sind wir froh,
dass wir sterben werden,
  
51:25 weil wir genug von diesem Leben haben,
 
51:29 mit all dem Elend,
 
51:32 dem Durcheinander,
der Schäbigkeit,
  
51:37 den belanglosen Streitereien,
 
51:40 dem Gemetzel, der Brutalität,
der Gewalt,
  
51:44 all den mechanischen Abläufen, in denen
wir gefangen sind,
  
51:49 Gottseidank hört das alles auf.
 
51:54 Das ist keine Lösung.
 
51:58 Oder sollte man den Tod
mit dem Verstand begründen
  
52:06 oder an irgendeine Wiedergeburt glauben,
 
52:12 wie in allen asiatischen Ländern,
 
52:16 Reinkarnation.
 
52:22 Herausfinden,
was es mit der Reinkarnation auf sich hat,
  
52:26 d.h., im nächsten Leben zu inkarnieren,
 
52:31 wiedergeboren zu werden,
 
52:38 Sie, in einer zukünftigen Existenz.
 
52:42 Um das herauszufinden,
 
52:45 müssen Sie herausfinden,
was Sie jetzt sind.
  
52:48 Was sind Sie jetzt,
 
52:50 wenn Sie an die Reinkarnation glauben,
was sind Sie jetzt?
  
52:55 Eine Menge von Worten, Erfahrung, Wissen,
 
53:03 geprägt durch verschiedene Kulturen,
 
53:07 all das, was Ihr Leben ausmacht,
 
53:11 Ihre Möbel, Ihr Haus,
Ihr Bankkonto,
  
53:19 Ihre freud- und leidvollen Erfahrungen,
 
53:24 das ist was Sie sind, nicht wahr?
 
53:26 Ihre Erinnerungen,
 
53:33 Ihr Scheitern,
Ihre Hoffnungen, Ihr Verzweifeln,
  
53:38 das alles macht Sie jetzt aus.
 
53:41 Und das wird
im nächsten Leben wiedergeboren.
  
53:43 Eine schöne Vorstellung, nicht wahr?
 
53:51 Oder glauben Sie, dass sich
in Ihnen eine dauerhafte Seele,
  
53:54 ein dauerhaftes Wesen befindet?
 
53:58 Gibt es in Ihnen
irgend etwas von Dauer?
  
54:02 Sobald Sie von einem Fortbestehen
der Seele sprechen,
  
54:08 einem dauerhaften Wesen,
 
54:12 ist dieses Wesen ein Ergebnis
Ihres Denkens,
  
54:20 oder ein Ergebnis Ihrer Hoffnung,
 
54:22 denn es gibt so viel Unsicherheit,
 
54:28 alles ist vergänglich, flüchtig,
in Bewegung.
  
54:35 Wenn Sie also behaupten, dass es etwas
Dauerhaftes gibt,
  
54:39 ist dieses Dauerhafte ein Ergebnis
Ihres Denkens.
  
54:46 Und das Denken ist die Vergangenheit.
 
54:51 Das Denken ist niemals frei,
es kann sich alles Mögliche ausdenken.
  
54:59 Wenn Sie also an eine zukünftige
Geburt glauben,
  
55:04 dann müssen Sie wissen,
dass die Zukunft
  
55:11 durch Ihre jetzige Lebensweise
bestimmt wird,
  
55:17 durch das, was Sie jetzt tun,
 
55:23 durch Ihr Denken, Ihr Verhalten,
 
55:28 Ihre Moral.
 
55:31 Was Sie jetzt also sind,
was Sie jetzt tun,
  
55:35 ist unglaublich wichtig.
 
55:42 Doch Menschen,
die an eine Wiedergeburt glauben,
  
55:48 ist es vollkommen egal,
was jetzt geschieht,
  
55:52 alles nur Glaubenssache.
 
55:59 Wie werden Sie herausfinden,
was der Tod bedeutet?
  
56:06 Jetzt, solange Sie noch voller
Lebenskraft und Energie
  
56:09 und gesund sind,
 
56:12 nicht erst, wenn Sie geistesgestört sind,
unausgeglichen oder krank,
  
56:20 nicht im letzten Moment - jetzt.
 
56:22 Wie finden Sie das heraus,
 
56:26 denn der Organismus wird sich
unweigerlich abnutzen.
  
56:34 Wie alle Maschinen muss er sich abnutzen,
 
56:39 doch unglücklicherweise gehen wir
so respektlos mit ihm um,
  
56:48 nicht wahr?
 
56:55 Wie finden Sie also heraus,
was es bedeutet zu sterben,
  
57:03 in dem Bewusstsein,
dass der physische Organismus endlich ist.
  
57:11 Haben Sie je darüber nachgedacht?
 
57:15 Das Denken-
Sie können darüber nicht nachdenken -
  
57:17 Haben Sie jemals versucht,
 
57:23 herauszufinden,
 
57:26 was es bedeutet, psychologisch,
innerlich zu sterben?
  
57:36 Nicht um die Unsterblichkeit zu finden,
 
57:46 denn die Ewigkeit,
die Zeitlosigkeit ist im Jetzt,
  
57:55 nicht in irgendeiner fernen Zukunft.
 
58:00 Und um das zu erforschen,
 
58:04 müssen wir die gesamte Problematik
der Zeit verstehen,
  
58:11 nicht nur die chonologische Zeit
bei der Uhr,
  
58:17 sondern die Zeit, die das Denken
erfunden hat,
  
58:23 als einen allmählichen
Prozess der Veränderung.
  
58:31 Wie werden wir also
dieses seltsame Etwas finden,
  
58:36 mit dem wir alle irgendwann
konfrontiert sein werden,
  
58:43 wie finden Sie es heraus?
 
58:49 Können wir heute psychologisch sterben,
 
59:00 allem sterben,
das wir jemals gekannt haben?
  
59:05 Können wir zum Beispiel
 
59:09 unseren Vergnügungen sterben,
 
59:15 unseren Bindungen,
 
59:18 unseren Abhängigkeiten.
Beenden Sie sie,
  
59:22 ohne Einwände zu erheben,
 
59:25 ohne nach Auswegen zu suchen.
 
59:33 Sie haben meine Frage verstanden?
 
59:37 Nicht ganz?
 
59:45 Sie wissen, was es bedeutet zu sterben,
 
59:47 nicht physisch,
sondern psychisch,
  
59:51 innerlich.
 
59:54 D.h.,
 
1:00:01 das, was von Dauer ist, zu beenden.
 
1:00:07 Verstehen Sie das?
 
1:00:13 Mit Ihrem Ehrgeiz Schluss machen,
 
1:00:19 denn wenn Sie sterben,
wird das geschehen, nicht wahr?
  
1:00:22 Sie können nichts mit hinübernehmen
 
1:00:25 und dann neben Gott Platz nehmen.
 
1:00:39 Wenn Sie tatsächlich sterben,
 
1:00:41 müssen Sie so viele Dinge beenden,
 
1:00:45 ohne Diskussion.
 
1:00:49 Sie können den Tod nicht bitten,
einen Moment zu warten,
  
1:00:51 bis Sie Ihre Angelegenheiten,
 
1:00:58 Ihr Buch beendet haben, all die
Dinge, die unerledigt geblieben sind,
  
1:01:09 bis Sie die Verletzungen geheilt haben,
 
1:01:13 die Sie anderen angetan haben,
 
1:01:16 Sie werden dazu keine Zeit haben.
 
1:01:19 Finden Sie also heraus,
 
1:01:22 wie Sie jetzt, heute,
ein Leben führen können,
  
1:01:30 in dem Sie alles zu Ende bringen können,
 
1:01:38 alles, was Sie angefangen haben,
beenden,
  
1:01:43 natürlich nicht in Ihrem Büro.
 
1:01:49 Doch innerlich, dass Sie Ihr gesamtes
angesammeltes Wissen beiseite legen,
  
1:01:56 das Ihrer Erfahrung, Ihren Erinnerungen,
Ihren Verletzungen entspringt,
  
1:02:05 dem Schmerz,
 
1:02:10 dem vergleichenden Leben,
 
1:02:14 in dem Sie sich immer
mit anderen messen müssen.
  
1:02:21 All dem jeden Tag ein Ende zu bereiten,
 
1:02:24 so dass Ihr Geist am nächsten Tag
frisch und jung ist,
  
1:02:32 denn ein solcher Geist
kann niemals verletzt werden.
  
1:02:37 Das ist Unschuld.
 
1:02:42 Man muss für sich selbst herausfinden,
 
1:02:48 was es bedeutet zu sterben,
 
1:02:53 dann werden Sie keine Angst mehr haben,
 
1:02:58 denn jeder Tag wird ein neuer Tag sein.
 
1:03:02 Das meine ich wirklich.
 
1:03:07 Man kann das tun,
 
1:03:09 und dann werden Ihr Geist, Ihre Augen
 
1:03:14 das Leben vollkommen neu wahrnehmen.
 
1:03:23 Das ist Ewigkeit.
 
1:03:25 Ein Geist, dem dieser
zeitlose Zustand begegnet ist,
  
1:03:29 hat diese Qualität.
 
1:03:33 Denn er hat erkannt, was es heißt,
jeden Tag
  
1:03:37 allem, was sich tagsüber angesammelt hat,
zu sterben.
  
1:03:42 Das ist Liebe.
 
1:03:49 Liebe ist jeden Tag
vollkommen neu.
  
1:03:54 Das Vergnügen nicht,
 
1:03:57 das Vergnügen ist von Dauer.
 
1:04:03 Die Liebe ist immer neu,
 
1:04:06 deshalb ist sie ein Teil der Ewigkeit.
 
1:04:24 Möchten Sie Fragen stellen?
 
1:04:31 F: Nehmen wir an, dass ich durch
objektive Selbstbeobachtung
  
1:04:40 herausgefunden habe, dass ich gierig bin,
genusssüchtig,
  
1:04:47 selbstsüchtig, all das,
 
1:04:50 wie kann ich wissen, ob dieser
Lebensstil gut ist oder schlecht,
  
1:04:55 wenn ich keine vorgefasste Meinung
davon habe, was gut ist?
  
1:05:00 Und wenn ich diese
vorgefasste Meinung habe,
  
1:05:03 kann sie sich
aus der Selbstbeobachtung ergeben.
  
1:05:06 K: Richtig.
 
1:05:07 F: Ich habe noch
eine andere Schwierigkeit,
  
1:05:11 es scheint, dass Sie
an das Teilen glauben,
  
1:05:14 doch gleichzeitig sagen Sie,
 
1:05:16 dass die Liebe von Liebenden
oder Eheleuten
  
1:05:21 nicht auf Trost gründen sollte, dass sie
sich nicht gegenseitig trösten sollen.
  
1:05:24 Ich finde es nicht falsch,
wenn man sich gegenseitig tröstet,
  
1:05:27 dann teilt man doch.
 
1:05:30 K: Richtig.
 
1:05:38 Der Herr meint,
 
1:05:44 dass man eine Vorstellung
vom Guten haben sollte,
  
1:05:51 weshalb sollte man sonst
 
1:05:55 all diesen Ehrgeiz,
 
1:05:59 die Gier und den Neid aufgeben.
 
1:06:06 Das ist Teil
der ersten Frage.
  
1:06:11 Sie müssen eine Vorstellung
 
1:06:18 von dem haben, was gut ist.
 
1:06:22 Sie können eine Vorstellung von dem haben,
was besser ist,
  
1:06:30 doch können Sie eine Vorstellung
von dem haben, was gut ist?
  
1:06:36 F: Ja, ich glaube doch.
 
1:06:39 K: Der Herr sagt, dass er das glaubt.
 
1:06:48 Kann das Denken das Gute hervorbringen?
 
1:06:51 F: Nein, ich meinte
die Idee dieses Guten.
  
1:06:54 K: Ja, die Idee des Guten
ist das Ergebnis des Denkens,
  
1:07:02 wie können Sie sonst begreifen,
was gut ist?
  
1:07:06 F: Aber diese Ideen können sich nicht
 
1:07:08 aus unserer Selbstbeobachtung
ergeben.
  
1:07:10 K: Ich weise Sie nur darauf hin.
 
1:07:13 Weshalb sollten Sie überhaupt
eine Vorstellung vom Guten haben?
  
1:07:17 F: Wie kann ich dann wissen, ob meine
Lebensführung gut ist oder schecht?
  
1:07:22 K: Wie kann ich dann wissen, ob meine
Lebensführung gut ist oder schecht?
  
1:07:26 Hören Sie nur die Frage.
 
1:07:28 Wenn ich keine Vorstellung davon habe,
was gut oder böse ist,
  
1:07:33 wie kann ich dann wissen, was in
meinem Leben gut oder schlecht ist?
  
1:07:46 Wir alle kennen den Konflikt.
 
1:07:53 Muss ich eine Vorstellung
von der Konfliktlosigkeit haben,
  
1:08:01 bevor ich den Konflikt verstehe,
bevor ich mir des Konfliktes bewusst bin?
  
1:08:09 Ich weiß, was Konflikt bedeutet:
 
1:08:13 Kampf, Kummer, Konflikt eben.
 
1:08:19 Das kenne ich doch, ohne zu wissen,
wie es ist, ohne Konflikt zu leben.
  
1:08:30 Und wenn ich beschreibe, was gut ist,
 
1:08:36 werde ich das im Einklang mit
meiner Konditionierung tun,
  
1:08:43 im Einklang mit meinem Denken,
meinem Fühlen,
  
1:08:48 meinen besonderen Eigenheiten,
 
1:08:51 meiner kulturellen Konditionierung.
 
1:08:56 Kann das Gute denn
durch das Denken entworfen werden,
  
1:09:05 und wird das Denken mir dann sagen,
was in meinem Leben gut ist oder schlecht?
  
1:09:18 Oder hat das Gute ganz und gar nichts
mit dem Denken zu tun
  
1:09:23 oder mit einem Schema?
 
1:09:30 Wo kann das Gute
 
1:09:34 erblühen, gedeihen?
 
1:09:38 Bitte sagen Sie es mir.
 
1:09:41 In der Vorstellung eines
 
1:09:46 zukünftigen Ideals?
 
1:09:51 In der Zukunft? Eine Vorstellung
liegt in der Zukunft, in einem Morgen.
  
1:09:57 Sie mag in weiter Ferne liegen
oder auch in naher Zukunft,
  
1:10:01 doch immer noch in der Zeit.
 
1:10:07 Ihre Gedanken
 
1:10:13 entwerfen eine Vorstellung,
 
1:10:16 die ihren Ursprung in
Erinnerungen haben,
  
1:10:23 in angesammeltem Wissen,
 
1:10:26 je nachdem, von welchen
kuturellen Einflüssen Sie geprägt wurden.
  
1:10:31 Werden Sie dieses Gute dann
in der Zukunft finden,
  
1:10:36 vom Denken erschaffen,
 
1:10:38 oder werden Sie es finden,
 
1:10:43 wenn Sie anfangen, den Konflikt,
den Schmerz und das Leid zu verstehen?
  
1:10:52 Wenn Sie also das, was ist, verstehen,
 
1:10:58 und es nicht vergleichen mit
dem, was sein sollte,
  
1:11:03 sondern bei dem bleiben,
was tatsächlich ist,
  
1:11:06 wird aus diesem Verstehen
das Gute wachsen.
  
1:11:11 Das Gute hat ganz und gar nichts
mit dem Denken zu tun, nicht wahr?
  
1:11:19 Hat die Liebe etwas mit dem Denken zu tun?
 
1:11:24 Können Sie Liebe kultivieren, indem
Sie sich ein Wunschbild
  
1:11:30 der Liebe zurechtlegen?
 
1:11:37 Wissen Sie, was geschieht,
wenn Sie Liebe kultivieren?
  
1:11:45 Dann lieben Sie nicht.
 
1:11:48 Sie gehen davon aus, dass Sie
eines Tages lieben werden,
  
1:11:52 und in der Zwischenzeit
sind Sie gewalttätig.
  
1:11:59 Ist das Gute also nur
ein Ergebnis des Denkens,
  
1:12:05 ist Liebe das Ergebnis von Erfahrung,
 
1:12:14 von Wissen?
 
1:12:20 Nun zur zweiten Frage:
 
1:12:24 F: Bei der zweiten Frage ging es
um das Teilen, bezogen auf
  
1:12:28 die Geborgenheit.
 
1:12:32 K: Teilen.
 
1:12:37 Gemeinschaft.
 
1:12:42 Was teilen Sie?
 
1:12:49 Was teilen wir jetzt?
 
1:13:00 Wir haben über den Tod gesprochen,
 
1:13:02 wir haben über die Liebe gesprochen,
 
1:13:04 wir sprachen über die Notwendigkeit
einer totalen Revolution
  
1:13:10 in der Psyche,
einer vollkommenen Umkehr.
  
1:13:14 Nicht in den alten Strukturen
des Kampfes, des Schmerzes,
  
1:13:19 der Nachahmung, der Konformität
weiterzuleben,
  
1:13:24 in denen die Menschheit schon
seit Jahrmillionen gefangen ist
  
1:13:29 und diese wundervoll chaotische Welt
erschaffen hat.
  
1:13:40 Wir haben über den Tod gesprochen,
 
1:13:45 wie können wir damit gemeinsam umgehen?
 
1:13:53 Das Verständnis teilen,
 
1:13:58 nicht auf der verbalen Ebene,
 
1:14:04 nicht wie er beschrieben
oder erklärt wird,
  
1:14:08 das ist alles verbal,
doch was heißt es zu teilen?
  
1:14:14 Eine Erkenntnis, eine Wahrheit zu teilen.
 
1:14:20 Die Wahrheit, die mit dem Verstehen kommt.
 
1:14:29 Was bedeutet es also zu verstehen?
 
1:14:33 Wann verstehen Sie?
 
1:14:40 Sie erzählen mit etwas,
 
1:14:44 das ernstzunehmen,
das wesentlich ist,
  
1:14:49 sachdienlich und wichtig.
 
1:14:54 Ich höre zu,
 
1:14:58 lausche mit allen Sinnen,
weil es mir unendlich wichtig ist.
  
1:15:05 Und um so genau zuzuhören,
muss mein Geist vollkommen still sein.
  
1:15:14 Wenn ich schwatze,
wenn ich irgendwo anders hinschaue,
  
1:15:17 wenn ich Ihre Aussagen
mit meinem Wissen vergleiche,
  
1:15:23 ist mein Geist nicht still.
 
1:15:26 Nur wenn mein Geist still ist
und vollkommen zuhört,
  
1:15:31 gibt es ein Verstehen,
 
1:15:33 ein Verständnis der Wahrheit.
 
1:15:37 Das teilen wir gemeinsam,
 
1:15:40 andernfalls können wir nicht teilen.
 
1:15:43 Wir können die Worte nicht teilen,
 
1:15:48 wir können nur Anteil an
der Wahrheit haben,
  
1:15:52 wenn Sie und ich sehen,
dass etwas wahr ist.
  
1:15:57 Und das kann nur wahrgenommen werden,
 
1:16:00 wenn Ihr Geist gänzlich
in der Beobachtung aufgeht.
  
1:16:11 Wenn Sie mit einem Freund die Schönheit
eines Sonnenuntergangs teilen,
  
1:16:20 die wunderschönen Hügel sehen,
 
1:16:25 die Schatten und das Mondlicht,
 
1:16:30 wie teilen Sie das?
Indem Sie sagen,
  
1:16:32 bitte schauen Sie sich
diesen wunderschönen Hügel an?
  
1:16:38 Vielleicht sagen Sie das,
 
1:16:42 doch ist das teilen?
 
1:16:50 Wann teilen Sie wirklich?
 
1:16:55 Denn wenn wir
etwas gemeinsam teilen wollen,
  
1:17:01 müssen wir uns zur selben Zeit,
mit derselben Hingabe
  
1:17:05 auf ein und derselben Ebene befinden.
 
1:17:08 Sonst ist teilen unmöglich,
nicht wahr?
  
1:17:16 Sie beide müssen ein gemeinsames
Interesse haben,
  
1:17:25 das Sie mit derselben Hingabe
auf derselben Ebene und
  
1:17:29 mit derselben Leidenschaft verfolgen,
wie sonst können Sie etwas teilen?
  
1:17:32 Sie können ein Stück Brot teilen,
ich gebe Ihnen ein halbes Brot,
  
1:17:35 doch darüber sprechen wir hier nicht.
 
1:17:44 Um eine Wahrnehmung zu teilen,
 
1:17:46 d.h. an ihr gemeinsam teilzuhaben,
müssen wir wahrnehmen,
  
1:17:50 weder dafür oder dagegen sein,
wir müssen gemeinsam wahrnehmen,
  
1:17:56 was tatsächlich ist,
 
1:17:58 und es nicht gemäß
 
1:18:00 meiner dummen Konditionierung
oder Ihrer Konditionierung interpretieren.
  
1:18:05 Wir müssen gemeinsam wahrnehmung was ist.
 
1:18:10 Und um gemeinsam wahrzunehmen,
 
1:18:12 müssen wir frei sein zu beobachten,
 
1:18:15 frei sein zuzuhören.
 
1:18:23 Vorurteilsfrei,
 
1:18:26 ich muss vollkommen aufhören
ein Hindu zu sein.
  
1:18:36 Nur dann,
 
1:18:39 wenn die Liebe diese Qualität besitzt,
können wir teilen.
  
1:18:55 F: Wie kann man den Geist besänftigen,
 
1:18:57 wie kann man ihn
von Vergangenem befreien?
  
1:19:02 K: Sie haben die Frage verstanden,
ich werde sie nicht wiederholen.
  
1:19:11 Ich weiß nicht, ob die Zeit ausreicht,
um hierauf näher einzugehen.
  
1:19:25 Sie können den Geist nicht besänftigen.
Punkt.
  
1:19:35 Das sind Tricks.
 
1:19:43 Sie können den Geist
mit einer Pille ruhigstellen.
  
1:19:50 Sie können den Geist
 
1:19:55 auf keinen Fall ruhigstellen,
 
1:19:57 denn der Geist sind Sie.
 
1:20:01 Nicht wahr?
 
1:20:05 Sie können nicht sagen,
ich werde meinen Geist ruhigstellen.
  
1:20:15 Sie müssen verstehen,
 
1:20:19 was Meditation ist.
 
1:20:27 Nicht, was andere Leute darüber sagen,
 
1:20:30 das ist Unsinn.
 
1:20:34 Sie müssen vielmehr herausfinden,
 
1:20:39 ob der Geist jemals still sein kann,
 
1:20:44 nicht, wie Sie ihn ruhigstellen können.
 
1:20:50 Sie müssen deshalb das gesamte Problem
 
1:20:56 des Wissens untersuchen,
 
1:21:00 und ob der Geist,
und mit ihm auch das Gehirn,
  
1:21:03 ob die Gehirnzellen,
 
1:21:06 die mit all den vergangenen Erinnerungen
belastet sind,
  
1:21:11 ob diese Gehirnzellen
vollkommen still sein können,
  
1:21:18 dass sie nur in Aktion treten,
wenn es notwendig ist,
  
1:21:21 Und wenn nicht,
vollkommen und gänzlich still sein können.
  
1:21:29 Vielleicht können wir morgen
darüber sprechen,
  
1:21:31 wenn wir untersuchen, was Meditation ist,
in Ordnung?
  
1:21:36 Denn jetzt würde es zu lange dauern.
 
1:21:41 F: Sir, ich habe eine Frage.
 
1:21:43 K: Wie bitte?
 
1:21:49 F: Sir, ich habe eine Frage.
 
1:21:52 Sie haben davon gesprochen, dass man
Erfahrungen teilt.
  
1:21:56 Nun, ich glaube an das Teilen
von sexuellen Erfahrungen.
  
1:22:03 Ich würde gerne wissen,
 
1:22:07 was Sie von der Ehe halten,
 
1:22:11 im Gegensatz zur sexuellen Freizügigkeit.
 
1:22:16 K: Sir, ich habe Ihre Frage nicht verstanden.
 
1:22:19 Es tut mir leid.
 
1:22:21 Würden Sie sich bitte etwas klarer
ausdrücken oder sich kürzer fassen?
  
1:22:28 F: Nun, ich glaube an das Teilen
von sexuellen Erfahrungen.
  
1:22:33 So wie Sie die Erfahrung eines
Sonnenuntergangs mit jemandem teilen,
  
1:22:37 genauso teilen Sie
eine sexuelle Erfahrung.
  
1:22:42 Deshalb möchte ich gern wissen,
 
1:22:45 ob Sie an ein gemeinsames Leben
 
1:22:52 im Stand der Ehe glauben?
 
1:22:59 K: Haben Sie das verstanden?
Ich nicht so ganz - Sexualität teilen?
  
1:23:04 Aber Sie teilen doch Sex, nicht wahr?
 
1:23:07 Ich verstehe die Frage nicht.
 
1:23:12 K: Was, Madame?
 
1:23:14 F: Ist Enthaltsamkeit
ein Zustand der Liebe?
  
1:23:18 K: Wie bitte?
F: Darf ich etwas fragen?
  
1:23:21 K: Bitte fragen Sie was Sie wollen.
 
1:23:27 F: Darf ich Ihnen vom Balkon aus
eine Frage stellen?
  
1:23:37 K: Bitte tun Sie das.
 
1:23:38 F: Weshalb ist die Zeit entstanden?
 
1:23:43 Ist sie ein Rhythmus der kosmischen Liebe?
 
1:23:47 K: Oh nein. Das kann ich nicht beantworten.
Fragen Sie lieber die Wissenschaftler.
  
1:24:01 Nein, hören Sie nur zu.
 
1:24:04 Bei allem Respekt möchte ich Sie bitten,
 
1:24:08 keine theoretischen Fragen zu stellen.
 
1:24:11 F: Sir, wenn Sie über Beziehungen sprechen,
 
1:24:13 sprechen Sie immer von Mann und Frau
 
1:24:16 oder Mädchen und Jungen.
 
1:24:18 Würde dasselbe auch auf
Beziehungen
  
1:24:21 zwischen zwei Männern
oder zwei Frauen zutreffen?
  
1:24:25 K: Homosexualität.
 
1:24:27 F: Ja, wenn Sie das so nennen wollen.
 
1:24:34 K: Wenn wir über die Liebe sprechen,
 
1:24:37 ob nun zwischen Männern, Frauen
oder Männern und Frauen,
  
1:24:42 sprechen wir nicht über eine bestimmte
Art von Beziehung.
  
1:24:47 Wir sprechen über den gesamten Prozess
von Beziehungen,
  
1:24:57 nicht zwischen Einzelnen, sondern
die gesamte Bedeutung von Beziehungen.
  
1:25:05 Wissen Sie nicht, was es heißt,
mit der Welt in Beziehung zu stehen,
  
1:25:11 wenn Sie das Gefühl haben,
dass Sie die Welt sind?
  
1:25:14 Nicht als eine Vorstellung,
das wäre furchtbar,
  
1:25:17 sondern wenn Sie tatsächlich fühlen,
dass Sie Verantwortung tragen,
  
1:25:21 dass Sie dieser Verantwortung
verpflichtet sind.
  
1:25:26 Das ist die einzige Verpflichtung,
 
1:25:27 sich nicht durch Bomben genötigt zu fühlen
 
1:25:32 oder irgendeiner bestimmten Tätigkeit
verpflichtet zu sein,
  
1:25:36 sondern wenn Sie das Gefühl haben,
dass Sie die Welt sind, und die Welt Sie.
  
1:25:43 Wenn Sie nicht vollkommen,
radikal umkehren,
  
1:25:49 in sich selbst eine vollkommene Mutation
herbeiführen,
  
1:25:56 können Sie im Außen tun was Sie wollen,
die Menschheit wird keinen Frieden finden.
  
1:26:02 Wenn Sie das in Ihrem Herzen spüren,
 
1:26:10 dann werden Ihre Fragen einzig
und allein auf die Gegenwart bezogen sein.
  
1:26:16 Es geht darum, eine Veränderung
in der Gegenwart herbeizuführen,
  
1:26:20 nicht in irgendwelchen spekulativen
idiotischen Idealen.
  
1:26:26 Sorry.
 
1:26:28 F: Als wir uns das letzte Mal trafen,
erzählten Sie,
  
1:26:30 dass schmerzhafte Erfahrungen,
 
1:26:34 die wir nicht vollkommen bearbeiten,
denen wir ausweichen,
  
1:26:37 als Fragmente im Unterbewusstsein
gespeichert werden.
  
1:26:39 Wie können wir uns von diesen
schmerzhaften
  
1:26:41 und Angst erregenden Fragmenten befreien,
 
1:26:44 um von der Vergangenheit nicht
verfolgt zu werden?
  
1:26:46 K: Wie kann man sich aus
dieser Konditionierung befreien?
  
1:26:53 F: Ja, schmerzhafte Erfahrungen.
 
1:26:56 K: Ja, das ist Konditionierung.
 
1:26:59 Ist es Zeit aufzuhören?
F: Nein.
  
1:27:10 K: Wie befreit man sich
aus dieser Konditionierung?
  
1:27:19 Gut, wir werden das untersuchen.
 
1:27:23 Wie befreie ich mich
 
1:27:28 aus meiner Konditionierung,
 
1:27:30 aus einer Kultur, in die ich
hineingeboren wurde,
  
1:27:34 als Hindu, als Brahmane, usw.,
 
1:27:37 oder als Katholik,
 
1:27:39 Protestant, Baptist,
und Gott weiß was noch.
  
1:27:43 Wie befreie ich mich aus dieser
gewaltigen Propaganda?
  
1:27:54 Erstens, muss ich mir bewusst sein,
dass ich konditioniert bin,
  
1:28:00 nicht, dass
eine andere Person mir das sagt.
  
1:28:05 Verstehen Sie den Unterschied?
 
1:28:08 Wenn mir jemand sagt,
dass ich hungrig bin,
  
1:28:11 ist es etwas anderes,
als tatsächlich hungrig zu sein.
  
1:28:18 Ich muss mir also
 
1:28:22 meiner Konditionierung bewusst sein,
 
1:28:26 nicht nur an der Oberfläche,
 
1:28:29 sondern
 
1:28:34 auf der tieferen Ebene.
 
1:28:38 Das erfordert
eine allumfassende Wahrnehmung.
  
1:28:45 Um derart gewahr zu sein,
 
1:28:51 bedeutet, dass ich nicht versuche, über
die Konditionierung hinauszugehen.
  
1:28:58 Ich versuche nicht, mich
der Konditionierung zu entledigen.
  
1:29:01 Ich muss sie so sehen,
wie sie tatsächlich ist,
  
1:29:07 kein anderes Element mit hineinbringen,
d.h., von ihr frei sein zu wollen,
  
1:29:13 denn das ist eine Flucht vor
der Wirklichkeit.
  
1:29:18 Folgen Sie mir?
 
1:29:21 Also muss ich aufmerksam sein.
Was bedeutet das?
  
1:29:27 Mir völlig, nicht nur teilweise,
 
1:29:34 meiner Konditionierung als Jude,
Hindu, Buddhist, Kommunist
  
1:29:39 bewusst zu sein.
 
1:29:44 Mein Geist muss also außerordentich
empfindsam sein,
  
1:29:52 andernfalls kann ich
kein Gewahrsein haben, nicht wahr?
  
1:29:58 D.h., ich muss alles um mich herum
 
1:30:03 sehr genau beobachten,
 
1:30:06 die Farbe, die Tiefe,
 
1:30:10 die Eigenschaften der Menschen,
 
1:30:14 der Dinge, die mich umgeben.
 
1:30:19 Und ich muss mir auch
 
1:30:24 meiner tatsächlichen Konditionierung
bewusst sein, ohne sie zu bewerten.
  
1:30:30 Können Sie das?
 
1:30:33 Ohne zu versuchen, sie zu interpretieren,
 
1:30:35 sie nicht ändern zu wollen,
 
1:30:37 ohne zu versuchen,
sich von ihr zu befreien,
  
1:30:40 sich der Konditionierung
nur vollkommen bewusst zu sein.
  
1:30:54 Möchten Sie, dass ich das
noch weiter ausführe?
  
1:30:58 K: Haben Sie die Zeit und die Energie?
 
1:31:00 A: Ja.
 
1:31:01 K: Klatschen Sie nicht, es ist in Ordnung,
ich werde fortfahren.
  
1:31:07 Wenn Sie einen Baum betrachten,
 
1:31:12 dann gibt es zwischen Ihnen und dem Baum
 
1:31:16 Zeit und Raum, nicht wahr?
 
1:31:24 Und es gibt auch das Wissen
um diesen Baum,
  
1:31:31 das botanische Wissen,
 
1:31:34 den Abstand
zwischen Ihnen und dem Baum,
  
1:31:37 d.h. die Zeit,
 
1:31:43 und die Trennung, die durch das Wissen
um diesen Baum entsteht.
  
1:31:51 Es geht darum, den Baum
ohne jegliches Wissen zu betrachten,
  
1:31:56 ohne das Wesen der Zeit.
 
1:31:59 Das heißt nicht, dass Sie sich
mit dem Baum identifizieren sollen.
  
1:32:08 Es geht darum,
 
1:32:13 den Baum so aufmerksam zu betrachten,
 
1:32:22 dass die Begrenzungen, die durch die Zeit
entstehen, vollkommen wegfallen.
  
1:32:27 Diese Begrenzungen entstehen nur,
 
1:32:30 wenn Sie ein Wissen
um diesen Baum haben.
  
1:32:35 Sehen Sie das?
 
1:32:37 Mache ich es kompliziert?
 
1:32:39 F: Nein.
 
1:32:41 F: Ja.
 
1:32:52 K: Ich werde es Ihnen näherbringen.
 
1:32:54 Wenn Sie Ihre Frau oder Ihren Freund,
Ihren Jungen oder Mädchen
  
1:32:58 oder Ihre Männerfreundschaft,
was auch immer, betrachten
  
1:33:02 - bitte lachen Sie nicht,
das ist es nicht wert,
  
1:33:08 sollten Sie kein Bild haben.
 
1:33:17 Das Bild gehört
der Vergangenheit an, nicht wahr?
  
1:33:19 Die Vergangenheit, vom Denken
erschaffen,
  
1:33:24 nörgelnd, schikanierend, herrisch,
beleidigend,
  
1:33:29 die Bilder, die man sich
voneinander erschaffen hat,
  
1:33:32 das Vergnügen, und all das.
 
1:33:36 Es geht darum,
uns kein Bild voneinander zu machen.
  
1:33:43 Es ist das Bild, das trennt,
 
1:33:52 es ist das Bild,
das für den Abstand verantwortlich ist,
  
1:33:57 die Zeit.
 
1:34:00 Das Bild ist also das Wissen,
 
1:34:03 das Sie in der Vergangenheit
angesammelt haben.
  
1:34:09 Betrachten Sie jetzt ohne dieses Bild,
 
1:34:15 jenen Baum oder die Blume,
die Wolke oder die Ehefrau,
  
1:34:19 den Ehemann, den Jungen,
die Männerfreundschaft.
  
1:34:23 Eine Wahrnehmung ohne dieses Bild.
 
1:34:29 Wenn Ihnen das gelingt,
 
1:34:32 können Sie
Ihre gesamte Konditionierung wahrnehmen.
  
1:34:41 Dann können Sie mit einem Geist schauen,
der von der Vergangenheit unberührt ist.
  
1:34:47 Der Geist selbst ist dann
frei von jeglicher Konditionierung.
  
1:34:58 Wenn ich mich selbst wahrnehme,
 
1:35:02 tue ich das normalerweise
 
1:35:05 als ein Beobachter,
der das Beobachtete betrachtet,
  
1:35:09 ich als das Beobachtete
und der Beobachter, der betrachtet.
  
1:35:14 Der Beobachter ist das Wissen,
 
1:35:18 die Vergangenheit, die Zeit,
 
1:35:21 das angehäufte Wissen.
 
1:35:25 Er trennt sich von dem, was er wahrnimmt.
 
1:35:34 Schauen Sie also ohne den Beobachter.
 
1:35:37 Und das tun Sie.
 
1:35:40 Sie tun es, wenn Sie
vollkommen achtsam sind.
  
1:35:46 Wissen Sie, was es heißt,
achtsam zu sein?
  
1:35:49 Sie müssen das nicht in der Schule lernen.
 
1:35:53 Um hier achtsam zu sein,
heißt zuzuhören
  
1:35:57 ohne jegliche Bewertung,
ohne jegliches Urteil,
  
1:36:01 einfach nur zuzuhören.
 
1:36:07 Wenn Sie in dieser Weise zuhören,
gibt es keine Begrenzung.
  
1:36:12 Es gibt keine Person, die zuhört,
es gibt nur den Zustand des Zuhörens.
  
1:36:19 Wenn Sie Ihre Konditionierung wahrnehmen,
 
1:36:27 existiert die Konditionierung
nur im Betrachter,
  
1:36:31 nicht in dem, was betrachtet wird.
 
1:36:35 Richtig?
 
1:36:40 Wenn Sie ohne den Betrachter,
ohne das Ich wahrnehmen,
  
1:36:47 ohne Ängste, Sorgen, usw,
 
1:36:51 werden Sie sehen, dass Ihnen diese Schau
 
1:36:57 eine völlig andere Dimension eröffnet.