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Wahrheit ist der Katalysator, um Konflikte zu beenden

Ojai - 19 May 1984

Public Talk 1



0:04 1. Öffentliche Rede
Ojai, Kalifornien, 19. Mai 1984
  
0:24 Wahrheit ist der Katalysator,
um Konflikte zu beenden.
  
1:11 Wenn Sie gestatten,
möchte ich darauf hinweisen,…
  
1:16 …dass dies keine Unterhaltung ist.
 
1:23 Das ist ein ernstes Treffen.
 
1:28 Denn wir wollen gemeinsam…
 
1:33 …die vielen Fragen
des Lebens untersuchen.
  
1:39 Und…
 
1:40 …es ist auch kein Vortrag
im üblichen Sinne.
  
1:49 Ein Vortrag…
 
1:53 …soll informieren,…
 
1:56 …belehren…
 
1:59 …und Sie überreden,
auf eine bestimmte Art zu denken.
  
2:03 Oder…
 
2:04 …äußerst sachkundig zu werden…
 
2:09 …und gründlich informiert
zu sein.
  
2:13 Dies ist also kein Vortrag.
 
2:19 Noch…
 
2:20 …ist es…
 
2:22 …eine Propaganda…
 
2:25 …um…
 
2:28 …zu werben,…
 
2:30 …für bestimmte Ideen,…
 
2:34 …Überzeugungen…
 
2:36 …oder für einige romantische…
 
2:39 …oder vernünftige Schlussfolgerungen.
 
2:45 Vielmehr…
 
2:46 …werden wir
gemeinsam nachdenken…
  
2:50 …über die vielen komplexen Probleme
unseres täglichen Lebens.
  
2:59 Und…
 
3:02 …keinesfalls…
 
3:04 …will der Sprecher…
 
3:06 …Sie von irgendetwas
überzeugen.
  
3:13 Noch will er Sie überreden,…
 
3:16 …irgendwelche…
 
3:18 …romantischen, exotischen…
 
3:21 …oder philosophischen Ideen
und Ideale zu akzeptieren.
  
3:28 Es muss absolut
klargestellt werden,…
  
3:34 …dass wir nicht…
 
3:39 …ermutigen,…
 
3:41 …oder stimulieren,…
 
3:44 …oder versuchen,
irgendeine Richtung vorzugeben.
  
3:49 Vielmehr werden wir…
 
3:52 …gemeinsam,…
 
3:54 …Sie…
 
3:56 …und der Sprecher,…
 
4:01 …uns mit den vielen Fragen und Probleme
befassen, die wir haben.
  
4:10 Dabei sollen Sie,…
 
4:12 …nicht bloß dem Sprecher zuhören,…
 
4:16 …sondern,…
 
4:19 …während Sie ihm zuhören,…
 
4:22 …beobachten Sie auch…
 
4:25 …und betrachten
Ihre eigenen Reaktionen,…
  
4:29 …Ihre eigenen Schlussfolgerungen,
Ihre eigenen Erfahrungen.
  
4:35 Und wir werden hinterfragen,
anzweifeln.
  
4:38 Wir wollen sehr skeptisch sein,…
 
4:43 …ohne zynisch zu werden.
 
4:49 Denn die meisten Leute…
 
4:53 …sind sehr leichtgläubig.
 
4:59 Wir wurden leichtgläubig
durch die Experten.
  
5:06 Ob sie nun Experten
auf dem Gebiet der Philosophie sind,…
  
5:08 …oder der Psychologie,…
 
5:14 …der Wissenschaft…
 
5:16 …oder der Biologie
und so weiter.
  
5:20 Wir scheinen nie an uns selbst zu zweifeln
oder an den Autoritäten.
  
5:25  
 
5:31 An denen, die wissen
oder das behaupten.
  
5:37 Insbesondere nicht an Leuten,
die aus Asien kommen,…
  
5:40 …mit ihren seltsamen…
 
5:44 …Glaubensformen, Dogmen
und abergläubischen Vorstellungen.
  
5:49 Daher, bitte,…
 
5:54 …von Anfang an bei diesen Reden
und Antworten auf Fragen…
  
5:59 …werden wir alles in Frage stellen.
 
6:03 Wir werden voller Skepsis sein…
 
6:10 …auch gegenüber dem,
was der Sprecher sagt.
  
6:15 Hinterfragen Sie, bezweifeln Sie es.
 
6:18 Finden Sie heraus,
wenn ich darauf hinweisen darf,…
  
6:23 …was wahr ist.
 
6:27 Man muss ausreichend
empfänglich sein,…
  
6:35 …damit man nicht nur…
 
6:37  
 
6:42 …die wörtliche Bedeutung erfasst,…
 
6:46 …sondern auch was hinter ihnen steckt,
den Gehalt der Worte.
  
6:48 Nicht nur die etymologische
Bedeutung der Worte,…
  
6:53 …sondern auch die Qualität,…
 
6:58 …die Schönheit,
die Kraft eines Wortes.
  
7:03 Denn die meisten von uns…
 
7:06 …sind in einem Netzwerk
aus Worten gefangen.
  
7:12 Unser gesamter…
 
7:14 …Denkprozess…
 
7:16 …besteht aus Verbalisieren,…
 
7:19 …Erzeugen von Bildern
oder Vorstellungen.
  
7:23 Und darin sind wir gefangen.
 
7:27 Wir sind also nie wirklich…
 
7:34 …frei von Worten und
bereit, über das Wort hinauszugehen…
  
7:37 …oder über die Erklärung
oder die Beschreibung.
  
7:43 Können wir…
 
7:46 …heute morgen
und an den folgenden Tagen…
  
7:49 …uns absolut im Klaren sein
in dieser Angelegenheit,…
  
7:56 …dass der Sprecher
keinerlei Autorität besitzt.
  
8:02 Er ist kein Fachmann.
 
8:06 Er ist in keiner Hinsicht
ein Experte.
  
8:11 Für den Sprecher wäre es erschreckend,
ein Experte für etwas zu sein.
  
8:15 Aber…
 
8:21 …wenn wir gemeinsam,…
 
8:28 …ich meine …
wir meinen gemeinsam,…
  
8:33 …eine sehr lange Reise
machen könnten,…
  
8:38 …eine zeitlose Reise,…
 
8:42 …in die sehr komplexe Struktur
der menschlichen Psyche,…
  
8:50 …in das, was wir sind.
 
8:53 Warum wir uns so verhalten,
wie wir es tun.
  
8:58  
 
9:04 Warum wir diesen Strom
aus Gedanken haben,…
  
9:06 …einer nach dem anderen,
endlos plappernd.
  
9:12 Können wir zusammen freundschaftlich,
wie es Freunde tun,…
  
9:15 …eine lange Wanderung machen,…
 
9:22 …in ein Gebiet,…
 
9:26 …das wir…
 
9:28 …nur oberflächlich gestreift haben.
 
9:33 Oberflächlich haben wir
zahllose Beschreibungen gehört.
  
9:42 Erklärungen durch die Fachleute.
 
9:47 Die Psychologen,
die Psychiater.
  
9:52 Die Biologen, die Archäologen
und so weiter.
  
9:58 Aber wenn wir…
 
10:01 …all das vorerst weglassen könnten,…
 
10:04 …auch wenn es vielleicht
einen gewissen Wert hat…
  
10:09 …hin und wieder.
 
10:13 Können wir also heute morgen…
 
10:19 …wie zwei Freunde
über unsere Probleme sprechen?
  
10:25 Wir haben Probleme.
 
10:28 Das Leben ist voller Probleme.
 
10:31 Vom Moment unserer Geburt
bis wir sterben.
  
10:38 Und wir sind anscheinend unfähig,
diese Probleme zu lösen.
  
10:44 Im Gegenteil.
 
10:48 Wenn eine Zivilisation,
was immer das Wort bedeutet,…
  
10:53 …wächst, scheinen wir
die Probleme zu vermehren.
  
10:59 Und…
 
11:01 …es ist uns wohl nie möglich,…
 
11:04 …alle Probleme los zu sein…
 
11:08 …und ein Leben zu führen,…
 
11:13 …das nicht die geringste Spur
eines Problems aufweist.
  
11:20 In all das…
 
11:30 …wird uns unsere Reise führen.
 
11:34 Sie sind verantwortlich
für diese Reise,…
  
11:37 …denn Sie sind hergekommen,
obwohl es so heiß ist.
  
11:40 Ich hoffe, Sie achten darauf,
nicht zu rauchen,…
  
11:44 …denn das ist viel zu gefährlich.
 
11:52 Es ist Ihre Verantwortung
als Mensch,…
  
12:00 …herauszufinden,…
 
12:02 …warum wir nach fünfzigtausend Jahren,
oder mehr oder weniger…
  
12:11 …so sind, wie wir sind.
 
12:15 Während der langen…
 
12:18 …Zeitspanne der Evolution…
 
12:21 …vom primitivsten Gehirn…
 
12:25 …bis zu dem hochentwickelten
Gehirn, das wir haben,…
  
12:32 …warum sind wir in dieser ganzen Zeit…
 
12:38 …voller Erfahrungen,…
 
12:40 …Wissen,…
 
12:43 …Ereignisse,…
 
12:47 …der sogenannte Evolution,…
 
12:51 …warum sind wir noch dasselbe?
 
12:55 Primitiv,
psychisch gesehen.
  
12:59 Hasserfüllt, gewalttätig,
abergläubisch.
  
13:09 Bringen einander um.
 
13:12 Akzeptieren…
 
13:15 …eine Autorität nach der anderen.
 
13:19 Ich weiß nicht,
ob Sie schon bemerkt haben,…
  
13:24 …dass es hier Experten gibt,…
 
13:28 …die sagen, was man anzieht.
 
13:30 Wie man sich schminkt.
 
13:33 Wie man Sex haben soll.
 
13:37 Wie man Säuglinge großzieht.
 
13:41 Wie man lesen soll.
 
13:46 Und alle Politiker sagen,
was Sie tun sollen.
  
13:52 Falls Sie es bemerkt haben.
 
13:55 Vielleicht auch nicht,…
 
13:57 …weil Sie zu nah dran sind.
 
14:02 Kommt man in dieses Land
aus Übersee,…
  
14:07 …fällt einem all das
immer wieder auf.
  
14:15 Alle sagen es Ihnen:
Presse, Magazine, Priester,…
  
14:18  
 
14:21 …Evangelisten, Autoritäten, Spezialisten,
Experten sagen Ihnen, was zu tun ist.
  
14:24  
 
14:30 Und das ist angeblich
ein freies Land.
  
14:37 Angeblich freie Menschen,…
 
14:42 …die in der Lage sind,
selbstständig zu denken.
  
14:47 Die selbst mit ihrem Leben
zurechtkommen.
  
14:54 Entweder ehrlich…
 
14:59 …oder unehrlich.
 
15:05 Man fragt sich, warum…
 
15:08 …eine junge Nation wie diese,…
 
15:11 …so darin verstrickt ist,…
 
15:17 …sich mit Experten abzuplagen.
 
15:22 So verlieren wir unsere eigene
innere Stabilität,…
  
15:25 …Klarheit…
 
15:30 …und das Gespür
für passendes Verhalten.
  
15:37 Haben Sie das noch nie bemerkt?
 
15:40 Vielleicht übertreibt der Sprecher…
 
15:44 …aber ich bezweifle das.
 
15:49 Wenn er aus Übersee kommt,…
 
15:53 …sieht er eine Woche lang fern,…
 
15:57 …alle dreizehn Kanäle.
 
16:01 Zeitungen, Zeitschriften.
 
16:04 Spricht mit einigen Experten.
 
16:10 Hört den Evangelisten zu.
Mein Gott, was für ein Haufen.
  
16:18 Und offenbar…
 
16:22 …ist dieses Land versessen auf Spaß…
 
16:28 …und Erfolg,…
 
16:32 …Geld…
 
16:34 …und Vergnügungen
der oberflächlichen Art.
  
16:40 Das müssen Sie doch
auch bemerkt haben.
  
16:48 Das ist also das Land,…
 
16:51 …das überall auf der Welt
tonangebend wird.
  
16:57 Aus Asien, Indien, Europa,
alle wollen nach Amerika, in die Staaten.
  
17:02 Nicht nur,…
 
17:05 …um mehr zu verdienen,…
 
17:10 …um…
 
17:12 …die eigenen Visionen
zu verwirklichen…
  
17:16 …und so weiter.
 
17:21 Also bitte,…
 
17:29 …zum wiederholten Male:
 
17:31 Wir sind keine Experten,
keine Profis.
  
17:34 Wir bringen Ihnen nichts bei,…
 
17:39 …oder sagen, was zu tun ist.
 
17:43 Vielmehr wollen wir
in aller Einfachheit…
  
17:48 …mit großer Zuneigung
zusammen vorangehen.
  
17:55 Zusammen gehen wir entweder sehr schnell
oder sehr langsam.
  
18:03 Aber zusammen…
 
18:06 …untersuchen wir…
 
18:10 …die Ungerechtigkeit dieser Welt…
 
18:15 …und ergründen,
ob es überhaupt Gerechtigkeit gibt.
  
18:23 Warum
Menschen einander verletzen,…
  
18:28 …einander umbringen.
 
18:32 Warum…
 
18:34 …Überzeugung,…
 
18:38 …Glaube, Ideale die Menschen
überall auf der Welt trennen.
  
18:45 So wie die Ideologie Russlands…
 
18:50 …und die demokratische Ideologie
sich bekriegen.
  
18:58 Berge von Waffen
in der ganzen Welt,…
  
19:02 …selbst in den ärmsten Ländern.
 
19:09 Das ist Ihnen sicher alles bekannt.
 
19:14 Alle Welt trifft also Vorbereitungen,
sich gegenseitig zu töten.
  
19:23 Demonstrationen,…
 
19:26 …um eine bestimmte
Kriegsführung zu beenden,…
  
19:33 …Neutronen- oder Atomkriege.
 
19:35 Aber niemand scheint daran interessiert,
alle Kriege zu beenden.
  
19:43 Es gibt keine Demonstration,
um alle Kriege zu beenden,…
  
19:48 …das Töten von Menschen.
 
19:52 Und nach diesen…
 
19:55 …vierzig-, fünfzigtausend Jahren…
 
19:58 …sind wir noch dasselbe.
 
20:02 Was ist geschehen?
 
20:05 Warum sind wir so?
 
20:10 Die Zeit sollte uns
doch einsichtiger machen.
  
20:16 Sollte uns Kenntnisse vermitteln.
 
20:20 Sollte unseren Sinn entwickeln…
 
20:24 …für rechtes, wahrhaftes Verhalten,…
 
20:28 …Korrektheit.
 
20:33 Aber offensichtlich hat Zeit
keines unserer Probleme gelöst.
  
20:39 Im Gegenteil.
 
20:50 Wie bitte?
 
20:52 Ist in Ordnung.
Das Licht wurde absichtlich angebracht.
  
20:58 Es ist nicht das Sonnenlicht,
leider.
  
21:05 Man muss also fragen,…
 
21:09 …wenn man als Freunde
darüber spricht,…
  
21:13 …warum sind wir so geworden?
 
21:17 Nicht nur in diesem Land,…
 
21:20 …sondern überall auf der Welt.
 
21:24 Vom primitivsten Dorf in Afrika
oder Indien…
  
21:30 …bis hin zu den so genannten
hochzivilisierten Menschen.
  
21:38 Was ist mit uns geschehen?
 
21:43 Manche sind vielleicht völlig zufrieden
mit dem, was wir sind.
  
21:51 Speziell wenn Sie reich
und mächtig sind,…
  
21:56 …Rang und Namen haben.
 
22:00 Dann stellen Sie das
nicht in Frage.
  
22:04 Nur dann…
 
22:06 …wenn man völlig unzufrieden ist.
 
22:13 Kein Revoltieren,
unzufrieden.
  
22:17 Ich hoffe, man sieht den Unterschied
zwischen Unzufriedenheit und Revoltieren.
  
22:27 Wenn Sie unzufrieden sind, weil Sie
die Dinge sehen, wie sie wirklich sind,…
  
22:32  
 
22:40 …unzufrieden mit allem,
was der Mensch fabriziert hat,…
  
22:43  
 
22:48 …dann fängt man an,
das zu prüfen.
  
22:52 Aber wenn man nur
dagegen revoltiert,…
  
22:57 …ist das Revoltieren
lediglich eine Reaktion.
  
23:06 Und wir sind voller Reaktionen.
Deshalb kommen wir nie weiter.
  
23:13 Vielleicht können Sie,…
 
23:16 …wenn auch nur heute morgen,…
 
23:19 …die Dinge sehen, wie sie sind.
 
23:23 Nicht entsprechend Ihren Vorurteilen,
Folgerungen, Ideologien, Ihrem Glauben…
  
23:28 …sondern so, wie die Dinge sind.
 
23:36 Nicht nur
vor Ihrer eigenen Haustüre,…
  
23:42 …sondern auf der ganzen Welt.
 
23:47 Der Hunger, die Armen, die Ungebildeten
und die Superreichen.
  
23:50  
 
23:55 Ungeheure Macht
in den Händen von Wenigen.
  
23:59 Egal ob das demokratisch ist,
kommunistisch oder totalitär.
  
24:03 Macht,…
 
24:08 …Geld…
 
24:10 …und alles, was dazugehört.
 
24:13 Vielleicht können wir…
 
24:17 …als Freunde,…
 
24:19 …ohne Gegner zu sein,…
 
24:22 …ohne uns zu widersprechen…
 
24:27 …oder zu akzeptieren,
was der andere sagt,…
  
24:30 …sondern gemeinsam…
 
24:33 …diese Reise unternehmen.
 
24:38 Das heißt, dass Sie,…
 
24:41 …jeder von uns,…
 
24:44 …so schnell wie Sie möchten,…
 
24:48 …vorangeht.
 
24:50 Aber gehen Sie.
 
24:53 Nicht nur…
 
24:58 …dem anderen das ganze Reden überlassen,
alle Erklärungen, alle…
  
25:09 …Begründungen und Beschreibungen.
Gemeinsam schauen wir, beobachten wir.
  
25:16 Beobachten…
 
25:21 …ist mit das Schwierigste,
was es gibt.
  
25:26 Beobachten ohne jedes Lenken,…
 
25:31 …ohne jedes Motiv,…
 
25:34 …ohne jedes Wort.
 
25:37 Einfach diesen Baum beobachten,
zum Beispiel,…
  
25:43 …ohne am Wort 'Baum' hängen zu bleiben
und an dem, was es beinhaltet.
  
25:47 Wenn wir auf diese Weise…
 
25:54 …beobachten können,…
 
26:03 …uns selbst…
 
26:07 …und die Welt, in der wir leben,…
 
26:12 …ohne jedes Vorurteil,…
 
26:18 …ohne jede Schlussfolgerung,…
 
26:22 …ohne jeden Standpunkt,
sei es Ihrer, meiner oder der eines anderen,…
  
26:29 …einfach erst einmal nur schauen,…
 
26:35 …dann sehen wir,
dass es viel Elend gibt…
  
26:41 …und sehr viel Armut.
 
26:45 Oder aber Gesellschaften im Überfluss
wie dieses Land,…
  
26:51 …obwohl es auch hier Armut gibt.
 
26:57 Es gibt Kriege.
 
27:00 Land gegen Land.
 
27:06 Volk gegen Volk.
 
27:09 Ideologien gegen Ideologien.
 
27:12 Katholiken, Protestanten,
Hindus, Buddhisten, Muslime usw.
  
27:17 Zweitausend Jahre
Propaganda der Christen,…
  
27:22 …fünfzehn- oder sechzehnhundert Jahre
Propaganda der Muslime,…
  
27:29 …und zwei- oder dreitausend Jahre…
 
27:33 …der Hindus und Buddhisten.
 
27:37 Wir sind Sklaven der Propaganda,…
 
27:41 …die Religion genannt wird…
 
27:44 …oder Nationen und so weiter.
 
27:52 Die Welt befindet sich im Krieg.
 
27:56 Nicht nur in einem bestimmten Teil
des Nahen Ostens,…
  
28:01 …überall gibt es Kriege.
 
28:08 Es heißt, es gäbe gerade 40 Kriege.
Vielleicht stimmt das nicht.
  
28:13 Das also sieht man außen.
 
28:18 Dieser Konkurrenzkampf,…
 
28:22 …jeder denkt nur an sich,…
 
28:24 …im Namen Gottes, im Namen der
Psychologie, im Namen der Wissenschaft.
  
28:29 Jeder denkt nur an sich,…
 
28:32 …an seinen Erfolg,…
 
28:35 …an seinen Ruhm, seinen Ruf,…
 
28:38 …an seine Macht und so weiter.
 
28:47 Und außerdem
wird in der Welt äußerlich…
  
28:53 …der Individualität
ungeheure Bedeutung beigemessen.
  
29:01 Jeder denkt,
er sei der Nabel der Welt,…
  
29:07 …möchte machen, was er will,…
 
29:11 …möchte etwas erreichen,…
 
29:18 …möchte Erfolg haben,
sich durchsetzen und so weiter.
  
29:23 Und ebenfalls in der Außenwelt…
 
29:28 …die so genannten Religionen,…
 
29:34 …die auch die Menschen
entzweit haben.
  
29:39 Die ganze christliche Welt…
 
29:42 …mit all ihren Gruppierungen,…
 
29:46 …und die Buddhisten, Muslime
und Hindus…
  
29:52 …spalten sich auf.
 
29:54 Und sie führen auch,…
 
29:57 …vielleicht auf sogenannte
friedliche Weise, Krieg gegeneinander.
  
30:03 Vielleicht auch,
wenn man es genau betrachtet,…
  
30:08 …haben Christen mehr Menschen getötet,
als alle anderen Gruppen.
  
30:14 Schauen genau Sie hin.
Ich bin nicht gegen Christen oder Hindus.
  
30:16 Ich nehme das alles
einfach nur wahr.
  
30:23 Äußerlich…
 
30:25 …ist unsere Gesellschaft
also ein Chaos.
  
30:30 In dieser Gesellschaft leben wir,…
 
30:35 …die im Verfall begriffen ist
und zwar gefährlich weit.
  
30:48 Das ist also die äußere Welt,
in der wir leben.
  
30:55 Klar fragt man sich,
wer hat diese ganze Außenwelt geschaffen.
  
31:04 Die Gesellschaft, in der wir leben.
 
31:09 Sicherlich hat keine göttliche Hand
diese Gesellschaft geformt.
  
31:19 Die Gesellschaft wird von jedem
Einzelnen von uns hervorgebracht.
  
31:25 Durch unsere Gewalt.
 
31:29 Durch unsere Vergnügungen.
 
31:37 Durch unsere Ängste,
Überzeugungen und Dogmen.
  
31:40 Durch unsere Suche nach Sicherheit
in der Familie, der Gemeinde, der Nation.
  
31:47 Wir haben diese Gesellschaft geschaffen.
Jeder Einzelne von uns.
  
31:52 Und daran gibt es keinen Zweifel.
 
31:57 Wir haben die Gesellschaft gemacht,
in der wir leben.
  
32:02 Und Reformer, wie die Kommunisten,…
 
32:06 …die wollen die Struktur der Gesellschaft
äußerlich verändern.
  
32:14 Die Sozialisten…
 
32:19 …die Totalitären…
 
32:22 …und auch…
 
32:26 …die Demokraten,
die durch Gesetze und anderes,…
  
32:31 …die Ordnung der Gesellschaft
ändern möchten.
  
32:35 Wenn diese Ordnung versagt,…
 
32:39 …erfinden sie eine andere Ordnung.
 
32:43 Das müssten Sie doch wissen.
 
32:46 Organisationsformen zu reorganisieren,
wird Fortschritt genannt. Richtig?
  
32:56 Haben Sie das
noch nicht bemerkt?
  
32:59 In der Politik.
 
33:01 In den Religionen.
 
33:03 In der Gesellschaft.
 
33:05 Es geschieht an Universitäten,
in Schulen, im Berufsleben.
  
33:13 Aber wir fragen nie…
 
33:17 …tief gehend…
 
33:19 …und ernsthaft,…
 
33:24 …warum wir in dieser Gesellschaft leben,
die wir gemacht haben.
  
33:30 Die wir gestaltet
und aufgebaut haben.
  
33:38 Und das ist das Resultat
von 40 oder 50.000 Jahren Evolution.
  
33:48 Entweder ist alles völlig hoffnungslos,…
 
33:53 …der Mensch wird ewig so leben.
 
33:57 Denn seit 40.000 Jahren
lebt er schon so.
  
34:05 Und wenn wir hoffen,
dass die Zeit…
  
34:09 …grundlegend
die Struktur der Psyche verändert,…
  
34:12 …die inneren Grundlagen
unserer Eigenarten,…
  
34:20 …wenn wir auf die Zeit bauen
für weitere 40.000 Jahre…
  
34:25 …werden wir unverändert
dasselbe sein.
  
34:30 Haben uns 40.000 Jahre
nicht verändert,…
  
34:34 …sind weitere 40.000 Jahre
ein weiteres Herumspielen.
  
34:41 Also…
 
34:43 …fragt man sich ernsthaft,…
 
34:46 …mein Freund und ich reden miteinander…
 
34:51 …während wir einen
schattigen Weg entlanggehen,…
  
34:57 …mit vielen Vögeln, Blumen
und der Schönheit der Berge,…
  
35:01 …ist es möglich, das menschliche…
 
35:07 …Verhalten zu ändern?
 
35:12 Ist es möglich…
 
35:16 …für einen Menschen,
der derart gespalten ist,…
  
35:18 …so zerrissen,…
 
35:23 …so widersprüchlich,…
 
35:27 …so konfliktbeladen,…
 
35:30 …ist es möglich,…
 
35:34 …dass grundlegend,…
 
35:38 …nicht nur oberflächlich,…
 
35:41 …durch Druck,
durch Belohnung und Bestrafung,…
  
35:48 …sondern…
 
35:50 …tiefgreifend,…
 
35:53 …kann nicht nur eine Veränderung
in den Gehirnzellen stattfinden,…
  
35:55 …sondern…
 
36:00 …in der gesamten Struktur der Psyche,…
 
36:08 …die ichbezogen ist,…
 
36:10 …egoistisch,…
 
36:13 …und völlig
mit sich selbst beschäftigt?
  
36:22 Dies war die Frage…
 
36:28 …für einige der religiösen Menschen,
von alters her.
  
36:36 Und diese sehr, sehr wenigen…
 
36:43 …haben vielleicht…
 
36:46 …die Kette zerbrochen…
 
36:49 …der Ichbezogenheit…
 
36:52 …mit all ihrer begrenzten,
selbstsüchtigen Aktivität.
  
37:00 Doch die allermeisten Menschen
machen weiter.
  
37:08 Wir fragen also,…
 
37:10 …mein Freund und ich
zusammen,…
  
37:13 …ist es uns möglich,
uns zu ändern.
  
37:21 Nicht,
sich zu etwas anderem verändern,…
  
37:29 …das ist nur Werden.
 
37:32 Ändern Sie sich in das,
was sein sollte,…
  
37:37 …so ist das eine Form des Werdens.
 
37:40  
 
37:44 Und das ist gar keine Veränderung.
 
37:48 Verstehen Sie das?
 
37:53 Wenn ich habgierig bin…
 
37:56 …oder schizophren…
 
38:00 …oder ganz versessen…
 
38:02 …auf eine Art des Zeitvertreibs
und der Unterhaltung,…
  
38:09 …so ist der Wechsel von einer Art
der Unterhaltung zu einer anderen…
  
38:13 …immer noch Unterhaltung.
 
38:20 Nicht wahr?
 
38:22 Aber…
 
38:24 …Veränderung heißt, etwas beenden
und nicht fortführen.
  
38:31 Sehen wir das alle miteinander?
 
38:36 Sie sind der Freund,
der den Sprecher begleitet.
  
38:46 Wenn das nicht klar ist,…
 
38:50 …müssen wir es vertiefen,
denn das zu verstehen, ist wichtig.
  
38:55 Wir müssen ergründen,
was 'beenden' bedeutet.
  
39:05 Nehmen wir z. B. das Wort 'Askese',…
 
39:12 …'asketisch'.
 
39:14 Der Ursprung des Wortes ist:
Eine trockene Zunge haben!
  
39:25 Keinen Alkohol trinken.
 
39:28 Die griechische Wurzel des Wortes ist,
eine trockene Zunge haben.
  
39:32 Und daher…
 
39:35 …stammt das Wort 'streng',…
 
39:46 …'trocken',…
 
39:50 …grausame Selbstkontrolle,…
 
39:54 …eine gewisse…
 
39:58 …Einfachheit,
nach einem bestimmten Muster.
  
40:04 Also,…
 
40:07 …Askese,…
 
40:09 …wir sprechen nicht
über Härte oder Strenge,…
  
40:15 …grausame,…
 
40:17 …grausame Disziplin,
entsagen.
  
40:24 Verstehen Sie das alles?
 
40:29 Das Erlangen…
 
40:38 …großer innerer Einfachheit,…
 
40:40 …das ist nur möglich,
wenn absolute Klarheit herrscht.
  
40:46 Und das kann eintreten,
wenn es…
  
40:52 …zu einem Ende
der ständigen Maßlosigkeit kommt.
  
40:54 Beenden.
 
41:02 Angenommen Sie sind Raucher.
Hören Sie auf.
  
41:07 Nehmen Sie stattdessen kein Bonbon,…
 
41:12 …kauen Sie auch nichts anderes.
 
41:16 Wenn Sie gierig, brutal sind,
hören Sie auf.
  
41:20 Sagen Sie nicht, "Ich werde anders".
 
41:24 Wir werden das noch vertiefen,…
 
41:29 …wenn wir über den Tod sprechen.
 
41:33 Stört es Sie,
über den Tod zu sprechen?
  
41:37 Amerikaner haben eher Angst davor,
nicht war?
  
41:42 Es gibt jetzt Bücher,
wie ich kürzlich gesehen habe:
  
41:43 So stirbt man glücklich.
 
41:57 Sie helfen sterbenden Menschen,
leichter zu sterben.
  
42:08 Aber der Tod ist etwas Einzigartiges,
über das wir noch sprechen.
  
42:15 Es ist also wichtig,
das Beenden zu verstehen.
  
42:21 Untersuchen Sie es,
und Sie werden sehen,…
  
42:26 …dass wir nie etwas beenden, immer wieder
beginnt dieselbe Sache in anderer Form.
  
42:30 Wir nahmen das Wort 'asketisch',…
 
42:39 …etwas wirklich Enormes,
innere Askese,…
  
42:43 …große…
 
42:55 …innere Einfachheit,…
 
43:01 …ohne jede Kompliziertheit.
 
43:03 Wir vertiefen das jetzt nicht,
denn es verlangt echtes Verstehen.
  
43:08 Denn…
 
43:11 …wir haben ein Bild von…
 
43:16 …den Heiligen und sog. frommen Leuten,
die sehr asketisch leben.
  
43:20 Zumindest tun sie so.
 
43:25 Und…
 
43:28 …es gibt kein Entsagen ohne Liebe.
 
43:36 Liebe und Einfachheit
sind die Essenz der Askese.
  
43:45 So…
 
43:48 …mein Freund und der Sprecher
reden miteinander darüber.
  
43:51 Sie fragen, ist es möglich,…
 
43:55 …für jeden von uns,…
 
44:02 …etwas grundlegend…
 
44:05 …zu beenden,…
 
44:10 …Habgier und Gewalt,…
 
44:14 …die ewige Jagd
nach irgendeinem Vergnügen,…
  
44:23 …die Angst beenden…
 
44:26 …und so weiter?
 
44:30 Wir werden das jetzt
genauer ansehen.
  
44:36 Seit der Kindheit…
 
44:43 ….wurden unsere Gehirne…
 
44:46 …darauf konditioniert, Probleme zu lösen.
 
44:55 Ein Kind geht zur Schule,…
 
44:59 …und hat ein Problem
mit Lesen und Schreiben.
  
45:08 Und wenn er älter ist, Probleme in
Mathematik, Erdkunde usw.
  
45:11  
 
45:14 Unser Gehirn,…
 
45:18 …das ist Tatsache, keine Einbildung
des Sprechers, wenn Sie sich beobachten,…
  
45:20  
 
45:24 …unsere Gehirne sind konditioniert,…
 
45:29 …Probleme zu lösen.
 
45:33 Das Gehirn ist konditioniert.
 
45:37 Ein Leben lang versuchen wir also,
Probleme zu lösen.
  
45:44 Haben Sie das noch nicht bemerkt?
 
45:49 Um ein Problem zu lösen,…
 
45:53 …muss das Gehirn dafür frei sein.
 
45:57 Aber wenn es selbst voller Probleme ist,
kann es keine lösen.
  
46:04 Das ist eine logische, vernünftige
Beobachtung.
  
46:09 Sie sehen das in der Politik.
 
46:15 Man löst ein Problem und
das Lösen ergibt weitere Probleme.
  
46:17 Sie sehen das…
 
46:21 …in der Wirtschaft usw.
 
46:26 Eines unserer ersten…
 
46:30 …Anliegen…
 
46:32 …oder unsere erste Untersuchung…
 
46:37 …ist das Herausfinden,…
 
46:43 …ob…
 
46:45 …wir frei sein können,…
 
46:48 …um zu erforschen,…
 
46:51 …warum unsere Gehirne,
warum wir…
  
46:56 …immer Probleme lösen.
 
47:00 Warum wir überhaupt
Probleme haben.
  
47:05 Wir haben doch Probleme.
Ja?
  
47:10 Und Sie suchen herum,
um Ihre Probleme zu lösen.
  
47:16 Wenn Sie noch nie allein
in den Bergen gewesen sind,…
  
47:22 …zeigt Ihnen jemand,
wie man allein zurecht kommt im Wald.
  
47:28 Sie zahlen 500 Dollar oder mehr
und man zeigt es Ihnen.
  
47:36 Und Sie möchten sich
das zeigen lassen.
  
47:40 Also,…
 
47:41 …was wir sagen ist,…
 
47:46 …wenn ein Gehirn, Ihr Gehirn,…
 
47:47 …von klein auf daran gewöhnt ist,…
 
47:54 …Probleme zu lösen,…
 
47:59 …Sie die Probleme nur vervielfachen.
 
48:04 Aber
wenn man verstehen kann,…
  
48:08  
 
48:13 …die Tatsache sieht, nicht nur
die Erklärung, Begründung, Logik,…
  
48:18 …sondern wirklich sieht,
dass ein Gehirn, das geschult ist,…
  
48:22 …Probleme zu lösen,
wie Sie es von klein auf wurden,…
  
48:28 …unweigerlich
immer mehr Probleme schafft.
  
48:33 Das ist logisch, vernünftig.
 
48:37 Ist es also möglich…
 
48:41 …für uns, für Sie,…
 
48:43 …dass wir…
 
48:48 …an ein Problem herangehen…
 
48:52 …mit einem Gehirn ohne Probleme?
 
48:56 Verstehen Sie?
 
49:01 Verstehen Sie das?
 
49:05 Ich fürchte, nein.
 
49:11 Sehen Sie erst die Tatsache,
dass, wenn Sie Probleme haben…
  
49:14  
 
49:16 …und Ihr Gehirn trainiert ist,
Probleme zu lösen, was es jetzt ist,…
  
49:21 …Sie dann kein Problem lösen können.
 
49:29 Klar? Nur wenn der Kopf frei ist,
können Sie Probleme lösen.
  
49:36 Das ist logisch,…
 
49:41 …vernünftig.
 
49:45 Und die Anwälte und Experten
vergrößern unsere Probleme.
  
49:52 Dafür werden sie bezahlt!
 
50:01 Wollen Sie ein Problem lösen,…
 
50:03 …müssen Sie es anschauen
und schauen, wie Sie es angehen.
  
50:06  
 
50:12 Wie geht das?
Herangehen heißt, sich nähern.
  
50:13  
 
50:17 Wie kommen Sie
einem Problem nahe?
  
50:22 Sie kommen ihm nicht nahe,…
 
50:26 …wenn Ihr Geist
die Lösung des Problems sucht.
  
50:31 Sie können sich nur nähern
und es anschauen,…
  
50:35 …wenn Sie Ihre Energie nicht
mit suchen nach einer Lösung vergeuden.
  
50:42 Verstehen Sie das?
 
50:45 Es ist ganz einfach,
machen Sie es nicht kompliziert.
  
50:51 Angenommen, ich habe ein Problem
mit einem Freund oder meiner Frau.
  
50:54  
 
50:57 Wie gehe ich es an?
 
51:03 Offen und frei?
 
51:07 Oder mit einem Beschluss,
den ich gerne umsetzen würde?
  
51:12 Oder ich habe ein Motiv.
 
51:16 Ein Motiv, ein Beschluss,
eine fertige Lösung,…
  
51:21 …ist ein störender Faktor.
 
51:26 So löse ich das Problem nie.
Klar?
  
51:29  
 
51:32 Also ist unsere erste Frage
in dieser Sache,…
  
51:38 …können wir die Probleme
in der Welt anschauen und in uns selbst?
  
51:42 Und die Welt ist nicht anders als Sie.
 
51:49 Die Welt ist,
was wir daraus gemacht haben.
  
51:53 Die Gesellschaft ist so wie Sie.
 
51:58 Sie sind die Gesellschaft und die Welt
und umgekehrt.
  
52:02 Können wir uns das anschauen?
 
52:06 Das heißt anschauen,
beobachten,…
  
52:09 …frei, ohne jedes Einwirken…
 
52:15 …auf ein Problem,
was für ein Problem es auch ist.
  
52:19 Dann,…
 
52:26 …beim Beobachten,
wenn man ihm ganz nahe kommt,…
  
52:30 …dann wird das Problem wichtig,
nicht die Lösung.
  
52:34 Und so gibt es kein Problem.
Ich kann das nicht fortsetzen.
  
52:36 Wenn Sie es verstanden haben,
umso besser.
  
52:43 Also,…
 
52:45 …das heißt, wie kommt es,
dass unsere Gehirne,…
  
52:51 …das Zentrum
all unserer Aktivitäten,…
  
52:56 …all unserer Gedanken,
all unserer Gefühle,…
  
53:01 …es ist das Zentrum
all unserer Reaktionen,…
  
53:06 …dieses Gehirn ist konditioniert,…
 
53:11 …über viele Jahre,
vierzigtausend Jahre.
  
53:16 Konditioniert als
Christ, Buddhist, Philosoph,…
  
53:20 …Wissenschaftler, Psychologe, Psychiater.
Der ganze Rummel eben.
  
53:25 Es ist konditioniert.
 
53:31 Diese Konditionierung,…
 
53:34 …pervertiert nicht nur das Handeln,…
 
53:40 …sondern schafft auch viele Probleme.
 
53:43 In Beziehungen.
 
53:46 In der Kommunikation.
 
53:50 Wenn etwas betrachtet wird,
ohne…
  
53:51 …Freiheit.
 
53:59 Also müssen wir das
zuerst untersuchen.
  
54:06 Das heißt,…
 
54:08 …warum…
 
54:11 …unser Bewusstsein…
 
54:16 …unser Bewusstsein ist der gesamte Inhalt
unseres Gehirns.
  
54:22 Es ist das, was wir sind.
 
54:33 Was Sie denken und fühlen.
 
54:35 Ihre Überzeugungen,
Ihre Freuden.
  
54:39 Ihr Glaube, Ihre Vorurteile,…
 
54:43 …Erfahrungen, Erinnerungen,…
 
54:46 …Ihre Vergnügungen usw.
 
54:49 All das macht Sie aus.
 
54:52 All das ist Ihr Bewusstsein,
mit all seinen Reaktionen.
  
55:01 Klar?
 
55:04 Es ist nichts Fremdes,
es ist ganz einfach.
  
55:07 Sie brauchen keinen Profi,
um das herauszufinden.
  
55:13 Sie können sich selbst ansehen und
erkennen, wenn Sie sich selbst klar sehen,…
  
55:15  
 
55:21 …finden Sie es heraus.
 
55:24 Viel tiefer und wahrer, als durch ein Buch
oder einen Fachmann.
  
55:32 Das also ist, was Sie sind.
 
55:36 Und wir stellen eine sehr ernste
und grundsätzliche Frage.
  
55:43 Dieses ichbezogene Bewusstsein…
 
55:49 …ist das Bewusstsein
der ganzen Welt.
  
55:55 Denn jeder einzelne Mensch…
 
55:59 …überall auf der Welt,
ist so ichbezogen wie Sie.
  
56:05 Er kennt Freude, Schmerz, Leid,…
 
56:09 …hat viele abergläubische
Vorstellungen,…
  
56:14 …Glaubenssysteme,
erfand Götter, wie auch Sie es tun.
  
56:21 Somit…
 
56:23 …ist das Bewusstsein,
das Sie haben,…
  
56:28 …von dem Sie glauben,
es sei ihr persönliches, meins,…
  
56:34 …das Bewusstsein
der ganzen Welt.
  
56:42 Man versucht das
wissenschaftlich nachzuweisen.
  
56:47 Aber lassen wir das.
 
56:50 Wenn die Wissenschaft das sagt,
sagen Sie vermutlich alle "Ja".
  
56:58 Uns wurde gelehrt,
zu übernehmen, was Experten sagen.
  
57:03 Wir sind hier keine Experten.
Gemeinsam…
  
57:07 …betrachten wir das fantastische
Phänomen, den Menschen.
  
57:17 Und…
 
57:19 …Religion,…
 
57:21 Gesellschaft, unser eigenes…
 
57:25 …Vergnügen brachte uns dazu,
uns als separate Individuen zu sehen.
  
57:33 Ich weiß, was wir sagen,
widerspricht allem, was Sie glauben.
  
57:40 Vielmehr sagen wir,
Sie sind keine Individuen.
  
57:45 Sie sind die übrige Menschheit.
Sie sind die Menschheit.
  
57:48 Weil Sie leiden.
 
57:55 Weil Sie Ängste haben.
 
58:00 Sie haben viele Illusionen,
Aberglauben, Überzeugungen.
  
58:04 Sie haben einen Gott,
einen Erlöser.
  
58:07 Und in Asien gibt es tausend Götter,
vielleicht ist das lustiger.
  
58:15 Sie sind also
wie der Rest der Welt.
  
58:19 Das ist eine ungeheure Einsicht,
diese Tatsache.
  
58:27 Dann werden Sie niemand töten.
 
58:33 Wenn Sie einen Anderen töten,
töten Sie sich selbst.
  
58:40 Das ist also das,…
 
58:43 …was unsere Konditionierung
aus uns gemacht hat.
  
58:49 Die Religionen haben gesagt:
"Ihr habt eigene Seelen."
  
58:56 Auch in Indien,…
 
58:58 …hat man separate Atmans
und so weiter.
  
59:04 Also lässt sich all das…
 
59:06 …radikal…
 
59:09 …verändern?
Von Grund auf?
  
59:17 Damit wir auf dieser schönen Erde
leben können.
  
59:21 Es ist nur heute früh recht heiß.
 
59:24 Es ist eine so wunderschöne Welt.
 
59:30 Nicht auf Bildern,
nicht in Museen.
  
59:37 Aber wenn Sie sich umschauen,…
 
59:41 …die Berge, die Flüsse,…
 
59:42 …die Täler,…
 
59:46 …es gibt sehr viel Schönheit
in der Welt.
  
59:56 Die Natur ist kein Menschenwerk.
 
1:00:02 Der Tiger…
 
1:00:05 …wurde nicht
vom Denken erschaffen.
  
1:00:10 Aber außer der Natur,…
 
1:00:15 …wurde alles vom Denken erzeugt.
 
1:00:21 Die Beschaffenheit unseres Selbst.
 
1:00:26 Also ist das Denken verantwortlich.
 
1:00:29 Ohne Gedanken und Gedächtnis,…
 
1:00:33 …das aus Wissen besteht,
können Sie gar nichts tun.
  
1:00:40 Wir müssen also untersuchen,…
 
1:00:45 …was Denken ist.
 
1:01:00 Genau eine Stunde.
 
1:01:05 Wir untersuchen das gemeinsam,
wenn Sie möchten.
  
1:01:11 Was heißt zu denken?
 
1:01:14 Was ist das Denken?
 
1:01:17 Denn es hat die gewaltige Welt
der Technik erschaffen.
  
1:01:24 Reisen zum Mond,…
 
1:01:28 …die Neutronenbombe,
die Raketen, die Unterseeboote,…
  
1:01:34 …Computer, Kommunikation, Eisenbahn.
Das Denken hat all das gemacht.
  
1:01:37  
 
1:01:44 Und das Denken hat auch
die ganze Geschäftswelt konstruiert.
  
1:01:54 Das Denken hat auch
alle Kathedralen der Welt erschaffen.
  
1:02:03 Die Tempel, Moscheen, Kirchen und die
grandiosen, prächtigen Dome in Europa.
  
1:02:08  
 
1:02:14 Und auch alles, was in den Kirchen ist,
in Kathedralen, Tempeln, Moscheen.
  
1:02:19 Ihre Rituale,…
 
1:02:24 …ihre Gewänder, Kleider, ihre Zepter,
all die Dinge, die…
  
1:02:29 ….den religiösen Menschen
herausputzen.
  
1:02:39 Das Denken hat auch Gott erfunden.
 
1:02:46 Wir sollten also sehr genau
die Natur des Denkens untersuchen.
  
1:02:56 Denn alles was wir tun,
beruht auf Denken.
  
1:03:04 Ihre Beziehungen zu anderen,…
 
1:03:08 …intim oder nicht,
sind vom Denken gesteuert.
  
1:03:16 Zum Briefe schreiben,
Auto fahren,…
  
1:03:22 …als Wissenschaftler
oder Schreiner…
  
1:03:25 …brauchen Sie das Denken.
 
1:03:30 Daher sollten wir…
 
1:03:33 …die Natur des Denkens
genau verstehen.
  
1:03:37 Warum das Denken
so wichtig geworden ist in unserem Leben.
  
1:03:45 Und Denken könnte auch
einer der Gründe sein,…
  
1:03:51 …weshalb wir uns
gegenseitig zerstören.
  
1:04:01 Was ist also Denken,
der Vorgang des Denkens?
  
1:04:13 Wenn Sie gefragt werden,…
 
1:04:17 …wie Sie heißen,…
 
1:04:19 …antworten Sie schnell,
sofort.
  
1:04:27 Warum?
 
1:04:29 Weil Sie es schon oft
wiederholt haben.
  
1:04:32 Stellt man Ihnen
eine kompliziertere Frage,…
  
1:04:37 …gibt es eine Pause,
bevor Sie darauf antworten.
  
1:04:42 In dieser Pause
überlegen Sie, fragen nach,…
  
1:04:46 …suchen in Büchern
nach der Antwort.
  
1:04:52 Es entsteht eine Pause
zwischen Frage und Antwort.
  
1:04:59 In dieser Pause
forscht der Geist nach.
  
1:05:06 Genauso wenn die Frage
weit schwieriger ist,…
  
1:05:13 …und Sie sagen:
"Ich weiß es nicht."
  
1:05:20 Ich frage mich, ob Sie je sagen,
ich weiß es nicht.
  
1:05:22 In diesem Fall warten Sie auf eine Antwort
oder auf jemand, der es Ihnen sagt.
  
1:05:26 Das sind die Stadien des Denkens.
 
1:05:31 Und nun,…
 
1:05:35 …wie läuft Denken ab?
 
1:05:43 Vielleicht haben Sie gehört,
was der Sprecher sagt.
  
1:05:48 Vergessen Sie das bitte alles,
und was Sie darüber gelesen haben.
  
1:05:53  
 
1:05:58 Lassen Sie all das völlig weg,
und betrachten wir das Denken.
  
1:06:04 Ihr Denken kann unehrlich sein,
ehrlich, rational oder banal…
  
1:06:07 …oder neurotisch,…
 
1:06:14 …schizophren,…
 
1:06:18 …aber es ist immer Denken.
 
1:06:23 Der gebildetste Mensch…
 
1:06:26 …und der völlige Analphabet,…
 
1:06:30 …der nicht lesen
und schreiben kann,…
  
1:06:33 ..und in einem kleinen Dorf lebt,…
 
1:06:38 …auch er denkt.
 
1:06:42 Es gibt also diese extremen
Formen des Denkens,…
  
1:06:48 …feinsinnig, primitiv…
 
1:06:55 …und so weiter. Es muss uns also
völlig klar sein, was Denken ist.
  
1:07:03 Denn unser ganzes Leben
beruht auf Denken.
  
1:07:09 Pervertiert, unehrlich, unlogisch,
illusorisch, völlig dumm.
  
1:07:19 Denken ist nur möglich,…
 
1:07:22 …wenn Erinnerungen da sind.
 
1:07:25 Ohne Gedächtnis
können Sie nicht denken.
  
1:07:30 Die Erinnerungen sind in den
Gehirnzellen gespeichert – im Gehirn.
  
1:07:35 Richtig?
 
1:07:41 Und das Gedächtnis ist
das Anhäufen von Wissen.
  
1:07:49 Und Wissen kommt nur zustande,
wenn es Erfahrungen gibt.
  
1:07:59 Aber Erfahrungen
sind immer begrenzt.
  
1:08:04 Nicht wahr?
 
1:08:06 Das Wissen…
 
1:08:09 …kann zunehmen,…
 
1:08:12 …umfassend sein.
 
1:08:14 Aber Wissen ist immer begrenzt.
In der Zukunft und jetzt.
  
1:08:17 Es ist immer begrenzt.
 
1:08:26 Das ist eine Tatsache.
 
1:08:28 Die Wissenschaftler
fügen immer mehr hinzu,…
  
1:08:34 …zu dem, was sie bereits wissen.
 
1:08:39 Also war…
 
1:08:41 …Wissen immer begrenzt,
jetzt und in Zukunft.
  
1:08:46 So ist Denken,
unser Gedächtnis immer begrenzt.
  
1:08:52 Damit ist Denken begrenzt.
Richtig?
  
1:08:59 Also…
 
1:09:00 …wird Handeln, das aus Denken entsteht,
auch immer begrenzt sein.
  
1:09:06 Und alles Begrenzte,…
 
1:09:12 …muss zu Gegensätzen führen.
Nicht wahr?
  
1:09:18 Verstehen Sie das alles?
 
1:09:24 Über sich nachzudenken, den ganzen Tag,
wie die meisten Leute,…
  
1:09:27  
 
1:09:31 …ist das nicht sehr begrenzt?
 
1:09:39 Und ein Handeln
aus dieser Begrenzung heraus,…
  
1:09:46 …muss zahllose Probleme erzeugen,
Gegensätze.
  
1:09:51 Also…
 
1:09:53 …betrachtet man genauer,
dass Denken begrenzt ist,…
  
1:09:55 …was logisch ist,
das ist so,…
  
1:10:03 …dann ist Denken nie vollständig.
 
1:10:06 Es kann über Vollständigkeit nachdenken,
oder über das Unermessliche.
  
1:10:11  
 
1:10:15 Aber was für das Denken unermesslich ist,
ist immer noch begrenzt,…
  
1:10:21 …weil das Denken
in sich selbst begrenzt ist.
  
1:10:30 Da Denken also begrenzt ist,…
 
1:10:33 …hat alles, was es getan hat,
zu Gegensätzen geführt.
  
1:10:41 So hat Denken
Nationalitäten geschaffen.
  
1:10:48 Nicht wahr?
 
1:10:51 Denn Denken sagt:
"Ich will Sicherheit."
  
1:10:55 Die Familie gibt mir keine Sicherheit,
nur eine größere Gruppe.
  
1:10:58  
 
1:11:02 Und die größte Gruppe ist die Nation,
die aus Stammesdenken entstanden ist.
  
1:11:06  
 
1:11:11 Nationalismus ist nur
glorifiziertes Stammesdenken.
  
1:11:18 So haben Sie die Welt
aufgeteilt in die…
  
1:11:23 …christliche, buddhistische,
hinduistische, islamische Welt…
  
1:11:28 …mit ihren eigenen Gottheiten.
Alles völlig blödsinnig.
  
1:11:34 Verzeihen Sie den Ausdruck.
 
1:11:37 Und wo Spaltung herrscht,
muss es auch Konflikte geben.
  
1:11:43 Es gibt ständige Konflikte…
 
1:11:45 …im östlichen Mittelmeer,
zwischen Juden und Arabern, Iran und Irak.
  
1:11:53 Sie kämpfen, aber um was?
 
1:12:03 Um die Ideologien und Ansichten,
die jede Gruppe hat.
  
1:12:10 Erkennt man nicht verbal oder logisch,
sondern die Wirklichkeit,…
  
1:12:17 …dass Denken auf ewig begrenzt ist,
es gibt kein…
  
1:12:21 …Ende der Begrenzung
des Denkens.
  
1:12:30 Denken ist dann
ein materieller Vorgang,…
  
1:12:37 …weil es im Gehirn gespeichert ist.
 
1:12:42 Daher ist das, was das Denken kreiert
immer begrenzt und niemals heilig.
  
1:12:45  
 
1:12:53 Also fragt man sich:
Wenn Denken begrenzt ist…
  
1:12:58 …und so viel Verwüstung
in der Welt anrichtet,…
  
1:13:03 …wo hat es dann seinen Platz?
 
1:13:09 Stellen Sie sich auch diese Fragen?
 
1:13:13 Verstehen Sie?
 
1:13:17 Arbeitet nur der Sprecher,
oder arbeiten Sie auch?
  
1:13:25 Sind Sie auch am nachdenken,
forschen, herausfinden, vorantreiben?
  
1:13:34 Oder sitzen Sie nur…
 
1:13:36 …im Halbschatten der Bäume…
 
1:13:41 …und genießen den Anblick der Berge
und die Stille des Ortes.
  
1:13:45 Was auch gut ist.
Aber etwas zu hören,…
  
1:13:50 …das wahr ist,…
 
1:13:58 …etwas zu hören,…
 
1:14:00 …das Sie selbst
als wahr erkannt haben…
  
1:14:06 …und dann…
 
1:14:09 …sich dafür einsetzen und arbeiten.
 
1:14:13 Nicht nur alles vorbeiziehen lassen.
 
1:14:17 Wenn Sie die Wahrheit hören,
ohne zu handeln, wirkt sie als Gift.
  
1:14:24 Sie schafft dann mehr Ärger,
mehr Probleme.
  
1:14:34 Also muss Denken
den richtigen Platz finden.
  
1:14:42 Sie kommen von hier
nicht nach Hause ohne Denken.
  
1:14:48 Sie können nicht Auto fahren.
 
1:14:53 Wenn Sie diesen Ort verlassen,…
 
1:14:57 …um heimzugehen,
müssen Sie denken.
  
1:15:01 Auch wenn Sie einen Brief schreiben.
 
1:15:05 Sie müssen denken,…
 
1:15:08 …wenn Sie Geschäfte machen.
 
1:15:11 Denken hat also einen richtigen Platz.
 
1:15:18 Aber ist Denken
darüber hinaus angebracht,…
  
1:15:24 …bitte hören Sie dem zu,…
 
1:15:27 …ist es darüber hinaus angebracht,
im Bereich der Psyche?
  
1:15:34 Ist es darüber hinaus angebracht,
in unseren Beziehungen zueinander?
  
1:15:43 Verstehen Sie meine Frage?
 
1:15:46 Ist das Denken in Beziehungen
überhaupt angebracht?
  
1:15:54 Wenn ja, so besteht in der Beziehung
eine Beschränkung.
  
1:16:01  
 
1:16:06 Daher gibt es Trennung.
Daher gibt es Konflikt. Nicht wahr?
  
1:16:10 In meiner Beziehung zum Ehepartner,
zu einem Mädchen oder Jungen,…
  
1:16:13  
 
1:16:17 …wenn in dieser Beziehung
das Denken eine große Rolle spielt,…
  
1:16:25 …und da Denken beschränkt ist,…
 
1:16:27 …erzeugt genau dies
Differenzen zwischen ihr und ihm.
  
1:16:37 Und wo es Differenzen gibt,
kommt es auch zum Konflikt.
  
1:16:43 Wie Sie wissen,
gibt es in allen Beziehungen Konflikte.
  
1:16:49 Wie sehr Sie sich vielleicht mögen,
ich will nicht von Liebe sprechen,…
  
1:16:54  
 
1:16:57 …wie sehr Sie den andern mögen,
wieviel Spaß Sie mit ihm haben,…
  
1:17:04 …es ist immer begrenzt
und erzeugt daher Konflikt.
  
1:17:09 Das ist eine Gesetzmäßigkeit, Logik,
das ist wahr.
  
1:17:17 Das Denken…
 
1:17:20 …hat also seinen richtigen Platz…
 
1:17:26 …in der Welt der Technik,
in der Welt…
  
1:17:30 …des Alltags.
Aber in der Psyche, im Inneren…
  
1:17:31 …ist es völlig fehl am Platz.
 
1:17:38 Dann gibt es einen Bereich,
der das Selbst erschafft, das 'Ich'.
  
1:17:45 Auch das 'Ich', das Ego, die Person
ist sehr beschränkt.
  
1:17:54 Es kann sich einbilden,
es sei wunderbar.
  
1:17:58 Es kann sich einbilden,
es könne große Dinge tun.
  
1:18:04 Aber die Einbildung, das Bild…
 
1:18:08 …bleibt in Wirklichkeit
sehr beschränkt und klein.
  
1:18:16 Diese Wahrheit zu sehen reicht.
 
1:18:19 Man muss nichts tun,
nur diese Tatsache sehen.
  
1:18:26 Und diese Tatsache,…
 
1:18:31 …das Wahrnehmen der Tatsache,
wie Sie eine Gefahr wahrnehmen,…
  
1:18:36 …ein gefährliches Tier,
einen gefährlichen Abgrund,…
  
1:18:42 …wenn Sie diese Tatsache so real,
so konkret sehen wie das,…
  
1:18:50 …dann zerbrechen Sie die gesamte Kette
der Fortdauer des Selbst.
  
1:18:59 Nur dann…
 
1:19:02 …kann man mit einem anderen leben…
 
1:19:09 …ohne den geringsten Schatten
eines Konflikts.
  
1:19:15 Denn Konflikt
ist der eigentliche Kern der Gewalt.
  
1:19:23 Wir meinen,
Gewalt sei da draußen.
  
1:19:26 Terroristen, Entführer, Kriege,…
 
1:19:31 …Leute mit Waffen.
 
1:19:34 In diesem Land kann jeder Waffen tragen.
Was für ein eigenartiges Land!
  
1:19:40 Man geht in einen Laden
und kann sich eine Waffe kaufen.
  
1:19:48 Gewalt ist also nicht nur da draußen,…
 
1:19:53 …Gewalt ist auch in Beziehungen,
so lange es die Trennung gibt…
  
1:19:57 …in 'Ich' und 'Du'.
 
1:20:04 Das 'Ich' verfolgt meinen Ehrgeiz,
meine Gier, meine Ziele,…
  
1:20:08 …meine Erfolge
und auch sie tut dasselbe.
  
1:20:16 Deshalb leben wir ständig im Konflikt.
 
1:20:24 Wir sehen den Konflikt und fragen:
»Wie löse ich ihn?«
  
1:20:29  
 
1:20:32 Also wieder, das Gehirn ist konditioniert,
Probleme zu lösen, von klein auf.
  
1:20:34  
 
1:20:38 Daher sagen Sie: "Mal sehen, wie ich das
lösen, ändern oder schaffen kann,…
  
1:20:43  
 
1:20:51 …den Konflikt zu beenden."
Das wird ein Problem.
  
1:20:53  
 
1:20:54 So machen Sie es jetzt.
Wie soll ich Konflikt beenden?
  
1:21:00 Würden Sie aber
seine Wurzel sehen, seine Ursache,…
  
1:21:05 …was eine Ursache hat,
diese Ursache kann geändert…
  
1:21:07 …und beseitigt werden.
 
1:21:14 Ursache für Konflikt
ist das Gefühl des Getrenntseins,…
  
1:21:20 …erzeugt vom Denken,
das begrenzt ist.
  
1:21:26 Und alles, was begrenzt ist,…
 
1:21:31 …Religionen sind begrenzt,…
 
1:21:37  
 
1:21:39 …jeder Glaube ist begrenzt,
alles.
  
1:21:44 Alles was das Denken ersinnt, ist begrenzt,
und daher erzeugt es immer Konflikt.
  
1:21:50 Wenn Sie diese Tatsache sehen,…
 
1:21:55 …diese Wahrheit,…
 
1:21:58 …dann ist diese Wahrheit
der Katalysator,…
  
1:22:03 …der den Konflikt beendet.
 
1:22:11 Es ist genug für heute.
 
1:22:21 Wir machen
morgen Vormittag weiter.
  
1:22:28 Wenn ich noch darauf
hinweisen darf,…
  
1:22:36 …man muss alles hören. Das ist keine
Einladung, morgen wiederzukommen.
  
1:22:41 Mir ist es gleich,
ob Sie kommen.
  
1:22:45 Das ist mein Ernst.
 
1:22:47 Aber wenn Sie
alles verstehen wollen,…
  
1:22:51 …das ganze Leben,
dann müssen Sie das Ganze hören,…
  
1:22:57 …es ist ein Paket,
wie Sie das nennen.
  
1:23:02 Nicht nur ein Kapitel daraus.
 
1:23:06 Ein ganzes Buch
muss gelesen werden.
  
1:23:10 Es hat viele Kapitel,
viele Absätze.
  
1:23:16 Und dieses Buch sind Sie selbst.
 
1:23:22 Und da wir über all diese Dinge
in der nächsten Woche sprechen,…
  
1:23:26 …wenn Sie wollen,
muss man sich das Ganze anhören.
  
1:23:30 Kann ich jetzt aufstehen?
 
1:23:32  
 
1:23:37