Krishnamurti Subtitles

Kosmische Ordnung

Brockwood Park - 7 June 1980

The Ending of Time 10



0:19 Krishnamurti: Am besten, wir vergessen,
dass wir Zuhörer haben.
  
0:25 Wir führen hier nicht
etwas zu Ihrer Unterhaltung auf.
  
0:33 Das letzte Mal hörten wir damit auf,
wenn ich mich recht erinnere, dass,
  
0:39 wenn der Geist nichts mehr
vom Denken Geschaffenes enthält,
  
0:42 dann fängt
die eigentliche Meditation an.
  
0:49 Aber ich möchte,
 
0:54 bevor wir das weiter untersuchen,
möchte ich einen Schritt zurückgehen
  
0:59 und herausfinden,
 
1:01 ob das Gehirn
 
1:06 jemals frei sein kann.
 
1:10 Nicht nur frei von allen Illusionen
 
1:14 und jeder Art
von Täuschung,
  
1:20 und ob
 
1:22 es seine eigene Ordnung
haben kann.
  
1:26 Eine Ordnung,
die nicht vom Denken gemacht ist,
  
1:31 oder
 
1:33 ob es sich
 
1:35 aufraffen kann, die Dinge
an ihren richtigen Platz zu stellen.
  
1:42 Und außerdem,
 
1:44 ob das Gehirn,
 
1:47 und sei es noch so beschädigt,
 
1:50 und die meisten Gehirne
sind beschädigt durch Schock,
  
1:53 durch alle Arten von
 
1:58 Anregungen,
 
2:00 ob dieses Gehirn
 
2:10 sich selbst
vollständig heilen kann.
  
2:15 Mit diesen Fragen
möchte ich mich beschäftigen.
  
2:25 Erlauben Sie mir also bitte,
als erstes zu fragen,
  
2:34 ob es eine Ordnung gibt,
 
2:38 die nicht
 
2:39 menschengemacht ist.
 
2:44 Eine, die nicht
aus einer Absicht entstanden ist,
  
2:51 weil Unordnung herrscht.
 
2:55 Eine solche Ordnung würde uns
 
3:01 wahrscheinlich zufriedenstellen
und also immer noch der alten
  
3:03 Konditioniertheit entsprechen.
Gibt es eine Ordnung,
  
3:08 die nicht menschengemacht ist,
gedankengemacht?
  
3:18 D. Bohm:
Meinen Sie damit den Geist?
  
3:21 Die Ordnung der Natur
besteht wohl
  
3:24 aus sich selbst heraus.
 
3:26 – Die Ordnung der Natur ist Ordnung.
– Ja, aber nicht von Menschen gemacht.
  
3:32 Aber ich spreche nicht
von so einer …
  
3:39 Ich bin nicht sicher,
dass das diese Art von Ordnung ist.
  
3:45 Gibt es kosmische Ordnung?
 
3:49 Aber das ist immer noch die selbe Sache,
von der Sie sprechen.
  
3:54 – Normalerweise bedeutet das Wort
"kosmisch" – "Kosmos" bedeutet Ordnung.
  
3:56  
 
3:58 – Es bedeutet Ordnung, aber die Ordnung
des Ganzen. – Die meine ich.
  
4:01  
 
4:03 Und die umfasst die Ordnung des Universums
und die Ordnung des Geistes.
  
4:13 Was ich versuche herauszufinden:
Gibt es Ordnung,
  
4:16 die sich ein Mensch
unmöglich vorstellen kann?
  
4:26 Verstehen Sie mich?
 
4:31 Denn jedes Konzept beruht immer noch
auf gedanklichen Mustern.
  
4:37 Gibt es also Ordnung,
die nicht
  
4:43 – Wie wollen wir darüber sprechen?
– Das will ich gerade besprechen.
  
4:46 Ich glaube,
wir kriegen das hin.
  
4:53 Was ist Ordnung?
 
4:58 G. Narayan: Ich dachte,
wir hätten gerade darüber gesprochen.
  
5:02 – Gesprochen über was?
– Am Tisch. – Beim Essen?
  
5:04 Es gibt die mathematische Ordnung,
 
5:06 und im allgemeinen
ist sie die Ordnung
  
5:10 wiederum
untergeordneter Ordnungen.
  
5:16 Wissenschaft sucht die Ordnung
unter den oberflächlichen Ordnungen.
  
5:21 Hier haben wir
die ausgeprägteste Art von Ordnung
  
5:25 aller Fachgebiete.
 
5:27 Würden die Mathematiker
auch sagen,
  
5:33 dass Mathematik
vollkommene Ordnung ist?
  
5:37 Ja, Mathematik beschäftigt sich mit den
Zusammenhängen zwischen Ordnungen.
  
5:42 Würden sie dem zustimmen?
 
5:44 Je nachdem,
 
5:46 aber der berühmte Mathematiker
von Neumann
  
5:49 fasste Mathematik auf
als Beziehung zwischen Beziehungen,
  
5:53 und mit Beziehung
meinte er "Ordnung",
  
5:56 um auszudrücken, dass da Ordnung
nur in ihrem eigenen Feld wirksam ist.
  
6:03 Ordnung wirkt
 
6:09 im Feld der Ordnung.
– Und nicht auf eine andere Sache.
  
6:11 Ja, darauf möchte ich hinaus.
 
6:19 Die besonders kreativen
Mathematiker haben
  
6:22 eine Schau auf das,
was man reine Ordnung nennen könnte.
  
6:26 Aber es ist natürlich
immer noch begrenzt,
  
6:31 weil es auf mathematische Art
ausgedrückt werden muss,
  
6:35 in Formeln
oder Form von Gleichungen.
  
6:47 Ist Ordnung
 
6:51 Teil der Unordnung,
wie wir sie kennen?
  
6:55 Das ist die andere Frage:
Was meinen wir mit Unordnung?
  
7:00 Es gibt keine
stimmige Definition von Unordnung.
  
7:05 Ihre Natur entzieht sich dem.
 
7:09 Sie ist nicht beschreibbar,
– Warum nicht?
  
7:12 weil Unordnung nunmal
jede Ordnung verletzt.
  
7:15 Alles Geschehende
hat Ordnung.
  
7:18 Man kann eine bestimmte Sache
als Unordnung bezeichnen.
  
7:21 – Sie sagen, alles was geschieht,
ist Ordnung? – Es hat eine gewisse Ordnung.
  
7:25  
 
7:27 Wenn der Körper fehlerhaft ist,
wenn ein Krebsgeschwür entsteht,
  
7:32 das hat seine eigene Ordnung,
es wächst auf seine Weise, jedoch zu schnell.
  
7:36 Es hat ein anderes Wachstumsverhalten,
das dem Körper schadet,
  
7:40 aber darin
ist dennoch Ordnung.
  
7:43 Die Naturgesetze
werden nicht verletzt.
  
7:48 Innerhalb eines bestimmten Kontextes
ist es wiederum Unordnung.
  
7:51 Wenn wir
die körperliche Gesundheit betrachten,
  
7:54 da stört der Krebs die Ordnung.
 
7:58 Aber für sich genommen,
 
8:02 Krebs hat seine
eigene Ordnung.
  
8:07 Aber sie stimmt nicht überein
mit der Ordnung des körperlichen Wachstums.
  
8:12 Also, was meinen wir
mit Ordnung?
  
8:13 Gibt es so etwas wie Ordnung?
 
8:20 Ordnung liegt im Wahrnehmen,
sagten wir.
  
8:24 – Wir können sie nicht fassen.
– Natürlich nicht.
  
8:28 Wenn wir von Ordnung sprechen, bezieht sich
das auf einen Rahmen, einen bestimmten Bereich.
  
8:31 Ordnung hat immer
diesen Bezug.
  
8:37 Und wenn wir von Ordnung
 
8:41 der Ordnungen sprechen,
 
8:46 wie in einigen Gebieten
der Mathematik,
  
8:50 sprechen wir von einem
erweiterten Ordnungsbegriff.
  
8:55 Wir ordnen nicht mehr nur Dinge.
 
8:59 Mathematiker beginnen meist
mit der Ordnung der Zahlen, 1, 2, 3,
  
9:02 und auf dieser Grundlage
bauen sie eine komplizierte Struktur auf.
  
9:08 Die Ordnung der Zahlen ist offensichtlich.
Es gibt eine Reihe von Beziehungen,
  
9:13 die immer gültig sind
zum Beispiel.
  
9:22 Die Zahlen sind das
einfachste Beispiel einer Ordnung.
  
9:27 Die Entdeckung der Null
führte zu einer neuen Ordnung,
  
9:31 es entstanden
neue Ordnungsregeln.
  
9:43 Und ist
 
9:45 mathematische Ordnung
und die Ordnung der Natur eingebettet
  
9:49 eine noch größere
 
9:56 Ordnung?
 
9:59 Oder ist sie lediglich
auf einen Bereich begrenzt?
  
10:06 Das Gehirn,
der Geist ist so
  
10:11 widersprüchlich,
 
10:14 so
 
10:17 beschädigt,^p
 
10:25 es kann Ordnung nicht finden.
 
10:28 Ja, aber welche Art von Ordnung
möchte es haben?
  
10:32 Es will eine Ordnung,
in der es sich sicher fühlt.
  
10:37 Wo es nicht verletzt wird, nicht erschreckt,
nicht den Schmerz fühlt
  
10:39 von körperlicher
oder seelischer Verletzung.
  
10:46 Bei Ordnung geht es hauptsächlich
um einen widerspruchsfreien Zustand.
  
10:50 Darum geht es
in der Mathematik vor allem.
  
10:52  
 
10:56 – Aber das Gehirn ist in sich widersprüchlich.
– Ja,
  
11:01 etwas ist schiefgegangen. Wir sagten mal,
es habe eine falsche Richtung eingeschlagen.
  
11:07  
 
11:11 Man könnte Krebs
als Fehlwachstum im Körper ansehen.
  
11:15 Dann sind zwei Ordnungen in Konflikt:
das Krebswachstum und
  
11:18 die normale Ordnung des Körpers. Sie
können auf Dauer nicht gleichzeitig bestehen.
  
11:23 Ich möchte mal
eine Frage betrachten.
  
11:28 Kann der Geist,
das Gehirn vollkommen frei sein
  
11:37 von jeder organisierten Ordnung?
 
11:43 Warum sollte er das sein
und was meinen Sie
  
11:46  
 
11:49 mit organisierter Ordnung?
– Sonst wird es zu einem Muster.
  
11:52 Sie meinen damit eine feststehende,
aufgezwungene Ordnung.
  
11:55 Ja, eine feste Ordnung,
ein festes Muster.
  
11:59 – Aufgezwungen oder starr.
– Aufgezwungen oder selbst auferlegt.
  
12:11 Weil wir herausfinden wollen,
jedenfalls
  
12:14 möchte ich das,
 
12:22 ob das Gehirn
jemals frei sein kann
  
12:26 von all den
 
12:28 Zwängen,
 
12:30 Druck,
 
12:32 Wunden, Verletzungen,
 
12:40 den Banalitäten der Existenz,
 
12:43 die es hierhin und dorthin schleudern,
ob es vollständig frei davon sein kann.
  
12:53 Wenn nicht,
 
13:03 dann hat Meditation
keinen Sinn.
  
13:08 Man könnte sagen,
das Leben hat wahrscheinlich keinen Sinn,
  
13:10 wenn das nicht geht.
– Das würde ich nicht sagen.
  
13:12  
 
13:14 – Wenn es immer so weiter ginge?
– Dann ja.
  
13:18 Wenn es so immer weiter geht wie bisher,
jahrtausendelang, hat das Leben keinen Sinn.
  
13:24 Aber um herauszufinden,
ob das Leben irgendeinen Sinn hat,
  
13:31 und ich glaube,
es hat einen,
  
13:34 muss das Gehirn nicht
vollkommen frei sein von alldem?
  
13:41 Das, was Sie Unordnung nennen
 
13:47 woher kommt das,
was wir Unordnung nennen?
  
13:50 Es ist wie Krebs
 
13:54 sozusagen,
der innerhalb des Gehirns wächst.
  
13:56 Seine Bewegung verträgt sich nicht
mit der Gesundheit des Gehirns.
  
13:59 Es nimmt immer mehr zu,
 
14:06 sogar von einer Generation
zur nächsten.
  
14:11  
 
14:16 – Aber jede Generation hat das gleiche
Verhaltensmuster! – Aber es nimmt sogar zu
  
14:20 von einer Generation,
die es an die nächste weitergibt.
  
14:22  
 
14:28 Es ist hier die ähnliche Frage,
wie wir es verhindern können,
  
14:33 dass diese Krebszellen überhand nehmen.
– Das ist es, was mich interessiert.
  
14:35 Wie dieses Muster,
das sich geformt hat
  
14:39 und das sich über Generationen
weiter entwickelt hat,
  
14:44 wie beendet man das,
wie durchbricht man es?
  
14:50 Das ist wirklich die Frage,
die ich im Hinterkopf habe.
  
14:57 Eine andere Frage ist, warum
 
15:00 das Gehirn den Nährboden
für dieses Zeug zur Verfügung stellt.
  
15:04 Es könnte einfach
Tradition sein, Gewohnheit.
  
15:09 Warum macht es
als weiter damit?
  
15:12 Vielleicht hat es
Angst davor,
  
15:15 dass etwas Neues abläuft.
In der
  
15:18 alten Tradition
fühlt es sich wohl.
  
15:22 Es fühlt sich sicher.
 
15:30 Dann stellt sich die Frage,
warum das Gehirn sich selber betrügt?
  
15:35 In sich Unordnung zu haben,
geht nur,
  
15:40 wenn das Gehirn sich
über diese Unordnung was vormacht.
  
15:43 Es scheint das nicht klar
erkennen zu können.
  
15:54 Für meine Begriffe
steckt hinter Ordnung
  
15:58  
 
16:01 eine Intelligenz,
die diese irgendwie benutzt.
  
16:04 Ich habe eine Absicht,
erschaffe eine Ordnung.
  
16:07 Wenn die Absicht erreicht ist,
vergesse ich diese Ordnung.
  
16:11 Hinter Ordnung steckt eine Intelligenz,
welche sie herstellt,
  
16:18 so ist die übliche Vorstellung.
 
16:22 – Aber Sie meinen etwas anderes.
– Ich und er fragen uns,
  
16:25 ob dieses jahrtausendealte Muster
 
16:31 unterbrochen werden kann
 
16:38 und warum das Gehirn
ihm gefolgt ist
  
16:46 trotz aller Konflikte, Elend
und es immer so weiter macht.
  
16:49 Und kann dieses Muster unterbrochen werden?
Das ist meine eigentliche Frage.
  
16:51 Ich formuliere es nur anders.
Wenn eine Ordnung ihren Zweck erfüllt hat,
  
16:54  
 
16:58 kann sie beiseite gelegt werden,
weil sie
  
17:03 nicht mehr gebraucht wird oder jetzt
unangemessen ist. – Offensichtlich nicht!
  
17:07 Psychisch meine ich.
Es geht nicht, es geschieht nicht.
  
17:13 Nehmen Sie einen gewöhnlichen Menschen
wie einen von uns. Es geht immer weiter,
  
17:17 dieselben Ängste, Leid, Elend.
All das
  
17:24 setzt sich Tag für Tag fort.
 
17:32 Und Dr. Bohm fragt,
 
17:35 warum es
 
17:38 weiter geht,
warum es keinen Durchbruch gibt.
  
17:41 Und wir sagen, vielleicht
 
17:43 ist er so stark konditioniert,
 
17:47 dass er keinen Weg sieht,
da rauszukommen.
  
17:52 Oder es liegt nur
am ständigen Wiederholen,
  
17:59 und das Gehirn
ist stumpf geworden.
  
18:04 Da ist also diese
ständige Wiederholung.
  
18:10 – Und wir kommen nicht raus. – Das ständige
Wiederholen macht das Gehirn träge, mechanisch.
  
18:15 Und dann fühlt es sich
wohl in dieser
  
18:20 mechanischen Trägheit und sagt:
"Es geht schon, ich kann so weitermachen."
  
18:25 So machen es
die meisten Menschen!
  
18:36 Das kommt von der Unordnung.
 
18:38 – So zu denken, ist ein Ausdruck
der Unordnung. – Natürlich.
  
18:41  
 
18:48 Verbinden Sie Ordnung mit Intelligenz?
Oder existiert Ordnung unabhängig davon?
  
18:51  
 
18:55 Irgendeine Art
von Intelligenz.
  
18:58 Intelligenz hat sicher
mit Ordnung zu tun.
  
19:06 Intelligenz geht einher mit der
korrekten Wahrnehmung von Ordnung,
  
19:09 ohne inneren Widerspruch.
 
19:15 Aber ich glaube,
 
19:20 bei dem, worüber wir hier sprechen,
handelt es sich um eine Ordnung,
  
19:23 die wir nicht erschaffen,
 
19:27 sondern die naturgegeben ist.
 
19:33 Kommen wir nochmal zurück.
 
19:36 Ich bin
ein gewöhnlicher Mensch.
  
19:39 Ich sehe,
ich bin gefangen.
  
19:45 Meine ganze Art zu leben,
mein Denken, meine
  
19:50 Ansichten usw., alles, was ich glaube, ist
das Ergebnis einer langen zeitlichen Entwicklung.
  
19:56 Wie wir neulich sagten,
meine ganze Existenz besteht aus Zeit.
  
20:03 Ich fühle mich wohl in der
nicht mehr veränderbaren Vergangenheit.
  
20:11 Ich glaube,
ein normaler Mensch,
  
20:13 wird als erstes sagen,
dass er das mit der Zeit nicht versteht.
  
20:18 – Er empfindet, dass Zeit ihm geschieht.
– Ich habe schon gesagt,
  
20:21  
 
20:23 ich bin ein gewöhnlicher Mensch,
spreche mit Ihnen und sehe,
  
20:25  
 
20:27  
 
20:35 meine ganze Existenz
hat Zeit als Grundlage.
  
20:43 Zeit ist die Vergangenheit,
und darin fühlt das Gehirn sich wohl.
  
20:46 – Wie macht es das?
– Weil die Vergangenheit unveränderlich ist.
  
20:50 Aber Menschen denken auch an eine bessere
Zukunft, an ein Aufgeben der Vergangenheit,
  
20:54  
 
20:57 an Veränderung.
– Aber ich kann nicht.
  
20:58 Wir glauben,
sie aufgeben zu können.
  
21:03 Sogar diejenigen,
die die Vergangenheit aufgeben wollen,
  
21:06 sich nicht darin zurückziehen wollen,
können sie nicht aufgeben.
  
21:11 Genau das meine ich.
 
21:13 Es sieht so aus,
was immer man tut, man steckt fest.
  
21:20 Die nächste Frage ist dann,
warum das Gehirn
  
21:25 das hinnimmt,
 
21:29 diese Art zu leben
 
21:31 und warum es sie
nicht durchbricht.
  
21:35 Ist es Faulheit?
Sieht es
  
21:47 den Versuch, es niederzureißen,
als hoffnungslos an?
  
21:49 – Das ist immer noch die selbe Frage.
– Natürlich.
  
21:51 Das Vergangene
ist Grundlage des Handelns.
  
21:54 Was ist also zu tun?
 
21:58 Ich denke, das gilt
für die meisten Menschen, oder?
  
22:03 Also,
 
22:07 was tun?
– Wir verstehen noch nicht, warum
  
22:10 es das tut,
also haben wir dafür keine Antwort.
  
22:14 Angenommen, dieses Verhalten
ist irrational und
  
22:18 Menschen sagen, "Okay, ich gebe
die Vergangenheit auf", und können es nicht.
  
22:23 – Wir können nicht.
– Warum können wir nicht?
  
22:30 Warum können wir
die Vergangenheit nicht aufgeben?
  
22:35 Einen Moment, Sir.
 
22:38 Wenn ich
die Vergangenheit aufgebe,
  
22:41 habe ich keine Existenz mehr.
 
22:47 Das müssen Sie erläutern,
weil manche sagen würden
  
22:52 Es ist einfach: wenn ich all
meine Erinnerungen aufgebe, habe ich nichts.
  
22:57 Ich bin nichts.
 
23:02  
 
23:06 Einige würden es anders sehen,
z. B. die Marxisten. Marx sagte,
  
23:11 es sei notwendig, die Umstände
der menschlichen Existenz zu verändern
  
23:14  
 
23:19 und das beseitige die Vergangenheit.
– Aber es hat nicht funktioniert.
  
23:24 Es kann nicht funktionieren.
 
23:29 Der Versuch, etwas zu verändern, ist immer noch
von der Vergangenheit bestimmt. – Das meine ich.
  
23:34 Wenn wir nicht
von der Vergangenheit abhängen,
  
23:37 was gibt es dann zu tun?
– Ja, ich bin nichts!
  
23:39  
 
23:42 Ist das der Grund, weshalb wir
die Vergangenheit unmöglich aufgeben können?
  
23:48 Weil
 
23:51 meine Existenz,
meine Art zu denken, mein Leben,
  
23:54 alles stammt
aus der Vergangenheit.
  
24:02 Und wenn jemand sagt, "Wisch das weg!",
was bleibt dann übrig?
  
24:08  
 
24:12 Einiges aus der Vergangenheit muss offensichtlich
erhalten bleiben. Wissen, technische Kenntnisse.
  
24:16 Man könnte diesen Teil
der Vergangenheit behalten,
  
24:19 und alles von der Vergangenheit
wegwischen, was widersprüchlich ist.
  
24:23 Das sind die ganzen
inneren Widersprüche usw.
  
24:28 Was bleibt übrig?
Der tägliche Gang zur Arbeit?
  
24:34 Es bleibt nichts übrig.
 
24:37 Können wir sie
deshalb nicht aufgeben?
  
24:41 Es ist
ein Widerspruch zu fragen,
  
24:42 was übrig bleibt. Man fragt dann immer noch
nach der Vergangenheit. – Natürlich.
  
24:47  
 
24:51 Sie meinen also,
wenn Menschen sagen
  
24:54 sie geben die Vergangenheit auf,
dass sie es nicht tun?
  
24:58 Sie machen daraus lediglich ein Vorhaben
und vermeiden damit das Eigentliche.
  
25:03 Weil mein ganzes Wesen
nur aus Vergangenheit besteht,
  
25:11 verändert, umgewandelt, aber seine
Wurzeln liegen in der Vergangenheit.
  
25:17 Wenn man sagte, "Gib es auf,
deine Zukunft
  
25:20 wird ganz anders aussehen, besser",
das würde Menschen interessieren.
  
25:25 Aber das "besser"
kommt immer noch aus der Vergangenheit.
  
25:29 Es könnte
offen sein und kreativ.
  
25:35 Die Menschen wollen
irgendwie sicher sein, dass da
  
25:40 etwas sein wird.
– Genau das ist es, Sir! Da ist nichts!
  
25:41  
 
25:45 Als Mensch möchte ich
sicher sein, dass da etwas ist,,
  
25:51 an das ich mich klammern kann,
an das ich mich halten kann.
  
25:56 Etwas, das ich anstrebe
oder erreichen kann. – Erreichen.
  
25:59 Man hängt nicht an Vergangenem,
man will etwas erreichen,
  
26:01 so empfindet man.
 
26:05 Wenn ich etwas erreiche,
ist das immer noch die Vergangenheit.
  
26:10 Das sieht man oft nicht, weil man es als
großartige, neue revolutionäre Situation ansieht.
  
26:12 Aber die Wurzeln
liegen in der Vergangenheit.
  
26:16 Und die Vergangenheit
ist Unordnung.
  
26:22 Solange ich in der Vergangenheit
verwurzelt bin, gibt es keine Ordnung.
  
26:28 – Weil die Vergangenheit durch und durch
Unordnung ist. – Ja, Unordnung.
  
26:36 Und ist mein Geist,
mein
  
26:41 Gehirn bereit,
einzusehen,
  
26:45 dass da absolut nichts ist,
 
26:54 wenn ich die Vergangenheit aufgebe?
Verstehen Sie?
  
26:57  
 
27:00 – Sie meinen, da ist nichts zu erreichen.
– Nichts, ich meine, da ist keine Bewegung.
  
27:05 Deshalb kann ich unmöglich
die Vergangenheit aufgeben.
  
27:11 Also hängen die Leute mir
eine Karotte vor die Nase,
  
27:17 und als dummer Mensch
folge ich ihr.
  
27:21 Aber wenn ich
keine Karotte vor mir habe, nichts,
  
27:26 keine Belohnung,
keine drohende Strafe.
  
27:29 Wie soll die Vergangenheit
aufgelöst werden?
  
27:41 Weil ich ansonsten
 
27:46 immer noch
im Bereich der Zeit lebe.
  
27:49 Und es ist immer noch
menschengemacht.
  
28:02 Was soll ich also tun?
 
28:09 Bin ich bereit,
 
28:12 dem gegenüberzustehen,
 
28:13 der absoluten Leere?
 
28:20 Richtig, Sir?
 
28:24 – Und wenn jemand nicht bereit ist?
– Das ist nicht mein Problem.
  
28:26 Wenn jemand dies alles als Unsinn ansieht,
sagt man, "Mach halt weiter so."
  
28:30 Aber ich bin bereit, meine Vergangenheit
vollkommen loszulassen,
  
28:37 das heißt, es gibt weder Bemühen noch
Belohnung, Strafandrohung, Karotte – nichts.
  
28:42  
 
28:47 Und das Gehirn ist bereit, diesem
außerordentlichen Zustand ins Auge zu sehen,
  
28:50 etwas, das ihm
vollkommen neu ist,
  
28:56 ein Sein, ein Existieren
in einem Zustand von Nichts.
  
29:03 Das ist furchtbar
angsteinflößend.
  
29:14 Auch die Bedeutung dieser Worte
wurzelt im Vergangenen,
  
29:17 so kommt Angst ins Spiel.
 
29:20 Das Wort
ist nicht die Sache.
  
29:22 Aber das macht Angst,
weil der
  
29:24 Begriff "Nichts" von früher her
angstbesetzt ist. – Mein Gehirn sagt,
  
29:30 "Ich bin bereit,
das zu tun."
  
29:32 Ich bin bereit,
 
29:34 diesem absoluten Nichts,
der Leere ins Auge zu sehen,
  
29:45 weil es eingesehen hat,
dass all diese
  
29:50 Zufluchtsorte,
die verschiedenen
  
29:51 Nischen, wohin es sich
zurückgezogen hat, Illusionen sind.
  
29:58 Damit ist also Schluss.
 
30:04 Aber es gibt noch etwas
zu berücksichtigen. Sie sprachen von der
  
30:07  
 
30:11 Beschädigung,
den Narben des Gehirns.
  
30:13 Wenn das Gehirn nicht
beschädigt wäre, würde es das
  
30:18 ziemlich einfach hinkriegen.
– Okay, kann ich herausfinden,
  
30:21 wo die Ursache liegt
 
30:29 für den Gehirnschaden?
 
30:34 Eine der Ursachen
sind heftige Emotionen.
  
30:36 – Ja. Heftige, anhaltende Emotionen.
– Heftige, anhaltende Emotionen, wie Hass.
  
30:39 – Kurzzeitge Emotionen schaden wohl nicht,
aber wir halten sie aufrecht. – Ja, natürlich.
  
30:44 Hass, Ärger,
 
30:50 Gewaltgefühle,
 
30:53 diese sind
offensichtlich nicht nur
  
30:59 erschreckend,
sondern sie verwunden das Gehirn.
  
31:02 – Richtig?
– Ja, und häufiges Aufregen auch.
  
31:05 – Übermäßige Angeregtheit,
z. B. durch Vergnügen. – Drogen usw.
  
31:08 Häufige Angeregtheit,
 
31:17 häufiger
 
31:19 Ärger,
 
31:22 Gewaltempfindungen,
Hass, all das.
  
31:27 Die natürlichen Reaktionen
schaden dem Gehirn nicht.
  
31:35 Mein Gehirn
ist also geschädigt,
  
31:38 mal angenommen,
 
31:41 Ärger hat es geschädigt.
 
31:43 Wahrscheinlich wurden sogar
 
31:47 Nervenbahnen falsch verbunden
und die Verbindungen sind nicht sehr stabil.
  
31:51 Es gibt Belege dafür, dass diese Vorgänge
tatsächlich die Struktur verändern.
  
31:56 Das heißt also, kann ich
eine Einsicht haben in das ganze Wesen
  
32:02 der Störungen,
 
32:13 Ärger, Gewalt,
das ist alles Teil desselben Geschehens.
  
32:17 Kann ich das
durch Einsicht erkennen?
  
32:21 Und dann
 
32:23 verändert diese Einsicht die Gehirnzellen,
die verwundet worden sind.
  
32:29  
 
32:32 – Möglicherweise setzt das Heilung in Gang.
– Okay, Heilung in Gang setzen.
  
32:36 Diese Heilung
findet sofort statt.
  
32:39 Eventuell braucht es auch Zeit,
weil
  
32:42  
 
32:44 falsche Verbindungen bestehen und es
Zeit braucht, das Gewebe umzuorganisieren,,
  
32:47 aber der Heilungsprozess sollte
sofort beginnen. – Ja, sehen wir es mal so.
  
32:51 Kann ich das?
 
32:55 Ich habe Ihnen zugehört,
ich habe
  
33:00 es sorgfältig studiert, über all das
nachgedacht und ich sehe,
  
33:05 dass Ärger, Gewalt, Hass,
all diese übermäßigen oder
  
33:10 sogar jede Art
von Aufregung usw.
  
33:18 das Gehirn verletzt.
 
33:22 Und
 
33:24 die Einsicht
 
33:26 in diese ganzen Abläufe
bewirkt
  
33:31 eine Veränderung der Zellen.
 
33:39 Es ist so!
 
33:43 Und so schnell wie möglich
verändern sich die Zellen und ihre Ordnung.
  
33:48 Beim Krebs hört auch manchmal
das Geschwür plötzlich auf zu wachsen
  
33:51  
 
33:53 und zieht sich zurück.
 
33:56 Die Gründe sind nicht bekannt, aber in den
Zellen muss sich etwas verändert haben.
  
34:03 Könnte es sein,
vielleicht irre ich mich,
  
34:08 wenn sich
die Gehirnzellen verändern,
  
34:14 wenn da eine grundlegende Veränderung
stattfindet, dass die Krebsentwicklung aufhört?
  
34:18 – Ja, sie hört vollständig auf und das Geschwür
baut sich ab. – Abbau, das ist es.
  
34:21  
 
34:27  
 
34:30 – Sie sagen, es entwickeln sich
die richtigen Verbindungen – Ja.
  
34:32 und die falschen
werden unterbrochen?
  
34:34 Oder sie
werden sogar aufgelöst.
  
34:37 Ein Anfang ist also gemacht,
und zwar jetzt.
  
34:41 Ab einem
bestimmten Moment.
  
34:42 – Das ist die Einsicht.
 
34:44 Aber
 
34:48 die Zeit spielt hier keine Rolle,
weil die richtige Bewegung eingesetzt hat.
  
34:53 Was, was, was?
 
34:56 David sagt, Zeit spielt keine Rolle,
weil die richtige Bewegung
  
34:59  
 
35:02 jetzt eingesetzt hat.
– Ja, natürlich.
  
35:04 Ich habe noch eine Frage
zur Vergangenheit.
  
35:08 Die meisten sehen
im Vergangenen Vergnügen.
  
35:12 Nicht nur Vergnügen,
alles, was in der Erinnerung gespeichert ist.
  
35:16 Man verliert die Lust
am Vergnügen, wenn es schal wird
  
35:21 oder zu Problemen führt,
ansonsten will man immer Vergnügen.
  
35:27 Es ist schwierig zu erkennen,
wann das Vergnügen
  
35:31 schal wird
oder es problematisch wird,
  
35:33 weil man das Vergnügen
aufrechterhalten will
  
35:36 und nicht das Schale
oder Probleme will.
  
35:40 Ich meine
den normalen Menschen.
  
35:45 Ich wollte Sie fragen,
"Was ist Ihre Einstellung zu Vergnügen?"
  
35:51 Was heißt "Einstellung"?
 
35:53 Wie behandelt man
das Problem "Vergnügen", in dem
  
35:56 viele gefangen sind;
denn das ist die Vergangenheit?
  
36:01 Vergnügen ist immer
die Vergangenheit.
  
36:05 Es gibt kein
 
36:08 – einen Moment –,
es gibt kein Vergnügen
  
36:09 in dem Moment,
wo es stattfindet.
  
36:16 Es kommt erst später,
wenn man sich daran erinnert.
  
36:20 Und die Erinnerung
ist die Vergangenheit.
  
36:26 Wie ich sagte, ich als menschliches Wesen,
bin bereit, dem Nichts ins Auge zu schauen,
  
36:32 und das
beseitigt das alles!
  
36:37 Wie beseitigt man
diesen enormen Trieb nach Vergnügen?
  
36:44 Es scheint fast
ein Trieb zu sein.
  
36:50 Nein, wir hatten das schon.
 
36:53 Was ist das Wesen von Vergnügen?
Was ist Vergnügen?
  
36:59 Es ist das ständige Erinnern
von früheren Geschehnissen.
  
37:07  
 
37:11 – Und auch die Erwartung
von zukünftigen Ereignissen. – Natürlich,
  
37:14 immer aus der Vergangenheit. – Normalerweise
unterscheiden Sie Vergnügen von Freude.
  
37:18 Natürlich, aber ich sage,
der Mensch,
  
37:21 auch wenn er Sie versteht,
 
37:24 kommt er da
irgendwie nicht weiter.
  
37:29 Nein, Narayan, er ist nicht bereit,
sich dieser Leere zu stellen.
  
37:33 Vergnügen ist nicht Mitgefühl.
 
37:42 Vergnügen ist nicht Liebe.
 
37:49 Aber vielleicht
geschieht diese Veränderung.
  
37:54 Mitgefühl
ist stärker als Vergnügen.
  
37:58 Mache ich mich verständlich?
 
38:00 Vergnügen hat neben Mitgefühl
keinen Platz.
  
38:07 Es kann sein, dass sogar Ordnung
mehr Anziehungskraft hat
  
38:11 als das Verlangen
nach Vergnügen.
  
38:14 Intensive Beschäftigung mit etwas,
das mit Ordnung zusammenhängt,
  
38:17  
 
38:19 – Kunst, Wissenschaft –
lässt das Vergnügen in den Hintergrund treten.
  
38:24 Das meine ich,,
 
38:27 dieses Verlangen kann
hinter anderem zurückstehen.
  
38:30 Mitgefühl besitzt
eine ungeheure Kraft,
  
38:34 eine unvergleichliche Kraft,
in der kein Raum für Vergnügen ist.
  
38:40 – Aber was ist mit jemandem, bei dem
Vergnügen dominiert? – Wir hatten das schon.
  
38:45 Solange er nicht bereit ist,
dieser enormen Leere gegenüberzustehen,
  
38:50 lebt er weiter
nach seinen alten Mustern.
  
38:57 Er leidet ebenfalls
unter einem geschädigten Gehirn.
  
39:00 Die Schädigung des Gehirns ist verantwortlich
für sein ständiges Suchen nach Vergnügen,
  
39:06 genauso wie Angst,
Ärger und Hass.
  
39:10 Aber
das geschädigte Gehirn heilt,
  
39:16 wenn Einsicht stattfindet.
 
39:21 Viele würden wohl,
 
39:22 einsehen, dass Hass, Ärger usw.
Folgen der Schädigung sind,
  
39:27 aber beim Vergnügen sehen sie es anders.
– Oh, doch,
  
39:29  
 
39:32 natürlich ist es so.
 
39:34 Sie sprechen ja
von eigentlicher Freude,
  
39:37 die nicht Folge der Schädigung ist,
die jedoch mit Vergnügen verwechselt wird.
  
39:39  
 
39:44  
 
39:48 Das ist das Problem, weil wenn Vergnügen
Ärger mit sich bringt, ist Ärger
  
39:53 Teil des geschädigten Gehirns.
– Und ebenso
  
39:57 das Verlangen nach Vergnügen. – Es kann
Ärger, Hass, Enttäuschung, Angst hervorrufen.
  
40:02 Wenn ich das gewünschte Vergnügen
nicht kriege, werde ich ärgerlich.
  
40:09 Ich bin enttäuscht
und die anderen Gefühle kommen dann auch.
  
40:15 Ist das also möglich,
dass ich als Mensch
  
40:21 eine Einsicht habe
 
40:25 in die Vergangenheit,
 
40:28 wie zerstörerisch sie für
 
40:36 das Gehirn ist,
 
40:41 und das Gehirn sieht das, hat eine Einsicht
darin und bewegt sich weg davon?
  
40:46 – Sie sagen, Ordnung beginnt mit einer Einsicht.
– Offensichtlich.
  
40:50  
 
41:02  
 
41:04 – Lassen Sie uns weitergehen!
– Geht es auch anders?
  
41:06 Kann man ein solches Maß
an Ordnung erreichen
  
41:10 – Künstlich?
– Als Muster, nicht künstlich,
  
41:16 sodass daraus
ein gewisses Maß an Einsicht folgt?
  
41:23 Ah, man kann nicht
durch das Falsche die Wahrheit finden.
  
41:31 Ich frage das absichtlich,
weil viele Menschen
  
41:36 nicht genug Energie haben oder es fehlt
am Ehrgeiz, Einsichten zu haben.
  
41:43 Wir wollen alle unbedingt
unseren Lebensunterhalt verdienen,
  
41:47 etwas hinkriegen.
wenn wir uns dafür interessieren.
  
41:53 Wenn Sie wirklich
interessiert sind an dieser
  
42:00 Veränderung usw.,
werden Sie auch die Energie dafür haben.
  
42:11 Wollen wir weitergehen, Sir?
 
42:13 Für einen Menschen
 
42:18 hat diese Einsicht
 
42:21 die ganze Vergangenheit
weggefegt
  
42:24 und das Gehirn ist bereit,
 
42:25 im Nichts zu leben.
 
42:40 Wir sind an diesen Punkt mehrmals
von verschiedenen Seiten gekommen.
  
42:47 Von da aus möchte ich weitergehen.
Wollen wir?
  
42:54 Das heißt, es ist absolut nichts mehr
von Gedanken Erzeugtes übrig.
  
43:00 Es findet keine
gedankliche Bewegung mehr statt.
  
43:05 Außer den Gedanken,
 
43:08 die sich auf
praktisches Wissen usw. beziehen.
  
43:12 Aber uns geht es
um den psychischen Zustand,
  
43:15 wo keine
gedankliche Bewegung stattfindet,
  
43:18 deshalb ist da
absolut nichts.
  
43:31 Also auch keine Gefühle,
 
43:36 Gedanken und Gefühle sind zusammen,
meinen Sie das?
  
43:38 Einen Moment.
Was meinen Sie mit Gefühl?
  
43:41 Oft hört man Leute sagen,
sie haben keine Gedanken, aber Gefühle
  
43:44 verschiedener Art schon.
 
43:49 Natürlich.
Wenn Sie mit einer Nadel
  
43:52 Das sind Empfindungen,
aber es gibt noch die inneren Gefühle.
  
43:58 – Innere Gefühle wovon?
– Sie sind schwer beschreibbar.
  
44:00  
 
44:01 Die Beschreibbaren
sind offensichtlich die falschen,
  
44:06 so wie Ärger und Angst.
 
44:08 – Ist Mitgefühl ein Gefühl?
– Wahrscheinlich nicht. – Nein,
  
44:13 es ist kein Gefühl. – Aber manche sagen
vielleicht, sie empfinden sich als mitfühlend.
  
44:17 Das Wort suggeriert,
dass es ein Gefühl ist.
  
44:22 – Ich empfinde Mitgefühl. – Ein ähnliches Wort
ist "Mitleid" und Leid ist ein Gefühl.
  
44:24  
 
44:29 Oder man fasst es
auf diese Weise auf.
  
44:35 Es ist nicht so einfach. Was normalerweise
unter Gefühlen verstanden wird,
  
44:37  
 
44:39 diese Erscheinungen,
die wahrgenommen werden können
  
44:44 als Gefühle mit einer
beschreibbaren Eigenart.
  
44:48 Untersuchen wir das ein bisschen. Was meinen
wir mit "Gefühl"? Eine körperliche Empfindung?
  
44:50  
 
44:54 Das meint man
normalerweise nicht damit.
  
44:55 – Empfindung hat zu tun mit dem Körper.
– Körper, Sinne.
  
44:59 Oder den inneren Organen.
 
45:03 Sie meinen also Gefühle,
die nicht körperlich sind.
  
45:06  
 
45:10 Früher hätte man gesagt,
sie gehören zur Seele.
  
45:13 Damit weicht man nur aus,
das bedeutet überhaupt nichts.
  
45:19 Was sind die inneren Gefühle?
 
45:25 Vergnügen?
 
45:28 Insofern, als man es
benennen kann, ist klar,
  
45:33 dass es nicht von Belang ist. – Und was ist
von Belang? Der wortlose Zustand?
  
45:39 Vielleicht ein wortloser Zustand,
dem etwas ähnliches innewohnt.
  
45:45 Gäbe es darin etwas entsprechendes,
ein nicht genau fassbares Gefühl?
  
45:48 Das man nicht
benennen könnte?
  
45:55 – Sie meinen, kein Gefühl, sondern etwas
ähnliches, das nicht genau bestimmbar ist. – Ja.
  
45:58  
 
46:02 Ich überlege,
ob es das geben könnte.
  
46:04  
 
46:06 – Mitgefühl.
– Nicht Mitgefühl, sondern –
  
46:10 Wenn Sie es "wortlos" nennen,
müssen wir versuchen, das zu verdeutlichen.
  
46:12 Jemand könnte sagen, "Ich verstehe.
Ich denke nicht, spreche nicht,
  
46:16 ich will nichts herausfinden."
 
46:20 – Nein, nein, nein. – Wir müssen also genauer
untersuchen, was das wirklich bedeuet.
  
46:28 Okay. Es bedeutet,
 
46:31 Denken ist Bewegung,
Denken ist Zeit, richtig?
  
46:32 Zeit und Denken
gibt es nicht.
  
46:39 Vielleicht kein Gefühl vom Existieren
eines inneren eigenständigen Gebildes,
  
46:43 das man Gefühl nennen könnte.
– Absolut, natürlich.
  
46:45  
 
46:48 Dieses Gebilde ist höchstens die Ansammlung
von Erinnerungen, von Vergangenem.
  
46:52 Es beruht nicht nur
auf Gedanken,
  
46:55 auch auf dem Gefühl,
dass es existiert,
  
46:57 man hat so ein Gefühl.
– Das heißt, da existiert nicht wirklich etwas.
  
46:59  
 
47:04 Ansonsten, verstehen Sie? Sie sind nicht
der Geist, das Gehirn. Da ist nichts.
  
47:10 Dieses Gefühl von einem
inneren, dauerhaften Sein
  
47:14 – Auch wenn es nicht
in Worten fassbar ist – Natürlich.
  
47:18  
 
47:20 Ich frage mich,
 
47:26 ob wir einer Illusion erliegen,
dass so ein Zustand existiert.
  
47:28 Das könnte sein.
 
47:32 Sie sagen, es gäbe dann
keinen Willen, kein Begehren.
  
47:35 Natürlich,
das ist alles verschwunden.
  
47:37 Woher wissen wir, dass dieser Zustand
wirklich ist, echt? – Das ist meine Frage.
  
47:41  
 
47:45 Wie weiß ich, erkenne ich,
stelle ich fest, dass es so ist?
  
47:53 In anderen Worten,
man will einen Beweis dafür.
  
48:01 Nein, keinen Beweis.
Ein Sprechen über diesen Zustand.
  
48:05 Einen Moment.
Wie können Sie darüber sprechen,
  
48:10 angenommen,
Sie haben dieses eigenartige Mitgefühl,
  
48:15 wie können Sie das einem beschreiben, der
vor allem im Vergnügen lebt usw.? Es geht nicht!
  
48:20  
 
48:23 – Nein, aber ich bin bereit, Ihnen zuzuhören.
– Wie sehr bereit, wie tief?
  
48:26  
 
48:32 – So tief, wie mich mein Zuhören führt.
– Und das heißt was?
  
48:34  
 
48:39 – Mehr kann ich nicht sagen.
– Ganz einfach,.
  
48:41 Sie gehen so weit mit,
wie es sicher ist,
  
48:43 nicht bedrohlich.
 
48:50 Nein, nicht notwendigerweise.
 
48:54 Der Mann sagt,
es gibt dieses innere Wesen nicht.
  
49:03 Und man hat
 
49:04 sich sein ganzes Leben lang daran orientiert,
etwas zu werden, etwas zu sein usw.
  
49:11 Und er sagt,
in diesem Zustand gibt es kein Sein.
  
49:17 Anders gesagt,
es gibt kein Ich.
  
49:25 Nun sagen Sie,
"Zeigen Sie es mir".
  
49:32 Es zeigt sich nur anhand
gewisser Qualitäten, die es hat,
  
49:39 anhand gewisser Handlungen.
 
49:45 Was sind die Handlungen
 
49:49 eines Geistes,
 
49:55 der innerlich
keine Art von Sein hat?
  
49:59 Das ist eine gute
 
50:03 Was sind seine Handlungen?
 
50:08 Einen Moment,
Handlungen auf welcher Ebene?
  
50:09 Handlungen
in der materiellen Welt?
  
50:20 – Zum Teil.
– Hauptsächlich diese.
  
50:23 Nur teilweise diese,
nicht überwiegend.
  
50:26 Nein? Ich frage, stellen sie
den unbedeutenderen Teil dar?
  
50:33 Okay, dieser Mann hat
diesen inneren Sinn von Leere,
  
50:37 er hat kein inneres Sein.
 
50:41 Er handelt also nicht
aus ichhaftem Interesse.
  
50:45 Er handelt also
 
50:50 in der normalen Welt.
 
50:54 Das ist alles.
Nur anhand dieser können Sie beurteilen,
  
50:59 ob er ein Heuchler ist,
 
51:03 ob er seinen Aussagen
im nächsten Moment widerspricht,
  
51:05 ob er das wirklich lebt,
 
51:11 dieses Mitgefühl.
 
51:13 – Nicht: ich fühle, – Aber wer nicht
dasselbe Mitgefühl hat, versteht nicht.
  
51:16 Genau das meine ich!
 
51:19 – Ich kann Ihre Aussage nicht beurteilen.
– Man kann nicht.
  
51:21 Wie können Sie also
mir in Worten
  
51:30 diese eigenartige
geistige Qualität vermitteln?
  
51:35 Man kann es beschreiben, umschreiben,
aber das Wesentliche ist nicht sagbar.
  
51:45 David z. B. kann mit Einstein diskutieren,
weil sie auf der gleichen Ebene sind.
  
51:49  
 
51:53 Und wir beide können
bis zu einem gewissen Punkt diskutieren.
  
51:58 Und wenn er dieses Gefühl
des Nicht-seins, des Leer-seins hat,
  
52:03 kann ich sehr nahe herankommen,
aber
  
52:09 ich kann unmöglich
 
52:13 in diesen geistigen Zustand eintreten,
wenn ich es noch nicht habe.
  
52:17 Gibt es jenseits der Worte
eine Möglichkeit der Kommunikation,
  
52:21 wenn jemand offen dafür ist?
 
52:23 Wir erwähnten schon
das Mitgefühl.
  
52:32 Aber nicht, wie David schon sagte,
"Ich empfinde Mitgefühl",
  
52:35 das ist etwas
vollkommen anderes.
  
52:51 Also,
 
52:54 im alltäglichen Leben
 
52:57 handelt so ein Geist
 
53:01 ohne ein Ich,
ohne das Ego.
  
53:07 Er mag Fehler machen,
aber er korrigiert sie sofort.
  
53:11  
 
53:14 – Er lebt nicht mit dem Fehler weiter.
– Er steckt nicht fest.
  
53:22 Wir müssen hier gut aufpassen, dass wir
das Falsche nicht einfach entschuldigen.
  
53:35 Wir sind also jetzt
wieder an dem Punkt:
  
53:38 was ist dann Meditation?
 
53:46 Solange jemand im Werden lebt, ein inneres Sein
empfindet, hat sein Meditieren keine Bedeutung.
  
53:50  
 
53:54 Das ist
eine gewaltige Aussage.
  
53:58  
 
54:03 Ohne das Werden, ohne das innere Sein,
was ist dann Meditation?
  
54:10 Es ist dann
vollkommen unbewusst, oder?
  
54:15 Bleiben Sie dran!
 
54:18 Vollkommen
 
54:22 uneingeladen.
 
54:27 Sie meinen,
ohne eine bewusste Absicht.
  
54:31 Ja, ohne bewusste Absicht.
 
54:41 Ja, ich glaube,
das stimmt.
  
54:45 Würden Sie sagen, Sir,
es klingt unsinnig, aber,
  
54:51 das Universum,
 
54:58 die kosmische Ordnung
befindet sich in Meditation?
  
55:01 – Wenn es lebendig wäre,
müsste man es so sehen. – Nein, es ist
  
55:02 in einem Zustand von Meditation.
– Ja.
  
55:10 Ich glaube, das stimmt.
Ich bleibe dabei.
  
55:16  
 
55:19 Wir sollten genauer betrachten,
was Meditation ist. Was geschieht da?
  
55:36  
 
55:39 Wenn Sie sagen, das Universum ist im Zustand
der Meditation, ist Ordnung der Ausdruck davon?
  
55:45 Welche Ordnung können wir erkennen,
die ein Hinweis wäre auf
  
55:48 kosmische Meditation,
 
55:55 Meditation des Universums? – Sonnenaufgang
und Sonnenuntergang ist Ordnung.
  
55:57  
 
56:07 Sämtliche Sterne, die Planeten,
das ganze Ding ist in perfekter Ordnung.
  
56:12 Wir müssten zeigen,
was das mit Meditation zu tun hat.
  
56:17 Er hat das Wort
"Ordnung" eingebracht.
  
56:20 Laut Wörterbuch
bedeutet "meditieren"
  
56:23 sinnieren, etwas von
verschiedenen Seiten betrachten,
  
56:27 genau betrachten.
– Und auch zu messen.
  
56:30 Ja, das heißt es auch, aber
 
56:34 im geistigen Sinne
abwägen, ermessen.
  
56:37 – Abwägen, sinnieren usw.
– Die Bedeutung einer Sache erwägen.
  
56:40  
 
56:43 – Ist das, was Sie meinen? – Nein.
– Warum benutzen Sie dann dieses Wort?
  
56:45  
 
56:49 Soweit ich weiß, bedeutet "Kontemplation" im
Englischen etwas anderes als "Meditation".
  
56:52  
 
56:55 Kontemplation meint einen
tieferen geistigen Zustand,
  
56:59 während Meditation ist
 
57:01 – Kontemplieren.
– So hat man mir gesagt.
  
57:04 Das ist schwer zu sagen.
"Kontemplation" hat mit "Tempel" zu tun.
  
57:06 "Einen weiten Raum schaffen",
 
57:09 bedeutet es im wesentlichen. Einen weiten
Raum schaffen, um etwas anschauen zu können.
  
57:13 Dieser weite Raum
zwischen Gott und mir, sodass …
  
57:23 So ist dieses Wort entstanden.
 
57:27 – Von "Tempel", Raum.
– Das bedeutet "weiter Raum".
  
57:34 Das Sanskrit-Wort "dhyana"
bedeutet nicht das gleiche wie "Meditation".
  
57:36  
 
57:40 – Dhyana, nein. – Weil bei Meditation
das Messen mitschwingt
  
57:44 und wahrscheinlich ist
dieses Messen irgendwie gleich "Ordnung".
  
57:49 Nein, lassen wir
den Begriff "Ordnung" mal weg.
  
57:51  
 
57:54 Darüber haben wir
ausführlich genug geredet.
  
57:57 – Warum benutzen Sie das Wort "Meditation"?
– Lassen wir es weg.
  
57:59 Lassen Sie uns herausfinden,
was genau Sie damit meinen.
  
58:02 Würden Sie sagen, Sir,
 
58:23 es ist ein Zustand
 
58:30 von Unendlichkeit,
 
58:32 ein Zustand ohne Maß?
 
58:42 Es gibt darin keine
 
58:45 Teilung irgendwelcher Art.
 
58:49 Wir haben viele Beschreibungen dafür,
aber das trifft es alles nicht.
  
58:56 Ja, aber kann man
irgendwie sagen,
  
59:02 der Geist ist sich seiner selbst bewusst?
Ist es das, was Sie versuchen zu sagen?
  
59:06  
 
59:11 – Ein andermal sagten Sie, der Geist
entleert sich seines Inhalts. – Ja.
  
59:14  
 
59:16 Worauf wollen Sie hinaus?
 
59:23 Ich will sagen, dass es nicht nur
Unendlichkeit ist, sondern es scheint, dass
  
59:31 etwas weiteres noch von Bedeutung ist.
– Viel mehr.
  
59:43 Bei diesem Leerwerden
sagten wir, dass
  
59:46 dieser Inhalt die zur Unordnung
gewordene Vergangenheit ist.
  
59:50 Dann könnte man sagen, dass es im gewissen
Sinne ständig die Vergangenheit aufräumt.
  
59:52 Würden Sie dem zustimmen?
 
59:59 Ständig die Vergangenheit aufräumt?
Nein.
  
1:00:02 Aber wenn Sie sagen,
der Geist entleert sich seines Inhalts
  
1:00:08 Er hat sich
bereits entleert.
  
1:00:11 Okay, wenn wir sagen,
die Vergangenheit ist aufgeräumt,
  
1:00:15 das nennen Sie dann "Meditation".
– Das ist Meditation,
  
1:00:17  
 
1:00:23 aber Kontemplation von was?
– Das ist der Anfang.
  
1:00:26 – Ist es der Anfang? – Anfang von was?
– Das Entleeren der Vergangenheit.
  
1:00:30 Das muss vorher
erledigt sein.
  
1:00:35 Frei sein von Inhalt. Ärger, Eifersucht,
Glaubenssätze, Dogmen, Anhaftung,
  
1:00:40 all das ist der Inalt.
 
1:00:48 Wenn auch nur eines davon noch existiert,
führt das unweigerlich zu Illusionen.
  
1:00:55 So, das haben wir festgestellt.
 
1:01:01 Das Gehirn, der Geist müssen
gänzlich frei von Illusionen sein.
  
1:01:04 Illusionen,
 
1:01:09 die entstehen durch Begehren, Hoffnung,
dem Wunsch nach Sicherheit, all das.
  
1:01:16  
 
1:01:20 – Wenn das erledigt ist, öffnet es die Tür
zu etwas breiterem, tieferem. – Ja.
  
1:01:24  
 
1:01:26 Ansonsten hat Leben keine Bedeutung,
wenn nur alte Muster wiederholt werden.
  
1:01:36 Ich möchte das gerne vertiefen.
Es ist fünf Uhr.
  
1:01:37  
 
1:01:40 Was meinten Sie damit,
"das Universum ist in Meditation"?
  
1:01:44 Sie wollen
etwas ausdrücken,
  
1:01:46 mit dieser Aussage.
– Ich habe das Gefühl, dass es so ist.
  
1:01:50  
 
1:01:51 Meditation ist ein Zustand von
 
1:02:00 "Nicht-Bewegungs-Bewegung"?
 
1:02:07 Könnten wir erstmal sagen,
das Universum
  
1:02:10 ist nicht wirklich festgelegt durch seine
Vergangenheit. Das wäre der erste Punkt.
  
1:02:16 – Es ist frei und schöpferisch tätig.
– Es ist schöpferisch, in Bewegung.
  
1:02:22 Und dieser Bewegung
liegt Ordnung zugrunde.
  
1:02:27 Würden Sie als Wissenschaftler
so etwas akzeptieren?
  
1:02:31 Ja, das würde ich schon.
 
1:02:36 Sind wir beide verrückt?
 
1:03:07 Das Universum lässt bestimmte Formen
entstehen, die relativ beständig sind.
  
1:03:13 Wenn man das
nur oberflächlich anschaut,
  
1:03:17 scheint es von seiner Vergangenheit
bestimmt zu sein.
  
1:03:24 Sir, stellen wir die Frage anders:
ist es wirklich möglich,
  
1:03:27 dass die Zeit aufhört?
 
1:03:35 Zeit als Vergangenheit,
die ganze Vorstellung von Zeit.
  
1:03:41 Kein Morgen haben?
 
1:03:49 Natürlich gibt es ein Morgen.
 
1:03:52 Man muss zu einem Termin,
da gibt es das Morgen. Aber
  
1:03:56 das Gefühl haben, die jetzt empfundene
Wirklichkeit, kein Morgen zu haben.
  
1:04:01 Ja, Sir,
 
1:04:14 ich glaube, das ist
die gesündeste Art zu leben.
  
1:04:43 Das heißt nicht, verantwortungslos
zu werden. Das wäre kindisch.
  
1:04:46  
 
1:04:47 Da geht es nur
um physikalische Zeit.
  
1:04:51 Sie spielt eine Rolle
in der natürlichen Ordnung,
  
1:04:55 die wir weiterhin beachten,
aber
  
1:05:00 die Frage ist, ob wir das Gefühl haben,
Vergangenheit und Zukunft zu erleben, oder
  
1:05:04 ob wir frei davon sind.
 
1:05:07 Beruht das Universum, ich frage Sie
als Wissenschaftler, auf der Zeit?
  
1:05:13 Ich würde sagen, nein,
aber üblicherweise formuliert man
  
1:05:17 Das reicht mir,
wenn Sie nein sagen.
  
1:05:21 Und kann das Gehirn, das
 
1:05:25 sich in der Zeit entwickelt hat,
 
1:05:29 Hat es sich in der Zeit entwickelt?
Man sagt das, aber
  
1:05:34 es ist eher
verwoben mit der Zeit.
  
1:05:37 Irgendwie damit verknüpft.
Sie sagen ja,
  
1:05:40 das Universum beruht nicht auf Zeit,
das Gehirn ist aber Teil des Universums.
  
1:05:45 – Es kann nicht nur auf Zeit beruhen.
– Nein.
  
1:05:48 Mit Gehirn
meine ich das Denken.
  
1:05:53 – Das Denken hat zur Verwicklung
mit der Zeit geführt. – Das stimmt.
  
1:05:57 Kann diese Verwicklung
 
1:06:02 rückgängig gemacht werden,
aufgelöst, so dass
  
1:06:03 das Universum der Geist ist?
 
1:06:11 Wenn das Universum
nicht Zeit ist,
  
1:06:15 kann dann der
mit der Zeit verwobene Geist
  
1:06:21 dies auflösen und so
das Universum sein?
  
1:06:32 – Und das ist Ordnung!
– Ja. Würden Sie sagen,
  
1:06:34 das ist Meditation?
– Das ist es.
  
1:06:37  
 
1:06:40 Das würde ich
Meditation nennen.
  
1:06:43 Nicht im Sinne des Wörterbuchs
ein Abwägen usw.
  
1:06:46 Das ist ein Zustand
von Meditation ohne irgendeinen
  
1:06:50 Rest von Vergangenheit.
 
1:06:59 Sie sagen, der Geist befreit sich
von der Verwicklung mit Zeit
  
1:07:04 und befreit auch das Gehirn
von dieser Verwicklung.
  
1:07:09 – Würden Sie dem zustimmen?
– Es erscheint mir vorstellbar.
  
1:07:13 – Als Theorie?
– Ja, als Hypothese.
  
1:07:15  
 
1:07:18 – Nicht nur Hypothese!
– Was meinen Sie mit Theorie?
  
1:07:20 Theorie heißt,
jemand kommt daher und
  
1:07:24 sagt,
"Das ist wirkliches Meditieren."
  
1:07:26 Oder: jemand sagt,
man kann auf diese Art leben.
  
1:07:32 Das Leben ist dann
voller Sinn,
  
1:07:37 voller Mitgefühl usw.
und jede Handlung
  
1:07:43 im Äußeren kann sofort
korrigiert werden usw.
  
1:07:45  
 
1:07:49 Würden Sie als Wissenschaftler
das akzeptieren oder sagen,
  
1:07:53 es ist Spinnerei?
– Nein, das würde ich nicht sagen.
  
1:07:55 Ich halte das für möglich.
 
1:07:59 – Es ist durchaus im Einklang mit allem,
was ich über die Natur weiß. – Das ist gut.
  
1:08:05 Ich bin also kein
geistesgestörter Spinner!
  
1:08:12 Nein. Ein Aspekt der Verwicklung ist,
dass die Wissenschaftler
  
1:08:16  
 
1:08:19 der Zeit eine grundlegende Rolle zugeordnet
haben, was die Verwicklung noch verstärkt.
  
1:08:50 – Vielleicht sollten wir aufhören und morgen
weitermachen? – Wann schlagen Sie vor?
  
1:08:53  
 
1:08:56 Kommender Sonntag.
 
1:08:59 – Da bin ich in den USA.
– Oh, wann fliegen Sie? – Am Donnerstag.
  
1:09:02 Dann können wir
nicht weitermachen.
  
1:09:06 – Höchstens über´s Fernsehen.
– Ja, ganz einfach.
  
1:09:10 Vielleicht im Herbst im September?
– Ja, halten wir September fest.
  
1:09:12  
 
1:09:17 Sprechen darüber ist natürlich
nicht die Sache selbst.
  
1:09:21 Das ist klar, aber kann man es
jemand anders vermitteln?
  
1:09:29 Ja, ich denke,
 
1:09:37 es geht beim Sprechen hauptsächlich darum,
etwas zu bewirken. – Natürlich.
  
1:09:40 Können einige von uns
da hinkommen?
  
1:09:47 Sodass wir tatsächllich
darüber sprechen können?
  
1:09:59 Wir hören jetzt besser auf.