Krishnamurti Subtitles

Die Freiheit der Einsicht

Brockwood Park - 14 September 1980

The Ending of Time 11



0:30 Krishnamurti: Dr. Bohm und ich haben
diese Gespräche zwischen ihm und mir
  
0:34  
 
0:39 Anfang des Jahres
in Ojai, Kalifornien begonnen.
  
0:42 Wir hatten acht Gespräche dort und zwei hier,
wenn ich mich recht erinnere.
  
0:48  
 
0:51 Zusammen also zehn Gespräche
in diesem Jahr zwischen Dr. Bohm und mir.
  
0:56 Und diese Gespräche
möchten wir jetzt fortsetzen.
  
1:03 Wir sprachen über …
 
1:08 es fällt mir schwer,
mich zu erinnern.
  
1:18 Ich kann mich
nicht mehr erinnern.
  
1:32 Wenn ich mich nicht irre,
stellten wir die Frage
  
1:38 was der Ursprung
all dessen ist,
  
1:45 aller menschlichen Bewegung.
 
1:53 Gibt es
eine ursprüngliche Quelle,
  
2:00 einen Grund?
 
2:04 Stimmt das, Sir?
 
2:09 Ein Grund, dem all dies entsprungen ist:
die Natur, der Mensch, das ganze Universum.
  
2:17 War er zeitgebunden?
 
2:22 War er
 
2:24 sellbst
vollkommene Ordnung,
  
2:35 außerhalb dessen
nichts existierte?
  
2:43 Und,
 
2:45 Dr. Bohm erinnerte mich
gestern daran,
  
2:49 wir sprachen über Ordnung.
 
2:53 Ob dem Universum
 
2:59 überhaupt Zeit zugrunde liegt.
 
3:03 Ich weiß nicht,
ob Sie das alles interessiert.
  
3:08 Und ob der Mensch jemals
diese allerhöchste Ordnung erfassen
  
3:16 und darin leben kann.
 
3:21 Nicht wahr, Sir?
 
3:23 Ich glaube, das
 
3:25 ist ungefähr,
 
3:29 wo wir aufgehört haben.
 
3:34 Ich weiß nicht,
 
3:36 ob Sie das alles
interessiert.
  
3:41 Aber Dr. Bohm und ich
 
3:47 wollten untersuchen,
 
3:51 nicht nur intellektuell,
sondern in der Tiefe,
  
3:58 wie ein Erfassen möglich ist
 
4:03 oder
 
4:07 wie man leben kann
aus diesem Grund heraus,
  
4:11 sich von da aus
bewegen kann.
  
4:16 Von diesem Grund,
der zeitlos ist,
  
4:20 jenseits dessen
es nichts gibt.
  
4:27 Vielleicht sollten wir
da beginnen.
  
4:29 D. Bohm: Bei diesem Grund.
 
4:39 Sir, ich weiß nicht,
 
4:41 wie Sie zu der Frage stehen
als Wissenschaftler
  
4:46 von hohem Ansehen,
 
4:50 ob es einen
solchen Grund gibt
  
4:55 und ob der Mensch ihn je erfassen
und darin leben kann.
  
4:58 Nicht als etwas von ihm Verschiedenes,
in dem er lebt,
  
5:01 sondern darin leben,
was an sich Leben ist.
  
5:11 Und ob
 
5:15 wir als menschliche Wesen,
 
5:24 dahin kommen können.
 
5:31 Das ist, an was ich mich
von unserem Gespräch erinnere.
  
5:34 Ich weiß nicht, ob die heutige
Wissenschaft etwas dazu sagen kann.
  
5:37 Die Wissenschaft
spricht nicht davon.
  
5:40  
 
5:48 Aber Sie als Wissenschaftler,
würden Sie sich damit beschäftigen,
  
5:52 mit der Untersuchung
dieser Sache?
  
5:55 In gewissem Sinn war es schon immer
das Bestreben der Wissenschaft,
  
5:59 diesen Grund zu finden,
indem sie Materie
  
6:01 immer tiefer
untersucht hat.
  
6:06 Aber das reicht
natürlich nicht.
  
6:15 Ist das zu abstrakt?
 
6:20 Schwer zu sagen.
 
6:25 Überlegten wir nicht, Sir,
 
6:28 wenn ich mich recht erinnere,
es ist so lange her,
  
6:36 ob ein menschliches Wesen,
 
6:39 das in dieser
chaotischen Welt lebt,
  
6:43 mit dieser absoluten Ordnung
beginnen könnte,
  
6:48 so wie das Universum
in absoluter Ordnung ist,
  
6:52 und
 
7:00 diese Ordnung erfassen könnte,
 
7:04 die universell ist.
 
7:07 Ich weiß nicht,
ob ich das verständlich ausdrücke.
  
7:10 In mir
kann ich Ordnung haben
  
7:14 durch sorgfältige Beobachtung,
 
7:16 Untersuchung
der eigenen Natur,
  
7:21 das Wesen
der Unordnung verstehen, so dass
  
7:27 genau das Verstehen,
die Einsicht in all das die Unordnung auflöst.
  
7:29 Das ist eine Stufe
der Ordnung.
  
7:36 Bisher haben sich die meisten von uns
hauptsächlich damit beschäftigt.
  
7:41 Wir sehen die Unordnung
überall in der Welt, in uns,
  
7:44 und wir sagen,
es ist notwendig,
  
7:49 das alles wahrzunehmen,
sich dessen
  
7:53 bewusst zu sein und es aufzulösen.
– Aber das ist eine ganz kleine Sache.
  
7:54  
 
7:57 Wir sprachen darüber in Ojai,
aber
  
8:00 die Menschen empfinden das meist
nicht als eine kleine Sache.
  
8:06 Wir sprachen ausführlich darüber,
aber
  
8:09 Menschen empfinden das
 
8:12 Aufräumen in sich und der Welt
als eine sehr große Sache, und
  
8:16 glauben, es sei
das einzig Notwendige.
  
8:20  
 
8:23 Einem einigermaßen intelligenten,
gebildeten, kultivierten Menschen,
  
8:26 "kultiviert"
im Sinne von "zivilisiert",
  
8:32 gelingt es, durch
 
8:36 intensives Erforschen und
 
8:40 Untersuchen dahin zu kommen,
dass er in sich Ordnung schafft.
  
8:46 Und einige würden sagen,
 
8:47 es reicht, diese Ordnung auch
in der Gesellschaft zu erreichen.
  
8:51  
 
8:54 Das ist möglich,
wenn alle hier
  
9:00 in ihrem Inneren
diese überragende Ordnung errichten.
  
9:04 Vielleicht erschaffen wir dann eine neue
Gesellschaft, wieder nur eine kleine Sache.
  
9:08 Ja, ich verstehe das.
 
9:11 Wir sollten das
vorsichtiger ausdrücken; denn
  
9:14 den meisten
erscheint es nicht klein.
  
9:17 – Nur wenige haben etwas gesehen, das weit
darüber hinaus geht. – Etwas viel Größeres!
  
9:21  
 
9:24 Dazu möchte ich kommen.
Ich weiß nicht, ob andere dem folgen.
  
9:29 Vielleicht …
 
9:35 Wir könnten mal
darüber nachdenken,
  
9:41 warum es nicht reicht, in den Menschen
und der Gesellschaft Ordnung zu errichten,
  
9:45  
 
9:48 ein ordentliches Leben führen,
um es so zu sagen.
  
9:52 In welcher Hinsicht reicht das nicht?
Sie halten es für eine kleine Angelegenheit.
  
9:58 Weil wir Chaos haben,
scheint Ordnung
  
10:01 ein Riesenproblem zu sein.
– Vom jetzigen Zustand der Unordnung
  
10:04  
 
10:06 aus gesehen,
sieht es sehr groß aus.
  
10:09 Riesig,
aber eigentlich ist es das nicht.
  
10:13 Könnten Sie ein bisschen erläutern,
warum es das nicht ist.
  
10:19 – Du liebe Zeit!
– Es könnte wichtig sein.
  
10:20  
 
10:22 Okay, Sir.
Ich versuche es.
  
10:31 In meinem Zimmer
kann ich Ordnung schaffen,
  
10:35 dann habe ich mehr Platz,
es bringt eine gewisse Freiheit.
  
10:43 Ich weiß, wo die Dinge sind,
sie sind mir zugänglich.
  
10:48 Das ist eine materielle Sache.
 
10:53 Kann ich als Mensch
 
10:57 die Dinge in mir
in Ordnung bringen?
  
11:00 Also keinen Konflikt mehr haben,
kein
  
11:06 Vergleichen mehr,
keine Unterscheidung von
  
11:13 ich und du und sie.
 
11:15 Das erzeugt die Getrenntheit
und daraus entsteht Konflikt.
  
11:19 Das ist einfach.
 
11:23 Wenn ich Hindu bin
und Sie Moslem,
  
11:27 werden wir
für immer im Krieg sein.
  
11:31 Ja, auch alle Gemeinschaften
sind in Gruppen aufgespalten.
  
11:35 Genauso ist
 
11:36 die ganze Gesellschaft
zersplittert.
  
11:41 Wenn man das also versteht
 
11:44 und in der Tiefe
 
11:47 einsieht,
ist es erledigt.
  
11:51 Angenommen,
diese Einsicht ist erreicht,
  
11:57 was dann?
– Darüber will ich sprechen.
  
12:00 Ob Sie
das wohl interessiert?
  
12:02 Einigen Menschen
ist das sicher zu weit entfernt.
  
12:04  
 
12:06 Für sie ist das erste
wichtiger als das andere.
  
12:10 Es geht mir erstmal
um ein Gespräch zwischen uns.
  
12:15 Ich wollte nur schon mal
darauf hinweisen,
  
12:20 worum es geht,
bevor wir fortfahren.
  
12:24 In Ordnung,
fangen wir an.
  
12:28 In mir ist Unordnung,
 
12:34 körperlich und seelisch.
Und
  
12:40 die Gesellschaft um mich herum
ist auch vollkommen durcheinander.
  
12:48 Es gibt viel Ungerechtigkeit,
schreckliche Zustände.
  
12:54 Das ist einfach zu erkennen.
 
12:57 Ich sehe,
dass meine Generation
  
13:00 und die vergangenen Generationen
dazu beigetragen haben.
  
13:04 Und ich kann etwas
dagegen unternehmen.
  
13:09 Das ist einfach.
 
13:10 Ich kann mein Haus
in Ordnung bringen.
  
13:13 "Mein Haus" bin ich.
 
13:16 Mein Haus muss aufgeräumt sein,
bevor ich mich um andere Dinge kümmere.
  
13:23 Sie sagen also, jemand sollte zuerst
bei sich Ordnung schaffen,
  
13:27 bevor er sich
mit tieferen Fragen beschäftigt.
  
13:30 Ja, mein Haus
ist in Unordnung.
  
13:32 Dann bringe ich es in Ordnung.
 
13:37 Und das ist relativ einfach.
 
13:40 Wenn ich mich
mit Herz und Verstand
  
13:43 diesem Entschluss widme,
dann kriege ich das hin.
  
13:50 Aber wir wollen nicht!
 
13:53 Das ist ein anderes Problem.
 
13:55 Wir halten es für furchtbar schwierig. Wir
sind so an die Vergangenheit gefesselt,
  
13:58  
 
14:03 an unsere Gewohnheiten,
unsere Einstellungen.
  
14:08 Uns scheint die Energie zu fehlen, der Mut,
die Lebendigkeit, uns davon zu lösen.
  
14:12 Es ist nicht so einfach,
denn was erzeugt Mut und Energie?
  
14:14  
 
14:18 Woher kann
die Veränderung kommen?
  
14:21 Was dies alles verändert,
 
14:24 wir sprachen in Ojai darüber,
ist die
  
14:27 Einsicht in all das.
 
14:33 Das ist der Hauptpunkt,
 
14:35 ohne Einsicht,
ändert sich nichts.
  
14:38 Auch um unser
Leben zu ordnen,
  
14:41 braucht es die tiefere Einsicht
im Hinblick auf die Wurzel, den Grund.
  
14:45 Also,
führt diese Einsicht
  
14:48 wirklich zu einer grundlegenden
Veränderung meiner Struktur, meines Wesens?
  
14:58 Das ist die Frage,
nicht wahr?
  
15:05 Mir scheint, dass
 
15:10 so eine relativ kleine Angelegenheit
wie Ordnung im alltäglichen Leben
  
15:13 nicht das ganze Sein betrifft.
 
15:17 Es wäre dann nur
eine teilweise Einsicht.
  
15:21 Was ist also Einsicht?
Wir sprachen schon viel darüber,
  
15:24  
 
15:27 sowohl bei dem Treffen hier
als auch in Saanen,
  
15:30  
 
15:34 sollen wir das wiederholen?
– Wenn Sie es zusammenfassen,
  
15:38 würde das ganze
verständlicher werden.
  
15:49 Vielleicht beginnen wir
 
15:51 mit dem Gefesseltsein
an etwas.
  
15:56 Gefesselt sein an
 
16:01 einen Glauben, eine Person, eine Vorstellung,
eine Gewohnheit, eine Erfahrung,
  
16:06 daraus folgt
unweigerlich Unordnung.
  
16:10 Denn
 
16:11 Gefesseltsein beinhaltet
 
16:16 Abhängigkeit,
 
16:20 das Entfliehen
vor der Einsamkeit, der Angst usw.
  
16:25 Wenn man nun
 
16:28 umfassende Einsicht
in dieses Gefesseltsein hat,
  
16:39 dann löst genau
diese Einsicht
  
16:50 diese Anhaftung auf.
 
16:52 Ich glaube, wir sahen das Selbst
als den Kern der Dunkelheit.
  
16:54 Dieses Zentrum verdunkelt
und vernebelt den Geist.
  
16:58 Die Einsicht durchdringt das
und vertreibt die Wolken.
  
17:03 Es entsteht Klarheit
und das Problem verschwindet.
  
17:07 Aber es braucht schon
eine sehr starke, tiefe Einsicht, eine totale.
  
17:10 Das stimmt, aber
 
17:13 sind wir überhaupt bereit,
da hindurch zu gehen?
  
17:21 Oder ist meine Anhaftung,
meine Bindung an etwas so stark,
  
17:30 dass ich nicht loslassen will?
 
17:35 Ja, aber was dann?
 
17:38 So ist es
bei den meisten Menschen.
  
17:42  
 
17:45 Unglücklicherweise sind es nur
wenige, die sich dem stellen wollen.
  
17:54 Wir sprechen also über das Wesen
von Einsicht. Ob diese Einsicht
  
17:58 in der Lage ist,
 
18:06 das wegzuwischen,
zu erledigen,
  
18:10 aufzulösen,
diese ganze
  
18:14 Bewegung von
 
18:16 gebunden sein,
abhängig, einsam, all das.
  
18:18 Auf einen Schlag sozusagen.
 
18:25 Ich denke, ja.
 
18:27 Ich denke,
das geschieht, wenn
  
18:29 eine tiefe Einsicht
in diese Sache vorliegt.
  
18:38 Diese Einsicht
besteht nicht aus
  
18:43 Erinnerungen,
 
18:47 dieser Bewegung von
Gedächtnis, Wissen, Erfahrung, die
  
18:51 vollkommen anders ist
als jene Bewegung.
  
18:54 Es ist Einsicht in die Unordnung
an sich, in das, was ihr zugrunde liegt.
  
18:58 In jede Störung der Psyche,
nicht nur Anhaftung und Gier.
  
19:01  
 
19:05 Diese Einsicht
lässt den Geist klar werden
  
19:08 und dann kann er sich
der kosmischen Ordnung zuwenden.
  
19:14 – Darauf möchte ich hinaus!
– Ja.
  
19:18 Das ist viel interessanter als das erstere.
Das ist doch ziemlicher
  
19:20  
 
19:25 Kinderkram.
Verzeihen Sie mir diesen Ausdruck.
  
19:30 Jeder ernsthafte Mensch
muss sein Haus in Ordnung bringen.
  
19:37 Richtig?
 
19:39 Und das muss
eine umfassende Ordnung sein,
  
19:43 nicht nur eine Ordnung
nach bestimmten Gesichtspunkten, sondern
  
19:47 Ordnung
in der Ganzheit des Menschen.
  
19:54 Wenn das erreicht werden kann
und wenn es
  
19:59 notwendig ist,
weil die Gesellschaft
  
20:02 am Zerfallen ist,
zerstörerisch usw.
  
20:06 Und sie zerstört die Menschen.
 
20:10 Sie ist eine Maschine,
in sich zerstörerisch,
  
20:14 und sie zerstört den Menschen,
der darin gefangen ist.
  
20:21 Und wer das sieht,
 
20:26 auch ein Mensch mit normaler Intelligenz,
sagt: "Ich muss etwas dagegen tun."
  
20:30 Nicht einfach zurücklehnen
und
  
20:34 nur darüber reden.
 
20:36 Als Ergänzung möchte ich anfügen,
viele denken vielleicht, etwas tun bedeute,
  
20:39 einzelne Probleme zu lösen,
wie das der Anhaftung oder
  
20:42 das der unterschiedlichen
Meinungen unter den Menschen.
  
20:47 Nein, das jeweilige Lösen
 
20:51 der einzelnen Probleme
 
20:53 führt nicht
zur Lösung des Ganzen.
  
20:58 Ein wichtiger Punkt
ist folgendes:
  
21:01 wenn die Quelle gefunden ist,
aus der alle Probleme entspringen,
  
21:04 dann muss man dort ansetzen.
Das ist der einzige Weg.
  
21:09 Anstatt einzelne Probleme
zu betrachten, die
  
21:11 letztendlich alle
mit dieser Quelle zusammenhängen.
  
21:15 Diese Quelle ist das Ich.
 
21:17 Diese Quelle, nicht zu verwechseln
mit der großen, sondern die kleine Quelle,
  
21:22 der kleine Teich,
 
21:33 der kleine Fluss,
 
21:37 muss austrocknen.
 
21:39 Der kleine Fluss glaubt,
er sei der große.
  
21:40 Wir sprechen gerade nicht
vom großen Strom,
  
21:43 dieser unfassbaren
Bewegung des Lebendigen.
  
21:49 Wir sprechen
über das kleine
  
21:52 Ich, die kleine Bewegung
mit ihren kleinen Einsichten.
  
21:56 Das erzeugt die Unordnung.
 
22:00 Und solange es dieses
 
22:02 Zentrum gibt,
das Unordnung an sich ist,
  
22:08 ohne dessen Auflösung
gibt es keine Ordnung.
  
22:11 Auf dieser Ebene
ist das klar.
  
22:20 Können wir
von da aus weitergehen?
  
22:23 Jetzt möchte ich
gerne untersuchen,
  
22:26 ob eine andere Ordnung existiert,
 
22:29 vollkommen verschieden
von dieser.
  
22:34 Dieses hier ist
 
22:36 die von Menschen
gemachte Unordnung
  
22:38 und menschengemachte Ordnung.
 
22:43 Richtig?
– Ja, beide.
  
22:46 Das Chaos und der Kosmos
 
22:52 sind menschengemacht.
 
22:54 Nicht der wirkliche Kosmos.
– Entschuldigung, nicht der Kosmos.
  
22:57 Die hier sichtbare Ordnung, das Mikrofon,
der Fernseher, ist menschengemacht.
  
22:59  
 
23:01  
 
23:04 Das entspricht hoher Ordnung.
Und wir sehen die Kriegsschauplätze.
  
23:06 – Menschengemacht. – Schreckliche Sendungen
übertragen von ordentlicher Technik.
  
23:08 Wenn man das sieht,
 
23:14 die Unordnung sieht
 
23:21 und diesem menschlichen Geist
gelingt es,
  
23:23 in sich Ordnung zu schaffen,
 
23:26 dann wird er sich fragen,
ob es noch eine Ordnung gibt
  
23:30  
 
23:35 von ganz anderer Art,
von anderer Dimension,
  
23:37 die gefunden werden muss,
weil das hier so eine kleine Angelegenheit ist.
  
23:40  
 
23:44 Ich bringe mein Haus
in Ordnung, okay. Was dann?
  
23:48 Und wenn viele es tun,
gibt es vielleicht eine bessere Gesellschaft.
  
23:53  
 
24:00 Zugegeben, das ist wichtig,
das ist notwendig, aber
  
24:03 das ist eine
beschränkte Angelegenheit.
  
24:07 Irgendwann ist man damit
nicht mehr zufrieden, es wird langweilig.
  
24:10 Obwohl es, wie Sie sagen,
erstmal notwendig ist.
  
24:16 Und wie finden wir sie?
 
24:20 Was macht ein Mensch,
der das in der Tiefe verstanden hat,
  
24:27 der die menschengemachte
Unordnung sieht,
  
24:30 wie das Zusammenleben gestört ist,
all das? Jemand, der fragt,
  
24:34 "Gibt es eine Ordnung,
 
24:48 die über all dem steht?"
 
24:52 Ja, und wie gehen wir
diese Frage an?
  
24:56 Dem menschlichen Geist
 
24:58 reicht es nicht,
 
25:01 materielle und
gesellschaftliche Ordnung zu haben.
  
25:04 Es ist etwas Begrenztes,
 
25:07 es ist etwas Eingeschränktes.
 
25:11 Und der Geist sagt,
"Lasst uns darüber hinausgehen!"
  
25:15 Auch die Wissenschaftler ergründen
die Ordnung des Universums und suchen
  
25:17  
 
25:19 nach dem Ende
oder dem Anfang,
  
25:22 sie untersuchen seine Struktur,
 
25:25  
 
25:29 nicht um einen Nutzen daraus zu ziehen,
sondern weil es sie fasziniert.
  
25:33 – Es geht nicht um Faszination!
– Ich will nur sagen,
  
25:34  
 
25:36 es interessiert sie.
 
25:39 Ich wollte nur sagen,
diese Menschen suchen das Absolute,
  
25:44 und das Wort "absolut"
bezeichnet
  
25:50 das Freisein von Begrenztheit,
von jeder
  
25:54 Abhängigkeit, vom nicht Perfekten.
– Ja, von allen Motiven. Absolut.
  
25:57 Das Absolute ist zum Anlass
gewaltiger Illusionen geworden,
  
26:01 weil das begrenzte
 
26:06 Ich das Absolute erfassen will.
– Und das ist unmöglich.
  
26:09 Aber das ist das übliche.
 
26:12 Angenommen, wir erkennen die Gefahr
im Konzept des Absoluten,
  
26:15 wenn der Geist es greifen will,
und doch ist das irgendwie
  
26:19 notwendig,
 
26:24 um frei zu werden.
 
26:28 Freiheit kann nur
das gleiche bedeuten wie das Absolute,
  
26:32 weil jede Abhängigkeit
die Freiheit verhindert.
  
26:38 Wie gehen wir das also an,
 
26:40 wie beantworten wir
diese Frage?
  
26:45 Sie als Wissenschaftler,
 
26:50 würden Sie sagen,
es gibt eine Ordnung,
  
26:57 die jede
 
27:05 menschliche Ordnung
und Unordnung übersteigt?
  
27:08 Ja, das würde ich sagen.
Der wissenschaftliche Aspekt ist nicht so wichtig.
  
27:11 Die Wissenschaft sucht zwar danach,
aber sie hat dazu wenig zu sagen.
  
27:14  
 
27:16 Sie kann nichts sagen
 
27:18 zu dieser Frage, weil sie nur
relative Ordnungen entdecken kann.
  
27:23 Weil das Ich mit ins Spiel kommt.
– Nicht nur deswegen,
  
27:24 auch weil das Wissen
begrenzt ist.
  
27:29 Es reicht nicht sehr weit.
 
27:33 Geht also die eine Entwicklung
in Richtung Illusion?
  
27:38 Es unbedingt
haben zu wollen,
  
27:42 könnte Illusionen erzeugen.
– Ich glaube, das geschieht,
  
27:44 wenn man
das Absolute
  
27:48 haben will.
Gedanken darüber sind Illusionen.
  
27:51 Darum geht es mir nicht.
 
27:53 Aber in ihrer Hilflosigkeit,
 
27:57 nicht wissend,
wie das Absolute zu erreichen ist,
  
28:01 haben Menschen Illusionen davon erschaffen
in Religion und Wissenschaft und sonstwie.
  
28:05 Was kann ich also tun?
 
28:07 Als ein Mensch,
 
28:10 ein Mensch, der
 
28:13 die gesamte Menschheit ist,
 
28:18 der Ordnung
in seinem Leben hat.
  
28:25 Diese Ordnung entsteht
 
28:28 natürlicherweise durch Einsicht
 
28:30 und sie beeinflusst
vielleicht die Gesellschaft.
  
28:34 Von hier gehen wir weiter.
 
28:38 Wir untersuchen also, ob es
 
28:44 eine Ordnung gibt,
 
28:48 die nicht
menschengemacht ist.
  
28:52 Formulieren wir es mal so.
 
28:55 Ich würde es nicht
absolute Ordnung nennen,
  
29:01 oder irgendeine …
 
29:05 – Zumindest nicht etwas
von Menschen Konstruiertes. – Ja.
  
29:09 Was wir haben,
ist die Ordnung der Natur, den Kosmos,
  
29:12 den wir nicht wirklich
 
29:16 kennen in der Tiefe. Aber wir könnten
das als diese Ordnung nehmen.
  
29:21  
 
29:24 – Das Wort "Kosmos" bedeutet ja "Ordnung".
– Ja, es ist das griechische Wort für "Ordnung".
  
29:28 Die Natur ist Ordnung.
 
29:30 Solange der Mensch sie nicht stört,
ist sie in Ordnung.
  
29:35 Sie hat ihre eigene Ordnung.
 
29:38 Ja, und sogar was wir als Unordnung
betrachten, ist ein Teil dieser Ordnung.
  
29:40  
 
29:43 – Es ist eigentlich
keine Unordnung.
  
29:46 Wir nennen es Unordnung,
aber genau betrachtet, ist es keine.
  
29:51 Okay, das haben wir geklärt.
 
29:55 Lassen Sie uns
zu etwas anderem übergehen.
  
30:03 Der Mensch hat gesucht
 
30:10 nach einer
anderen Dimension
  
30:15 und hat vielleicht
das Wort "Ordnung" benutzt.
  
30:19 Eine andere Dimension,
 
30:22 weil er diese Dimension
verstanden hat.
  
30:26 Er lebte darin, hat sie durchlitten
und ist durch alles mögliche
  
30:28  
 
30:32 Elend gegangen.
Er sagt, "Ich habe das alles durchschaut."
  
30:38 Nicht nur intellektuell,
sondern tatsächlich das Ganze erfasst haben.
  
30:44 Und wahrscheinlich gibt es nur wenige,
die das gemacht haben,
  
30:49 aber diese Frage
ist wichtig.
  
30:53 Man könnte überlegen,
 
30:55 welche Bedeutung diese Frage
 
30:59 für die unzähligen hat,
die nicht da durchgegangen sind.
  
31:01  
 
31:04 Ich verstehe nicht ganz.
 
31:07 Jemand, der da durchgegangen ist,
mag das fragen.
  
31:09 Aber interessiert es einen anderen,
der nicht da steht?
  
31:15 Ich denke, ja.
 
31:17 Selbst der Verstand
kann die Beschränktheit erkennen.
  
31:21 Es muss gesehen werden,
 
31:24 bevor man damit aufräumt.
Man muss das erkennen,
  
31:28 nicht warten, bis es erledigt ist und es
dann vergessen. – So natürlich nicht!
  
31:31 Wie geht der Geist
 
31:51 so ein Problem an?
 
32:19 Die Menschen haben wirklich
angestrengt danach gesucht.
  
32:23 All die religiösen Menschen,
 
32:25 sogenannt religiöse Menschen,
versuchten, das zu erfassen.
  
32:31 Die Mystiker, die Heiligen
mit ihren Illusionen und all die Anderen.
  
32:35 Aber sich versuchten etwas zu verstehen,
das darüber hinausging.
  
33:11 Kommt man dahin
 
33:15 durch,
 
33:20 wenn ich das Wort
benutzen darf,
  
33:24 Meditieren
im Sinne von Messen?
  
33:28 Wir sprachen hier
in Brockwood schon davon,
  
33:33 dass "Meditation"
ursprünglich bedeutet,
  
33:36 zu messen, abzuwägen,
Wert und Bedeutung zu ermessen.
  
33:40 Wiegen heißt messen.
 
33:42  
 
33:44 Meditieren heißt wohl messen
in einem tieferen Sinn als mit der Messlatte.
  
33:48 Aber vielleicht,
 
33:54 hat das Messen nur in soweit
 
33:57 Bedeutung, als es zu erkennen hilft,
dass gegenwärtig Unordnung herrscht.
  
34:00 Genau, das würde ich sagen.
Messen
  
34:01 kann es nur geben,
wo Unordnung herrscht.
  
34:06 Indem man sich
die Messung anschaut,
  
34:08  
 
34:11 sieht man die geistigen Missstände
und erkennt so die Unordnung.
  
34:14 Das ist natürlich
noch nicht die Ordnung.
  
34:17 Wir gebrauchen das Wort "Meditation"
nicht im Sinne von "Messen"
  
34:23 oder abwägen oder nachdenken.
 
34:29 Wir sprechen von Meditation
 
34:33 als Folge des
 
34:39 Aufräumens im Haus,
 
34:45 und
 
34:46 von da aus weitergehen.
 
34:53 Ja, ich glaube,
 
34:57 ganz früher haben die Menschen das Wort
"Meditation" benutzt, um anzudeuten,
  
35:01 dass Messen Unordnung offenbart,
unstimmige Verhältnisse,
  
35:04 aber sie wollten vielleicht auch
darüber hinausgehen.
  
35:06 – Aber sie taten es nicht.
– Menschen tun es normalerweise nicht.
  
35:08 Lassen Sie es uns
versuchen!
  
35:13 Vielleicht
 
35:15 eine etwas absurde Aufforderung,
aber wir werden sehen.
  
35:19 Wenn wir die Unordnung
im Geist sehen,
  
35:22 was ist dann Meditation?
 
35:26 Aber zuerst muss der Geist
frei sein vom Messen.
  
35:32 – Sonst ist ihm das Andere nicht zugänglich.
– Ein wichtiger Punkt.
  
35:34  
 
35:36 Die instinktive Reaktion,
wenn wir Unordnung wahrnehmen,
  
35:39 Unordnung ist ja
ein gemessenes Missverhältnis,
  
35:44 dann ist da die Tendenz,
das sofort korrigieren zu wollen.
  
35:46  
 
35:51 – Das ist vielleicht der Grundfehler.
– Darüber haben wir gesprochen.
  
35:55 Jede Anstrengung,
um Ordnung
  
36:00 in die Unordnung zu bringen,
ist Unordnung.
  
36:01 Das unterscheidet sich sehr von dem,
was fast alle anderen gesagt haben
  
36:02  
 
36:06 in der Menschheitsgeschichte.
– Ich weiß.
  
36:07 Vielleicht sind wir ...
eine Ausnahme.
  
36:12 Einige wenige
haben es vielleicht angedeutet,
  
36:16 haben es indirekt ausgedrückt,
aber noch niemand hat es explizit gesagt.
  
36:17  
 
36:22 Okay, dann sagen wir es explizit.
 
36:26 Was falsch ist, ist der Versuch
zu kontrollieren. Er ist bedeutungslos.
  
36:33 Was dann,
wenn es mit Kontrolle nicht geht?
  
36:37 Nein. Nein. Nein.
 
36:39 Ich habe eine Einsicht
 
36:43 in das Wesen
des Kontrollierenwollens.
  
36:46 – Kontrollieren ist messen.
– Natürlich, kontrollieren ist messen.
  
36:52 Das befreit den Geist
 
36:59 von dieser Last.
– Ja.
  
37:04 Könnten Sie das Wesen
dieser Einsicht erläutern?
  
37:06 Wir sagten das schon.
Wirkliche Einsicht
  
37:10 kommt nicht
aus dem Wissen,
  
37:14 dem Denken,
also aus dem Gedächtnis usw.,
  
37:16 sondern aus dem
Beenden all dessen.
  
37:19 Darauf schauen,
auf das Problem schauen
  
37:21 in der Haltung
 
37:25 reinen Beobachtens,
 
37:27 ohne Druck,
ohne irgendein Motiv.
  
37:30 Die ganze Bewegung
des Messens, des Vergleichens beobachten.
  
37:38 Man kann sehen,
 
37:42 dass Messen das gleiche ist
wie Werdenwollen,
  
37:46 und der Versuch des Geistes,
sich zu messen, zu kontrollieren,
  
37:50 sich ein Ziel zu setzen,
sich zu vergleichen,
  
37:54 genau das
ist die Ursache der Unordnung.
  
37:58 Das ist die Ursache.
 
38:00  
 
38:04 Irgendwie haben die Menschen
einen falschen Weg eingeschlagen,
  
38:06 als sie das Messen der äußeren Welt
auf den Geist ausgeweitet haben.
  
38:14  
 
38:18 Sie dachten wohl, wenn wir das Ding
nicht kontrollieren, wird es verrückt spielen.
  
38:22 – Diese Angst könnte man haben.
– Aber sehen Sie,
  
38:25 wenn ich eine Einsicht habe
in das Messen,
  
38:29 dann ist es genau diese Einsicht,
 
38:32 die von vornherein
alle Bewegungen des Messens unterbindet.
  
38:36 – Da ist dann eine neue Ordnung!
– Nichts spielt verrückt.
  
38:40 Er spielt nicht verrückt,
im Gegenteil.
  
38:45 Tatsächlich führt der Versuch des Messens
zum Verrücktsein.  – Genau.
  
38:49  
 
38:52 Das Messen ist das Ver-Rücken,
ist die Verwirrung. Richtig?
  
38:56 Gehen wir weiter!
Nachdem wir das geklärt haben,
  
39:01 kann dieser Geist
 
39:07 durch Meditation,
 
39:09 wir meinen nicht
 
39:11 im Sinne von Messen, Vergleichen,
 
39:16 kann dieser Geist
eine Ordnung finden,
  
39:21 einen Zustand,
wo es keine,
  
39:29 wo es
 
39:34 etwas gibt, das nicht
 
39:38 menschengemacht ist.
 
39:43 Weil man mit den menschengemachten
Dingen durch ist, richtig?
  
39:49 Überall ist Begrenztheit,
 
39:53 keine Freiheit. Es herrscht Chaos,
Durcheinander und all das.
  
39:55 Was sind die menschengemachten Dinge,
durch die man durch ist?
  
40:01  
 
40:02 Alles!
 
40:04 Religion, Wissenschaft,
Gottesdienst,
  
40:10 Gebete, Ängste, Trauer,
Anhaftung, Abgetrenntheit,
  
40:15  
 
40:20 Einsamkeit und Leiden und Verwirrung
und Schmerzen und Angst,
  
40:23 das alles. – Auch die ganzen Versuche,
durch Revolution, …
  
40:26 Natürlich, Revolutionen im Äußeren,
im Inneren.
  
40:32 Die sind alle menschengemacht.
 
40:36 Offensichtlich müssen ganz viele Menschen
diese Frage gestellt haben.
  
40:41 Und haben dann gesagt: Gott.
 
40:45 Das ist auch nur
 
40:47 ein Konzept,
und es erschafft Unordnung.
  
40:51 Das ist klar.
Der Mensch hat Gott erfunden
  
40:53 und ihm
die Macht des Absoluten zugesprochen.
  
40:57  
 
41:02 – Genau.
– Ein Bild seiner selbst.
  
41:05 – Und er wird selbst dazu.
– Deshalb wird es.
  
41:08 zu etwas Totem.  – Chaotisch.
– Es beherrscht ihn.
  
41:09 Nun angenommen,
jemand hat das alles erledigt.
  
41:17 Okay?
 
41:20 Dann stellt sich die Frage,
ob es etwas gibt
  
41:26 jenseits all dessen,
 
41:29 das niemals
 
41:32 vom menschlichen Denken,
dem Geist, berührt werden kann.
  
41:36 Das ist ein schwieriger Punkt:
nicht berührt vom menschlichen Geist,
  
41:41 denn Geist geht eventuell über Denken
hinaus. – Darauf möchte ich hinaus.
  
41:45 Meinen Sie mit "Geist" nur das Denken, Fühlen,
Verlangen, Wille oder etwas viel weitergehendes?
  
41:49  
 
41:51  
 
41:53 Für jetzt erstmal sagten wir,
der menschliche Geist ist all dies.
  
41:55  
 
41:57 Aber dann sehen Sie
den Geist als begrenzt.
  
42:01 Nicht unbedingt, solange der menschliche
Geist darin gefangen ist, ist er begrenzt.
  
42:02  
 
42:06 – Der menschliche Geist hat Potential.
– Ungeheures Potential.
  
42:10 Aber es wird nicht verwirklicht. Es ist gefangen
in Denken, Fühlen, Begehren und Wollen.
  
42:12  
 
42:19  
 
42:22 Wir sagten, was jenseits dessen ist, kann von
einem begrenzten Geist nicht berührt werden.
  
42:43 Aber was verstehen wir unter dem Geist,
der jenseits dieser Begrenzung liegt?
  
42:45 Zuerst mal, Sir:
 
42:49 Gibt es einen solchen Geist?
 
42:53 Gibt es einen Geist,
 
42:58 der wirklich, nicht theoretisch oder romantisch,
oder mit sonstigem Unsinn verklärt,
  
43:01 der sagen kann,
"Ich bin mit all dem durch"?
  
43:08 Sie meinen,
durch mit dem begrenzten Zeug?
  
43:10 Und durch sein damit, heißt,
damit fertig sein.
  
43:17 Gibt es so einen Geist?
 
43:21 Oder,
 
43:26 weil er damit fertig ist
oder glaubt, fertig zu sein,
  
43:29 bildet er sich ein,
dass es noch etwas anderes gibt?
  
43:37 Das akzeptiere ich nicht.
 
43:44 Ein Mensch
oder die Person X sagt,
  
43:48  
 
43:50 "Ich habe das verstanden,
die Begrenztheit des ganzen.
  
43:53 Ich habe es durchlebt
und bin bis zum Ende vorgedrungen."
  
44:02 Und
 
44:04 dieser Geist,
der es bis zum Ende durchdrungen hat,
  
44:07 ist kein begrenzter Geist mehr.
 
44:12 Und gibt es so einen Geist,
 
44:17 der vollkommen unbegrenzt ist?
 
44:21 Verstehen Sie,
was ich meine?
  
44:26 Daraus ergibt sich die Frage,
wie das Gehirn
  
44:29 in Kontakt sein kann
mit diesem Geist.
  
44:34 In welcher Beziehung
stehen diese beiden miteinander?
  
44:36  
 
44:38 Lassen Sie uns das genau betrachten.
Es ist höchst interessant, das anzuschauen.
  
44:40 Dieser Geist,
 
44:44 Gehirn, das Ganze,
 
44:50 das ganze Wesen, die Struktur
des Geistes, beinhaltet die Emotionen,
  
44:54 die Reaktionen des Gehirns,
die körperlichen Verhaltensweisen usw.
  
45:00 Dieser Geist
 
45:03 hat bisher in Aufruhr gelebt,
in Chaos und in Einsamkeit
  
45:08 und hat eine tiefe Einsicht
in all das gehabt
  
45:16 und
 
45:17 hat mit dieser tiefen Einsicht
das Gebiet bereinigt.
  
45:23 Er ist nicht mehr
derselbe wie vorher.
  
45:26 Nicht mehr der ursprüngliche,
begrenzte Geist.
  
45:29 – Nicht mehr der begrenzte Geist.
– Mit dem man begonnen hat.
  
45:32  
 
45:34 Der beschädigte Geist.
 
45:37 – Nennen wir es "beschädigt".
– Beschädigter Geist, und beschädigtes Gehirn.
  
45:40 Die Art der Benutzung
hat das Gehirn beschädigt.
  
45:47 Beschädigter Geist heißt,
 
45:50 beschädigte Emotionen, beschädigtes Gehirn.
– Die Gehirnzellen sind in Unordnung.
  
45:52  
 
45:57 Aber mit dieser Einsicht
und der damit einhergehenden Ordnung
  
46:00  
 
46:05 wird die Beschädigung rückgängig gemacht.
– Ja, wir sprachen darüber letztes Mal.
  
46:08 Ich weiß nicht,
ob Sie dem zustimmen.
  
46:14 Es ist sicher möglich.
 
46:15  
 
46:18 Es hört sich plausibel an, da
 
46:21 der Schaden vermutlich durch Unordnung
im Denken und Fühlen entstanden ist.
  
46:24 Das überanstrengt
und stört die Gehirnzellen.
  
46:27 Durch die Einsicht endet das,
ein neuer Prozess beginnt.
  
46:29  
 
46:32 Wie wenn jemand 50 Jahre
in eine Richtung gelaufen ist
  
46:35 und plötzlich sieht,
es ist die falsche.
  
46:37 Das ganze Gehirn
verändert sich.
  
46:42 Es verändert sich im Kern,
 
46:44 die falsche Struktur wird abgebaut und geheilt.
Das dauert eine Zeit. Aber es ist die Einsicht,
  
46:47  
 
46:51 die die Veränderung bringt.
– Ja, und sie braucht keine Zeit,
  
46:53  
 
46:56 das heißt, dieser ganze Prozess
hat das Innerste verändert.
  
47:02 Nochmal, der Geist,
der begrenzte Geist,
  
47:05 mit seinem Bewusstsein
und dessen Inhalt,
  
47:09 sagt,
"Es ist vorbei, dieser Teil ist erledigt."
  
47:15 Jetzt,
 
47:18 dieser Geist,
der begrenzt gewesen ist
  
47:25 und eine Einsicht
in diese Begrenztheit gehabt hat
  
47:28 und sich deshalb
davon befreit hat,
  
47:38 ist das etwas Wirkliches,
etwas, das
  
47:44 wirklich ungeheuer revolutionär ist?
Verstehen Sie?
  
47:49 Und deshalb
 
47:54 ist es nicht mehr
 
47:59 der menschliche Geist.
Verzeihen Sie diese Bezeichnung!
  
48:02 Wir sollten klarstellen,
was wir mit dem menschlichen Geist meinen.
  
48:04 Der menschliche Geist
mit seinem Bewusstsein, das begrenzt ist.
  
48:08 Das begrenzte Bewusstsein,
das konditioniert ist, nicht frei.
  
48:12 Das hat aufgehört.
 
48:18 Das ist das
allgemein vorherrschende Bewusstsein,
  
48:21 nicht nur im Einzelnen,
es ist überall.
  
48:26 Es wäre dumm,
vom Einzelnen zu sprechen.
  
48:28 Wir sprachen davon, dass der Einzelne das
Ergebnis des allgemeinen Bewusstseins ist,
  
48:29  
 
48:34 ein individuelles Ergebnis, aber nichts
unabhängiges. Das ist eine der Schwierigkeiten.
  
48:38 Daher die Verwirrung.
 
48:40 Sie entsteht, wenn wir den individuellen Geist
für die konkrete Wirklichkeit halten.
  
48:42  
 
48:45 Wir sprachen von der Notwendigkeit,
diesen allgemeinen Geist
  
48:49 als Realität anzusehen, aus dem
der individuelle Geist sich gebildet hat.
  
48:54 Das ist alles ganz klar.
 
48:57 Aber wir wollen sogar weg
vom allgemeinen Geist, was heißt das?
  
49:01  
 
49:02 Ja, den allgemeinen
und den individuellen Geist.
  
49:05  
 
49:12 Angenommen, man hat sich
davon ganz gelöst,
  
49:14 was ist dann der Geist?
– Und was ein Mensch?
  
49:16 Was ist dann ein Mensch?
 
49:20 Und in welcher Beziehung
stehen dieser Geist,
  
49:26 der nicht menschengemachte Geist,
und der menschengemachte Geist?
  
49:31 Ich weiß nicht,
ob ich mich klar ausdrücke.
  
49:32  
 
49:36 Wollen wir es den "universellen Geist"
nennen oder lieber anders?
  
49:39 Ich mag diese Bezeichnung nicht,
sie wird so viel benutzt.
  
49:42 Nehmen wir einfachere Worte.
 
49:51  
 
49:55 Der Geist, der nicht
vom Menschen gemacht ist.
  
49:58 Das ist einfacher,
bleiben wir dabei.
  
50:01 – Ein Geist, der nicht vom Menschen gemacht ist.
– Weder der individuelle noch der allgemeine.
  
50:04 Allgemein oder individuell,
er ist nicht menschengemacht.
  
50:18 Sir,
 
50:20 kann man
 
50:22 beobachten,
 
50:24 wirklich, tief,
 
50:26 ohne Absicht,
ohne Vorurteil?
  
50:29 Gibt es so einen Geist?
 
50:32 Verstehen Sie, was ich meine?
 
50:35 Wir müssen klären,
was "beobachten" heißt.
  
50:38 Die sprachliche Formulierung
ist nicht einfach. Wir sagen,
  
50:43 man muss beobachten usw.
 
50:46 Ich beobachte es.
– Ja,
  
50:50 wer beobachtet?
Das ist eines der Probleme.
  
50:52 Das haben wir
schon geklärt.
  
50:55 Im Beobachten
gibt es keine Getrenntheit.
  
50:58 – Nicht ich beobachte, da ist nur Beobachten.
– Beobachtung findet statt.
  
51:01  
 
51:03 Findet sie in einem
individuellen Gehirn statt,
  
51:07 oder ist das individuelle Gehirn
an der Beobachtung beteiligt?
  
51:13 Ich kenne den Haken
in dieser Frage.
  
51:18 Sie findet nicht
in einem individuellen Gehirn statt.
  
51:22 Ja, aber das individuelle Gehirn
scheint zu antworten.
  
51:25 Natürlich,
aber es ist nicht Ks Gehirn.
  
51:30 Das meinte ich nicht.
 
51:31 Was ich unter einem
individuellen Gehirn verstehe,
  
51:35 ein bewusstes Individuum,
existierend in Raum und Zeit,
  
51:41 welche Form es auch haben mag
oder Namen,
  
51:44 ist unterscheidbar von Anderen
an einem anderen Ort.
  
51:48 Lassen Sie uns
diesen Punkt klären.
  
51:58 Wir leben in einer
menschengemachten Welt,
  
52:03 mit einem
menschengemachten Geist.
  
52:04 Wir sind das Resultat
des menschengemachten Geistes.
  
52:10 Unsere Gehirne usw.
 
52:13 Das Gehirn
mit seinen Reaktionen.
  
52:17 Es ist nicht menschengemacht,
aber es wurde konditioniert.
  
52:19  
 
52:22 – Menschengemachte Konditionierung.
– Ja, das meine ich. Also,
  
52:24 kann dieser Geist
 
52:32 sich selbst so vollständig
von Konditionierung befreien,
  
52:36 dass er nicht mehr
menschengemacht ist?
  
52:39 Ja, das ist die Frage.
 
52:41 Das ist die Frage.
Bleiben wir auf dieser einfachen Ebene.
  
52:46 Kann dieser menschengemachte Geist,
so wie er jetzt ist,
  
52:53 kann er so weit gehen,
 
52:57 dass er sich selbst so vollständig
von sich selbst befreit?
  
53:05 – Ja, natürlich ist das eine etwas
paradoxe Aussage. – Natürlich.
  
53:08 Paradox, aber es ist so.
 
53:13 Fangen wir nochmal an.
 
53:15 Man kann sehen,
 
53:23 das Bewusstsein der Menschheit
ist gleich seinem Inhalt.
  
53:26 Und sein Inhalt sind all die menschengemachten
Dinge: Angst, Furcht und alles andere.
  
53:30 Nicht nur im Individuum,
in jedem Menschen.
  
53:40 Wenn es darin
eine Einsicht hat,
  
53:46 hat es sich davon gereinigt.
 
53:49 Daraus folgt dann, dass es schon immer
das Potential hatte, und diese Einsicht
  
53:53  
 
53:57 befähigte es, sich zu befreien.
Sehen Sie es so?
  
53:59 Diese Einsicht,
 
54:06 ich würde es nicht
als Potential bezeichnen.
  
54:11 Es ist nicht einfach zu verstehen,
wenn Sie sagen, das Gehirn oder der Geist
  
54:16 hat eine Einsicht
in seine eigene Konditioniertheit
  
54:18 und wird dann
zu etwas Anderem.
  
54:22 Ja, genau das behaupte ich.
 
54:24  
 
54:27  
 
54:32 Die Einsicht transformiert
den menschengemachten Geist.
  
54:36 Sie sagen, es sei dann nicht mehr der
menschengemachte Geist. – Diese Einsicht
  
54:38 bedeutet, der gesamte Inhalt
des Bewusstseins ist ausgelöscht.
  
54:45 Und nicht langsam eins nach dem anderen,
sondern die Gesamtheit.
  
54:52 Und diese Einsicht ist nicht
das Ergebnis menschlicher Anstrengung.
  
54:59 Aber dann erhebt sich die Frage,
woher sie kommt.
  
55:01  
 
55:06 Okay.
 
55:16 Woher kommt sie?
 
55:20 – Ja. Aus dem Gehirn selbst, dem Geist selbst.
– Aus welchem, Gehirn oder Geist?
  
55:23 Dem Geist.
Ich meine den Geist, die Gesamtheit.
  
55:27 Wir sagen,
der Geist existiert, ja?
  
55:30 Einen Moment, Sir.
 
55:33 Lassen Sie uns langsam vorgehen.
Es ist hoch interessant.
  
55:41 Das Bewusstsein ist menschengemacht,
das allgemeine und das individuelle.
  
55:50 Und
 
55:53 logisches, vernünftiges Betrachten
lässt einen seine Begrenztheit sehen.
  
55:59 Dann geht der Geist
weit darüber hinaus.
  
56:05 Er kommt an einen Punkt, wo er fragt,
"Kann all das ausgelöscht werden
  
56:07  
 
56:13 mit einem Atemzug, auf einen Schlag,
mit einer Bewegung?”
  
56:18 Und diese Bewegung ist Einsicht,
die Bewegung der Einsicht.
  
56:21 Sie findet immer noch
im Geist statt.
  
56:24 Aber es ist nicht
 
56:26 dieses Bewusstsein,
das sie hervorgerufen hat.
  
56:30 Es ist schwer auszudrücken.
 
56:32 Sie sagen,
der Geist habe die Möglichkeit
  
56:34  
 
56:38 des Tätigwerdens von jenseits des
Bewusstseins, es geschieht jedoch sehr selten.
  
56:41 Natürlich muss es
 
56:45 Teil des Gehirns, des Geistes sein.
– Gehirn, Geist sind
  
56:47 dazu fähig,
aber im allgemeinen geschieht es nicht.
  
56:51 Nachdem wir all das
erledigt haben:
  
57:01 Gibt es einen Geist,
 
57:08 der nicht nur
nicht menschengemacht ist,
  
57:12 den der Mensch
 
57:19 sich weder vorstellen
noch erschaffen kann? Es ist keine Illusion.
  
57:24 Gibt es so einen Geist? Ich weiß nicht,
ob ich mich verständlich ausdrücke.
  
57:27  
 
57:29 Sie sagen, der Geist,
der sich befreit hat …
  
57:32  
 
57:34 – Allgemein und individuell. – … von der
allgemeinen und der individuellen
  
57:37 Bewusstseinsstruktur
der Menschheit,
  
57:41 ihrer Begrenztheit,
dieser Geist ist dann viel größer.
  
57:44 Dann sagen Sie,
dieser Geist,
  
57:46 stellt eine Frage.
 
57:48 – Dieser Geist stellt eine Frage.
– Welche?
  
57:51 Nämlich …
 
57:59 Zuerst mal,
ist dieser Geist
  
58:04 frei
vom menschengemachten Geist?
  
58:08 – Das ist die erste Frage. – Es könnte eine
Illusion sein. – Man muss da sehr genau sein.
  
58:14 Nein, es ist keine Illusion,
 
58:17 weil er Messen
als Illusion erkennt,
  
58:19 er kennt das Wesen
der Illusionen.
  
58:22 Wo Begehren ist,
entstehen notwendigerweise auch Illusionen.
  
58:27 Und Illusionen erzeugen
notwendigerweise Begrenztheit,
  
58:31 usw.,
Er hat nicht nur
  
58:36 verstanden, er ist damit durch.
– Er ist ohne Begehren.
  
58:38 Frei von Begehren.
 
58:40 Das ist unsere Natur.
Ich will es nicht so brutal ausdrücken.
  
58:41 Frei von Begehren.
 
58:47 Wir sind voller Energie.
 
58:49 Dieser Geist hat aufgehört,
 
58:55 allgemein oder individuell zu sein
und also auch
  
58:59 begrenzt zu sein.
 
59:03 Diese Begrenztheit
 
59:09 ist aufgelöst worden
durch Einsicht,
  
59:13 und deshalb ist der Geist
nicht mehr der konditionierte Geist.
  
59:18 Richtig? Nun,
 
59:20 was ist dann dieser Geist,
 
59:26 der sich dessen bewusst ist,
dass er nicht mehr in Illusionen gefangen ist?
  
59:32 Sie sagten,
er stellt die Frage,
  
59:34  
 
59:37 ob es etwas noch viel Größeres gibt.
– Deshalb stelle ich die Frage.
  
59:40 Gibt es einen Geist,
der nicht menschengemacht ist?
  
59:51 Und wenn ja, in welcher Beziehung
steht er zum menschengemachten Geist?
  
59:53  
 
1:00:00  
 
1:00:03 Das ist ein schwierige Frage.
 
1:00:08 Wollen wir weitermachen?
 
1:00:11 – Wenn Sie möchten.
– Ich kann weitermachen, es macht Spaß.
  
1:00:17 – Vielleicht bis Viertel vor eins.
– Das ist gut.
  
1:00:38 Sehen Sie,
jede Behauptung,
  
1:00:42 jede Art von
 
1:00:44 verbaler Formulierung
ist nicht das.
  
1:00:47 Richtig?
 
1:00:50 Wir fragen also, ob es einen Geist gibt,
der nicht menschengemacht ist.
  
1:00:58 Und das
kann man wohl nur fragen,
  
1:01:02 wenn die Begrenztheit
aufgelöst ist,
  
1:01:05 sonst ist es eine sinnlose Frage. – Es würde
nichts bringen. – Es wäre Zeitverschwendung.
  
1:01:07  
 
1:01:10  
 
1:01:13 – Es wird dann theoretisch, unsinnig.
– Ausdruck der menschengemachten Struktur.
  
1:01:16  
 
1:01:20 Man muss absolut sein,
ich benutze mal dieses Wort.
  
1:01:23 Wir können das Wort "absolut" benutzen,
wenn wir damit sorgfältig sind.
  
1:01:27  
 
1:01:28 Sehr vorsichtig, ja.
 
1:01:31 Absolut frei von all dem.
 
1:01:36 Erst dann
kann man das fragen.
  
1:01:39 Wenn Sie diese Frage stellen,
 
1:01:41 nicht Sie,
wenn diese Frage gestellt wird:
  
1:01:45 Gibt es einen
nicht menschengemachten Geist,
  
1:01:48 und wenn es ihn gibt,
 
1:01:50 von welcher Art ist seine Beziehung
zum menschengemachten Geist?
  
1:01:55 Zuerst also,
gibt es so einen Geist?
  
1:01:59 Natürlich gibt es ihn.
 
1:02:05 Ohne dogmatisch sein zu wollen
oder persönlich oder sonstwie, es gibt ihn.
  
1:02:17 Aber es ist nicht Gott.
 
1:02:22 Weil Gott,
wir hatten das schon.
  
1:02:25 Er ist Teil
der menschengemachten Struktur.
  
1:02:27 Die Chaos in der Welt
geschaffen hat.
  
1:02:32 Es gibt ihn.
Die nächste Frage ist,
  
1:02:37 wenn es einen solchen Geist gibt
und jemand behauptet das,
  
1:02:41 welche Beziehung hat er dann
zum menschlichen Geist,
  
1:02:46 dem menschengemachten Geist.
– Ja, zum allgemeinen.
  
1:02:49 Individuell und allgemein.
 
1:02:52 Hat er irgendeine Beziehung?
 
1:03:00 Die Frage ist schwierig, weil
 
1:03:04 man sagen könnte, der
menschengemachte Geist ist voller Illusionen.
  
1:03:10  
 
1:03:14 Das meiste davon ist nicht real.
– Nein. Aber das hier ist real.
  
1:03:19 Wir benutzen das Wort "real"
für das Tatsächliche.
  
1:03:22 Und jenes ist messbar,
verworren.
  
1:03:27 Hat dieses eine Beziehung zu jenem?
Offensichtlich nicht.
  
1:03:32 Zumindest eine oberflächliche in dem Sinn,
dass der menschengemachte Geist
  
1:03:36 reale Inhalte hat auf einer gewissen Ebene,
einer technischen Ebene,
  
1:03:40 das Fernsehsystem usw.
 
1:03:44 Auf dieser Ebene könnte eine Beziehung
existieren. Aber das ist nur ein kleines Gebiet.
  
1:03:45  
 
1:03:47 Aber grundsätzlich …
 
1:03:52 Nein, wir sprachen darüber,
 
1:03:55 der menschengemachte Geist
hat keine Beziehung zu jenem, aber
  
1:04:00 jenes
hat eine zu diesem.
  
1:04:02 Ja, aber nicht zu den Illusionen
im menschengemachten Geist.
  
1:04:08 Einen Moment,
lassen Sie uns das genau anschauen.
  
1:04:15 Mein Geist
ist der menschliche Geist.
  
1:04:19 Er hat Illusionen, Begierden
und das ganze andere.
  
1:04:23 Und da ist der andere Geist,
der hat es nicht,
  
1:04:29 der ist jenseits
aller Begrenztheit.
  
1:04:35 Dieser illusionenbehaftete menschengemachte
Geist ist immer auf der Suche nach jenem.
  
1:04:42 – Ja, das ist sein Hauptproblem.
 
1:04:46 Er ist am Messen, Fortschreiten,
Näherkommen, Weiterkommen usw.
  
1:04:50  
 
1:04:53 Und dieser Geist,
der menschliche Geist,
  
1:04:55 der vom Menschen
gemachte Geist,
  
1:05:02 ist immer
auf der Suche nach dem anderen.
  
1:05:08 Und erzeugt dabei
immer mehr Unheil, Verwirrung.
  
1:05:12 Dieser menschengemachte Geist
hat keine Beziehung zum anderen.
  
1:05:17 – Ja.
– Ganz offensichtlich.
  
1:05:20 – Jeder Versuch, dahin zu kommen,
erzeugt Illusionen. – Eindeutig.
  
1:05:24  
 
1:05:30 Hat nun jenes
eine Beziehung zu diesem?
  
1:05:34 Ich vermute,
es muss eine haben,
  
1:05:36 aber zu den Illusionen dieses Geistes
wie Begierden, Angst usw.,
  
1:05:40 dazu hat es keine Beziehung,
 
1:05:45 weil das nur Hirngespinste sind.
– Das habe ich verstanden.
  
1:05:47 Aber jenes kann eine Beziehung zum
menschengemachten Geist haben insofern,
  
1:05:51 als es
seine wahre Struktur versteht.
  
1:05:58 Sie meinen,
jener Geist hat eine Beziehung
  
1:05:59  
 
1:06:04 zum menschlichen Geist,
sobald dieser die Begrenztheit verlässt?
  
1:06:08 Ja, im Verstehen der Begrenztheit
wird er frei davon.
  
1:06:12  
 
1:06:16 – Und dann hat jenes dazu eine Beziehung.
– Dann hat es eine echte Beziehung
  
1:06:19 zum Eigentlichen
dieses begrenzten Geistes,
  
1:06:22 nicht zu seinen Illusionen
und Vorstellungen von sich.
  
1:06:27  
 
1:06:29 Lassen Sie uns das
genau fassen.
  
1:06:35 Wir müssen
die passenden Worte benutzen.
  
1:06:37 Der unbegrenzte, nicht menschengemachte
Geist kann keine Beziehung zu den Illusionen
  
1:06:41  
 
1:06:43 des menschengemachten Geistes haben,
aber er muss eine haben
  
1:06:46 zum Ursprung, zur eigentlichen Natur
dieses Geistes hinter den Illusionen.
  
1:06:49  
 
1:06:51 Was macht
den menschengemachten Geist aus?
  
1:06:57 – Alles, was wir aufgezählt haben.
– Ja, das ist seine Natur.
  
1:06:59  
 
1:07:01 Wie kann dann jenes
eine Beziehung zu diesem haben?
  
1:07:07 Wie soll das gehen?
 
1:07:10 Eine Beziehung ist nur möglich
durch Verstehen,
  
1:07:13 sodass eine Kommunikation
möglich wäre,
  
1:07:18 die der anderen Person etwas vermittelt.
– Nein, ich bezweifle das.
  
1:07:22  
 
1:07:28 Weil Sie sagten, der nicht menschengemachte
Geist könnte eine Beziehung haben
  
1:07:30  
 
1:07:33 zum begrenzten Geist,
aber nicht umgekehrt.
  
1:07:35  
 
1:07:37 – Ich bezweifle auch das.
– Sie sehen es jetzt anders.
  
1:07:41 – Warum? – Ich will auch das hinterfragen.
– Vielleicht ist es so, vielleicht nicht.
  
1:07:45 – Ja, ich stelle es in Frage.
– Okay.
  
1:07:50 Welche Beziehung hätte Liebe
zu Eifersucht? Sie hat keine.
  
1:07:56  
 
1:07:59 Zur Eifersucht nicht, das ist eine Illusion,
aber zum Menschen dahinter
  
1:08:02 könnte es eine geben.
– Nehmen wir Liebe und Hass.
  
1:08:06 Zwei Worte, "Liebe" und "Hass".
Liebe
  
1:08:07 und Hass
haben keine Beziehung zueinander.
  
1:08:14 – Nein, nicht wirklich.
– Keine!
  
1:08:17 Außer insofern, als Liebe
den Ursprung des Hasses verstehen könnte.
  
1:08:23 Ja, ja.
 
1:08:26 – So wäre eine Beziehung vorstellbar.
– Ah ja, ich verstehe.
  
1:08:28  
 
1:08:32 Sie sagen,
die Liebe
  
1:08:37 kann den Ursprung
des Hasses verstehen
  
1:08:41 und wie er entsteht usw.
 
1:08:46 Versteht Liebe das?
 
1:08:48 Ich glaube, sie hat ein Verständnis für seinen
Ursprung im menschengemachten Geist,
  
1:08:54  
 
1:09:03 einen Einblick in die Struktur dieses Geistes,
und hat sich davon wegbewegt.
  
1:09:06 Sind wir der Ansicht, dass Liebe,
wir nehmen dieses Wort mal für den Moment,
  
1:09:08 eine Beziehung hat
zu Nicht-Liebe?
  
1:09:18 Nur insofern,
als sie zu deren Auflösung führt.
  
1:09:21  
 
1:09:23 Ich bin mir da nicht sicher.
Wir müssen hier furchtbar vorsichtig sein.
  
1:09:30 Oder ist erst
mit dem Beenden dessen, …
  
1:09:34 – Was meinen Sie?
– … dem Beenden des Hasses,
  
1:09:35  
 
1:09:40 dann ist das Andere da.
Nicht: das Andere hat eine Beziehung
  
1:09:45 zum Verstehen des Hasses.
 
1:09:50  
 
1:09:54 – Wir müssen dann fragen, wie es anfängt.
– Das ist sehr einfach.
  
1:09:55  
 
1:10:00 – Nehmen wir mal den Hass.
– Angenommen, ich empfinde Hass.
  
1:10:02 Ich sehe,
wie er entsteht.
  
1:10:07 – Weil Sie mich beleidigt haben. – Das ist eine
oberflächliche Vorstellung von seinem Entstehen.
  
1:10:12 Warum man so irrational reagiert,
ist die tiefere Frage.
  
1:10:14  
 
1:10:18 Sie sagen, ich habe Sie beleidigt. Aber warum
reagieren Sie auf diese Beleidigung?
  
1:10:20  
 
1:10:23 Weil meine ganze
Konditionierung so ist.
  
1:10:25 Ja, das meine ich.
Dann versteht man sein Entstehen.
  
1:10:27  
 
1:10:29 Ich verstehe, aber
 
1:10:30 hilft Liebe,
das Entstehen von Hass zu verstehen?
  
1:10:37 Nein, aber jemand, der den Ursprung
des Hasses versteht, bewegt sich weg davon.
  
1:10:40  
 
1:10:43 Sich wegbewegen davon!
 
1:10:46 Dann ist das Andere da. Das Andere
kann nicht helfen beim Wegbewegen davon.
  
1:10:51 Das nicht, aber angenommen,
ein Mensch hat diese Liebe
  
1:10:55  
 
1:11:00 und der andere nicht.
Kann der erste etwas tun,
  
1:11:03 um diese Bewegung
im zweiten hervorzurufen?
  
1:11:07 Das bedeutet
 
1:11:14 A kann B beeinflussen.
– Nicht beeinflussen,
  
1:11:19 sondern einfach …
 
1:11:21 Man könnte fragen, warum irgendjemand
über irgendetwas derartiges reden sollte.
  
1:11:25 – Warum sollte ich darüber sprechen?
– Das ist eine andere Sache!
  
1:11:26  
 
1:11:31 Nein, die Frage ist,
 
1:11:36 ob Hass durch Liebe
vertrieben wird.
  
1:11:39 Das ist nicht so.
 
1:11:41 Oder bewirkt
das Verstehen des Hasses,
  
1:11:45 dass er endet und das Andere da ist.
– Richtig, aber
  
1:11:48  
 
1:11:51 wenn wir annehmen,
 
1:11:55 A hat das erreicht.
Das Andere, die Liebe ist da,
  
1:11:59 und er sieht B, C, D
– B hat das andere!
  
1:12:02 Nun fragen wir,
 
1:12:04 was er tun soll?
 
1:12:07 – Welche Beziehung haben sie?
– Das ist die gleiche Frage.
  
1:12:09  
 
1:12:11 "Was soll er tun",
ist nur eine andere Formulierung.
  
1:12:21 Ich glaube,
einen Moment, Sir.
  
1:12:27 Ich hasse,
ein anderer liebt.
  
1:12:32 Meine Frau liebt
und ich hasse.
  
1:12:40 Sie kann mit mir reden,
mich darauf hinweisen,
  
1:12:45 auf das Unvernünftige daran usw.,
 
1:12:49 aber ihre Liebe wird nicht
an die Quelle meines Hasses rühren.
  
1:12:54  
 
1:12:57 Das ist klar. Außer es ist die Liebe,
die als Energie hinter ihrem Sprechen steht.
  
1:12:58  
 
1:13:00  
 
1:13:03 Hinter dem Sprechen.
 
1:13:05 Liebe dringt nicht einfach ein
und löst Hass auf.
  
1:13:06  
 
1:13:10 Natürlich nicht,
das wäre eine romantische Idee.
  
1:13:13 Also ein Mann hasst.
 
1:13:22 In die Quelle,
die Ursache davon,
  
1:13:28 die Bewegung,
hat er eine Einsicht und beendet ihn.
  
1:13:29 – Dann hat er das Andere.
– Sagen wir, A hat das alles gesehen.
  
1:13:31 Er hat die Energie,
dies B nahezubringen,
  
1:13:36 aber es hängt von B ab,
was er tut.
  
1:13:45 Wir sollten das
weiter verfolgen.