Krishnamurti Subtitles

Das Enden psychischen Wissens

Brockwood Park - 18 September 1980

The Ending of Time 13



0:32 Krishnamurti: Wollen wir da anknüpfen,
wo wir gestern aufgehört haben?
  
0:47 Was quält unseren Geist?
 
0:56 Er folgt ständig
einem bestimmten Muster,
  
1:01 ist immer
 
1:04 auf der Suche.
 
1:05 Er legt ein Muster ab
und beginnt mit einem neuen,
  
1:10 sein Funktionieren
ist die ganze Zeit davon geprägt.
  
1:16 Warum?
 
1:19 Man kann das erklären.
 
1:21 Man erkennt die Gründe:
zum Schutz, zur Sicherheit,
  
1:23 aus Nachlässigkeit,
aus Gleichgültigkeit
  
1:28 und aus einer gewissen
Gefühllosigkeit heraus,
  
1:34 einem totalen Desinteresse
am eigenen
  
1:35 Blühen
 
1:41 und so weiter.
Aber
  
1:42 ich halte es für sehr wichtig
herauszufinden, warum
  
1:47 unser Geist sich immer
in eine bestimmte Richtung hin bewegt.
  
1:56 Wir waren an einem Punkt angekommen,
es so zu formulieren,
  
2:02 dass man schließlich,
 
2:06 nach vielen Mühen,
Untersuchungen
  
2:12 und Einsichten,
ankommt
  
2:15 an einer leeren Wand.
 
2:19 Und diese leere Wand
kann nur
  
2:24 allmählich zerfallen
oder
  
2:30 niedergerissen werden,
 
2:32 wenn Liebe und Intelligenz herrschen.
Da waren wir gestern.
  
2:35 Aber bevor wir uns damit beschäftigen,
möchte ich fragen,
  
2:42 warum die Menschen,
 
2:46 egal wie intelligent oder gebildet,
egal wie
  
2:49 philosophisch orientiert oder religiös sie sind,
immer verfallen sie in den gleichen Trott.
  
2:59 D. Bohm: Ich glaube, das ist eine
notwendige Folge des Anhäufens von Wissen.
  
3:01  
 
3:06 Wollen Sie also sagen,
dass Wissen unweigerlich
  
3:12 zu diesem Trott führt?
 
3:15 Vielleicht nicht unweigerlich,
aber so hat es sich entwickelt
  
3:17  
 
3:22 in der Menschheit.
 
3:25 – Ich rede dabei vom psychischen Wissen.
– Nur davon sprechen wir ja.
  
3:28 Ich würde auch sagen,
psychisches Wissen führt in einen Trott.
  
3:33 Aber warum sieht der Geist das nicht,
sieht nicht die Gefahr,
  
3:37  
 
3:41 das rein mechanische Wiederholen,
dass da nichts Neues geschieht,
  
3:44 und macht einfach
weiter so?
  
3:48 Wir sprachen über die Ansammlung von Wissen,
die für diesen Trott verantwortlich ist.
  
3:52  
 
3:55 Verantwortlich für den Trott, ja.
Aber warum?
  
3:58  
 
4:02 Das ist die gleiche Frage.
 
4:05 Die Wissensansammlung,
die den
  
4:07 Trott erzeugt,
erklärt nicht, warum jemand dabei bleibt.
  
4:10 Darum geht es mir.
 
4:12 Mir scheint, wir sehen den Trott
oder das angesammelte Wissen
  
4:16  
 
4:21 als bedeutsamer an,
als sie in Wirklichkeit sind.
  
4:25 Wir sehen sie
als notwendig an.
  
4:31 Wenn wir etwas wissen,
z. B. über ein Mikrofon,
  
4:35 hat das nur begrenzte Bedeutung.
 
4:38 Wissen über die
eigene Nation jedoch
  
4:42 scheint für uns
enorm bedeutsam zu sein.
  
4:43  
 
4:47 Ja. Also,
 
4:52 ist diese Bedeutsamkeit
die Ursache für die Einengung des Geistes?
  
4:56 Es fesselt ihn.
 
5:00 Dieses Wissen wird als Wert
über alles andere gestellt.
  
5:02 – Es fesselt den Geist, als sei es
das wichtigste in der Welt. – Wissen Sie,
  
5:04  
 
5:09 in einigen der
 
5:11 Philosophien,
einigen der
  
5:14 Vorstellungen usw. in Indien
gibt es diese
  
5:15 Philosophie,
dass Wissen enden muss.
  
5:23 Sie wissen das natürlich,
der Vedanta.
  
5:26 But offensichtlich hören nur
sehr, sehr wenige Menschen
  
5:30 mit Wissen auf
und sprechen aus Freiheit heraus.
  
5:36 Nochmal zu dem Punkt,
dass einerseits
  
5:38 Wissen normalerweise
als extrem wichtig angesehen wird,
  
5:42 wert, daran festzuhalten,
auch wenn jemand sagt, es müsse enden.
  
5:44  
 
5:50 – Also Wissen über das Selbst.
– Sie meinen, ich bin so dumm,
  
5:54  
 
5:56 dass ich nicht sehe,
 
5:59 dass dieses Wissen eigentlich
nur eine sehr geringe Bedeutung hat,
  
6:03 psychisches Wissen,
 
6:04 und ich halte
als weiter daran fest?
  
6:08 Ich würde jemand nicht
als dumm bezeichnen,
  
6:10 sondern sagen, dass dieses Wissen
das Gehirn benommen macht.
  
6:15 Ich glaube, ein Gehirn, das in diesem Wissen
gefangen ist, verdummt dadurch.
  
6:18  
 
6:21 Aber es befreit sich nicht daraus.
 
6:25 Es sieht nicht, was es tut,
weil es so benommen ist.
  
6:27  
 
6:30 Was kann es also tun?
 
6:32 Ich beobachte das schon
 
6:35 viele Jahre,
warum Menschen
  
6:36 glauben oder versuchen,
frei zu werden
  
6:45 von gewissen Dingen,
doch genau das ist das Grundübel.
  
6:50 Verstehen Sie?
Dieses Ansammeln,
  
6:55 im Psychischen,
woraus psychisches Wissen wird,
  
6:58 führt zur Getrenntheit und zu allen
möglichen anderen Dingen. Und trotzdem
  
7:03 weigert sich der Geist,
es loszulassen.
  
7:09 Sieht der Geist es nicht?
 
7:13 – Oder hat er dem Wissen einfach eine
ungeheure Wichtigkeit gegeben? – Das meine ich.
  
7:18  
 
7:21 Warum?
Weil darin Sicherheit liegt?
  
7:30 Man fühlt sich geschützt?
 
7:37 Das ist wohl ein Grund,
dass es Sicherheit zu bieten scheint.
  
7:40 Aber irgendwie ist Wissen
an die Stelle des Absoluten getreten.
  
7:43 Korrekterweise sollte Wissen
als relativ angesehen werden.
  
7:49 Aber dieses geistige Wissen,
das psychische Wissen über das Selbst
  
7:51  
 
7:53 oder das verwandte religiöse Wissen …
– Ich verstehe das, Sir,
  
7:57 aber sie beantworten nicht
meine Frage.
  
8:00 Ich bin ein gewöhnlicher Mensch.
Ich erkenne das,
  
8:04 sehe die Bedeutung und
 
8:07 den Wert von Wissen
auf den verschiedenen Ebenen.
  
8:11 Aber in der Tiefe,
im Inneren
  
8:14 ist dieses Wissen
äußerst zerstörerisch.
  
8:18 Schon, aber es liegt da
eine Selbsttäuschung vor. Das Wissen
  
8:24 macht dem Geist etwas vor, sodass ein Mensch
nicht erkennt, dass es zerstörerisch ist.
  
8:31 Hängen die Menschen
deshalb so fest daran?
  
8:35 Sie können einfach nicht …
 
8:39 Wir wissen nicht,
wie es anfing, aber
  
8:41 wenn es anfängt, ist der Geist
normalerweise unfähig, das zu sehen,
  
8:42  
 
8:44  
 
8:47 weil er diese Frage vermeidet.
 
8:52 Es gibt einen starken
Verteidigungsmechanismus,
  
8:54 um dem Anschauen
dieser ganzen Frage zu entkommen.
  
8:59 – Warum? – Weil es so aussieht, als stünde
etwas äußerst Wertvolles auf dem Spiel.
  
9:02  
 
9:05 Man ist sehr intelligent
in anderen Sachen,
  
9:09 fähig und effektiv,
geschickt,
  
9:14 aber hier, wo die Ursache
des Übels liegt, warum können wir
  
9:19 das nicht durchschauen?
 
9:24 Was hindert den Geist daran?
 
9:27 Sie sagen, er hat dem Wissen
einen hohen Stellenwert gegeben.
  
9:30  
 
9:32 Dem stimme ich zu,
aber er hält sich daran fest.
  
9:38 Sie wissen das sicher!
 
9:40 Nachdem das geschehen ist, wird das Wirken
von Intelligenz wohl mechanisch verhindert.
  
9:48  
 
9:51 Was kann ich also tun?
 
9:55 Was kann ich
als gewöhnlicher Mensch tun?
  
9:58 Ich schätze das technische Wissen usw.,
aber das innerlich angesammelte Wissen,
  
10:01 das trennend wirkt,
zerstörerisch, das
  
10:03 ist so belanglos.
 
10:08 Und trotzdem
halte ich daran fest.
  
10:13 Ich sehe ein, dass ich es loslassen muss,
aber ich kann nicht.
  
10:21 Was soll ich tun?
 
10:26 Ich glaube, jeder durchschnittliche Mensch
hat dieses Problem.
  
10:34 Es taucht auf, wenn man anfängt,
diese Sache etwas ernsthafter zu betrachten.
  
10:37  
 
10:46 Ist es Mangel an Energie?
 
10:50 Nicht hauptsächlich. Die Energie
wird durch den Prozess verschleudert.
  
10:55 Wenn ich einen Großteil
meiner Energie verloren habe,
  
10:59 habe ich keine mehr,
 
11:03 hiermit umzugehen.
– Sie wäre schnell wieder da,
  
11:07 wenn wir da rauskämen.
 
11:09 Energie wird dauernd vergeudet,
jemand ist erschöpft, aber er
  
11:11 würde sich erholen,
wenn das
  
11:14 aufhörte.
Das ist nicht der Hauptpunkt.
  
11:16 Das ist nicht
der Hauptpunkt.
  
11:17 Was kann ich als Mensch tun,
 
11:20 wenn ich einsehe,
dass dieses Wissen
  
11:25 natürlicherweise, unvermeidlich
zu einem Trott führt, dem ich dann folge?
  
11:32 Meine nächste Frage ist:
Wie komme ich aus diesem Trott raus?
  
11:40 Das ist Menschen
nicht so klar
  
11:43 im allgemeinen,
 
11:45 dass dieses Wissen dazu führt,
und außerdem, dass das
  
11:48 Wissen Wissen ist.
 
11:51 Es könnte als ein Wesen
aufgefasst werden, als das Selbst, das Ich.
  
11:55 Das Wissen wird erfahren
als etwas Existierendes.
  
12:01 Dieses Wissen erschafft das Ich.
 
12:04 Das Ich wird erfahren als etwas Existierendes,
nicht als Wissen, sondern als Wesen.
  
12:06 Wollen Sie sagen,
dieses Wesen
  
12:10 ist verschieden vom Wissen?
 
12:15 – Es scheint so, es tut so.
– Aber ist es das?
  
12:18  
 
12:20 – Nein, aber es hat eine sehr ausgeprägte Kraft.
– Aber das ist einfach meine Konditionierung!
  
12:23  
 
12:26 – Ja, aber wie lösen wir
die Konditionierung auf? – Darum geht es.
  
12:27  
 
12:29  
 
12:31 Weil sie einen eigenen Seinszustand erschafft
mit dem Anspruch, realistisch zu sein.
  
12:34 Sehen Sie,
 
12:39 es gibt mehrere hundert
 
12:45 Millionen Katholiken,
 
12:47 viele Millionen Chinesen.
Verstehen Sie?
  
12:53 Das ist deren wesentliche
 
12:56 innere Bewegung.
 
12:59 Es sieht total
hoffnungslos aus!
  
13:06 Ich sehe
 
13:10 die Aussichtslosigkeit und sage,
ich kann nichts machen.
  
13:13 Aber wenn ich
 
13:15 genauer darüber nachdenke,
 
13:20 taucht die Frage auf:
Ist es möglich,
  
13:23 ganz ohne psychisches Wissen
 
13:28 in dieser Welt zu funktionieren?
 
13:49 Das ist mir sehr wichtig,
weil ich glaube,
  
13:52 wo man auch hingeht,
 
13:56 ob Kalifornien, Indien,
hier oder irgendwo, das ist
  
13:59 die zentrale Angelegenheit,
 
14:07 die gelöst werden muss.
– Das stimmt.
  
14:11 Aber Sie können darüber sprechen
oder das jemandem erzählen und
  
14:15 er sagt vielleicht, dass es
vernünftig klingt. Aber wenn
  
14:18 sein Status
gefährdet ist, und wir sagen,
  
14:22 das liegt am psychischen Wissen,
dann
  
14:25 sieht er es nicht nur als Wissen,
sondern als mehr als das.
  
14:26  
 
14:29  
 
14:33 Er sieht nicht, dass sein Wissen
über seinen Status das Problem ist.
  
14:35 Wissen erscheint ihm erstmal
als etwas Passives,
  
14:39 etwas, das man benutzt,
wenn man will,
  
14:41  
 
14:43 und das man ansonsten
beiseite lassen kann.
  
14:45 So sollte es ja eigentlich sein.
 
14:50 – Aber wenn es drauf ankommt, …
– Zurück beim Alten.
  
14:53 sieht das Wissen nicht mehr
wie Wissen aus.
  
15:08  
 
15:12 – Angenommen, Sie würden
mit einem Politiker reden … – Oh!
  
15:15 Ich glaube, jemand wollte mal,
dass Sie mit Mao Tse Tung reden.
  
15:20  
 
15:22 – Sie würden wahrscheinlich
nichts erreichen. – Gar nichts!
  
15:29 Die Politiker und die Leute in Machtpositionen
werden nicht mal zuhören,
  
15:31 so wie die religiösen Leute
nicht zuhören wollen,
  
15:35 sogenannte religiöse Leute. Es sind
höchstens die Menschen, die unzufrieden sind,
  
15:37 die frustriert sind,
 
15:41 die den Eindruck haben,
alles verloren zu haben.
  
15:48 Vielleicht
 
15:52 hören sie zu.
 
15:54 Aber sie werden nicht so zuhören,
als sei es eine richtig brennende Sache.
  
16:00 Wie geht man am besten vor?
 
16:04 Nehmen wir an, ich habe mich verabschiedet
von den Religionen, diesem Unsinn.
  
16:10 Und ich habe einen Beruf,
 
16:13 ich weiß,
dafür brauche ich Wissen.
  
16:17  
 
16:21 Aber als ein in dieser Welt
lebender Mensch
  
16:25 sehe ich, wie wichtig es ist, nicht in diesem
psychischen Wissen gefangen zu sein.
  
16:29 Und dennoch
kann ich es nicht loslassen!
  
16:38 Es versteckt sich immer vor mir.
Ich spiele höchstens damit.
  
16:43 Es ist eine Art
Versteckspielen.
  
16:51 Okay.
 
16:55 Dann sprachen wir von einer Wand,
die ich niederreißen muss.
  
16:58 Wir nähern uns dem jetzt anders.
Das ist die Wand,
  
17:00  
 
17:03 nicht "ich reiße sie nieder",
sie muss niedergerissen werden.
  
17:06 Und wir sagten,
sie kann niedergerissen werden
  
17:12 durch Liebe und Intelligenz.
 
17:18 Reden wir da nicht
von etwas enorm Schwierigem?
  
17:25 Es ist schwierig.
 
17:27 Ich befinde mich auf dieser Seite der Wand,
und Sie verlangen von mir,
  
17:33 diese Liebe und Intelligenz zu haben,
die die
  
17:38 Wand zerstören wird.
 
17:39 Aber ich weiß nichts
über Liebe und Intelligenz,
  
17:44 weil ich auf dieser Seite
der Wand gefangen bin.
  
17:49 Und
 
17:54 ich erkenne mit meinem Verstand,
was Sie sagen.
  
17:58 Als einfacher Mensch
sehe ich, dass es
  
18:00 zutreffend ist, wahr, logisch
und sehe auch die Wichtigkeit ein, aber
  
18:08 die Wand ist so
 
18:14 stark, dominierend und mächtig,
dass ich nicht darüber hinaus komme.
  
18:17 Und wir sagten auch, dass diese Wand
niedergerissen werden kann
  
18:24 durch Einsicht.
 
18:27 Wir haben das erläutert.
 
18:32 Diese Einsicht
 
18:37 wird zu einer Vorstellung.
– Ja.
  
18:39 Sie ist nicht wirklich erreicht. Ich sage zwar,
"Ich verstehe es, ich sehe es", aber
  
18:41  
 
18:44 wenn Sie
die Einsicht beschreiben,
  
18:51 ob es möglich ist,
wie man sie erreicht usw.,
  
18:54 mache ich daraus sofort
etwas Abstraktes.
  
18:58 Ich gehe also weg
von der Tatsache,
  
19:01 und das Abstrakte wird zum Wichtigen.
Und das heißt Wissen.
  
19:04  
 
19:06 – Sie verstehen?
– Die Aktivität des Wissens.
  
19:08 – Wieder beim Alten! – Das wesentliche Problem
ist, Wissen ist nicht einfach nur vorhanden
  
19:10  
 
19:11  
 
19:14  
 
19:18 als Information, sondern es ist hochaktiv,
ist am Erleben jedes Moments beteiligt,
  
19:22 es formt jeden Moment
unter Zugrundelegung der Vergangenheit.
  
19:24 Selbst wenn man
diesen Punkt anspricht,
  
19:27 beteiligt sich das Wissen dabei.
– Es wartet ständig. – Wartet, um mitzumachen.
  
19:30  
 
19:32  
 
19:35 Die grundsätzlich vorherrschende Sichtweise ist,
Wissen ist vorhanden, aber nicht aktiv.
  
19:38 – Hochaktiv! – Ja, aber die Menschen
haben eine andere Vorstellung davon.
  
19:39  
 
19:40  
 
19:42 Sie glauben, es sei einfach da.
Stattdessen wartet es darauf, sich zu beteiligen.
  
19:45  
 
19:48  
 
19:51 Und wenn man versucht, daran etwas zu ändern,
beteiligt sich das Wissen auch daran.
  
19:57 – Wenn man erkannt hat, dass das ein Problem
ist, hat das Wissen sich schon eingemischt. – Ja.
  
19:59  
 
20:02 Erkenne ich,
dass das ein Problem ist, oder
  
20:07 ist es eine Vorstellung,
der ich folge?
  
20:12 Sehen Sie den Unterschied?
 
20:14 Wissen macht automatisch
aus allem
  
20:18 ein Vorhaben, das umgesetzt
werden muss. Es ist so gebaut.
  
20:22 – Ich habe so gelebt!
– Wissen kennt gar nichts anderes.
  
20:24  
 
20:27 Wie komme ich da raus,
wenn auch nur für eine …
  
20:39 Vielleicht,
wenn man es mal sehen könnte,
  
20:44 es bewusst wahrnehmen, wenn Wissen
sich seines Wirkens bewusst sein könnte.
  
20:49 Wissen scheint jedoch
unbewusst zu wirken.
  
20:53 Es wartet einfach
und wirkt dann.
  
20:58 Und sobald es eingegriffen hat,
hat es bereits die Ordnung im Gehirn gestört.
  
21:08 Diese Sache
ist mir sehr wichtig,
  
21:13 weil ich das überall erlebe,
wo ich hinkomme.
  
21:18 Und es ist
 
21:23 zu einem Problem geworden. Nicht für mich,
aber es ist etwas, das gelöst werden muss.
  
21:47 Würden Sie sagen,
dass
  
21:51 die Fähigkeit zuzuhören
 
21:54 viel wichtiger ist
 
21:58 als diese Dinge,
 
22:04 irgendwelche Erklärungen, Logik?
Zuhören können.
  
22:05 – Das ist dasselbe Problem.
– Nein, ich versuche …
  
22:07 Ich will herausfinden, ob es
die Möglichkeit gibt, dass wenn ich zuhöre,
  
22:14 dem, was Sie sagen,
so vollständig zuhöre,
  
22:17 die Wand in sich zusammenfällt.
 
22:21 Verstehen Sie?
 
22:31 Ich versuche
es herauszufinden, Sir.
  
22:36 Ich bin ein gewöhnlicher Mensch.
und Sie erzählen mir all das.
  
22:42 Und ich erkenne,
dass das stimmt, was Sie sagen.
  
22:47 Und es ist mir wichtig,
 
22:50 ich beschäftige mich
wirklich intensiv mit dem, was Sie sagen.
  
22:57 Und
 
22:58 irgendwie
 
23:01 springt die Flamme nicht über.
 
23:06 Es ist genug Brennstoff da,
aber
  
23:15 es kommt nicht zu einem Feuer.
 
23:19 Was soll ich als gewöhnlicher Mensch tun?
Das ist mein nicht endender Aufschrei.
  
23:24 Wenn es um die Fähigkeit
des Zuhörens geht,
  
23:28 dann geht es darum, dass der gewöhnliche
Mensch voller Meinungen ist, also
  
23:32  
 
23:34 nicht zuhören kann. – Wer mit seinen
Meinungen zuhört, kann genauso gut tot sein!
  
23:36 Das ist vollkommen sinnlos!
 
23:41 Ich glaube, Wissen hat viele Arten
von Verteidigungsmechanismen.
  
23:44  
 
23:46 Wenn man vorhat,
die Möglichkeit zu schaffen, dass
  
23:50 der gewöhnliche Mensch
diese Wahrnehmung hat, das wollen Sie doch?
  
23:53 – Jedenfalls die, die interessiert sind.
– Ja.
  
24:00  
 
24:02 Wissen hat viele Verteidigungsmechanismen.
Es wehrt sich
  
24:05 dagegen, das wahrzunehmen.
Es hat sich so entwickelt, ist so konstruiert,
  
24:09 dass es das nicht sieht.
Es hat außerdem noch Meinungen,
  
24:15 die auch unmittelbar wirken.
 
24:21 Ich verstehe das, Sir.
 
24:25 Aber
 
24:26 ich will etwas finden.
 
24:31 Keine Droge, keine Medizin,
keine Methode, sondern es muss
  
24:38 eine Kommunikation zwischen Ihnen und mir,
dem gewöhnlichen Menschen geben,
  
24:43 eine Kommunikation,
die so stark ist,
  
24:51  
 
24:56 dass mein Zuhören
und Ihr Kommunizieren mit mir
  
25:02 eine Wirkung hat.
Sie verstehen? – Ja,
  
25:04 man muss da eindringen, durch die Meinung
hindurch, durch die ganze Struktur. – Natürlich.
  
25:06 Deshalb bin ich hierhergekommen.
 
25:11 Ein gewöhnlicher Mensch,
deshalb bin ich her.
  
25:14 Ich habe die Kirchen
usw. verlassen.
  
25:17 Ich habe sie weggeworfen,
ich habe damit Schluss gemacht.
  
25:20 Ich bin also hergekommen
 
25:24 und erkenne,
was hier gesagt wird, ist wahr.
  
25:32 Ich brenne danach,
es herauszufinden.
  
25:36 Wenn Sie mit mir kommunizieren,
das ist so stark,
  
25:45 so wirklich!
 
25:48 Sie sprechen nicht aus dem Wissen heraus,
vertreten keine Meinung.
  
25:51 Sie sind wirklich
ein freier Mensch,
  
25:54 der versucht,
mit mir zu kommunizieren. – Richtig.
  
25:59 Und
 
26:00 kann ich mit der
gleichen Intensität zuhören,
  
26:05 mit der Sie
mit mir kommunizieren?
  
26:13 Wir müssen
die Frage stellen, ob,
  
26:14 der gewöhnliche Mensch
voll davon ist.
  
26:19 Ah, nein.
Das ist er nicht.
  
26:24 Er geht lieber
einen trinken.
  
26:26 Nein, ich als gewöhnlicher Mensch habe
all das hinter mir und bin hierher gekommen.
  
26:30 Das andere ist vorbei.
 
26:36 Ich habe auch eingesehen,
dass
  
26:40 ich mit Meinungen wachse,
mich ausdehne, Meinungen ansammle,
  
26:43 die teilweise Vorurteile sind usw.
Ich sehe das alles.
  
26:47 Und
 
26:49 ich möchte jemandem zuhören,
 
26:54 der die Wahrheit sagt.
 
26:56 Und während er spricht,
 
27:00 findet in mir etwas statt.
 
27:05 Und weil ich so leidenschaftlich zuhöre,
geschieht es.
  
27:13 Hat das einen Sinn,
was ich sage?
  
27:24 Immerhin sind Sie ein bedeutender
Wissenschaftler und ich bin Ihr Schüler.
  
27:27 Sie wollen mir etwas sagen.
 
27:32 Sie sprechen von etwas,
 
27:35 das offensichtlich außerordentlich wichtig ist,
weil sie dem Ihr Leben gewidmet haben.
  
27:38  
 
27:41 Und als Schüler
 
27:48 habe ich vieles aufgegeben,
nur um hierher zu kommen.
  
27:55 Ist es Ihre Schuld,
 
27:58 der Sie mit mir kommunizieren,
 
28:02 dass ich es nicht sofort verstehe?
Verstehen Sie?
  
28:07 Oder liegt es daran,
 
28:12 dass ich nicht fähig bin,
Ihnen wirklich zuzuhören?
  
28:15  
 
28:18 Angenommen, ich bin unfähig zuzuhören,
was kann man dann tun?
  
28:22  
 
28:26 Dann kann man nichts machen.
 
28:30 Sehen Sie,
das ist das Problem.
  
28:33 Wenn ich nicht zuhören kann,
weil ich voller Vorteile bin und
  
28:36  
 
28:41 Meinungen, Urteile, Abwehr,
alles, was sich so aufgebaut hat,
  
28:45 werde ich Ihnen
einfach nicht zuhören.
  
28:47 Sagen wir,
 
28:51 hier kommt jemand, der manche
seiner Abwehrmechanismen überwunden hat,
  
28:55 aber der nicht alle Mechanismen
durchschaut hat.
  
28:58 Es ist nicht alles so einfach.
 
29:01 Ich glaube,
es ist einfach.
  
29:03 Ich glaube, es ist
erschreckend einfach, irgendwie.
  
29:17 Ich glaube,
wenn ich zuhören könnte
  
29:25 mit meinem ganzen Sein, meiner
ganzen Aufmerksamkeit, würde es stattfinden.
  
29:30 So einfach ist es,
glaube ich.
  
29:45 Sehen Sie, Sir,
 
29:51 Sie sagen mir etwas
und ich nehme es auf.
  
29:54 Also gibt es eine Zeitspanne zwischen
Ihrem Sprechen und meinem Aufnehmen.
  
29:56 – Ist das klar?
– Ja.
  
30:00 Und in dieser Zeitspanne
 
30:06 liegt die Gefahr.
 
30:12 Wenn ich es nicht aufnehme, sondern total
zuhöre mit meinem ganzen Sein, ist es erledigt.
  
30:23 Liegt es daran,
 
30:25 dass darin nicht die Spur
eines Vergnügens zu finden ist?
  
30:31 Verstehen Sie?
 
30:34 Sie bieten mir keinerlei Vergnügen an,
nichts, was mir Befriedigung verspricht.
  
30:40 Sie sagen,
"Es ist so. Nimm es!"
  
30:45 Aber mein Geist ist so
 
30:51 auf Vergnügen eingestellt.
 
30:53 Das Zuhören
muss Vergnügen bereiten.
  
30:57 – Verstehen Sie?
– Ja.
  
31:01  
 
31:05 Ich höre nicht zu, wenn mir etwas nicht
totale Befriedigung verspricht.
  
31:12 Ich bin mir auch
der Gefahr dessen bewusst.
  
31:15 – Gefahr? – Des Suchens nach Befriedigung,
Vergnügen. Also sage ich, "Okay,
  
31:16  
 
31:20 ich lasse das.
Ich sehe, was ich tue."
  
31:25 Also höre ich auch damit auf:
kein Vergnügen,
  
31:30 keine Belohnung, keine Bestrafung beim
Zuhören, sondern nur reines Beobachten.
  
31:37 Wir sind wieder da angelangt:
 
31:40 Ist reines Beobachten,
also wirkliches Zuhören,
  
31:42 ist dieses reine Beobachten
 
31:48 Liebe?
 
31:53 Ich glaube,
dass es das ist.
  
32:02 – Wiederum …
– Wiederum was?
  
32:04 Sie haben es beschrieben,
 
32:08 und mein Geist sagt,
 
32:11 ich als gewöhnlicher Mensch, bin hergekommen,
mein Geist sagt sofort, "Geben Sie es mir!
  
32:15 Sagen Sie mir
was ich tun soll!"
  
32:20  
 
32:24 Wenn ich Sie frage, was ich tun soll,
bin ich wieder im Bereich des Wissens.
  
32:28 Das passiert sofort.
 
32:34 Also weigere ich mich,
zu fragen, was ich tun soll.
  
32:40 Wo stehe ich dann?
 
32:46 Sie haben mir gesagt,
 
32:49 Wahrnehmung
 
32:54 ohne irgendeine Absicht, Richtung,
reine Wahrnehmung ist Liebe.
  
32:59 Und diese Wahrnehmung, Liebe,
ist Intelligenz.
  
33:03 Es sind nicht drei verschiedene Dinge,
sie sind ein und dasselbe.
  
33:09 Ich habe dafür ein Gefühl.
 
33:14 Sie haben mich sehr sorgfältig
dahin geführt. Nicht "geführt",
  
33:18 es mir sorgfältig aufgezeigt,
Schritt für Schritt.
  
33:20 Und ich bin da angelangt,
ich habe ein Gefühl dafür.
  
33:28 Ich bin empfänglich genug,
 
33:35 weil ich dem zugehört habe.
 
33:37 Ich bin an dem Punkt, wo ich das Gefühl habe,
"Mein Gott, das stimmt!"
  
33:44 Aber es geht so schnell
wieder weg.
  
33:49 Dann fange ich an:
"Wie komme ich da wieder hin?"
  
33:54 Die Erinnerung ist da,
und das ist Wissen,
  
34:01 und sie verhindert es.
 
34:10 Sie sagen also, dass jedesmal,
wenn Kommunikation stattfindet,
  
34:12 fängt das Wissen zu arbeiten an,
 
34:16 und zwar auf viele
verschiedene Weisen.
  
34:22 Sehen Sie, es ist enorm schwierig,
frei zu sein von Wissen.
  
34:26 Ja.
Man könnte fragen,
  
34:31 warum das Wissen nicht wartet,
 
34:36 bis es gebraucht wird.
 
34:39 Ah, dazu braucht es,
 
34:43 Das heißt,
 
34:47 im Psychischen
 
34:49 frei sein von Wissen,
 
34:52 und stattdessen
 
34:54 wenn eine entsprechende
Situation auftaucht,
  
34:59 handelt man
aus dem Freisein,
  
35:00 nicht aus dem Wissen heraus. – Das Wissen
stellt lediglich Information zur Verfügung.
  
35:04 Es dient dem Handeln als Orientierung,
es steuert es nicht.
  
35:09 Das ist,
 
35:11 um es in ganz knappen Worten zu sagen,
Freiheit vom Wissen.
  
35:14 Und wer frei ist,
 
35:21 kommuniziert
von dieser Freiheit aus,
  
35:26 nicht aus dem Wissen.
– Ja.
  
35:30 Das heißt,
 
35:32 aus der Leere
 
35:34 gibt es
 
35:36 Kommunikation.
 
35:39 Man gebraucht
immer noch Worte,
  
35:42 Sprache, die aus Wissen heraus
entstanden ist, aber
  
35:44 es geschieht aus diesem
 
35:48 Zustand vollkommener Freiheit.
 
35:52 Ja.
Und jetzt
  
35:57 findet Kommunikation statt,
 
36:00 und zwar über
die Bedeutungslosigkeit von Wissen,
  
36:04 von psychischem Wissen.
Das ist die Kommunikation. – Ja.
  
36:06  
 
36:13 Nun Sir,
kann ich mit Ihnen kommunizieren
  
36:20 aus Freiheit heraus?
Angenommen,
  
36:22 ich bin als Mensch
zu diesem Punkt gekommen,
  
36:28 wo in mir
 
36:31 vollständige Freiheit
von Wissen herrscht,
  
36:35 und aus dieser Freiheit heraus
 
36:42 findet eine Kommunikation
 
36:45 mithilfe von Worten statt.
Nun,
  
36:48 werden Sie, ein Wissenschaftler,
eine große
  
36:53 wissenschaftliche Berühmtheit usw.,
 
36:59 ich will nicht …
Ich bin einfach höflich, werden Sie
  
37:02 mit mir kommunizieren?
Kann ich mit Ihnen kommunizieren
  
37:05 ohne eine Barriere zwischen uns?
 
37:11 Verstehen Sie, Sir?
 
37:15 Sie verstehen,
ich versuche nicht …
  
37:19 Kann ich
mit einem anderen kommunizieren?
  
37:23 Oder anders gesagt,
 
37:26 da ist ein Mensch,
der vollkommen frei ist von Wissen.
  
37:30 Er benutzt Wissen,
aber nur als Mittel zur Kommunikation.
  
37:38 Kann ich
 
37:41 in einem solchen
Geisteszustand sein,
  
37:43 dass ich
diese Kommunikation empfange?
  
37:48 Ja nun.,
 
37:51 wenn Wissen lediglich
angesehen wird als
  
37:55 Information. Wissen scheint uns aber
mehr zu sein als Information.
  
37:57 Wissen selbst
ist offensichtlich nicht frei.
  
38:03 Und das sieht man
normalerweise nicht.
  
38:06  
 
38:08 – Wissen ist nie frei. – Aber es scheint so,
als könne man frei damit umgehen. – Natürlich.
  
38:09  
 
38:13 Aber es ist nicht frei.
 
38:18 Jede Wissensaktivität
kommt aus der Unfreiheit.
  
38:20 Natürlich. Um mich zu verstehen,
muss ich frei schauen können.
  
38:22 Und Wissen
erschwert das Schauen.
  
38:25 Wissen verhindert das Schauen.
 
38:29 Das ist so offenkundig!
 
38:32 Ab einer gewissen Stufe sieht man das wohl,
aber im allgemeinen sehen Menschen das nicht.
  
38:34  
 
38:38 Sie sehen darüber
einfach hinweg.
  
38:43  
 
38:49 Wenn ich voller Meinungen,
Verurteilungen und Beurteilungen bin,
  
38:55 um mich anschauen zu können, muss ich
frei davon sein. Das ist ganz klar!
  
38:57 Ja, man sieht aber wohl
nur manche Arten von Wissen als
  
39:00  
 
39:01  
 
39:04 gefährlich an, wie Vorurteile,
und man glaubt, andere
  
39:07 sind nicht gefährlich.
– Nein, das ganze Zeug.
  
39:08  
 
39:09 Es ist alles eine Struktur.
 
39:11 Es ist unmöglich, an einer Stelle
Vorurteile zu haben und woanders nicht.
  
39:13 Wie können Sie
 
39:24 mit mir kommunizieren,
 
39:28 der an einem gewissen Punkt angelangt ist,
der es wirklich
  
39:36 wissen will,
hofft,,
  
39:41 danach brennt, zu empfangen, was Sie sagen?
So vollständig, dass es damit erledigt ist?
  
39:47 Bin ich,
 
39:54 der hierher gekommen ist,
wirklich in diesem Zustand?
  
40:06 Oder mache ich mir etwas vor?
 
40:07 – Das ist die andere Sache, Wissen macht sich
ständig etwas vor. – Natürlich.
  
40:10  
 
40:12 Ich würde nicht sagen,
dass ich mir etwas vormache,
  
40:14  
 
40:15 sondern die Tendenz wohnt
dem Wissen inne, sich etwas vorzumachen.
  
40:25 Sir, heißt das,
mein Geist
  
40:32 betrügt sich selbst dauernd?
– Diese Tendenz ist immer da,
  
40:34 wenn Wissen
sich ins Psychische einmischt.
  
40:37 Was kann ich also tun?
Zurück zur alten verdammten Frage.
  
40:38  
 
40:42 Was die Frage der Selbsttäuschung angeht,
da geht es wieder um das gleiche: zuhören.
  
40:45  
 
41:01 Warum hören wir nicht zu?
 
41:03 Warum verstehen wir
 
41:08 diese Sache nicht unmittelbar,
sofort? Warum?
  
41:21 Man kann das erklären,
aber es hilft nichts.
  
41:25  
 
41:29 Woran liegt es?
Alter, Konditioniertheit,
  
41:32 Trägheit. Zehn verschiedene Gründe, die alle
zutreffen. – Das ist oberflächlich. – Sinnlos.
  
41:39 Wäre es nicht möglich,
die tiefere Ursache zu benennen?
  
41:44 Wissen!
Da sind wir wieder bei der selben Sache.
  
41:50  
 
41:56 – Ist es so, dass das Wissen, was das Ich ist …
– Ja, das ist der Punkt.
  
41:58 … das Wissen,
was das Ich ist,
  
42:01 so ungeheuer stark ist?
Unsere Vorstellung davon, nicht tatsächlich.
  
42:07 Ja, ich verstehe.
Es ist nur unsere Vorstellung davon.
  
42:11 Das ist es, was ich sagen wollte,
diese Vorstellung
  
42:14 hat eine ungeheure
Wichtigkeit und Bedeutung.
  
42:20 Wenn jemand
die Vorstellung eines Gottes hat,
  
42:24 gewinnt das
eine ungeheure Macht.
  
42:27 Genauso,
wenn ich mich einer Nation zuordne,
  
42:30 das gibt mir Energie.
– Und es
  
42:32 führt zu einem körperlichen Zustand,
der das
  
42:38 wesentliche Sein des Selbst
 
42:41 zu sein scheint.
 
42:42 Der Mensch erlebt das nicht
 
42:44 lediglich als Wissen, sondern erstmal
fühlt er etwas sehr Mächtiges,
  
42:47 das ihm nicht wie Wissen vorkommt.
– Ja.
  
42:52 Drehen wir uns im Kreis?
 
42:57 Es sieht so aus.
 
43:00 Ich frage mich,
 
43:05 ob es etwas gibt, das kommuniziert
werden könnte zu diesem überwältigenden
  
43:12 Machtgefühl, das mit Wissen
und dem Selbst einherzugehen scheint.
  
43:15 Mit Identifikation.
Das könnte man sich mal anschauen.
  
43:16  
 
43:18  
 
43:21 Ich habe es vergessen, was ist nochmal
die eigentliche Bedeutung von "Identifikation"?
  
43:22  
 
43:26 – Nun, "immer das gleiche".
– Es ist immer das gleiche, ja.
  
43:28 Das ist es,
sehen Sie?
  
43:36 Es ist immer
das gleiche.
  
43:42 Es gibt nichts Neues
unter der Sonne.
  
43:44 Es bedeutet,
das Selbst ist immer das gleiche.
  
43:49 Es versucht,
immer gleich zu bleiben
  
43:55 im wesentlichen,
vielleicht nicht in Einzelheiten.
  
43:57 Das ist wohl,
was beim Wissen schief läuft.
  
43:59  
 
44:02 Wissen versucht,
in sich unverändert zu bleiben, um
  
44:05 Bestand zu haben.
Natürlich, es ist immer dasselbe.
  
44:07  
 
44:09 Wissen will das finden, was beständig ist,
was perfekt ist und immer gleich.
  
44:11  
 
44:15 Sogar unabhängig
vom einzelnen Menschen.
  
44:19 Es ist gewissermaßen
eingebaut in die Funktionsweise der Zellen.
  
44:27 Von da ergibt sich
die Frage:
  
44:37 Ist es möglich,
sich einer Sache zuzuwenden?
  
44:43 Ich nehme mal
das Wort "sorgfältig".
  
44:48 Ist es möglich,
sich einer Sache sorgfältig
  
44:52 zuzuwenden?
 
44:53 "Sorgfalt" im Sinne von
 
44:58 genau sein, gründlich sein.
– Es ist auch mit einem Bemühen verbunden.
  
45:02 Man macht sich die Mühe,
 
45:12 und nimmt das Ganze.
 
45:15 Sir, es muss einen anderen Weg geben,
ohne dieses ganze intellektuelle Zeug!
  
45:28 Wir haben unsere
intellektuellen Fähigkeiten benutzt
  
45:33 und diese intellektuellen Fähigkeiten
haben zu der leeren Wand geführt.
  
45:37 Ich nähere mich
aus verschiedenen Richtungen,
  
45:40 letztendlich ist da die Wand.
Sie ist das Ich.
  
45:43  
 
45:46 Mit meinem Wissen, meinen Vorurteilen
und all dem anderen. Ich.
  
45:56 Und das Ich
will das dann ändern,
  
45:59 aber das ist immer noch
das "Ich".
  
46:03 Es will das selbe bleiben
und gleichzeitig anders sein.
  
46:05 Ja, anders.
Sich andere Kleidung zulegen.
  
46:07 Es ist immer das selbe.
 
46:11 Also,
der Geist,
  
46:20 dem das Ich zugrunde liegt,
ist immer der selbe Geist.
  
46:27 Lieber Gott!
Wieder beim alten!
  
46:30  
 
46:33 Dieses "immer das selbe"
gibt einem viel Kraft.
  
46:38 Ist es möglich, das gehen zu lassen,
dieses "immer das selbe"?
  
46:48 Sehen Sie,
wir haben alles versucht: Fasten,
  
46:51 alle möglichen Techniken,
 
46:56 um von diesem Ich loszukommen
 
46:59 mit seinem Wissen,
seinen Illusionen usw.
  
47:04 Man versucht, sich mit etwas anderem
zu identifizieren; das ist immer noch dasselbe.
  
47:12 Ein ernsthafter Mensch hat also all das probiert
und landet wieder bei der grundlegenden Frage:
  
47:16  
 
47:19 Was bringt diese Wand
vollständig zum Verschwinden?
  
47:33 Ich glaube, Sir,
es ist nur möglich,
  
47:36 wenn dem, was Sie sagen, meine
vollständige Aufmerksamkeit widmen kann.
  
47:44 Es gibt kein anderes Mittel,
um diese Wand niederzureißen.
  
47:50 Weder der Verstand noch Emotionen,
nichts von diesen Sachen.
  
47:54 Wenn jemand,
der sich
  
47:55 jenseits der Wand befindet, dadurch
gegangen ist, sie niedergerissen hat,
  
47:59 sagt,
"Um Gottes Willen, hör zu!"
  
48:22 Wenn ich Ihnen zuhöre,
ist mein Geist leer.
  
48:39 Damit ist es erledigt!
Verstehen Sie, was ich sage?
  
48:50 Im allgemeinen
wird man denken, okay,
  
48:52 es ist erledigt, aber etwas
wird passieren und es wird zurückkommen.
  
48:59 Mir fehlt jedes Gefühl
für die Hoffnung darauf, zurückzukommen
  
49:05 oder es in Zukunft
noch zu haben.
  
49:08 Es ist leer
und deshalb lauschend.
  
49:14 Es ist erledigt.
 
49:48 Wir sollten aufhören. Wir sind
an einem Punkt angelangt. Es ist egal.
  
49:53 Fünf Minuten sind genug.
 
50:17 Sir, ich möchte es mal
von einer anderen Seite angehen.
  
50:21 Sie sind ein Wissenschaftler.
 
50:27 Um etwas Neues
zu entdecken,
  
50:34 müssen Sie
in sich eine gewisse
  
50:42 Leere haben,
 
50:47 aus der heraus
Sie eine andere Wahrnehmung haben.
  
50:50 Der Unterschied ist der, dass die
Fragestellung üblicherweise begrenzt ist.
  
50:57 – Und bezüglich dieser Frage mag der Geist
leer sein. – Eine spezielle Frage, ja.
  
51:01 Und erlaubt Entdeckungen
und Einsichten bezüglich dieser Frage.
  
51:03 Ja, gut,
 
51:11 dieser Geist hat sich spezialisiert
und kann deshalb,
  
51:14  
 
51:17 wenn er etwas erforschen will,
leer werden und
  
51:24 aus dieser Leere heraus etwas
Neues entdecken. Das verstehe ich. Aber,
  
51:30 ohne irgendeine
Spezialisierung
  
51:36 ist diese Leere
 
51:40 dann offen für alles andere?
 
51:42 Ich weiß nicht.
 
51:43 Aber
wir müssen bedenken,
  
51:46 dass wir nicht ein spezielles Gebiet
neu betrachten wollen,
  
51:50 sondern das gesamte Gebiet
des Wissens.
  
51:57 Es ist etwas Außerordentliches,
wenn man es versucht.
  
52:02 Und das ist
das Ende des Wissens, Vedanta.
  
52:05 Das ist
die wirkliche Antwort.
  
52:13 Wenn jemand diese wissenschaftliche Haltung
zur Gesamtheit des Wissens einnehmen kann …
  
52:16  
 
52:18 Oh, natürlich.
 
52:25 Aber wir halten Wissen für erforderlich,
um anderes Wissen infrage zu stellen.
  
52:27  
 
52:29  
 
52:32 Einige würden wohl
verstört fragen,
  
52:34 "Mit welchem Wissen
soll ich mein Wissen infrage stellen?"
  
52:36 Ja. Mit welchem Wissen
stelle ich mein Wissen infrage? Genau.
  
52:54 Unser Wissen kommt
vom Durchschauen der Struktur.
  
52:55 Wir haben sie logisch, rational untersucht
und gesehen, dass sie
  
53:00  
 
53:03 unvernünftig ist,
in sich widersprüchlich und
  
53:06 ohne Bedeutung.
Das Gebilde des psychischen Wissens
  
53:10 hat keine Bedeutung.
Das haben wir irgendwie hinter uns.
  
53:15 Würden Sie dann sagen,
von da aus,
  
53:17 aus dieser Leere heraus:
 
53:22 Gibt es einen Grund
 
53:25 oder eine Quelle,
von der aus alles seinen Anfang nimmt?
  
53:32 Materie,
Menschen,
  
53:37 ihre Fähigkeiten, ihre Dummheiten,
die ganze Bewegung beginnt da.
  
53:42 Ja, so könnte man
es sicherlich sehen.
  
53:48 Versuchen wir mal,
 
53:52 das klarer zu fassen.
Wir haben also die Leere. – Ja,
  
53:54 Leere ohne jegliche Bewegung
des Denkens
  
53:57 in Form von Wissen.
 
54:02 – In Form von psychischem Wissen.
– Natürlich.
  
54:04 Okay. So,
 
54:08 nun dann
– Und deshalb
  
54:13 keine Zeit.– Keine psychische Zeit.
– Ja, keine psychische Zeit.
  
54:14 – Wir haben dennoch Uhren.
– Ja, natürlich.
  
54:16  
 
54:17 Darüber sind wir hinaus.
 
54:19 Ich meine nur, dass
 
54:22 Worte verwirren können,
verschiedene Bedeutungen haben.
  
54:25 Psychische Zeit. Es gibt keine psychische Zeit,
keine Bewegung des Denkens.
  
54:29 Und
 
54:36 ist diese Leere
 
54:45 der Anfang aller Bewegung?
 
54:47 Ist dann die Leere
der Grund?
  
54:49 Das ist meine Frage.
Lassen Sie uns da langsam vorgehen.
  
54:52 Oder sollen wir
das verschieben?
  
54:55 – Vielleicht sollten wir das behutsamer angehen.
– Behutsam, richtig. Wir hören besser auf.
  
54:57  
 
55:15 Nur noch eins.
In Kalifornien sagten wir,
  
55:19 da ist diese Leere
und jenseits davon ist der Grund.
  
55:24 – Genau. Darüber ein andermal.
– Wir lassen es jetzt mal.
  
55:26  
 
55:27 – Wann treffen wir uns wieder?
– Übermorgen,
  
55:31 am Samstag.
– In zwei Tagen. – Ja.
  
55:38 In Ordnung, Sir.