Krishnamurti Subtitles

Können die menschlichen Probleme gelöst werden?

Brockwood Park - 27 September 1980

The Ending of Time 15



0:31 Krishnamurti: Sir, ich würde gerne,
 
0:36 ein Thema besprechen, das wir schon
vor ein paar Tagen angeschnitten haben.
  
0:46 Wir haben
einen kultivierten Geist,
  
0:51 der fast jedes
technische Problem lösen kann.
  
1:02 Und
 
1:04 offenkundig
 
1:07 haben wir
die menschlichen Probleme nie gelöst.
  
1:11 Die Menschen werden
 
1:14 überschwemmt
von ihren Problemen.
  
1:18 Probleme der Kommunikation,
der Ansammlung des Wissens,
  
1:21 Beziehungsprobleme,
 
1:24 Probleme
mit Himmel und Hölle.
  
1:26 Die gesamte menschliche Existenz
ist zu einem einzigen riesigen,
  
1:32 komplexen Problem geworden.
 
1:35 Und offenbar
 
1:37 ist es schon immer so gewesen.
 
1:44 Und der Mensch
 
1:48 ist trotz seines Wissens,
 
1:51 trotz der
 
1:55 viele Jahrhunderte
langen Evolution,
  
1:57 ist er nie
frei von Problemen gewesen.
  
2:03 D. Bohm: Ja,
 
2:06 und ich würde ergänzen,
unlösbaren Problemen.
  
2:09 Ich bezweifle,
dass menschliche Probleme
  
2:13 unlösbar sind.
– So wie sie jetzt erscheinen.
  
2:14 Natürlich. Jetzt
 
2:17 sind diese Probleme so
 
2:20 komplex geworden, so
 
2:25 unfassbar schwer zu lösen,
so wie es aussieht.
  
2:31 Kein Politiker, Wissenschaftler
oder Philosoph wird sie lösen können,
  
2:36 außer durch Kriege.
Keiner von denen kann sie lösen.
  
2:40 Also,
 
2:41 warum war
der menschliche Geist
  
2:46 nirgendwo auf der Welt
 
2:50 fähig, die menschlichen,
 
2:54 alltäglichen
 
2:57 Probleme
 
3:01 des Lebens zu lösen?
 
3:07 Welche Dinge haben die Lösung
dieser Probleme verhindert? Total!
  
3:12 Liegt es daran
 
3:15 dass wir uns ihnen
nie gewidmet haben?
  
3:18 Wir verbringen
unsere Tage und
  
3:23 wahrscheinlich
die halbe Nacht damit,
  
3:26 über technische Probleme nachzudenken,
und wir haben keine Zeit für das Andere?
  
3:31 Daneben glauben viele, das Andere
sollte sich selbst um sich kümmern.
  
3:34 Ich glaube,
viele Menschen
  
3:39 schenken diesen Problemen
kaum Beachtung.
  
3:42 Warum, warum?
 
3:45 Mir ist das sehr wichtig,
weil
  
3:55 in einer Schule wie dieser
 
3:57 oder bei all den Menschen,
vor denen wir sprechen,
  
4:02 die menschlichen Probleme
 
4:04 unverändert bestehen bleiben.
 
4:11 Und ich überlege,
 
4:15 frage
 
4:17 in diesem Gespräch,
ob es möglich ist,
  
4:18 überhaupt keine Probleme
zu haben.
  
4:24 Menschliche Probleme.
 
4:26 Technische Probleme
können wir lösen.
  
4:30 Aber die menschlichen
Probleme scheinen
  
4:32 unlösbar zu sein.
 
4:34 Warum?
 
4:37 Liegt es an unserer Erziehung?
 
4:43 Liegt es an unserer
 
4:46 tief verwurzelten Gewohnheit,
 
4:50 dass wir die Dinge hinnehmen,
wie sie sind?
  
4:56 Das erklärt es sicher zum Teil.
 
5:00 Mit zunehmendem Alter der Zivilisation
häufen sich diese Probleme.
  
5:05 Immer mehr
werden die Dinge hingenommen,
  
5:09 die Schwierigkeiten machen.
 
5:10 Zum Beispiel existieren heute
weit mehr Staaten als je zuvor
  
5:14 und jeder einzelne von ihnen
schafft neue Probleme.
  
5:19 – In früheren Zeiten war es …
– Aus jedem verrückten kleinen
  
5:21  
 
5:25 Volksstamm wird ein Staat. – Und dann
müssen sie ihre Nachbarn bekämpfen.
  
5:28 Und sie haben diese wunderbare Technologie,
um einander umzubringen.
  
5:31 Aber wir sprechen
über die menschlichen Probleme,
  
5:39 Probleme mit den Beziehungen,
 
5:42 Probleme der Menschen
mit dem
  
5:45 Mangel an Freiheit,
 
5:47 diesem ständigen Gefühl von
Unsicherheit, Angst.
  
5:51 Sie wissen, was ich meine,
der menschliche Kampf,
  
5:54 arbeiten müssen
 
5:57 für seinen Lebensunterhalt
das ganze Leben lang.
  
6:01 Es sieht alles ungemein falsch aus,
die ganze Sache.
  
6:06 Man hat den Blick dafür verloren.
 
6:08 Im allgemeinen nehmen die Menschen
die Situation hin, in der
  
6:13 sie sind und versuchen,
das Beste daraus zu machen,
  
6:17 einige kleinere Probleme zu lösen,
 
6:19 um ihre Lage
erträglicher zu machen.
  
6:22 Sie schauen sich nicht ernsthaft genug
die Gesamtsituation an.
  
6:28 – Die religiösen Leute haben der Menschheit
ein gewaltiges Problem aufgebürdet. – Ja.
  
6:33 Auch sie versuchen,
Probleme zu lösen.
  
6:38 Jeder hat seinen eigenen
kleinen Bereich,
  
6:42 löst, was er kann,
und das verschlimmert das Chaos.
  
6:46 Chaos, das finde ich auch.
Wir Menschen leben in einem Chaos.
  
6:56 Ich will wissen,
ob ich
  
6:57 ab jetzt ohne
ein einziges Problem leben kann.
  
7:02 Ist das möglich?
 
7:09 Vielleicht sollten wir diese Dinge
gar nicht "Probleme" nennen.
  
7:14 Ein Problem wäre etwas,
das man irgendwie
  
7:20 lösen kann. Wer es als Problem ansieht,
ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen,
  
7:24 glaubt, dass es
irgendwie machbar ist. Richtig? Technisch.
  
7:28  
 
7:33 Im Psychischen kann man
nicht so vorgehen,
  
7:36 ein Ergebnis vorgeben und versuchen,
das zu erreichen.
  
7:42 Was liegt all dem zugrunde?
 
7:45 Was ist die Ursache
dieses menschlichen Chaos?
  
7:52 Wir sprechen darüber
schon seit langem.
  
7:58 Ich versuche, es mal
von einer anderen Seite aus anzugehen,
  
8:03 und frage,
ob Probleme auch ganz aufhören können.
  
8:28 Sehen Sie,
ich persönlich weigere mich,
  
8:34 Jemand könnte das
in Frage stellen und sagen,
  
8:36 dass es
Herausforderungen gibt.
  
8:41 Das ist kein Problem. Vor ein paar Tagen
stand ich vor einer sehr ernsten Herausforderung.
  
8:43  
 
8:47 Es braucht da eine Klarstellung.
Ein Teil der Schwierigkeiten
  
8:50 liegt an der
Unklarheit der Sprache.
  
8:54 – Nicht nur Sprache.
– Alles damit verbundene.
  
8:56 Nicht nur Sprache. Es ist eine Frage
der Beziehung und des Handelns.
  
9:02 An diesem Tag
kam ein Problem auf.
  
9:06 Es betraf
 
9:09 sehr viele Menschen.
 
9:13 Und ein geeignetes Handeln
musste gefunden werden.
  
9:21 Ich persönlich habe das
nicht als Problem betrachtet.
  
9:24 Wir müssen das genau erklären,
 
9:27 weil ohne Beispiel …
– Mit "Problem" meine ich
  
9:29 etwas,
das gelöst werden muss,
  
9:32 worüber man sich sorgt,
 
9:34 etwas, womit man
ständig beschäftigt ist.
  
9:36 Man hinterfragt, findet Antworten,
zweifelt, ist unsicher,
  
9:40 unternimmt etwas,
das man nachher wieder bereut.
  
9:46 Betrachten wir mal technische Probleme,
da wurde zuerst etwas als Problem angesehen.
  
9:48  
 
9:52 Es gibt eine Herausforderung,
etwas muss bewältigt werden,
  
9:55 ein sogenanntes "Problem".
 
9:57 Wir nennen das dann "Problem".
 
9:59  
 
10:01 Das Wort "Problem"
bedeutet etwas "Vorgelegtes",
  
10:04 eine mögliche Lösung,
die man erreichen will.
  
10:07 Oder ich weiß nicht,
mit einem Problem umzugehen.
  
10:11 Das kommt hinzu. Wenn man ein Problem
hat und nicht damit umgehen kann, …
  
10:13  
 
10:17 Dann fragt man alle möglichen Leute
und wird dabei immer verwirrter.
  
10:19 Das unterscheidet sich schon
vom technischen Problem,
  
10:23 wo man normalerweise
eine Vorstellung hat,
  
10:28 was zu tun ist.
 
10:35 – Haben wir das?
– Was? Technische Probleme?
  
10:38 Technische Probleme
sind ziemlich einfach.
  
10:42 Sie sind oft herausfordernd
und erfordern es,
  
10:45 seine Vorstellungen zu ändern.
 
10:48 Darauf will ich hinaus.
 
10:51 Auch ein technisches Problem
kann das erzwingen. Aber sehen Sie,
  
10:53  
 
10:57 wenn Sie ein technisches Problem haben,
dann sagen Sie,
  
11:01 "Ich sehe eine mögliche Lösung."
 
11:05 Wenn Nahrungsmittel fehlen, muss man mehr
erzeugen und Möglichkeiten dafür entwickeln.
  
11:08 – Das können wir! – Ja, und wir könnten auch
vollkommen neue Ideen entwickeln.
  
11:10  
 
11:14 Können wir das auch
im Psychischen?
  
11:18 Ja, darum geht es.
 
11:25 Wie behandeln wir dieses Ding?
 
11:28 Was für Probleme
sollen wir anschauen?
  
11:32 – Menschliche Probleme.
– Probleme welcher Art?
  
11:33  
 
11:35 Irgendeins der Probleme,
die in Beziehungen auftauchen.
  
11:39 Menschen können sich nicht einigen,
sie bekämpfen sich.
  
11:41 Ja, nehmen wir das
als einfaches Beispiel.
  
11:44 In unseren Gesprächen hier
 
11:47 mit den Menschen
 
11:50 scheint es
 
11:51 fast unmöglich zu sein,
 
11:55 gemeinsam zu denken,
zu einer
  
11:57 übereinstimmenden Sicht der Dinge,
der selben Einstellung zu kommen,
  
12:07 ohne Meinungen anderer
einfach zu übernehmen, sondern
  
12:09 eine normale, gesunde Haltung
dazu zu finden.
  
12:15 Und jeder Einzelne
 
12:18 besteht auf seiner Meinung,
 
12:21 während andere
ihm widersprechen.
  
12:23 So ist es jedesmal,
 
12:30 sowohl in der Welt
als auch hier.
  
12:33 – Für uns ist also das Problem,
gemeinsam zu arbeiten, zu denken. – Ja,
  
12:36 gemeinsam arbeiten,
gemeinsam denken,
  
12:41 miteinander kooperieren,
ohne
  
12:48 dass es um Geld ginge.
 
12:51 Wenn sie gut genug bezahlt werden,
arbeiten Menschen auch zusammen.
  
12:54 – Natürlich, so ist es.
– Nur
  
12:56 wenn die Umstände anders sind,
als wir wollen,
  
13:00 haben wir ein Problem.
– Ja, richtig.
  
13:01 Nun,
 
13:05 wie löst man so ein Problem?
 
13:08 Ich äußere meine Meinung
 
13:10 und Sie und er,
 
13:12 alle haben eine Meinung,
 
13:15 und so
 
13:16 kommen wir
 
13:19 nicht zusammen!
– Nein.
  
13:21 Was sollen wir also tun?
 
13:24 Und es scheint fast unmöglich,
seine eigene Meinung aufzugeben.
  
13:28 Das ist eine der Schwierigkeiten.
 
13:31 Es hat keinen Sinn zu sagen,
ich solle meine Meinung aufgeben.
  
13:34 Man kann das eigentlich nicht
als Problem bezeichnen,
  
13:40 wie das geht,
die eigene Meinung aufzugeben.
  
13:43 Nein, natürlich nicht.
 
13:47 Aber es ist eine Tatsache.
 
13:51 Also,
 
13:53 wir wissen das
 
13:56 und sehen die Notwendigkeit,
dass wir alle
  
14:00 auf einen Nenner kommen.
 
14:04 Wenn man das den anderen sagt,
wird es für sie zu einem Problem.
  
14:09 Weil es ihnen schwerfällt,
ihre Meinung aufzugeben.
  
14:13 Meinungen,
Vorurteile,
  
14:17  
 
14:20 ihre Schlussfolgerungen,
ihre Wunschbilder, Glaubenssätze, all das.
  
14:22 Es mag gar nicht aussehen
wie eine Meinung …
  
14:25 – Sie nennen es Tatsache.
– Tatsache oder Wahrheit.
  
14:28 Was sollen wir also tun?
 
14:36 Wenn man einsieht,
 
14:40 dass es wichtig
für die Menschen ist,
  
14:43 zusammenzuarbeiten,
 
14:45 nicht für eine Wunschvorstellung,
 
14:47 für einen Glauben, einen Gott
oder ein höheres Prinzip, sondern
  
14:51 die Wichtigkeit,
 
14:55 die Notwendigkeit
des Zusammenarbeitens.
  
15:05 In den Vereinten Nationen
arbeiten sie nicht zusammen.
  
15:09 In Indien
arbeiten sie nicht zusammen.
  
15:13 In keinem Land arbeiten
 
15:17 die Menschen zusammen.
 
15:18 Dazu kommt, dass wir
 
15:21 nicht nur Meinungen haben,
sondern auch Eigeninteressen.
  
15:25 Das ist fast das gleiche.
 
15:28 All das,
 
15:29 und
es wird zu einem Problem.
  
15:33 Man nennt es ein Problem.
 
15:39 Solange zwei Menschen
mit verschiedenen Eigeninteressen
  
15:43 diese beibehalten wollen,
können sie nicht zusammenarbeiten.
  
15:46 Richtig, aber nehmen wir
einen Ort wie diesen,
  
15:49 wo es eine Gruppe
von Menschen gibt
  
15:53 und es wichtig ist
zusammenzuarbeiten.
  
15:56 Sogar in einem Dorf, einem kleinen Land
müssen wir alle zusammenarbeiten.
  
16:03 Und es sieht so aus,
als sei es unendlich schwierig.
  
16:08 Ja,
 
16:09 wo können wir da ansetzen?
 
16:13 – Darüber möchte ich reden.
– Dann reden wir darüber.
  
16:26 Wenn Sie mich
darauf hinweisen,
  
16:31 dass wir
zusammenarbeiten müssen,
  
16:34 und
 
16:36 Sie zeigen mir,
wie wichtig das ist
  
16:39 und ich sehe,
dass es wichtig ist,
  
16:45 trotzdem kann ich es nicht!
– Darum geht es.
  
16:48 Einzusehen, dass es wichtig ist
und es zu wollen, genügt nicht.
  
16:53 Normalerweise, wenn Einsicht
und Wille da sind, dann tue ich es.
  
16:55  
 
16:58 Aber ich kann nicht!
 
16:59 Ein neuer Faktor erscheint.
 
17:01 Ein Mensch hat die Einsicht, die Absicht
und kann trotzdem nicht.
  
17:04  
 
17:06 – Das erscheint ihm als Problem!
– Ja, jedem.
  
17:08 Ja, jedem.
 
17:13 Warum können wir
unsere Absichten nicht umsetzen?
  
17:16 Wir sehen die Wichtigkeit,
wollen und können nicht.
  
17:18 – Es ist rätselhaft.
– Man kann
  
17:21 viele Gründe dafür finden,
 
17:24 aber diese
 
17:26 Gründe, Ursachen und Erklärungen
lösen das Problem nicht,
  
17:28 helfen uns nicht
beim Verständnis.
  
17:32 Wir kommen immer wieder
zum selben zurück: Was bringt
  
17:35 einen menschlichen Geist dazu,
 
17:39 sich zu verändern?
 
17:40 Er sieht die Notwendigkeit
und ist doch
  
17:43 unfähig oder unwillig,
sich zu verändern.
  
17:54 Welcher Faktor wird gebraucht?
Ein neuer Faktor ist notwendig.
  
18:01 Ich glaube,
es ist Wahrnehmung,
  
18:03 die Fähigkeit zu beobachten,
 
18:07 was es auch ist, das
 
18:10 ihn zurückhält, ihn daran hindert,
sich zu verändern.
  
18:14 Sir, ist Aufmerksamkeit
der neue Faktor?
  
18:21 Ja, das meinte ich,
Aufmerksamkeit, aber
  
18:23 wenn man das
in einer Gruppe anspricht,
  
18:28 welche Art von Aufmerksamkeit
meinen Sie?
  
18:33 Wir können darüber reden,
was Aufmerksamkeit ist.
  
18:37 Man versteht
verschiedenes darunter.
  
18:40 Offensichtlich, wie immer
 
18:46 gibt es auch darüber
viele Ansichten.
  
18:55 Könnten wir,
Sie und ich,
  
19:01 sehen,
 
19:03 was Aufmerksamkeit ist?
 
19:10 Ich empfinde es so wie in einem Brief,
den ich heute erhielt,
  
19:16 in dem
 
19:17 die Person schreibt:
 
19:20 Wo Aufmerksamkeit ist,
gibt es kein Problem.
  
19:25 Wenn Unaufmerksamkeit herrscht,
 
19:26 taucht alles mögliche auf.
 
19:36 Ohne dass wir jetzt
 
19:40 daraus ein Problem machen:
 
19:44 Was meinen wir
mit Aufmerksamkeit?
  
19:46 So dass ich es verstehe,
 
19:48 nicht nur als Beschreibung,
 
19:51 intellektuell, sondern tief
 
19:54 in meinem Inneren das Wesen
der Aufmerksamkeit verstehe,
  
19:58 in welcher gar kein Problem
existieren kann.
  
20:12 Es ist jedenfalls
nicht Konzentration.
  
20:17 Das haben wir untersucht.
 
20:20 Das haben wir untersucht.
 
20:23 Es ist offensichtlich auch kein
 
20:26 Bemühen,
keine Erfahrung,
  
20:31 keine Anstrengung,
aufmerksam zu sein.
  
20:34 Sondern Sie
 
20:36 zeigen mir
 
20:38 das Wesen der Aufmerksamkeit,
 
20:43 das heißt: Wo Aufmerksamkeit ist, gibt es
kein Zentrum, von dem aus ich aufmerksam bin.
  
20:49 Das ist eine
schwierige Angelegenheit.
  
20:51 Natürlich. Lassen Sie uns
kein Problem daraus machen.
  
20:54 Nein, aber ich bemühe mich
schon lange um dieses Thema.
  
21:01 Ich finde,
 
21:04 dass
 
21:06 erstmal unklar ist,
was mit Aufmerksamkeit gemeint ist, weil
  
21:09 jemand beim Betrachten
 
21:13 des gedanklichen Inhalts glauben könnte,
er sei aufmerksam.
  
21:16 Nein, im Aufmerksamsein
gibt es keine Gedanken.
  
21:19 Aber wie beendet man
das Denken?
  
21:25 Während des Denkens
besteht der Eindruck,
  
21:28 man sei aufmerksam.
Das ist aber nicht Aufmerksamkeit.
  
21:32 – Man denkt, man sei aufmerksam.
– Nein.
  
21:36 Wer annimmt,
er sei aufmerksam, irrt sich.
  
21:43 Nein,
aber viele glauben das.
  
21:46 Wie können wir vermitteln,
was es heißt, wirklich aufmerksam zu sein?
  
21:51 Oder meinen Sie,
 
21:54 um herauszufinden,
was Aufmerksamkeit ist,
  
21:56 reden wir besser darüber,
was Unaufmerksamkeit ist?
  
22:00 Es herausfinden
durch das Untersuchen des Gegenteils.
  
22:05 Wenn ich
 
22:07 unaufmerksam bin,
 
22:10 was findet da statt?
 
22:17 Wenn ich unaufmerksam bin, …
 
22:23 Dann findet
alles mögliche statt.
  
22:28 Nein, viel mehr als das.
 
22:35 Wenn ich
unaufmerksam bin,
  
22:40 fühle ich mich
 
22:42 einsam,
 
22:43 verzweifelt, niedergeschlagen,
ängstlich usw.
  
22:46 Der Verstand beginnt sich aufzulösen
und wird verwirrt.
  
22:50 Aufsplitterung findet statt.
 
22:54 Oder,
 
22:55 ich identifiziere mich
 
22:59 aus Gründen mangelnder Aufmerksamkeit
mit allen möglichen Dingen.
  
23:03 Es kann auch angenehm sein.
 
23:08 – Natürlich, es ist immer angenehm.
– Naja, es kann auch schmerzhaft sein.
  
23:11 Ich merke
im Nachhinein,
  
23:14 dass das vorher Angenehme
 
23:17 jetzt schmerzhaft geworden ist.
 
23:21 All das ist eine Bewegung,
 
23:25 in der Aufmerksamkeit
abwesend ist.
  
23:28 Richtig?
 
23:34 – Wird es irgendwie klarer?
– Ich weiß nicht.
  
23:42 Ich glaube, Aufmerksamkeit ist wirklich
die Lösung all dessen.
  
23:52 Ein Geist,
der wirklich aufmerksam ist,
  
23:57 der wirklich das Wesen
der Unaufmerksamkeit verstanden hat
  
24:02 und
 
24:05 sich davon weg bewegt.
 
24:07 Was ist denn das Wesen
der Unaufmerksamkeit?
  
24:10 Das Wesen der Unaufmerksamkeit?
 
24:14 Trägheit,
 
24:17 Nachlässigkeit,
 
24:25 Ich-Bezogenheit,
innere
  
24:29 Widersprüchlichkeit,
das gehört alles zur Unaufmerksamkeit.
  
24:33 Aber vielleicht sagt ein selbstbezogener Mensch,
er ist gegenüber sich selbst aufmerksam.
  
24:37 Er sagt,
ich habe Probleme
  
24:40 und ich kümmere mich darum.
 
24:46 Ah ja,
Sie benutzen das, ja.
  
24:52 Wenn in mir
ein Widerspruch vorliegt
  
24:55 und ich dem dann
Aufmerksamkeit widme,
  
24:58 um ihn aufzulösen,
das ist nicht Aufmerksamkeit.
  
25:03 Normalerweise meint man,
das sei Aufmerksamkeit.
  
25:06 Nein, das ist lediglich
 
25:07 ein gedanklicher Vorgang,
 
25:12 der sagt,
"Ich bin so, ich sollte anders sein."
  
25:18 Das Bestreben, anders zu sein,
ist also nicht Aufmerksamkeit.
  
25:24 So ist es.
 
25:28 Innerlich etwas werden wollen,
 
25:31 lässt einen
unaufmerksam werden.
  
25:36 Jemand mag denken, er ist aufmerksam,
ist es aber nicht,
  
25:40 wenn er damit
innerlich beschäftigt ist.
  
25:46 Ist es nicht sehr schwer, Sir,
 
25:49 frei zu sein
vom Werden?
  
25:52 – Ist das nicht das Grundlegende?
– Von was frei sein?
  
25:54 Das Werden beenden.
 
26:07 Macht das Sinn, was wir sagen?
Helfen Sie uns!
  
26:15 Kommen wir vorwärts, Sir?
 
26:18 Oder drehen wir uns im Kreis?
 
26:26 Fast jeder hat Probleme
der einen oder anderen Art.
  
26:30 Neben den technischen Problemen,
die lösbar sind,
  
26:33 gibt es die scheinbar unlösbaren
menschlichen Probleme.
  
26:38 Und ich frage, warum.
 
26:42 – Wir sagten, sie widmen sich
ihnen nicht wirklich. – Nein,
  
26:43  
 
26:46 aufmerksam sein wollen,
wird dann zum Problem.
  
26:49 Ja, aber weil
Aufmerksamkeit fehlt,
  
26:51 haben sie
überhaupt erst Probleme.
  
26:54 Und wenn man ihnen das sagt,
wird Aufmerksamkeit zu einem Problem.
  
26:58 Wie geht das,
aufmerksam sein?
  
27:01 Wie hört man damit auf?
 
27:03 Die Schwierigkeit sind die Tricks,
die der Geist anwendet,
  
27:07 um damit zurechtzukommen.
Er macht gerade dasselbe wieder.
  
27:14 Kommen wir wieder zurück.
 
27:20 Ist der Geist,
 
27:23 der so
 
27:25 voller Wissen steckt,
 
27:27 Selbstherrlichkeit,
innere Widersprüche usw.,
  
27:28 dieser Geist,
 
27:34 der menschliche Geist
 
27:36 ist an einen Punkt gekommen,
wo er
  
27:39 im Psychischen
 
27:45 bewegungsunfähig geworden ist.
– Ja, keine Bewegungsmöglichkeit mehr.
  
27:51 Also was?
 
27:57 Was würde ich
 
27:59 einem Menschen sagen,
 
28:02 der an diesem Punkt
angelangt ist?
  
28:08 Bewegen wir uns vorwärts
oder nicht?
  
28:11 Wir fangen an,
die Frage einzukreisen.
  
28:20 Ich komme zu Ihnen.
 
28:23 Ich bin durch und durch verwirrt,
 
28:27 voller Angst
 
28:28 und Verzweiflung,
nicht nur im Hinblick
  
28:34 auf die Welt,
sondern auch bezüglich meiner selbst.
  
28:35 Ich komme an diesen Punkt
 
28:41 und
 
28:43 ich will darüber hinaus.
 
28:48 Also wird es für mich
zu einem Problem.
  
28:52 – Wieder der Versuch, etwas zu werden.
– Ja, genau.
  
28:54 Ist das also
der Ursprung all dessen,
  
28:59 der Wunsch,
etwas zu werden?
  
29:01 Es liegt wohl nahe dran.
Es taucht auf, ohne bemerkt zu werden.
  
29:04 Unaufmerksam sein sieht so aus,
dass man sich
  
29:08 sein Problem anschaut,
 
29:09 das Problem ist das Werdenwollen
und dann will man damit aufhören,
  
29:13 was wiederum
Unaufmerksamkeit ist.
  
29:17 Und das
wird wieder zum Problem.
  
29:18 Wie kann ich mir also,
 
29:21 ohne dass die Bewegung
des Werdenwollens aufkommt,
  
29:31 diese komplexe Angelegenheit
in mir anschauen?
  
29:35 Man muss sich wohl
das Ganze anschauen.
  
29:38 Wir haben nicht das Ganze
des Werdenwollens angeschaut,
  
29:43 als Sie fragten,
wie man aufmerksam ist.
  
29:45 Ein Teil ist wohl entwischt und
 
29:52 wurde dann zum Beobachter.
 
29:56 Sehen Sie, der Fluch liegt im Werdenwollen,
im psychischen Werdenwollen.
  
30:00 Ein armer Mann will reich werden,
ein reicher noch reicher.
  
30:04  
 
30:09 Es ist immer diese Bewegung des Werdens,
sowohl im Außen wie im Inneren.
  
30:17 Obwohl damit viel Schmerz einhergeht
und manchmal auch Vergnügen,
  
30:22 hat dieses Werdenwollen,
Erfüllung suchen,
  
30:27 psychisch
etwas erreichen wollen,
  
30:32 mein Leben zu dem gemacht,
 
30:35 was es ist.
 
30:36 Ich sehe das,
kann jedoch nicht damit aufhören.
  
30:40 Aber warum
kann ich es nicht beenden?
  
30:43 Untersuchen wir das
ein bisschen.
  
30:49 Zum Teil deshalb,
weil ich immer
  
30:54 mit Werden beschäftigt bin
 
30:56 und ich die erwartete
Belohnung haben will.
  
31:01 Außerdem will ich
 
31:03 Schmerz vermeiden.
 
31:05 Strafe und Belohnung.
 
31:06 Zwischen diesen beiden
bin ich gefangen.
  
31:12 Das ist wahrscheinlich ein Grund,
weshalb der Geist immer weiter
  
31:14 versucht,
etwas zu werden.
  
31:20 Der andere ist vielleicht
 
31:22 tiefverwurzelte
 
31:25 Angst, Bedenken.
Wenn ich nicht etwas werde,
  
31:27 nicht etwas bin,
bin ich verloren.
  
31:34 Und ich bin unsicher,
 
31:37 schutzlos.
 
31:41 Also,
der Geist ist diesen
  
31:42 Illusionen verfallen
 
31:51 und sagt, "Ich kann nicht aufhören."
– Ja, aber warum hört der Geist nicht damit auf?"
  
31:54 Wir müssen auch
die Tatsache betrachten,
  
31:59 dass diese Illusionen
gar keine Bedeutung haben.
  
32:05 Wie können Sie mich überzeugen,
 
32:09 dass ich in einer Illusion
gefangen bin? Das ist unmöglich,
  
32:12 außer ich sehe es selbst.
 
32:16 Ich sehe es aber nicht,
weil meine Illusion so ausgeprägt ist.
  
32:22 Diese Illusion
ist genährt worden, kultiviert
  
32:29 von der Religion,
 
32:30 der Familie usw.
 
32:34 Sie ist so tief verwurzelt
in meinem Geist, dass
  
32:37 ich mich weigere loszulassen.
 
32:42 – Dann sieht es unmöglich aus.
– Genau so sieht es aus.
  
32:48 So sieht es aus bei
 
32:51 einer Vielzahl der Menschen.
 
32:54 Sie sagen, "Ich will es tun,
aber ich kann nicht."
  
32:59 Nun,
 
33:00 von dieser Gegebenheit ausgehend,
was kann man machen?
  
33:14 Vielleicht
mit Erklärungen, Logik,
  
33:18 mit dem Hinweis
auf die logischen Widersprüche usw.,
  
33:20 wird ihm das helfen?
 
33:23 Offenkundig nicht.
 
33:25 Nein, es wird einfach
in die bestehende Struktur eingearbeitet.
  
33:30 Offenkundig nicht.
Was ist also die nächste Sache?
  
33:36 Ich vermute,
wenn jemand sich ändern will,
  
33:39 gibt es den entgegengesetzten Willen
automatisch auch. – Natürlich.
  
33:43 Wer sagt,
"Ich will mich ändern",
  
33:47 fragt gleichzeitig,
"Warum soll ich mich eigentlich ändern?"
  
33:51 Das eine
folgt dem anderen.
  
33:57 Dann hat man also
einen Widerspruch.
  
34:00 Ja, das meinte ich,
einen Widerspruch.
  
34:03 – Ich habe in dem Widerspruch gelebt, ihn
akzeptiert. – Warum habe ich ihn akzeptiert?
  
34:05  
 
34:07 Aus Gewohnheit.
 
34:11 Aber ein gesunder Geist
akzeptiert keinen Widerspruch.
  
34:16 Aber unser Geist
ist nicht gesund!
  
34:19 Unsere Gehirne
sind so krank,
  
34:23 so korrupt,
so verwirrt.
  
34:25 Sogar wenn man ihm
die Gefahren aufzeigt,
  
34:31 weigert es sich,
sie zu sehen.
  
34:36 So,
 
34:41 angenommen, ich bin so jemand.
Wie können wir
  
34:44 ihm die Augen öffnen für
 
34:52 die Gefahren des Werdenwollens?
Um es mal so auszudrücken.
  
34:57 Werden im psychischen Sinne.
 
35:00 Man identifiziert sich mit einer Nation,
dieses ganze Zeug.
  
35:05 Das Festhalten
an einer Meinung.
  
35:07 Glauben.
Ich habe eine Erfahrung gemacht,
  
35:11 sie stellt mich total zufrieden,
also halte ich daran fest.
  
35:15 Ich habe Wissen angesammelt,
all das.
  
35:19 Wie können Sie
 
35:21 mir helfen,
so einem Menschen,
  
35:25 von all dem frei zu werden?
 
35:29 Ihre Worte, Ihre Erklärungen,
Ihre Logik,
  
35:33 alles sagt, "Es stimmt,
aber ich komme da nicht raus."
  
35:44 Ich frage mich,
ob es
  
35:48 ein anderes Mittel gibt,
 
35:51 eine andere
 
35:54 Art der Kommunikation,
 
35:58 die nicht
 
36:00 auf Worten beruht, Wissen,
Erklärungen und Belohnung. Verstehen Sie?
  
36:05 Gibt es eine andere
 
36:08 Art der Kommunikation?
 
36:12 Wir sprachen
beim Essen kurz darüber.
  
36:25 Sehen Sie,
 
36:29 auch darin liegt eine Gefahr.
 
36:36 Ich glaube,
ich bin sicher, es gibt
  
36:39 eine Art der Kommunikation,
 
36:43 nicht mit Worten,
 
36:47 die nicht
 
36:50 analytisch ist,
logisch.
  
36:52 Das heißt nicht, dass
 
36:57 die Vernunft fehlt.
 
36:59 Aber ich bin sicher,
es gibt eine andere Art.
  
37:09 Vielleicht gibt es sie.
 
37:13 Wie also können Sie
 
37:16 mit mir kommunizieren,
 
37:19 der in dieser Falle
gefangen ist,
  
37:23 ohne Worte,
 
37:24 so dass ich es begreife,
 
37:29 in der Tiefe,
so dass alles andere zerbricht?
  
37:35 Gibt es so eine
 
37:37 Kommunikation?
 
37:47 Mein Verstand hat bisher
 
37:51 ausschließlich
über Worte kommuniziert,
  
37:55 mit Erklärungen, mit Logik,
mit Analysieren.
  
37:59 Er wollte etwas erzwingen
 
38:00 oder
 
38:03 suggerieren usw.
Mein Verstand
  
38:05 ist in all dem gefangen.
 
38:12 Es muss ein anderes Element geben,
das da hindurchbrechen kann.
  
38:17 Wenn nicht,
dann ist es unmöglich!
  
38:21 – Es würde die Unfähigkeit zuzuhören,
durchbrechen. – Ja,
  
38:24 die Unfähigkeit zuzuhören,
 
38:31 die Unfähigkeit zu beobachten,
zu hören usw.
  
38:34 Es muss
eine andere Methode geben!
  
38:48 Ich traf mal einen Mann,
 
38:53 viele Männer, die
 
38:55 zusammen gewesen waren
 
38:57 mit einem gewissen Heiligen
 
38:59 und
 
39:01 in seiner Gegenwart,
sagten sie,
  
39:03 seien all ihre Probleme
gelöst gewesen.
  
39:06 Für eine Minute.
 
39:08 Und dann
im normalen Leben –
  
39:11 wieder das alte Spiel.
 
39:13 – Es war ohne Intelligenz.
– Nein,
  
39:17 man sieht die Gefahr.
Dieser Mann, dieser Heilige, voller Stille,
  
39:20 ohne Worte,
 
39:24 in seiner Gegenwart
fühlen sie sich ruhig.
  
39:29 Verstehen Sie?
 
39:30 Und sie haben den Eindruck,
ihre Probleme sind gelöst.
  
39:36 – Aber es kommt immer noch von außen.
– Natürlich, das ist es!
  
39:39  
 
39:41 Es ist wie
in die Kirche gehen.
  
39:47 Und in einer guten,
altertümlichen Kirche oder
  
39:51 einer Kathedrale
fühlt man sich außerordentlich ruhig.
  
39:55 Es ist die Atmosphäre,
es ist die Struktur,
  
40:00 besonders die Atmosphäre
führt dazu, dass man still wird.
  
40:04 Man spürt,
was mit Stille gemeint ist.
  
40:08 Es kommuniziert etwas
auf nonverbale Art,,
  
40:09  
 
40:13 aber nicht sehr tief.
– Das ist nichts!
  
40:17 Es ist wie Weihrauch!
 
40:19 – Es ist oberflächlich. – Ja, äußerst oberflächlich.
Wie Weihrauch, der wieder verschwindet.
  
40:26 Wenn wir das alles weglassen,
was bleibt übrig?
  
40:33 Kein Einwirken von außen,
 
40:39 Gott
oder irgendein Erlöser.
  
40:43 was bleibt dann?
Was kann
  
40:50 kommuniziert werden,
 
40:55 das die Wände
durchbrechen wird,
  
40:57 die die Menschen
um sich herum erbaut haben?
  
41:23 Wie wir beim Essen sagten
 
41:27 vor ein paar Stunden,
 
41:29 ist es Liebe?
 
41:36 Natürlich ist dieses Wort
 
41:38 missbraucht worden,
belastet, schmutzig geworden.
  
41:41 Aber
 
41:47 der Kern dieses Wortes,
 
41:51 ist das der Faktor,
 
41:53 der das durchbricht,
das ganze
  
41:59 Schlaue, Analytische,
 
42:02 all das.
 
42:03 Ist das das
 
42:06 Element, das fehlt?
 
42:09 Wir müssen
es betrachten, vielleicht.
  
42:11 Menschen sind etwas zurückhaltend
mit diesem Wort.
  
42:15 Meine Zurückhaltung damit
ist grenzenlos!
  
42:17 Und deshalb
 
42:21 haben sie gegenüber der Liebe
genauso Widerstand wie gegen das Zuhören.
  
42:25 Darum meinte ich ja,
dass es ein etwas heikles Wort ist.
  
42:31 Wir sprachen vor ein paar Tagen davon,
dass Liebe Intelligenz umfasst,
  
42:32 das meint auch
Sorgfalt, Fühlen.
  
42:40 Wir verstehen unter Liebe die Energie,
die Intelligenz und Sorgfalt enthält.
  
42:42  
 
42:46 Darüber sprachen wir damals.
 
42:48 So hat das mehr Sinn.
 
42:52 Also,
Sie haben diese Eigenschaft,
  
42:56 und
 
42:58 ich bin in meinem Elend gefangen,
 
43:03 meiner Angst usw.
 
43:05 Und Sie versuchen,
 
43:08 das zu durchdringen
 
43:10 mit dieser Intelligenz,
 
43:12 diesen Zustand von
Dunkelheit.
  
43:19 Wie machen Sie das?
 
43:21 Wird das wirken?
 
43:25 Wenn nicht,
 
43:28 sind wir Menschen verloren!
 
43:31 Verstehen Sie, Sir?
Deshalb haben sie sich ausgedacht,
  
43:36 dass Jesus, Buddha, Krishna
sie lieben. Verstehen Sie?
  
43:39 Und das ist dermaßen bedeutungslos,
oberflächlich und unsinnig.
  
43:42  
 
43:54 Was kann ich also tun?
 
44:02 Ich glaube,
das ist der Faktor:
  
44:06 Aufmerksamkeit,
 
44:09 Wahrnehmung,
 
44:18 Intelligenz und Liebe.
 
44:19 Sie zeigen mir das,
und ich bin nicht in der Lage, es anzunehmen.
  
44:27 Ich sage, "Es klingt schön,
ich fühle es, aber
  
44:29 ich kann es nicht
in mir halten."
  
44:37 Es geht nicht,
weil
  
44:39 es sofort weg ist,
sobald ich den Raum verlasse.
  
44:47 – Das ist wirklich das Problem.
– Ja, Sir.
  
44:49 Das ist das eigentliche Problem.
 
45:03 Ist Liebe etwas
außerhalb von uns?
  
45:08 Verstehen Sie?
So wie der Erlöser außerhalb ist
  
45:09 und der Himmel außerhalb ist.
 
45:16 Aber ist Liebe
 
45:19 etwas,
 
45:20 ich formuliere mal
ganz vorsichtig,
  
45:23 etwas,
 
45:27 außerhalb von mir,
 
45:30 das Sie mir bringen,
 
45:33 in mir erwecken,
 
45:36 das Sie mir schenken?
Oder findet es sich
  
45:45 in meiner Dunkelheit,
 
45:50 in meiner Illusion,
 
45:54 im Leiden?
 
45:56 Findet diese Qualität sich dort?
 
46:00 Offensichtlich nicht.
Das kann nicht sein.
  
46:07 – Aber wo ist sie dann?
– Genau das ist es.
  
46:15 Sie muss da sein. Einen Moment!
Liebe ist nicht Ihre oder meine.
  
46:18 Sie ist nichts Persönliches.
Sie ist nicht etwas,
  
46:22 das dem einen gehört
und dem anderen nicht.
  
46:27 Liebe ist da.
 
46:32 Das ist ein wichtiger Punkt.
 
46:35 Sie sagten mal, dass Isoliertheit
nicht zu einer bestimmten Person gehört.
  
46:38  
 
46:43 Es ist etwas,
das jeder sich anschauen kann.
  
46:49 – Wir denken eher, Isoliertheit ist mein
persönliches Problem. – Nein, natürlich nicht.
  
46:51 – Sie ist in jedem.
– Das könnte einen Hinweis geben.
  
46:53 Wer nach Liebe sucht,
glaubt es sei seine Liebe.
  
46:55  
 
46:57 – So denken wir.
– Nein, nein.
  
47:00 Intelligenz ist nicht
etwas Persönliches.
  
47:04 Das widerspricht auch
unserem ganzen Denken.
  
47:07 Wir sagen, der eine ist intelligent,
der andere nicht.
  
47:11 Wenn ich nicht intelligent genug bin,
muss ich mir Intelligenz aneignen.
  
47:18 Das ist möglicherweise
eine der Barrieren in uns.
  
47:21  
 
47:25 Dem gewöhnlichen alltäglichen Denken
liegt ein allen gemeinsames Denken zugrunde,
  
47:29  
 
47:32 dass wir alle getrennt sind und diese
verschiedenen Qualitäten besitzen oder eben nicht.
  
47:35 Der in sich gespaltene Geist
denkt sich das aus.
  
47:40 Ja, aber wir haben
es aufgenommen
  
47:42 von Kindheit an,
direkt oder indirekt
  
47:47 oder durch Schlussfolgerung.
 
47:52 So ist es die Grundlage
unseres Denkens und Wahrnehmens.
  
47:54 Das muss
in Frage gestellt werden.
  
47:58 Das haben wir
in Frage gestellt.
  
48:02  
 
48:05 Nicht meine Trauer,
die Trauer der Menschheit.
  
48:07 Wie erkennt man das?
Ein Mensch in Trauer hält sie für seine Trauer.
  
48:13 Es erscheint einem doch so?
 
48:15 Es liegt wohl an unserer Erziehung,
der Gesellschaft, den üblichen Verhaltensweisen.
  
48:18  
 
48:21 Aber auch
an unserer Art zu denken.
  
48:23 Sehr richtig.
 
48:27 Dann müssen wir da
irgendwie rausspringen.
  
48:30 Aber da rauszuspringen, wird zu einem
Problem, und was mache ich dann?
  
48:33  
 
48:36 Aber vielleicht können wir sehen,
 
48:39 dass Liebe nicht etwas Persönliches ist,
sowenig wie
  
48:41  
 
48:43 andere Qualitäten.
– Die Erde ist nicht
  
48:46 die englische oder französische Erde.
Erde ist Erde.
  
48:48 Vielleicht hilft ein Beispiel.
 
48:51 Wenn ein Chemiker
das Element Natrium untersucht,
  
48:55 ist es nicht sein Natrium, und ein anderer
untersucht sein eigenes Natrium
  
48:59  
 
49:01 und sie vergleichen dann
ihre Ergebnisse.
  
49:04 – Natrium ist Natrium.
– Natrium ist universelles Natrium.
  
49:05 Genauso ist Liebe
die allgemeine Liebe.
  
49:08 Ja, aber sehen Sie,
 
49:11 mein Geist weigert sich,
das zu sehen,
  
49:15 weil ich so
 
49:18 schrecklich persönlich bin,
 
49:19 schrecklich
"ich und meine Probleme" usw.
  
49:24 Ich weigere mich,
das loszulassen.
  
49:29 Wenn Sie sagen, Natrium ist Natrium,
das sehe ich sofort ein.
  
49:34 Aber zu sagen,
Trauer
  
49:38 ist uns allen gemeinsam
– Es ist dieselbe Trauer. – Natrium ist Trauer!
  
49:43 Es ist zwar
keine Frage der Zeit, aber
  
49:48 die Menschheit brauchte ziemlich lange,
um einzusehen, dass es nur ein Natrium gibt.
  
49:59 Das ist es,
was ich herausfinden will.
  
50:05 Ist Liebe etwas,
 
50:13 das uns allen
gemeinsam ist?
  
50:17 Insofern als sie existiert,
muss sie allen gemeinsam sein.
  
50:18 – Vielleicht existiert sie ja auch nicht.
– Ich weiß nicht, ob sie nicht doch existiert.
  
50:21  
 
50:24 Mit dem Mitgefühl ist es nicht so:
"Ich habe Mitgefühl", Mitgefühl ist da.
  
50:27 Es ist etwas ,
nicht: "Ich bin mitfühlend".
  
50:33 Mit Mitgefühl ist es wie mit Natrium,
es ist universell.
  
50:37 Das Mitgefühl aller
ist ein und dasselbe.
  
50:41 Mitgefühl und Liebe
und Intelligenz.
  
50:45 Mitgefühl gibt es nicht
ohne Intelligenz.
  
50:48  
 
50:52 Deshalb sagen wir,
Intelligenz ist auch universell.
  
50:55 – Aber es gibt Methoden, um die Intelligenz
Einzelner zu testen. – Oh, nein!
  
50:59 – Das zeigt auch wieder diese falsche Sichtweise.
– Die trennende und aufspaltende Art zu denken.
  
51:02  
 
51:06 Und Denken ist aufspaltend.
 
51:10  
 
51:15 Es mag eine uns noch unzugängliche
holistische Denkweise geben.
  
51:20 Das holistische Denken ist kein Denken,
sondern irgendwie ein anderer Faktor.
  
51:29 Wenn die Liebe also
uns allen gemeinsam ist,
  
51:40 warum bin ich dann
blind ihr gegenüber?
  
51:42 Das Gehirn ist verwirrt.
 
51:47 Es weigert sich einfach, so eine ungewöhnliche
Sichtweise oder Denkweise anzunehmen.
  
51:49 Aber Sie sagten gerade,
"Natrium ist Natrium"!
  
51:53 Es gibt unzählige Belege dafür
 
51:56 in allen möglichen Experimenten.
 
52:01 Salz ist Salz.
Ob es englisches Salz ist oder …
  
52:06 Aber dahinter steckt viel
Arbeit und Erfahrung.
  
52:10 – Mit der Liebe können wir
das nicht machen. – Nein, das geht nicht!
  
52:18 – Liebe ist nicht Wissen. – Man kann nicht
im Labor nachweisen, dass Liebe Liebe ist.
  
52:25 Warum weigert sich der Geist,
 
52:30 eine ganz offensichtliche
 
52:33 Tatsache zu akzeptieren?
 
52:35 Warum?
 
52:37 Ist es die Angst davor,
meine alten
  
52:42 Wertvorstellungen, Standards, Meinungen,
all das loszulassen?
  
52:43 Aber wiederum,
 
52:47 verstehen Sie?
 
52:49 Ich vermute
eine tiefere Ursache.
  
52:53 Es ist schwer herauszufinden,
aber es ist nicht irgendwas Banales.
  
52:56 – Das wäre nur eine halbe Erklärung.
– Eine oberflächliche Erklärung,
  
52:58 ich weiß.
 
53:04 Ist es die
tief in uns sitzende
  
53:09 Angst
 
53:10 oder die Sehnsucht
nach absoluter Sicherheit?
  
53:19 Aber diese kommt
aus der Gespaltenheit.
  
53:22 Wer sich als gespalten sieht, sucht
unweigerlich nach totaler Sicherheit, richtig?
  
53:24  
 
53:26 Gespalten sein heißt,
dauernd in Gefahr sein.
  
53:31 Ist das also die Grundursache?
 
53:34 Dieser
 
53:37 Drang, dieses Verlangen,
diese Sehnsucht nach
  
53:43 totaler Sicherheit in meinen Beziehungen
mit allem, Gewissheit haben wollen?
  
53:48 Sie haben oft gesagt,
dass es auch vernünftig ist,
  
53:51 nach Sicherheit zu streben,
 
53:55 aber dass wirkliche Sicherheit
im Nichtssein liegt.
  
53:58 Im Nichtssein
ist vollkommene Sicherheit.
  
54:01 Nicht das Sicherheitsverlangen ist falsch,
sondern im Gespaltensein Sicherheit zu wollen.
  
54:03  
 
54:06 Das Gespaltene
kann unmöglich sicher sein.
  
54:09 Nicht jedes einzelne Land
strebt nach Sicherheit.
  
54:12 Vollkommene Sicherheit könnte es geben,
wenn sich die Länder zusammentun.
  
54:17  
 
54:20 Kein Stammesdenken,
natürlich gäbe es Sicherheit.
  
54:22 Es klingt, als müssten wir
für immer in Unsicherheit leben.
  
54:26 Nein, nein.
Wir haben das sehr deutlich gemacht.
  
54:30 – Sicherheit anzustreben ist vernünftig, aber wir
versuchen es auf die falsche Art. – Ja, richtig.
  
54:32  
 
54:35 Wie vermittelt man das,
 
54:44 dass Liebe universell ist,
nicht persönlich?
  
54:52 Einem Menschen,
 
54:56 der ausschließlich die enge Sichtweise hat,
persönlich etwas erreichen zu wollen?
  
55:01 Zuerstmal,
stellt er das in Frage?
  
55:06 Seine Enge,
das Einzigartige an seiner Persönlichkeit?
  
55:10 Ja,
ich habe mit vielen gesprochen.
  
55:13 Sie stellen es in Frage, sehen die Logik,
das Unlogische von alldem. Und trotzdem …
  
55:25 Unverständlicherweise
 
55:27 haben Menschen, die sehr ernsthaft
in diesen Dingen waren, die
  
55:32 versucht haben,
die Gesamtheit des Lebens
  
55:34 durch Hungern zu finden,
durch Selbstquälerei, durch alles mögliche.
  
55:41 Sie haben sie nicht gefunden,
nur in ihrer Einbildung.
  
55:47 Man kann nicht
 
55:50 die Ganzheit erfassen oder wahrnehmen
oder sein, indem man sich quält.
  
56:02 Zur Quälerei zählt auch Disziplin usw.
Sie wissen das.
  
56:05 Was können wir also tun?
 
56:22 Ich habe einen Bruder,
 
56:26 der sich weigert,
all das zu sehen.
  
56:29 Ich mag ihn,
habe mit ihm zusammengelebt,
  
56:32 es liegt mir sehr viel an ihm.
 
56:37 Ich will,
dass er da rauskommt.
  
56:48 Und ich habe versucht,
ihn mit Worten zu erreichen
  
56:53 und manchmal
auf wortlose Weise,
  
56:57 mit einer Geste,
 
56:59 mit einem Blick,
 
57:00 aber das ist alles
 
57:03 noch immer
von außen kommend.
  
57:08 Und vielleicht ist das der Grund
für seinen Widerstand.
  
57:18 Aus meiner großen Zuneigung
zu meinem Bruder heraus
  
57:21 möchte ich ihm helfen,
vielleicht besser: ihn darauf hinweisen,
  
57:27 dass diese Flamme in ihm
aufgeweckt werden kann.
  
57:37 Das bedeutet,
er muss mir zuhören.
  
57:41 Wieder das Alte!
 
57:43 Aber mein Bruder
weigert sich zuzuhören.
  
57:53 Es scheint, dass manche
 
57:58 Handlungen einfach nicht möglich sind.
Wenn ein Mensch
  
58:02 in einem gewissen Gedanken gefangen ist,
dem alles aufspaltenden Denken,
  
58:05 kann er sich nicht ändern, weil viele Gedanken
dahinter stecken, vermutlich ohne sein Wissen.
  
58:08  
 
58:10 Er ist nicht wirklich frei,
da zu handeln,
  
58:13 wegen der ganzen Gedankenstruktur,
die ihn festhält.
  
58:17 Wir müssen also eine Stelle finden,
wo er frei handeln und sich bewegen kann,
  
58:23 eine Stelle, die nicht
von Konditionierung kontrolliert wird.
  
58:27 Wie kann ich,
 
58:28 ich benutze das Wort "helfen"
sehr vorsichtig,
  
58:34 meinem Bruder helfen?
 
58:39 Er kennt meine Zuneigung,
 
58:42 er weiß von meiner …
 
58:46 All das weiß er.
 
58:50 Was ist die Wurzel
des Problems?
  
59:02 Wir sagten, das Werdenwollen,
das sind alles nur Worte.
  
59:06 Man kann
 
59:08 das Ganze
auf zehn verschiedene Arten erklären.
  
59:12 Die Ursache,
die Wirkung usw.
  
59:15 Nach der Erklärung
sagt er,
  
59:18 "Du hast mich da stehen lassen,
wo ich bin."
  
59:36 Und meine Intelligenz,
meine Zuneigung, Liebe
  
59:39 sagt,
"Ich kann ihn nicht gehenlassen."
  
59:43 Ich kann nicht sagen,
"Geh zur Hölle!" und einfach weitergehen.
  
59:45  
 
1:00:00 Setze ich ihn unter Druck?
 
1:00:02 Ich übe keinerlei Druck aus,
biete keine Belohnung an. Nichts davon.
  
1:00:04  
 
1:00:09 Es ist meine Verantwortung. Ich kann
einen anderen Menschen nicht gehenlassen.
  
1:00:12 Die Verantwortung hat nichts
mit Pflicht zu tun, diesem dummen Zeug.
  
1:00:23 Die Verantwortung
kommt aus der
  
1:00:28 Intelligenz,
die das sagt.
  
1:00:34 All das.
 
1:00:36 Es ist klar, dass
 
1:00:39 die ganze Sache sinnlos wäre,
wenn man ihn gehenlassen würde.
  
1:00:43 Das wäre ein Zurückgehen
in die Aufgespaltenheit.
  
1:00:47 Es gibt eine Tradition
 
1:00:53 in Indien,
wohl auch in Tibet.
  
1:00:56 Man spricht
vom Maitreya Buddha,
  
1:00:59 der einen Eid ablegte,
 
1:01:01 nicht zum
ultimativen Buddha zu werden,
  
1:01:08 bis er alle menschlichen Wesen
befreit habe.
  
1:01:12 Insgesamt.
 
1:01:21 Sehen Sie,
diese Tradition
  
1:01:24 hat nichts verändert.
 
1:02:14 Wie kann jemand,
 
1:02:18 wenn er diese Intelligenz hat,
dieses Mitgefühl, diese Liebe,
  
1:02:23 die nicht einem
 
1:02:24 Land gehören,
einer Person oder
  
1:02:27 Ideal, Erlöser, all dieser Unsinn,
sondern er ist
  
1:02:28 von dieser Reinheit,
 
1:02:37 kann das einem Anderen
übermittelt werden?
  
1:02:41 Oder
 
1:02:44 man lebt mit ihm,
 
1:02:46 spricht mit ihm,
 
1:02:47 Sie sehen,
es wird zu etwas Mechanischem.
  
1:02:57 Würden Sie sagen,
dieses Problem ist nie gelöst worden?
  
1:03:02 Ich glaube nicht, Sir.
 
1:03:08 Aber wir müssen
es lösen.
  
1:03:12 Es ist noch nicht gelöst worden,
aber unsere Intelligenz sagt, "Löse es!"
  
1:03:15  
 
1:03:35 Nein, ich glaube,
Intelligenz sagt nicht, "Löse es!"
  
1:03:41 Intelligenz sagt,
"Das sind die Fakten."
  
1:03:53 Und vielleicht werden es
einige begreifen.
  
1:04:05 Mir scheint, es sind tatsächlich zwei Faktoren.
Der eine ist die
  
1:04:10 Vorbereitung über den Verstand.
Man zeigt, so hat es keinen Sinn.
  
1:04:15 Und dann wird es jemand
möglicherweise erfassen.
  
1:04:21 Das haben wir gemacht.
Sie haben es mir erklärt.
  
1:04:24 Sie haben mir das Ganze
deutlich gezeigt.
  
1:04:28 Ich habe es
klar gesehen,
  
1:04:30 die Konflikte, das Elend,
die Verwirrtheit, die
  
1:04:35 Unsicherheit, das Werdenwollen.
Das ist sehr, sehr klar.
  
1:04:40 Am Ende des Kapitels
stehe ich
  
1:04:42 wieder am Anfang.
 
1:04:48 Oder ich erhasche
einen Blick darauf
  
1:04:54 und daraus wird mein Verlangen,
das
  
1:04:59 Gesehene für mich zu haben,
es festzuhalten und nicht zu verlieren.
  
1:05:02 Es wird zu einer Erinnerung, Sie verstehen?
Die ganzen Albträume gehen wieder los.
  
1:05:09 Im Erklären
der ganzen Landkarte
  
1:05:14 haben Sie auch hingewiesen
 
1:05:17 auf etwas
viel Tieferes als das,
  
1:05:20 nämlich Liebe.
 
1:05:30 Und aufgrund Ihrer Persönlichkeit,
Ihrer Erklärung, Ihrer Logik,
  
1:05:34 suche ich danach,
versuche es zu erfassen.
  
1:05:44 Aber die Schwerfälligkeit
meines Körpers,
  
1:05:47 mein Gehirn, die überlieferten
Verhaltensweisen, all das
  
1:05:51 behindert mich.
 
1:05:55 So findet ein ständiger Kampf statt.
Verstehen Sie, Sir?
  
1:06:01 Und ich halte alles
für so falsch.
  
1:06:04 Was ist falsch?
 
1:06:06 Die Art, wie wir leben.
Das ganze Ding ist so falsch.
  
1:06:12 Ich glaube,
viele sehen das schon.
  
1:06:17 Zumindest eine größere Zahl.
 
1:06:19  
 
1:06:22 Wir überlegten mal in Ojai, ob die Menschheit
einen falschen Weg eingeschlagen hat,
  
1:06:30 in ein Tal gekommen ist,
aus dem es kein Entkommen gibt.
  
1:06:43 Das kann nicht sein. Das wäre
zu deprimierend, zu schrecklich.
  
1:06:48 Allein die Tatsache,
dass es
  
1:06:52 schrecklich wäre,
macht es nicht falsch.
  
1:06:55 Ich denke,
Sie brauchen schon
  
1:06:58 ein stärkeres Argument dafür,
weshalb es nicht so sein kann.
  
1:07:03 Sehen Sie
in der menschlichen Natur die
  
1:07:06 Möglichkeit einer wirklichen Veränderung?
– Natürlich, ansonsten …
  
1:07:11 – Sonst wäre es bedeutungslos.
– Affen, Maschinen!
  
1:07:14 Sehen Sie,
 
1:07:16 die Fähigkeit,
 
1:07:20 sich radikal zu ändern, wird einer Kraft
außerhalb von uns zugeschrieben.
  
1:07:23 Deshalb wenden wir uns der zu,
und verlieren uns darin.
  
1:07:29 Wenn wir uns
nichts dergleichen zuwenden
  
1:07:35 und
 
1:07:38 vollkommen davon frei sind,
 
1:07:43 die dann auftauchende Einsamkeit
ist uns allen gemein.
  
1:07:55 Es ist nicht Isoliertheit.
Es ist offensichtlich so, dass,
  
1:07:58 wenn man das alles sieht und sagt,
das ist so
  
1:08:05 hässlich, unwirklich,
so dumm,
  
1:08:06 dann ist man
natürlicherweise einsam,
  
1:08:10 man ist natürlicherweise allein.
 
1:08:15 Und dieses
 
1:08:16 Gefühl von Alleinsein
ist allen gemein.
  
1:08:26 Üblicherweise wird Einsamkeit
so empfunden,
  
1:08:29 als sei es
die eigene Einsamkeit.
  
1:08:33 Einsamkeit ist nicht dasselbe
wie Alleinsein, mein Gott!
  
1:08:37 Man könnte sagen,
alle tiefgehenden Dinge sind universell.
  
1:08:43 Und Sie sagen deshalb,
 
1:08:45 wenn der Geist in die Tiefe vordringt,
trifft er auf etwas Universelles,
  
1:08:51 ob man es "absolut" nennt
oder "göttlich".
  
1:08:53 Und das ist das Problem.
 
1:08:56 Für mich erkundet der Geist
sehr tief
  
1:08:59 sich selbst.
 
1:09:01 Dazu ist in mir
etwas aufgetaucht.
  
1:09:05 Das spezielle Problem zu betrachten,
ist eher seicht.
  
1:09:08 Dann generalisieren wir es,
 
1:09:10 und dieses Wort
ist verwandt mit "generieren", erzeugen.
  
1:09:16 Es deutet also
auf "Erzeugung" hin.
  
1:09:18 Wenn man also ins Allgemeinere vordringt,
erreicht man
  
1:09:21 die Tiefe dessen,
was erzeugt wird.
  
1:09:26 Auch wenn man
noch tiefer geht,
  
1:09:30 das Allgemeine ist begrenzt,
weil es Denken ist.
  
1:09:34 Aber Sir,
um
  
1:09:35 so tief zu gehen,
 
1:09:44 braucht es
nicht nur ungeheuren
  
1:09:46 Mut,
sondern auch die Fähigkeit,
  
1:09:48 beständig
bei dieser einen Sache zu bleiben.
  
1:09:58 Man könnte es
 
1:10:01 "Sorgfalt" nennen, das ist vielleicht
zu schwach, oder? – Ja, das ist zu schwach.
  
1:10:06 Es braucht dazu einen religiösen Geist
in dem Sinne, dass
  
1:10:09 er natürlich sorgfältig ist in seinem Tun,
seinem Denken, seinen Aktivitäten usw.,
  
1:10:12 aber das reicht nicht aus.
 
1:10:19 Ich glaube,
das stimmt, Sir.
  
1:10:21 Wenn der Geist
sich bewegen kann
  
1:10:24 vom Besonderen
zum Allgemeinen,
  
1:10:29 und vom Allgemeinen …
 
1:10:31 – Zum Absoluten, Universellen.
–… sich davon wegbewegt.
  
1:10:35 Viele würden sagen, das ist abstrakt
und hat nichts mit dem Alltag zu tun.
  
1:10:39  
 
1:10:42 Ich weiß. Aber es ist eine äußerst
praktische Sache, keine Abstraktion.
  
1:10:47 Tatsächlich ist das Besondere
die Abstraktion.
  
1:10:49 Ja, das Besondere
ist das Gefährlichste.
  
1:10:52 Und das Abstrakteste.
 
1:10:53 Man kommt zum Besonderen nur durch
Abstraktion vom Allgemeinen, richtig?
  
1:10:56  
 
1:11:01 Aber das spielt eventuell eine Rolle.
 
1:11:04 Menschen wollen etwas
für ihr tägliches Leben,
  
1:11:07 sie befürchten,
sich im Reden zu verlieren.
  
1:11:11 Deshalb sagen sie, diese schwammigen
Allgemeinheiten interessieren uns nicht.
  
1:11:19 Das sind Abstraktionen …
 
1:11:21 Ja, und wir kümmern uns um
die harten Fakten des täglichen Lebens.
  
1:11:24 Es muss sich schon
im täglichen Leben auswirken, aber,
  
1:11:27  
 
1:11:32 im täglichen Leben findet man nicht
die Lösung seiner Probleme. – Nein.
  
1:11:36 – Das tägliche Leben ist das allgemeine Leben.
– Das allgemeine und das besondere.
  
1:11:39  
 
1:11:42 Im täglichen Leben auftauchende Probleme
können nicht da gelöst werden.
  
1:11:44 Das stimmt, Sir.
 
1:11:46 Bewege dich vom Besonderen
zum Allgemeinen,
  
1:11:49 vom Allgemeinen
 
1:11:51 bewege dich noch tiefer.
 
1:11:54 Und
 
1:11:57 dort ist vielleicht
 
1:11:59 diese Reinheit dieses
 
1:12:02 Dinges, das man Mitgefühl nennt,
Liebe und Intelligenz.
  
1:12:07 Aber das bedeutet,
 
1:12:09 ihm sich ganz
zu widmen,
  
1:12:14 mit dem Herzen, dem Geist,
das ganze
  
1:12:15 Sein muss dabei sein.
 
1:12:23 Wir hören jetzt besser auf.
Viertel nach fünf.
  
1:12:28 Wir haben sehr lange
miteinander gesprochen.
  
1:12:31 – Sind wir weitergekommen?
– Möglicherweise, ja. – Ich glaube schon.
  
1:12:33