Krishnamurti Subtitles

Senilität und Gehirnzellen

Brockwood Park - 1 June 1980

The Ending of Time 9



0:23 Krishnamurti: Ich möchte mit Ihnen und
auch mit Narayan darüber sprechen,
  
0:28  
 
0:33 was mit dem
menschlichen Gehirn geschehen ist.
  
0:38 Ich erläutere mal,
was ich meine.
  
0:42 Einerseits haben wir
 
0:45 eine kulturell
hoch entwickelte Zivilisation,
  
0:49 und andererseits haben wir
gleichzeitig barbarische Zustände.
  
0:55 Ausgeprägte Selbstsucht,
 
0:58 versteckt
 
0:59 unter allen Arten
von spirituellen Gewändern.
  
1:04 Heiliger Geist,
 
1:06 oder andere Bezeichnungen.
 
1:09 Aber
 
1:11 darunter,
 
1:13 in der Tiefe
 
1:19 findet man einen zunehmenden,
erschreckenden Egoismus.
  
1:26 Und das menschliche Gehirn,
 
1:31 so geworden
über unermessliche Zeiträume,
  
1:34 ist an diesem Punkt angelangt:
 
1:39 Trennung schaffend,
zerstörerisch usw.
  
1:46 Wir wissen das alle.
 
1:48 Deshalb frage ich mich,
 
1:51 ob das menschliche Gehirn,
 
1:55 nicht das einzelne Gehirn,
sondern die Gesamtheit,
  
2:00 im Begriff ist zu verfallen.
 
2:05 Ob es
 
2:09 wiederbelebt werden kann,
 
2:13 erneuert,
 
2:14 oder ob der Verfall
stetig weitergeht?
  
2:26 Und ob es ihm möglich ist,
innerhalb einer Lebensspanne
  
2:34 in sich selbst
etwas zu bewirken?
  
2:38 Eine vollständige Erneuerung,
 
2:42 eine Wiederherstellung
des unberührten,
  
2:46 ursprünglichen,
reinen Zustands.
  
2:51 Ich frage mich das
schon lange,
  
2:54 und dachte,
wir sollten darüber sprechen.
  
3:04 Ich glaube,
das menschliche Gehirn,
  
3:07 ist nicht etwas individuelles.
 
3:11 Es gehört nicht dem Einzelnen,
 
3:15 es ist das menschliche Gehirn,
 
3:16 das sich entwickelt hat
 
3:21 über viele Millionen Jahre hinweg.
 
3:26 Und im Laufe dieser Entwicklung
 
3:29 hat es ungeheuer viel
an Erfahrung gesammelt,
  
3:32 Wissen,
und all die
  
3:36 Grausamkeiten,
die Grobheiten,
  
3:37 Brutalität und Selbstsucht.
 
3:48 Besteht
 
3:52 die Möglichkeit,
 
4:00 sich sozusagen zu häuten, das alles
abzuschütteln und etwas anderes zu werden?
  
4:07 Denn es sieht so aus,
als verhalte es sich nach bestimmten Mustern.
  
4:17 Seien es religiöse Muster,
wissenschaftliche,
  
4:21 Muster des Berufs- oder
des Familienlebens, immer
  
4:25 handelt es, funktioniert es
innerhalb eines sehr kleinen Spielraums.
  
4:31 Und diese verschiedenen Bereiche
stehen im Widerspruch zueinander.
  
4:40 Und es scheint nie aufzuhören!
 
4:48 Also,
 
4:50 was könnte
 
4:53 dieses Bilden
von Mustern verhindern,
  
5:01 nicht ein anderes,
neues Muster hinzufügen,
  
5:04 sondern das ganze System
von Mustern aufbrechen,
  
5:10 egal ob angenehm
oder unangenehm?
  
5:18 Immerhin hatte das Gehirn
so vieles auszuhalten,
  
5:28 so viele Herausforderungen
und Schwierigkeiten zu meistern.
  
5:40 Und wenn dieses Gehirn
nicht aus sich heraus fähig ist,
  
5:47 sich zu erneuern, sich zu verjüngen,
dann gibt es sehr wenig Hoffnung.
  
5:58 D. Bohm: Eine Schwierigkeit
mag darin liegen,
  
6:02 wenn man
die Gehirnstruktur betrachtet,
  
6:06 dass wir nicht physisch in diese Struktur
eingreifen können. – Nicht physisch.
  
6:11 Ich weiß,
darüber haben wir schon gesprochen.
  
6:17 Was ist also zu tun?
 
6:21 Die Gehirnspezialisten
können es sich anschauen.
  
6:25 Sie können ein totes Gehirn untersuchen,
aber das löst das Problem nicht.
  
6:28 Nein.
 
6:34 Was kann ein Mensch also tun?
 
6:40 Er weiß, dass es nicht
von außen verändert werden kann.
  
6:46 Die Wissenschaftler,
Gehirnspezialisten, Neurologen
  
6:52 erklären zwar
seine Funktionsweise,
  
6:57 aber ihre Erklärungen,
ihre Forschungen lösen dieses Problem nicht.
  
7:02 – Nichts weist darauf hin, dass sie es können.
– Ja, nichts. Formulieren wir es mal etwas
  
7:05  
 
7:11 wohlwollender.
– Einige mögen diese Hoffnung gehabt haben.
  
7:14 Einige Leute glauben,
dass sie mit Bio-Feedback
  
7:16  
 
7:18 das Gehirn beeinflussen können.
 
7:24 Sie messen die elektrischen Spannungen
im Schädel und die Person sieht das Ergebnis.
  
7:27 Man kann die Herzfrequenz,
den Blutdruck usw. ändern.
  
7:31 Sie hofften,
noch viel mehr zu erreichen.
  
7:35 – Aber ohne Erfolg.
– Sie kommen nicht sehr weit.
  
7:36 Aber wir können nicht warten,
 
7:39 bis diese Wissenschaftler
und Bio-Feedbacker,
  
7:43 verzeihen Sie
diese Ausdrucksweise,
  
7:49 das Problem lösen.
 
7:52 Was können wir also tun?
 
7:54 Die Frage ist: Kann das Gehirn
seine Struktur erkennen?
  
7:59 Ja, das ist die erste Frage.
 
8:01 Kann das Gehirn
sich seiner eigenen Bewegung bewusst sein?
  
8:06 Und die andere Frage ist:
Kann das Gehirn sich nicht nur
  
8:13 seiner eigenen Bewegung
bewusst sein,
  
8:16 sondern kann das Gehirn selbst
 
8:21 genügend Energie haben,
 
8:29 alle Muster zu zerbrechen,
daraus auszubrechen?
  
8:40 Man muss die Frage stellen,
ob das Gehirn das kann.
  
8:45 Wieweit ist das Gehirn in der Lage,
aus Mustern auszubrechen?
  
8:49 Was meinen Sie?
 
8:52 Wenn es in Mustern gefangen ist,
ist es möglicherweise nicht frei.
  
8:57 Scheinbar ist es das.
 
8:59 Soweit wir das sehen. Aber es ist vielleicht
nicht frei, um daraus auszubrechen.
  
9:03  
 
9:06 – Eventuell fehlt es ihm an Kraft.
– Ja, es fehlt Energie und Kraft.
  
9:12 Vielleicht kann es nicht
aus eigener Kraft da raus kommen.
  
9:14 Es ist also
sein eigener Gefangener geworden.
  
9:17 Und was dann?
 
9:24 – Das ist das Ende. – Wirklich?
– Wenn das so ist, dann ja.
  
9:27 Wenn das Gehirn
nicht ausbrechen kann,
  
9:34 dann suchen sich die Menschen andere
Möglichkeiten zur Lösung des Problems.
  
9:38 G. Narayan: Betrachten wir
das Gehirn,
  
9:40 so ist es gewissermaßen verbunden
mit den Sinnen und dem Nervensystem,
  
9:43  
 
9:48 man hat ein Feedback.
Gibt es ein weiteres Instrumentarium,
  
9:54 mit dem es verbunden ist,
das eine andere Wirkung auf das Gehirn hat?
  
9:58 Was meinen Sie damit,
ein weiterer Faktor?
  
10:02 Andere Faktoren innerhalb
des menschlichen Systems.
  
10:11 Denn offensichtlich erhält das Gehirn
Anregung über die Sinne,
  
10:14 Sehen usw.,
verschiedene Einflüsse.
  
10:20 Aber das genügt nicht.
 
10:24 Gibt es andere innere Einflüsse,
 
10:28 aus denen das Gehirn
Energie bezieht?
  
10:31 Ich glaube, da ist ein Muster.
Lassen Sie uns darüber besprechen.
  
10:37 Das Gehirn
ist andauernd beschäftigt,
  
10:44 mit Sorgen, Problemen,
 
10:46 Festhalten, Anhaften usw.
Es ist also ständig
  
10:48 im Zustand des Beschäftigtseins.
 
10:55 Das könnte
der wichtigste Umstand sein.
  
11:03 Und wenn es nicht beschäftigt ist,
erlahmt es dann sofort?
  
11:08 Das ist eine Sache.
 
11:11 Wenn es nicht beschäftigt ist,
 
11:14 kann es dann
 
11:19 die Energie aufrechterhalten,
die nötig ist, aus den Mustern auszubrechen?
  
11:21 Hoffentlich drücke ich das
verständlich aus.
  
11:24 Wenn es nicht beschäftigt ist,
könnte man denken,
  
11:28  
 
11:33 es tut nichts.
– Nein, dann wird es lahm. Das meine ich nicht.
  
11:37 Wenn Sie untätig
und dennoch aktiv meinen,
  
11:40 müssen wir die Art
des Aktivseins anschauen. – Da möchte ich hin.
  
11:44 Was ich meine,
 
11:47 das Gehirn,
 
11:52 das so sehr mit Konflikten beschäftigt ist, mit
Kampf, Anhaftung, Ängsten, Vergnügen usw.,
  
11:59 bezieht aus dieser Beschäftigung
 
12:04 seine Energie.
 
12:08 Wenn es nicht beschäftigt ist,
 
12:11 wird es dann lahm, benommen
 
12:17 und verliert gewissermaßen
seine Elastizität?
  
12:23 Oder
 
12:25 wenn es nicht erlahmt
oder so etwas,
  
12:31 gewinnt das Gehirn
aus diesem beschäftigungslosen Zustand
  
12:37 die erforderliche Energie,
um auszubrechen?
  
12:45 Weshalb glauben Sie,
das könnte geschehen?
  
12:51 Es sagt ja etwas
über das Gehirn,
  
12:55 was wir neulich sagten.
Solange es beschäftigt ist mit
  
12:58  
 
13:01 intellektuellen Fragen und Denken,
degeneriert oder schrumpft es nicht.
  
13:04 – Solange es denkt, in Bewegung ist, lebt.
– Denken in vernünftiger Weise,
  
13:07 solange bleibt es leistungsfähig.
 
13:12 Dazu möchte ich
auch noch kommen.
  
13:20 Solange es funktioniert,
in Bewegung ist, vernünftig denkt, …
  
13:21 bleibt es leistungsfähig.
Wenn es irrational wird, bricht es zusammen.
  
13:24 – Auch wenn es mechanisch wird,
stirbt es langsam. – Das ist es.
  
13:29 Wenn das Gehirn
in einer Gewohnheit gefangen ist,
  
13:35 z.B. einem strikten
Meditationsritual oder
  
13:38 den vorgeschriebenen
Handlungsabläufen der Priester…
  
13:40 – Oder dem täglichen Leben des Farmers.
– …der Farmer usw.
  
13:45 Zwangsläufig stumpft es
allmählich ab.
  
13:50 Darüber hinaus
schrumpft es offenbar auch.
  
13:54 – Vielleicht sterben einige Zellen ab.
– Wir sprachen darüber, es schrumpft.
  
13:57  
 
14:03 Und das Gegenteil
ist dieses ewige Beschäftigtsein
  
14:08 mit beruflichen Dingen,
als Rechtsanwalt, Arzt, Wissenschaftler.
  
14:14 Denken, denken, denken.
 
14:18 Und wir gehen davon aus,
dass dies auch das Schrumpfen verhindert.
  
14:24 Das ist so.
 
14:29 Zumindest die Erfahrungen weisen darauf hin,
die Messungen, die gemacht wurden.
  
14:31 Ja, man kann es sehen.
 
14:35 Entschuldigung,
wir wollten Farmer nicht
  
14:37 Auch Büroangestellte,
jeder mit einem monotonen Arbeitsablauf.
  
14:38 Jeder.
 
14:43 Das Gehirn schrumpft
ab einem gewissen Alter.
  
14:47 Das haben sie herausgefunden,
 
14:50 und es verliert wie Muskeln, die nicht
benutzt werden, langsam an Kraft.
  
14:55 Also treiben Sie viel Sport!
 
15:00 Sie empfehlen uns, den Körper
und den Geist fit zu halten.
  
15:10 Wenn es gefangen ist in einem Muster,
einem festen regelmäßigen Tun,
  
15:17 auch wenn es hauptsächlich
Anweisungen befolgt, wird es schrumpfen.
  
15:23 Warum, ist nicht klar.
 
15:25 – Könnten wir schauen, was die Schrumpfung
herbeiführt? – Das ist ziemlich einfach.
  
15:27 Weil es Wiederholung ist.
 
15:32 Wiederholung ist mechanisch und nutzt nicht
die volle Leistungsfähigkeit des Gehirns.
  
15:35  
 
15:38 Mir ist aufgefallen,
dass die Menschen, die viele Jahre
  
15:41 mit Meditieren verbracht haben, das sind
die langweiligsten Menschen auf der Welt!
  
15:47 Und auch diese
 
15:48 Juristen und Professoren
und all die anderen.
  
15:54 Man sieht es, man erkennt es
an allen möglichen Zeichen.
  
16:00 Dieser Artikel
scheint nur zu behaupten,
  
16:03 dass vernünftiges Denken
die Alterssenilität hinauszögert.
  
16:07 Aber vernünftiges Denken
wird irgendwann auch zu einem Muster.
  
16:11 Es könnte.
Es wurde nicht so weit untersucht, aber
  
16:16 das vernünftige, rationale Denken,
ausgeübt innerhalb
  
16:22 eines engen Gebietes,
könnte auch Teil eines Musters werden.
  
16:29 Aber wenn Sie
von einem anderen Weg sprechen,
  
16:33 nehmen wir doch
das Beispiel Körper.
  
16:37 Wenn jemand viel trainiert,
 
16:38 bleibt er kräftig,
wird aber vielleicht unflexibel.
  
16:42 Dann hätte es
eine ungute Wirkung.
  
16:46 Sehen Sie, Yoga
 
16:51 Das wollte ich gerade sagen.
 
16:54 Was ist mit den
verschiedenen sozusagen
  
16:56 religiösen Hilfsmitteln,
den traditionellen religiösen Hilfsmitteln
  
16:59 Yoga, Tantra, Kundalini usw.?
 
17:06 Oh, die müssen schrumpfen!
 
17:14 Man kann nämlich beobachten,
was geschieht.
  
17:17 Nehmen wir zum Beispiel
Yoga in früheren Zeiten.
  
17:22 Es wurde nicht als etwas Gewöhnliches
angesehen. Es war strengstens vorbehalten
  
17:26 den ganz, ganz wenigen,
 
17:32 die sich nicht für Kundalini
und dieses ganze Zeug interessierten,
  
17:37 sondern die ein moralisches, ethisches, ein
sogenanntes spirituelles Leben führen wollten.
  
17:44 Mit einfachen Übungen,
 
17:47 nicht diesen Verrenkungen.
 
17:56 Sehen Sie, ich will
diesen Sachen auf den Grund gehen.
  
18:02 Das hängt auch
mit Folgendem zusammen.
  
18:04 Bevor die Menschen
sich in festen gesellschaftlichen
  
18:07 Strukturen organisierten,
lebten sie naturnäher
  
18:10 und es gab keine
festen Tagesabläufe.
  
18:14 Aber ihr Leben war
total unsicher.
  
18:17 Sind wir also der Ansicht, das möchte ich
untersuchen, dass das Gehirn
  
18:20 besonders lebendig wird,
wenn es
  
18:28 nicht in einem Muster
gefangen ist,
  
18:33 weil das Gehirn dann
 
18:36 in einem Zustand
der Unsicherheit lebt,
  
18:40 ohne deshalb
neurotisch zu werden.
  
18:43 Ja, aber was heißt,
nicht neurotisch werden,
  
18:46 weil Unsicherheit
zu einer Art Neurose wird.
  
18:49 Ich würde eher sagen,
das Gehirn lebt,
  
18:53 ohne Gewissheit zu haben,
ohne Sicherheit zu suchen,
  
18:55 ohne sicheres Wissen
zu verlangen.
  
19:04 Behaupten wir also,
 
19:07 dass auch Wissen
 
19:12 das Gehirn vertrocknen lässt?
 
19:14 Wenn es nur
mechanisch wiederholt wird, ja.
  
19:18 Aber Wissen an sich?
 
19:21 Wir müssen da vorsichtig sein.
 
19:25 Ich glaube, wir tendieren dazu,
mit Wissen mechanisch umzugehen,
  
19:29 es wird festgeschrieben.
 
19:34 Aber wir könnten auch
Lernende bleiben.
  
19:37 Aber, lernen
 
19:40 für ein Zentrum.
 
19:41 Lernen im Sinne von
Anhäufung von Wissen.
  
19:45 Lernen von einem
festen Ausgangspunkt aus.
  
19:48 Wir lernen ausgehend
von etwas Feststehendem.
  
19:52 Es könnte auch Lernen geben,
ohne etwas als feststehend anzunehmen.
  
19:54  
 
19:57 Also lernen,
nicht nur etwas hinzufügen.
  
20:03 Kann man das?
 
20:06 Man muss auch etwas aufgeben,
bisheriges Wissen fallen lassen.
  
20:09 Wissen hat nur eine begrenzte Gültigkeit,
es kann auch behindern.
  
20:11  
 
20:16 Unsere Zivilisation bricht gewissermaßen
unter der Last des Wissens zusammen.
  
20:18  
 
20:22 Wir lassen
das störende Wissen nicht los.
  
20:26 Wissen hat meistens
eine sich aufbauende Struktur.
  
20:29 Man muss eine Sache verstehen,
um das Nächste zu verstehen.
  
20:33 Ist diese Art von Wissen
 
20:36 geisttötend?
– Nicht solange Sie dabei lernen.
  
20:39 Aber wenn Sie irgendein Prinzip
für unumstößlich wahr halten,
  
20:42  
 
20:45 wenn ein festes inneres Zentrum
angenommen wird,
  
20:48 oder irgendetwas Feststehendes,
 
20:52 dann bleibt es mechanisches Wissen. Aber
Sie sagen, man muss ein Lernender bleiben.
  
20:57 – Was lernen? – Was immer man tut.
Angenommen, man muss Geld verdienen.
  
20:59  
 
21:03  
 
21:07 Menschen brauchen Wissen für alles mögliche,
um die Gesellschaft zu organisieren.
  
21:09 Aber immer mehr hinzufügen?
 
21:11 Manches kann auch
vergessen werden.
  
21:13  
 
21:17 Wenn es unbrauchbar oder störend ist.
Es ist also dauernd in Bewegung.
  
21:20 Aber ich meine eigentlich
Wissen an sich.
  
21:28 Sie meinen Wissen
 
21:33 abgesehen vom Inhalt.
– Den wissenden Geist.
  
21:35 Ein Geist, der nur
um des Wissens willen wissen will?
  
21:47 Ich möchte gerne
in Frage stellen,
  
21:51 dass das Besitzen von Wissen
einen Sinn hat.
  
21:56 Das ist nicht ganz verständlich,
 
21:58 weil wir Wissen brauchen.
– Auf einer gewissen Ebene.
  
22:00  
 
22:01 Welche Art von Wissen
stellen Sie also in Frage?
  
22:08 Ich meine das Wissen, das entsteht aufgrund
von Erfahrung, die einen Eindruck hinterlässt.
  
22:13  
 
22:17 Aber zum Beispiel die Erfahrung,
ein Auto zu steuern,
  
22:23 wir müssen das klarstellen.
Sie meinen einen psychischen Eindruck?
  
22:26 – Psychisch, natürlich. – Also nicht
Wissen über Technik und Materie usw.
  
22:27  
 
22:31 Unter dem Begriff "Wissen an sich"
versteht man erstmal alles Wissen.
  
22:37 Wir sagten, auf einer gewissen Ebene
ist Wissen erforderlich.
  
22:42 Da kann hinzugefügt werden, weggelassen
werden. Da ist Bewegung, Veränderung.
  
22:45  
 
22:48 Aber ich stelle die Frage,
ob psychisches Wissen
  
22:52 nicht dazu beiträgt,
 
22:56 dass das Gehirn schrumpft.
 
22:59 Meinen Sie
mit psychischem Wissen
  
23:03 Wissen über den Geist,
Wissen über mich?
  
23:05 Wissen über mich,
das Leben mit diesem Wissen,
  
23:10 Anhäufung dieses Wissens.
 
23:14 Ja, man häuft ständig
Wissen an über sich
  
23:17 oder über die Beziehungen.
– Ja, über die Beziehungen.
  
23:21 Das ist es, Sir.
 
23:28 Würden Sie zustimmen,
dass dieses Wissen
  
23:36 im Gehirn eher
 
23:39 zur Trägheit führt und
 
23:42 zu einem Schrumpfen,
es einspurig werden lässt?
  
23:43 Schauen wir mal warum.
 
23:47 Was ist das Problematische
an dieser Art von Wissen?
  
23:54 Was ist in diesem Wissen,
das die Probleme schafft?
  
23:58 In Beziehungen schafft dieses Wissen
auf jeden Fall Probleme.
  
24:04 Es stört,
weil es etwas Festes ist.
  
24:09 Wenn ich eine Vorstellung von ihm habe
und in Kontakt mit ihm bin,
  
24:20 behindert dieses Wissen
offensichtlich die Beziehung, weil
  
24:22 daraus ein Verhaltensmuster wird.
 
24:24 Wissen über mich und über ihn
und die Beziehung schafft ein Verhaltensmuster.
  
24:28 Es wird zum gewohnten Verhalten
und man verliert
  
24:30  
 
24:34 Gewohnheit in diesem Bereich
ist gefährlicher als die Gewohnheit
  
24:36  
 
24:39 im täglichen Lebensablauf.
 
24:43 Wenn monotone Arbeit dem Gehirn schadet,
geschieht hier vielleicht noch Schlimmeres,
  
24:46 weil es tiefer gehende
Auswirkungen hat.
  
24:51 Kann das Gehirn also
 
24:56 in psychischen Angelegenheiten
 
24:58 vollkommen frei sein von Wissen,
von dieser Art von Wissen?
  
25:11 Sagen wir,
ich bin Geschäftsmann
  
25:16 und
 
25:18 ich fahre mit dem Auto,
Bus, Taxi, der U-Bahn
  
25:22 und denke daran,
was ich zu tun habe,
  
25:26 wen ich treffe zur
geschäftlichen Besprechung,
  
25:29 und mein Geist ist die ganze Zeit
mit diesen Dingen beschäftigt.
  
25:36 Ich komme nach Hause
 
25:40 zu Familie, Kindern.
Es gibt Sex usw.
  
25:43 Das wird alles zu psychischem Wissen,
aus dem heraus ich dann handele.
  
25:48 Es gibt also das Wissen
über meine Arbeit, die Kontakte usw.
  
25:53 und das Wissen
 
25:56 über meine Frau,
mich und meine Reaktionen.
  
26:00 Das eine Verhaltensmuster
ist im Widerspruch zum anderen.
  
26:04 Vielleicht merke ich es nicht
und ich mache einfach weiter.
  
26:09 Wenn ich mir dieser beiden Muster
jedoch bewusst bin,
  
26:16 erlebe ich es als Störung.
 
26:19 Man empfindet vielleicht
die Monotonie, die Langeweile und...
  
26:21 lässt sich scheiden
und der ganze Zirkus beginnt.
  
26:25  
 
26:28 Man hofft, durch Ablenkung
rauszukommen aus dem Ganzen.
  
26:30 Man geht in die Kirche usw.
Jedes Ausweichen ist ein sich Beschäftigen.
  
26:38 Ich frage also, ob dieses psychische
Wissen nicht mitverantwortlich ist
  
26:42 für das Schrumpfen des Gehirns.
 
26:50 Verzeihung!
 
26:51 – Es könnte sein, offensichtlich ist es so.
– Es ist so.
  
26:55 Wenn berufliches Wissen dazu beiträgt,
dann dieses viel mehr.
  
26:58  
 
27:00 Bestimmt. Noch viel stärker.
 
27:02 Wenn Sie von psychischem Wissen sprechen,
dann unterscheiden Sie es also von
  
27:09 wissenschaftlichem Wissen, Faktenwissen.
– Natürlich,
  
27:12 das unterscheiden wir.
 
27:17 Ich bin etwas skeptisch bezüglich
dieses Artikels und
  
27:21 der Tatsache,
dass wissenschaftliches Wissen
  
27:24 und andere Arten
von Faktenwissen
  
27:28 helfen,
das Gehirn zu vergrößern.
  
27:31 Das an sich
bringt uns nicht weiter.
  
27:34 – Was meinen Sie damit?
– Auch wenn es Senilität hinauszögert,
  
27:37 rationales Denken zu trainieren.
 
27:43 Nein, Dr. Bohm hat sorgfältig erklärt,
rationales Denken kann mechanisch werden.
  
27:45  
 
27:50 Ich denke logisch,
 
27:55 habe den Trick raus
und wiederhole das einfach nur.
  
27:58 Das geschieht meistens
beim rationalen Denken.
  
28:03 Ich denke, es hängt davon ab, ob man
ständig neuen Problemen gegenüber steht.
  
28:06 Sie berichten,
dass bei Rechtsanwälten
  
28:09 das Gehirn länger hält,
weil es andauernd
  
28:15 verschiedenartige Problemfälle
zu betrachten hat,
  
28:19 die nicht routinemäßig
behandelt werden können.
  
28:22 Es dauert zumindest lange,
bis das geht.
  
28:26 EInen Moment mal.
 
28:27 Sie mögen wechselnde Klienten haben
mit verschiedenen Problemen,
  
28:30 aber sie handeln
aus ihrem Wissen heraus.
  
28:40 Ihr Handeln ist
vom Wissen bestimmt.
  
28:42 Vielleicht nicht total,
sie müssen
  
28:45 Nachforschungen anstellen usw.
– Natürlich nicht total, aber
  
28:48 die Grundlage ist Wissen,
 
28:52 Präzedenzfälle,
 
28:56 Fachwissen und Erfahrungen, die sie
in anderen Fällen schon gemacht haben.
  
28:59 Dann müssen wir von
 
29:02 subtileren Arten von Degeneration des Gehirns
sprechen, nicht einfach nur von Schrumpfung.
  
29:05  
 
29:08 Das stimmt.
Zu dem Punkt will ich kommen.
  
29:18 Bei der Geburt haben unsere Gehirnzellen
noch wenige Verknüpfungen,
  
29:22 sie nehmen dann zu,
 
29:25 und wenn sich jemand der Senilität nähert,
nehmen sie wieder ab.
  
29:30 Vielleicht haben die Verknüpfungen die
falsche Qualität. Das ist eine andere Möglichkeit,
  
29:35  
 
29:39 die man mit solchen Messungen
nicht herausfinden könnte, und die Folge wäre,
  
29:42 dass sie verfestigen, wenn sie zu oft
auf die gleiche Art benutzt werden.
  
29:50 Sind alle Gehirnfunktionen
von einer rationalen Art,
  
29:57 oder gibt es auch Funktionen,
die von anderer Qualität sind?
  
30:04 Man weiß, dass ein Großteil des Gehirns für
die Bewegungen des Körpers zuständig ist,
  
30:07  
 
30:10 die Muskeln, die Organe
und dieser Teil schrumpft nicht im Alter.
  
30:13  
 
30:17 Aber der für rationales Denken zuständige Teil
schrumpft, wenn er nicht benutzt wird.
  
30:19  
 
30:23 Es kann noch
unbekannte Funktionen geben.
  
30:26 Wir wissen sehr wenig
über das Gehirn.
  
30:29 Wovon wir nicht sprechen.
 
30:31 – Gibt es diese Möglichkeit?
– Narayan, was ich versuche zu erklären, ist,
  
30:33 wir machen nur beschränkten Gebrauch
oder benutzen sogar praktisch nur einen Teil
  
30:37 unseres Gehirns.
 
30:40 Und diese
 
30:50 teilweise Benutzung
ist ein sich Beschäftigen,
  
30:51 entweder rational oder irrational
 
30:57 oder logisch.
 
31:00 Jedenfalls nutzen wir
 
31:03 immer noch nur einen Teil.
 
31:08 So lange das Gehirn sich beschäftigt,
tut es das in diesem begrenzten Areal.
  
31:11 Würden Sie das auch sagen?
 
31:17 Was geschieht,
wenn es nicht beschäftigt ist?
  
31:21 – Dazu kommen wir gleich.
– Es sieht so aus, als wäre
  
31:24  
 
31:28 die meiste Zeit
nur ein Teil seiner Funktionen beschäftigt,
  
31:30 nämlich die
mechanisch ablaufenden.
  
31:35 Das bewirkt allmählich
eine subtile Degeneration des Gehirns,
  
31:40 weil jede Art
von eingeschränkter Benutzung dazu führt.
  
31:46 Behaupten wir also,
dass Senilität
  
31:49 die Folge einer mechanischen
 
31:53 Lebensweise ist,
 
31:59 mechanischer
Anwendung von Wissen,
  
32:03 sodass es im Gehirn keine
 
32:13 Freiheit gibt, keinen Raum,
keinen Sinn für das
  
32:16 Das ist unsere Vermutung.
 
32:18 Sie wird nicht
von allen Forschern geteilt.
  
32:20 Sie zeigen,
dass Gehirnzellen zu sterben beginnen
  
32:23 ab dem dreißigsten Lebensjahr
immer mehr.
  
32:24 Also aufpassen, Sie Zuhörer!
 
32:29 Das kann ein Faktor sein.
 
32:32 Die Messungen
konnten wohl nicht feststellen,
  
32:34 dass es von der Art
der Gehirntätigkeit abhängt.
  
32:38 Sie erlauben höchstens
grobe statistische Aussagen.
  
32:42 Sie stellen also
die Vermutung auf,
  
32:46 dass der Verfall
der Gehirnzellen
  
32:49 von der falschen Benutzung
des Gehirns kommt.
  
32:53 Darauf möchte ich hinaus.
 
32:55 – Es gibt schon auch Hinweise dafür
aus der Wissenschaft. – Gott sei Dank!
  
33:02 Ich denke, die Gehirnforscher
wissen nicht sehr viel darüber.
  
33:09 Wissenschaftler,
Gehirnspezialisten,
  
33:14 in einfachen Worten gesagt,
 
33:19 sie schauen darauf,
 
33:23 untersuchen von außen, aber
 
33:27 sie nehmen nicht sich selbst
 
33:29 als Versuchskaninchen
 
33:35 und betrachten sich selbst.
 
33:37 Außer jenen,
die mit Bio-Feedback arbeiten.
  
33:40 Sie untersuchen sich selbst
auf eine sehr indirekte Art.
  
33:45 – Ich finde, dafür haben wir keine Zeit.
– Es ist zu langsam und nicht sehr tief.
  
33:49  
 
33:52 Kommen wir zurück
zu unserem wesentlichen Anliegen.
  
33:57 Ich erkenne, dass jede
sich wiederholende Tätigkeit,
  
34:05 jede Aktivität, die
 
34:09 ausgerichtet ist auf ein Ziel,
 
34:11 jede Methode,
 
34:15 gewohnheitsmäßiges Verhalten,
 
34:17 logisch oder nicht logisch,
 
34:19 eine Auswirkung
auf das Gehirn hat.
  
34:22 Wir haben das jetzt verstanden.
 
34:25 Wissen ist
auf einer gewissen Ebene notwendig,
  
34:31 auch psychiches Wissen,
 
34:34 über sich selbst, seine Erfahrungen.
Aber das,
  
34:35 wird auch nur noch abgespult.
 
34:42 Die Vorstellungen über mich,
alles ist gewohnheitsmäßiges Denken,
  
34:47 und das führt
zum Verfall des Gehirns.
  
34:51 Ich habe das alles
genau verstanden.
  
34:54 Und Beschäftigung,
jede Art von Beschäftigung.
  
35:01 Ja, das haben wir schon gesagt.
Jede Art von Beschäftigung, außer
  
35:03 körperlicher Beschäftigung,
 
35:13 die Beschäftigung mit sich selbst,
 
35:16 führt offensichtlich
zu einer Schrumpfung des Gehirns.
  
35:23 Wie kann
dieser Prozess aufhören?
  
35:32 Und wenn er endet,
findet dann eine Erneuerung statt?
  
35:40 Einige Gehirnspezialisten würden die
Möglichkeit einer Erneuerung wohl bezweifeln,
  
35:43  
 
35:46 aber ich kenne keine Beweise
dafür oder dagegen.
  
35:50 Ich glaube an Erneuerung.
 
35:55 – Darüber möche ich mit Ihnen sprechen.
– Lassen Sie uns das betrachten.
  
36:02 Ich habe eine Frage.
In einem Ihrer Gespräche
  
36:08 in Ojai sprachen Sie davon, dass
 
36:12 Geist und Gehirn voneinander
verschieden und getrennt seien.
  
36:17 – Nicht ganz. Sagte ich das?
– Ja.
  
36:22 Von der Möglichkeit,
dass Geist und Gehirn getrennt seien.
  
36:25 Gemeint war
der universelle Geist.
  
36:27 Geist in dem Sinne,
 
36:31 dass man Zugang
zu diesem Geist hat
  
36:34 und er ist nicht das Gehirn.
 
36:40 – Können Sie sich das vorstellen?
– Ich verstehe nicht ganz.
  
36:44 Ich würde sagen,
der Geist umfasst alles.
  
36:52 Wenn er alles umfasst,
Gehirn, Emotionen und alles andere,
  
36:58 wenn er ganzheitlich ist,
 
37:06 ganz ist, die Dinge nicht trennt,
dann hat er etwas Universales.
  
37:12 Ja, man hat Zugang dazu.
 
37:18 Er ist nicht erreichbar,
man hat keinen Zugang dazu.
  
37:22 Nein, man besitzt ihn nicht,
aber man hat Zugang.
  
37:24  
 
37:27 – Sie können nicht den Himmel besitzen!
– Ich will nur sagen,
  
37:29 kann man dafür offen sein,
und gibt es eine Funktion des Geistes,
  
37:35 des Geistes als Ganzem,
 
37:42 zu dem durch Erziehung
ein Zugang entstehen kann?
  
37:48 Ich glaube ja. Wir kommen dazu,
wenn wir unseren Punkt weiter verfolgen.
  
37:51  
 
37:53 Wir waren in unserem Gespräch
an einer bestimmten Stelle angekommen.
  
37:59 Wir wollen es nicht
nochmal wiederholen.
  
38:03 Wir haben im Laufe des Gesprächs jetzt vieles
verstanden und betrachten die Frage,
  
38:07 ob das Gehirn
sich selbst erneuern kann,
  
38:11 verjüngen,
wieder jung werden kann
  
38:16 und ob das Schrumpfen
verhindert werden kann.
  
38:38 Ich glaube, es geht.
 
38:53 Ich möchte unserem Gespräch
eine neue Richtung geben.
  
39:09 Unsere Art des Umgangs mit
psychischem Wissen lässt das Gehirn verfallen.
  
39:12 Die Nachfolger Freuds, Jungs, die modernen
Psychologen und Psychotherapeuten,
  
39:14 tragen alle
zur Schrumpfung des Gehirns bei.
  
39:21 Verzeihung! Ich hoffe,
es ist keiner von denen hier.
  
39:28 – Ist es möglich, dieses Wissen einfach
zu vergessen? – Nein, nein, nicht vergessen.
  
39:31  
 
39:33 Ich sehe, was sie tun,
 
39:41 sehe dass es Zeitverschwendung ist und
was passiert, wenn ich dieser Richtung folge.
  
39:49 Es ist ganz offenkundig.
 
39:52 Also folge ich ihnen nicht.
 
39:58 Also lehne ich
das Analysieren rundweg ab.
  
40:04 Wir haben diese
Art des Verhaltens gelernt.
  
40:08 Nicht erst
von den zeitgenössischen
  
40:14 Psychologen und Therapeuten,
es wird seit Millionen Jahren gemacht.
  
40:18 Analysieren, Innenschau. Das tun,
das lassen. Das ist richtig, das ist falsch,
  
40:21 diese ganze Art
der Vorgehensweise.
  
40:25 Ich selbst mache das nicht
und halte nichts von dieser ganzen
  
40:31 Methode.
 
40:39 Wir kommen jetzt zum springenden Punkt,
nämlich: direkte Wahrnehmung
  
40:41 und unmittelbares Handeln.
 
40:54 Denn unser
 
40:58 Wahrnehmen wird
 
41:02 durch unser Wissen bestimmt.
 
41:09 Die Vergangenheit nimmt wahr.
 
41:16 Also trägt
 
41:18 die Vergangenheit,
das heißt das Wissen,
  
41:22 aus dem heraus wir wahrnehmen und handeln,
zur Schrumpfung bei, zur Senilität.
  
41:27 Wir sollten lieber
vom Schrumpfen des Gehirns zu sprechen.
  
41:38 Also: gibt es auch ein Wahrnehmen,
 
41:41 das nicht mit Zeit verwickelt ist?
 
41:50 Mit unmittelbar
folgendem Handeln.
  
42:01 Es ist so,
 
42:04 die Gehirnentwicklung
brauchte Zeit,
  
42:08 und das Gehirn arbeitet gewohnheitsmäßig
auf dem Hintergrund des Zeitverlaufs.
  
42:16 Und solange es
nur auf diese Weise funktioniert,
  
42:21 lebt es auch
innerhalb des zeitlichen Geschehens,
  
42:25 und wird zwangsläufig senil.
 
42:29 Wenn der Zeitablauf nicht mehr
der zugrunde liegende Rahmen ist,
  
42:35 dann
 
42:38 dann ist das Gehirn frei
 
42:43 von seinem Funktionsmuster
und dann wird etwas anderes stattfinden.
  
42:47 Stelle ich es verständlich dar?
 
42:50 Wie kann es
aus dem Muster ausbrechen?
  
42:54 Ich kommen noch darauf,
schauen wir erstmal, ob es so ist.
  
43:01 Sie sagen, das Verhaltensmuster hängt
mit der Gebundenheit an Zeit zusammen.
  
43:06 Vielleicht sollten wir das
genauer untersuchen.
  
43:12 Mit Analyse meinen Sie einen Vorgang,
der auf angesammeltem Wissen beruht,
  
43:15 welches das Wahrnehmen steuert,
 
43:20 und man unternimmt Schritte,
um zu lernen,
  
43:22 Wissen über
die gesamte Sache zu gewinnen.
  
43:28 Sie sagen, man müsse
aus der Zeitgebundenheit ausbrechen.
  
43:33 Stimmen wir überein
in der Behauptung?
  
43:35  
 
43:39 Der Gehirntätigkeit
liegt ein zeitliches Muster zugrunde.
  
43:42 Viele würden fragen,
ob es überhaupt ein anderes Muster gibt.
  
43:47 – Sind andere Bewegungen möglich?
– Lassen Sie uns das zuerst verstehen.
  
43:49 Nicht nur intellektuell, sondern
wirklich sehen, dass es so ist.
  
43:56 Dass
 
44:00 unser Handeln, unsere Lebensweise,
unser ganzes Denken an Zeit gebunden ist.
  
44:05 Oder es liegt ihm
das Wissen um Zeit zugrunde.
  
44:09 Sicherlich hat
unser Denken über sich,
  
44:12 jeder Versuch, sich zu analysieren,
über sich nachzudenken,
  
44:15 mit diesem Prozess zu tun.
– Dem zeitlichen Prozess.
  
44:19 Es ist ein Problem zu sagen,
Wissen und Erfahrung,
  
44:23 hängen zusammen,
sind aneinander gebunden.
  
44:28 Was für ein Problem?
 
44:34 Die Zeitgebundenheit
 
44:38 führt zur Wiederholung
jahrtausende alten Verhaltens.
  
44:40 Ich sage nur, das hat eine Zähigkeit,
der man nicht so einfach entkommt.
  
44:44  
 
44:46 Alle Illusionen haben
eine besondere Lebenskraft.
  
44:52 – Wenige entkommen dem.
– Nehmen Sie die Kirchen,
  
44:55 was die für eine Lebenskraft haben.
 
45:01 Nicht nur die Kirchen, auch das
persönliche Dasein hat eine gewisse Zähigkeit.
  
45:05  
 
45:08 Es behindert einen.
Man kommt da nicht raus.
  
45:10 Was heißt,
es behindert einen?
  
45:15 Es hält einen
mit magnetischer Kraft zurück.
  
45:16 Man kann sich davon
nicht befreien
  
45:21 ohne Zuhilfenahme
eines geeigneten Instruments.
  
45:24 Wir werden sehen,
ob es nicht doch eine andere
  
45:25 Herangehensweise
an das Problem gibt.
  
45:33 Wenn Sie
von einem Instrument sprechen,
  
45:36  
 
45:39 kommt unweigerlich
die Zeit mit ins Spiel.
  
45:41 Ein Instrument
benutzt man für etwas,
  
45:46 es ist verknüpft
mit einem geplanten Vorhaben.
  
45:50 Deshalb das Wort "Instrument", um anzudeuten,
dass es wirksam angewendet werden kann.
  
45:52  
 
45:56 Bisher ist es nicht
wirksam gewesen.
  
46:00 Im Gegenteil, es war schädlich.
 
46:03 Also, sehe ich das,
dass es notwendigerweise Schaden anrichtet?
  
46:09 Nicht nur als Theorie, Vorstellung,
sondern als Tatsache.
  
46:14 Wenn ja,
 
46:17 was findet dann statt?
 
46:23 Das Gehirn hat sich
über lange Zeit entwickelt.
  
46:26 Sein Funktionieren,
Leben, Handeln,,
  
46:32 Glauben,
alles fand in Bezug auf die Zeit statt.
  
46:37 Und wenn man jetzt erkennt,
dass dies
  
46:41 dazu führt,
dass das Gehirn
  
46:45 senil wird,
 
46:48 ich will das jetzt
nicht weiter ausführen.
  
46:50  
 
47:02 Wenn man das als wahr erkennt, dann was?
Nächster Schritt.
  
47:05 – Wollen Sie sagen, dass das Erkennen der
Schädlichkeit hilft, etwas aufzulösen? – Yes.
  
47:09 – Und es braucht kein extra Instrument?
– Nein.
  
47:12  
 
47:17 Benutzen Sie nicht das Wort "Instrument".
Er benutzt es immer wieder.
  
47:21 Es gibt keinen anderen Faktor.
 
47:30 Ich bin daran interessiert,
ich meine nicht mich persönlich,
  
47:35 ich bin interessiert daran,
 
47:40 dieses Schrumpfen zu beenden,
die Senilität.
  
47:44 Und ich
 
47:49 frage, ob das Gehirn,
die Zellen, das ganze Ding,
  
47:52 sich aus der Zeit
herausheben kann.
  
48:01 Ich spreche nicht
von Unsterblichkeit.
  
48:05 Aus der Zeit herausheben,
vollkommen.
  
48:08 Ansonsten erfährt es unweigerlich Verfall,
Schrumpfung, Senilität.
  
48:10 Die Senilität mag nicht
erkennbar sein,
  
48:18 aber die Gehirnzellen
 
48:24 verlieren an Kraft usw.
 
48:29 Wenn Gehirnzellen
etwas Körperliches sind,
  
48:34 dann müssen sie mit der Zeit schrumpfen,
altern. Das kann man nicht verhindern.
  
48:37  
 
48:42 Die Gehirnzelle kann
als körperliches Gewebe nicht
  
48:47 unsterblich sein.
 
48:50 Vielleicht kann die Schrumpfungsrate
stark verringert werden.
  
48:52 Wenn ein Mensch
eine gewisse Zeit lebt
  
48:56 und sein Gehirn
beginnt zu schrumpfen
  
48:59 lange, bevor er stirbt,
wird er senil.
  
49:02 Wenn es
langsamer schrumpfen würde,…
  
49:06 – Nicht nur langsamer schrumpfen.
…oder sich sogar regenerieren würde.
  
49:09  
 
49:14 In einem Zustand sein, ich drücke es
verkürzt aus, von Nicht-Beschäftigt-Sein.
  
49:16 Aber, ich glaube, Narayan sagt, es sei
unmöglich, dass ein materielles System
  
49:19 auf ewig hält.
 
49:23 Ich spreche nicht
von ewiger Haltbarkeit.
  
49:28 Ich bin nicht sicher,
ob es nicht ewig halten könnte.
  
49:37 Ich meine das ganz ernsthaft.
Ich nehme Sie nicht auf den Arm.
  
49:44 Wenn sich alle Zellen
komplett regenerieren würden,
  
49:48 Körper und Gehirn,
könnte es immer weitergehen.
  
49:49  
 
49:52 Sehen Sie,
 
49:54 wir zerstören unseren Körper
durch Trinken, Rauchen,
  
49:57 zu viel Sex
und alles mögliche.
  
50:01 Wir leben äußerst ungesund.
 
50:08 Wenn der Körper durchgehend bei
ausgezeichneter Gesundheit gehalten wird,
  
50:15 das heißt,
keine übermäßigen Emotionen,
  
50:19 kein körperlicher Stress,
 
50:25 keine Abnutzung des Körpers,
ein gesundes normales Herz,
  
50:29 warum nicht?
 
50:38 Und das heißt was?
Nicht herumreisen!
  
50:45 Keine Reisen.
 
50:48 Wenn der Körper
an einem ruhigen Ort lebt,
  
50:55 ich bin sicher, er kann
viel länger leben als heutzutage.
  
51:00 Ich denke auch. Es gab Menschen,
die sind 150 Jahre alt geworden
  
51:03 in ruhigen Lebensverhältnissen.
 
51:07 Ich glaube, davon sprechen Sie,
nicht von leben…
  
51:10 – Nein, nein.
– …für immer.
  
51:15 Den Körper kann man
gesund erhalten.
  
51:18 und,
 
51:21 da Körper und Geist
zusammenhängen,
  
51:26 über die Nerven, die Sinne,
bleibt jener auch gesund.
  
51:30 Wenn das Gehirn
auf die richtige Art arbeitet.
  
51:34 Ja, ohne irgendeinen Stress.
 
51:37 Das Gehirn organisiert
alles im Körper.
  
51:40 Die Hypophyse steuert
das ganze Drüsensystem,
  
51:44 und alle Organe
werden vom Gehirn überwacht.
  
51:47 Wenn das Gehirn verfällt,
fängt auch der Körper an zu verfallen.
  
51:52 Sie bilden eine Einheit.
 
51:54 Sie hängen zusammen.
 
51:56 Also,
 
51:58 kann dieses Gehirn,
 
52:03 das nicht
 
52:05 mein Gehirn ist, sondern das Gehirn,
das sich über Millionen Jahre entwickelt hat,
  
52:10 das alle möglichen schädliche
wie angenehme Erfahrungen gemacht hat,.
  
52:14 kann dieses Gehirn
 
52:18 Sie meinen
ein typisches Gehirn,
  
52:20 nicht ein spezielles,
ausgewähltes Gehirn eines Menschen.
  
52:24 Also ein Gehirn
irgendeines Menschen.
  
52:27 – Jedes Gehirn.
– Sie sind alle ähnlich.
  
52:30 Ähnlich, wie ich sagte.
Kann dieses Gehirn
  
52:32 frei von all dem sein,
von Zeit?
  
52:39 Ich glaube, es kann.
 
52:47 Was heißt es,
frei von der Zeit zu sein?
  
52:51 Zuerst klingt es ja verrückt,
 
52:55 auch, wenn
 
52:59 wir wissen, dass Sie nicht meinen,
die Zeit hält an.
  
53:02 Science Fiction
und dieser ganze Unsinn.
  
53:05 Der Punkt ist doch, was bedeutet es genau,
psychisch frei von der Zeit zu sein?
  
53:09  
 
53:12 Es gibt kein Morgen.
 
53:14 – Aber wir wissen, dass es ein Morgen gibt.
– Ich meine psychisch.
  
53:19 Können Sie das genauer beschreiben, was
"kein Morgen" heißt?
  
53:24 Was heißt es,
 
53:29 in der Zeit zu leben?
 
53:33 Gehen wir es erstmal so an.
Was heißt, in der Zeit leben?
  
53:35 Hoffen,
 
53:38 denken,
in der Vergangenheit leben,
  
53:42 und aus dem Wissen
der Vergangenheit heraus handeln.
  
53:47 Die Vorstellungen,
die Illusionen,
  
53:53 die Vorurteile,
das alles ist ein Produkt der Vergangenheit.
  
53:54 Das alles ist Zeit.
 
54:02 Und das führt
in der Welt zu Chaos.
  
54:09 Angenommen,
Sie leben psychisch nicht in der Zeit,
  
54:13  
 
54:18 dann orientieren Sie sich ja
doch an der Uhrzeit, aber
  
54:23 es ist widersprüchlich, nicht in der Zeit
zu leben und trotzdem Termine auszumachen.
  
54:27 Wir müssen aufhören,
es ist schon fünf!
  
54:30 Man kann also die Uhrzeit beachten,
ohne schon jetzt
  
54:33 eine Stunde vorauszudenken,
wie man sich
  
54:35 fühlen wird nach der
Befriedigung eines Wunsches usw.
  
54:41 Ich sage nur, dass wir zur Zeit
im Bereich der Zeit leben.
  
54:47 Und da haben wir alle möglichen Probleme
entstehen lassen, Leiden usw., richtig?
  
54:56 Sollten wir erklären, warum dadurch
notwendigerweise Leiden entsteht?
  
55:01 Sie sagen, aus dem In-der-Zeit-Leben
entsteht zwangsläufig Leiden.
  
55:02  
 
55:05 Könnten Sie das
auf eine einfache Weise erläutern?
  
55:11 Es ist simpel. Zeit hat
das Ego entstehen lassen, das Ich,
  
55:18 das Selbstbild,
 
55:23 aufrechterhalten durch die Gesellschaft,
die Eltern, die Erziehung,
  
55:30 entstanden im Laufe von Millionen Jahren.
Das ist das Ergebnis von Zeit.
  
55:36 – Von da aus handele ich.
– Mit Blick auf die Zukunft.
  
55:39 Psychisch auf die Zukunft ausgerichtet,
auf einen zukünftigen Zustand.
  
55:41  
 
55:44 Das heißt, das Zentrum ist immer
im Werden begriffen.
  
55:49 – Versucht, besser zu werden.
– Besser, edler, oder das Gegenteil davon.
  
55:50  
 
55:54 Diese ständige Anstrengung,
etwas zu werden,
  
55:59 psychisch,
hat mit Zeit zu tun.
  
56:05 Sie sagen,
das führt zum Leiden?
  
56:07 Das ist offensichtlich.
 
56:11 Wieso?
 
56:14 Oh, mein Gott!
Wieso?
  
56:17 Weil, ganz einfach,
es führt zur Getrenntheit.
  
56:22 Es führt zur Spaltung in mir,
 
56:25 und Sie sind dann
verschieden von mir.
  
56:29 Und wenn ich mich
von jemand abhängig mache,
  
56:34 und diese Person ist weg,
 
56:36 nicht da, fühle ich mich einsam,
elend, unglücklich, traurig. Ich leide.
  
56:44 All das läuft ab.
 
56:49 Wir sagen also,
 
56:58 jede Art von Spaltung,
und das ist die Natur des Selbst,
  
57:01 führt unweigerlich zum Leiden.
 
57:09 Meinen Sie also, das Selbst entsteht
durch Zeit, und das Selbst
  
57:12 erzeugt Getrenntheit
und Konflikt und Leiden?
  
57:20 Und ohne psychische Zeit würde diese
ganze Struktur vielleicht zusammenbrechen,
  
57:22  
 
57:25 und etwas vollkommen anderes
würde geschehen.
  
57:29 Dann würde das Gehirn an sich
 
57:33 zusammenbrechen.
– Als nächstes verlässt es diesen Trott
  
57:36 und regeneriert sich vielleicht. Es folgt nicht
zwingend daraus, aber es könnte sein.
  
57:38  
 
57:42 Ich finde,
es folgt daraus ganz logisch.
  
57:45 Logischerweise
hört es auf zu verfallen.
  
57:49 Sie sagen, es würde sich
außerdem noch regenerieren.
  
58:00 Sie sehen skeptisch aus.
– Ja, weil das ganze
  
58:02 menschliche Dilemma ist
 
58:11 mit Zeit verknüpft.
– Ja, das wissen wir. – Gesellschaften,
  
58:12 Individuen,
die ganze Struktur.
  
58:18 Und
 
58:20 das ist so mächtig, dass
 
58:24 etwas so schwaches
nicht funktioniert.
  
58:30 – Was heißt "schwach"?
– Diese bindende Kraft ist so gewaltig.
  
58:32 Wenn man das
durchbrechen will,
  
58:36 das geht nur
mit noch größerer Energie.
  
58:41 Und niemand scheint
so viel Energie zu haben,
  
58:46 um es durchbrechen zu können.
Das ist eine der Schwierigkeiten.
  
58:51 Sie zäumen das
von der falschen Seite auf.
  
58:55 – Wenn Sie vom Individuum sprechen,
– Einem Menschen.
  
59:00 dann übersehen Sie
die Tatsache, dass
  
59:03 unser Gehirn
etwas universelles ist.
  
59:06  
 
59:07 – Ja, das stimmt.
– Es gibt keine Individualität.
  
59:10 Das Gehirn
ist darauf konditioniert.
  
59:14 Ja, das hatten wir schon.
 
59:17 Die Bindung an Zeit
hat es so konditioniert.
  
59:21 Zeit ist Konditionierung!
 
59:27 Und nicht:
Zeit hat die Konditionierung verursacht.
  
59:30 – Ihre innerste Struktur steckt darin.
– Ja, Zeit an sich
  
59:33 ist der konditionierende Faktor.
 
59:39 Geht das also, dass das Element Zeit
nicht-existent ist?
  
59:45 Wir meinen das im Psychischen,
nicht die gewöhnliche physikalische Zeit.
  
59:51 Ich sage, es geht.
 
59:57 Und wir sagten,
 
59:59 das Ende des Leidens
 
1:00:03 ist erreicht,
wenn das Selbst,
  
1:00:07 das durch Zeit entstanden ist,
 
1:00:10 nicht mehr da ist.
 
1:00:17 Ein Mensch, der gerade
schweres Leid empfindet,
  
1:00:24 eine schreckliche Zeit durchmacht,
 
1:00:29 wird sich dagegen wehren.
Er muss sich dagegen wehren.
  
1:00:33 Aber wenn er sich
wieder etwas gefangen hat,
  
1:00:37 und jemand bringt das zur Sprache
und er bereit ist zuzuhören,
  
1:00:44 bereit ist,
die Vernünftigkeit dessen zu sehen,
  
1:00:52 dagegen keine Mauer errichtet,
sondern für sich das Richtige darin sieht,
  
1:00:59 kann er diesen Bereich verlassen.
 
1:01:03 – Das Gehirn ist dann außerhalb
der Zeitgebundenheit. – Vorübergehend.
  
1:01:07  
 
1:01:08 Das Wort "vorübergehend"
bringt wieder die Zeit ins Spiel.
  
1:01:17 – Nein, er wird ins Zeitempfinden
zurückfallen. – Nein, das geht nicht.
  
1:01:19 Man kann nicht zurück, wenn man einmal
etwas als gefährlich erkannt hat,
  
1:01:25 kann man nicht wieder
dahin zurück.
  
1:01:31 Eine Kobra, irgendeine Gefahr,
man kann nicht!
  
1:01:36 Der Vergleich ist nicht passend,
weil wir so strukturiert sind,
  
1:01:42 dass wir unwillkürlich
dahin zurück gehen.
  
1:01:45 Sehen Sie mal, Narayan,
wenn Sie ein gefährliches Tier erblicken,
  
1:01:51 dann handeln Sie unmittelbar.
 
1:01:55 Vielleicht auf Grund erworbenen
 
1:01:58 Wissens, vergangener Erfahrungen,
jedenfalls handeln wir augenblicklich.
  
1:02:00 Selbstschutz.
 
1:02:07 Jedoch im Psychischen
 
1:02:15 sind wir uns
der Gefahren nicht bewusst.
  
1:02:19 Und wenn wir uns der Gefahren bewusst sind,
so wie einer körperlichen Bedrohung,
  
1:02:22 kommt es zu sofortigem Handeln,
es ist frei von Zeit.
  
1:02:27 Ich denke, man kann sagen, solange man
die Gefahr als solche erkennt,
  
1:02:29  
 
1:02:33 reagiert man sofort entsprechend.
Aber,
  
1:02:34  
 
1:02:38 bei dem Bild bleibend, es könnte ein Tier
geben, dessen Gefährlichkeit Sie kennen,
  
1:02:41 aber in veränderter Form
 
1:02:44 sieht man sie nicht.
– Ja, ich erkenne sie trotzdem.
  
1:02:47 Die Gefahr des Zurückfallens besteht also,
wenn nicht gesehen wird,
  
1:02:50 dass die Zeit-Illusion
auch andere Formen annehmen kann.
  
1:02:58 Aber ich glaube,
der wesentliche Punkt ist,
  
1:03:03 dass
 
1:03:05 Sie sagen, dass
 
1:03:06 das Gehirn
nicht dem Individuum gehört.
  
1:03:10 Absolut.
Dessen bin ich ganz sicher.
  
1:03:13 Dann hat es keinen Sinn zu sagen,
ein Mensch fällt zurück.
  
1:03:20 Das stünde dazu im Widerspruch.
 
1:03:23 Die Gefahr ist eher,
dass das Gehirn zurückfällt.
  
1:03:27 Das Gehirn könnte also zurückfallen,
weil es das Gefährliche noch nicht erkannt hat.
  
1:03:34 Es hat das hinter der Illusion Verborgene
noch nicht erkannt.
  
1:03:37 Der Heilige Geist
in seinen verschiedenen Gestalten.
  
1:03:51 Ja, ich denke,
das ist der Punkt.
  
1:03:55 Da sind wir
an der Wurzel des Problems: Zeit.
  
1:04:05  
 
1:04:08 Zeit und Getrenntheit in Individuen
liegt die gleiche Struktur zugrunde.
  
1:04:11 Auch wenn das am Anfang
nicht leicht einzusehen ist.
  
1:04:15 – Sehen Sie das ein?
– Wir sprachen schon darüber.
  
1:04:17  
 
1:04:20 Inwiefern gleichen sich strukturell
die Illusionen von Zeit und von Individualität?
  
1:04:24 Ich meine psychische Zeit.
 
1:04:27 Individualität ist das Gefühl jemand zu sein,
sich an einem bestimmten Ort zu befinden.
  
1:04:30  
 
1:04:33 – An einem Ort und getrennt.
– Getrennt von den Anderen.
  
1:04:38 Innerhalb eines Rahmens
sieht man alles als das Eigene,
  
1:04:40 und es gibt eine
zeitlich andauernde Identität.
  
1:04:44 Ohne Identität gäbe es
das Gefühl von Individualität nicht.
  
1:04:48 Jemanden, der seine Identität zu wechseln
glaubt, bezeichnet man nicht als Individuum.
  
1:04:51  
 
1:04:54 "Individuum" meint jemanden,
der in der Zeit lebt.
  
1:04:58 Ich halte das alles für einen Irrtum,
diese Vorstellung von Individualität.
  
1:05:06 Vielen Menschen würde es schwer fallen,
diese Vorstellung als einen Irrtum zu sehen.
  
1:05:08  
 
1:05:12 Natürlich. Manche Menschen
halten alles für schwer.
  
1:05:15 Man hat das Gefühl,
als Individuum zu existieren mindestens
  
1:05:17  
 
1:05:20 von der Geburt bis zum Tod, vielleicht
schon vorher, vielleicht auch nachher.
  
1:05:23 Die ganze Vorstellung, Individuum zu sein,
hängt mit der Zeit zusammen
  
1:05:27 und mit dem
psychischen Zeiterleben.
  
1:05:32 – Das meine ich.
– Nicht physikalische Zeit. – Nein, nein.
  
1:05:35 Diese Illusion
muss zerstört werden,
  
1:05:45 dass die Zeit
die Individualität geschaffen hat.
  
1:05:50 Das ist ein Irrtum.
 
1:05:52 Durch die Zeitgebundenheit
entstand die Vorstellung von Individualität.
  
1:05:57 Sie sagen, durch Zeit,
 
1:06:00 durch psychische Zeit ist die Vorstellung
von Individualität aufgekommen.
  
1:06:08 Kann dieses Gehirn
das verstehen?
  
1:06:11 Wie Narayan sagt,
 
1:06:16 da gibt es starke Kräfte
in jedem Gehirn
  
1:06:20 aus der Vergangenheit kommend,
die ständig weiterwirken.
  
1:06:25 Können die angehalten werden,
mal für eine Minute? Keine Minute.
  
1:06:29 Kann das anhalten?
Nicht nur eine Minute lang.
  
1:06:37 Die Schwierigkeit ist folgende:
 
1:06:40 Es steckt tief in uns, genetisch festgelegt,
und man funktioniert
  
1:06:43  
 
1:06:50 mehr oder weniger unbewusst.
Diese Kräfte der Vergangenheit bestimmen uns.
  
1:06:55 Und plötzlich erkennt man
blitzartig etwas als wahr.
  
1:07:02 Das Problem ist,
es hält eine Zeit lang an,
  
1:07:06  
 
1:07:09 vielleicht einen Tag.
Aber Tatsache ist, dass man
  
1:07:13 wieder den alten Kräften verfällt.
Diese Erfahrung machen die Menschen.
  
1:07:18 Ich weiß das. Aber ich sage,
man verfällt nicht wieder darin.
  
1:07:23 Deshalb sage ich,
es kann nicht etwas Schwächliches sein.
  
1:07:27 Sprechen Sie nicht
von "schwächlich" oder "stark".
  
1:07:30 Wenn man gesehen hat,
 
1:07:32 der Geist oder das Gehirn
sind sich dieser Tatsache bewusst,
  
1:07:38 kann es nicht mehr zurück.
 
1:07:43 Wie könnte es?
 
1:07:45 Deshalb sage ich,
dass es einen
  
1:07:49 anderen Weg geben muss,
das Zurückgehen zu verhindern.
  
1:07:53 Nicht "verhindern",
das braucht wieder Zeit.
  
1:07:56 Sie denken immer noch
an ein Verhindern.
  
1:08:00 Verhinderung im Sinne
 
1:08:04 eines menschlichen Faktors.
 
1:08:06 Das menschliche Gehirn
ist irrational.
  
1:08:10 Richtig?
 
1:08:13 Und solange es
auf irrationale Art funktioniert,
  
1:08:18 weigert es sich,
etwas Rationales anzuerkennen.
  
1:08:25 Es ist also Ihre Aussage,
dass schon das Sehen
  
1:08:27 das Zurückgehen verhindert,
 
1:08:33 das Zurückfallen.
Nein, so ist der Mensch nunmal.
  
1:08:38 Vielleicht sollten wir uns
dem Punkt "Verhinderung" mal zuwenden.
  
1:08:43 – Es könnte etwas klären.
– Darin sind beide Aspekte enthalten.
  
1:08:45 Sie sehen das Falsche daran
und dieses Sehen
  
1:08:50 verhindert das Zurückfallen.
 
1:08:56 Weil Sie
das Gefährliche daran sehen.
  
1:08:59 Es hindert Sie nichts, sondern es gibt
einfach keine Neigung zurückzufallen,
  
1:09:00  
 
1:09:04 man muss nichts verhindern.
 
1:09:06 Wenn man es sieht,
braucht es keine Verhinderung.
  
1:09:08 Es gibt keine Verführung
zurückzufallen.
  
1:09:12 Ich kann nicht zurück.
 
1:09:16 Wenn ich das Falsche
im religiösen Unsinn sehe, ist es vorbei.
  
1:09:20 Da ist jedoch die Möglichkeit, dass man es
in veränderter Form nicht erkennt.
  
1:09:21  
 
1:09:25 – Es erscheint vielleicht in anderer Gestalt.
– Dann ist die Versuchung wieder da.
  
1:09:27  
 
1:09:30 Der Geist ist wach, er fällt nicht rein.
Sie sagen, doch?
  
1:09:33  
 
1:09:35 Man durchschaut
die verschiedenen Formen.
  
1:09:38 – Genau.
– Ich habe noch eine Frage.
  
1:09:39 Gibt es eine Fähigkeit
 
1:09:42 im menschlichen System,
 
1:09:48 die diese Funktion hat
 
1:09:53 sozusagen,
und die dann
  
1:09:59 eine transformierende Wirkung
auf das Gehirn hat? – Das hatten wir bereits.
  
1:10:07 – Nein, darüber sprachen wir noch nicht.
– Langsam, Sir. Wir sagten, dass
  
1:10:14 Wahrnehmung außerhalb
der Zeit stattfindet,
  
1:10:22 ein unmittelbares Sehen,
 
1:10:32 das ganze Wesen der Zeit.
 
1:10:35 Mit einem alten Ausdruck gesagt:
man hat eine Einsicht in das Wesen der Zeit.
  
1:10:44  
 
1:10:50 Durch Einsicht in das Wesen der Zeit brechen
die durch die Zeitgebundenheit gewachsenen
  
1:10:57 Gehirnzellen zusammen. Sie verwandeln sich
und bewirken in sich eine Veränderung.
  
1:11:05 Das ist, was
 
1:11:10 diese Person sagt. Sie mögen anderer
Meinung sein und einen Beweis verlangen.
  
1:11:14 Ich sage, es geht nicht ums Beweisen,
sondern darum, es zu tun.
  
1:11:18 Tun Sie es.
Probieren Sie es aus.
  
1:11:26 Sie sagten neulich außerdem,
dass wenn
  
1:11:29 das Bewusstsein
seines Inhalts entleert ist
  
1:11:40 Der Inhalt ist Zeit.
 
1:11:42  
 
1:11:44 Sie sagten, es kommt dann
zu einer Transformation der Gehirnzellen.
  
1:11:49 Wenn das Bewusstsein
ohne Inhalt ist,
  
1:11:52 dann ist da kein Bewusstsein,
wie wir es kennen.
  
1:11:56  
 
1:11:59 Sie benutzten das Wort "Einsicht".
Welche Verbindung ist zwischen den beiden?
  
1:12:03 Es gibt offensichtlich eine Verbindung.
Zwischen was, Bewusstsein und Einsicht?
  
1:12:06  
 
1:12:08 Bewusstsein.
 
1:12:14 Wenn Sie sagen,
Bewusstsein ist seines Inhalts entleert
  
1:12:18 Vorsicht! Bewusstsein
setzt sich aus seinem Inhalt zusammen.
  
1:12:25 Der Inhalt
ist das Ergebnis von Zeit.
  
1:12:33 Der Inhalt besteht aus Zeit
und handelt von der Zeit.
  
1:12:40 Und die Zeit hat ihn gemacht.
 
1:12:43 Von Zeit gemacht
und es geht darin um Zeit,
  
1:12:47 wie er sagte.
Dann,
  
1:12:50 wenn dazu
eine Einsicht geschieht,
  
1:12:54 verschwindet das Denkmuster,
es ist zerbrochen.
  
1:12:59 Eine Einsicht,
 
1:13:03 die nichts mit Zeit oder Gedächtnis
zu tun hat und nicht aus dem Wissen kommt.
  
1:13:07 – Wer hat diese Einsicht?
– Ich bin es nicht.
  
1:13:10  
 
1:13:14 – Da ist eine Einsicht.
– Eine Einsicht,
  
1:13:18 und dieses Wort
hat einen positiven Beigeschmack.
  
1:13:22 Man hat eine Einsicht, das Bewusstsein
ist seines Inhalts entleert und
  
1:13:26 hat eine Art negative…
– Nein, Sir.
  
1:13:33 Sie sagen doch,
dass gerade
  
1:13:38 das Leerwerden des Inhalts,
die Abwesenheit von Inhalt, Einsicht ist.
  
1:13:42 Nein.
 
1:13:49 Wir sagen,
 
1:13:50 Zeit ist ein Faktor, der für
die Bildung des Inhalts verantwortlich ist.
  
1:13:56 Er bildet den Inhalt
und denkt darüber nach.
  
1:14:00 Es ist alles ein Gesamtpaket
und die Folge von Zeit.
  
1:14:06 Dann erfolgt eine Einsicht
in diese ganze Bewegung.
  
1:14:12 Nicht meine Einsicht.
 
1:14:14 – Nein, Einsicht.
– Einsicht,
  
1:14:16 die eine Transformation
im Gehirn bewirkt.
  
1:14:26 Weil sie
die Zeitbindung nicht fortsetzt.
  
1:14:30 Wenn Sie sagen,
der psychische Inhalt
  
1:14:34 entspricht einer körperlichen Struktur
im Gehirn, kann man davon ausgehen,
  
1:14:38 dass die Existenz
dieses psychischen Inhalts im Gehirn
  
1:14:41 auf der Bildung
zahlloser Nervenverbindungen
  
1:14:45 beruht,
die diesem Inhalt entsprechen.
  
1:14:49 Dann geschieht
eine blitzartige Einsicht, die
  
1:14:53 das alles sieht,
auch dass es nicht notwendig ist,
  
1:14:56 und deshalb
löst sich das ganze auf.
  
1:15:00 Danach gibt es keinen Inhalt
und Sie sagen,
  
1:15:04 das Gehirn verhält sich dann ganz anders.
– Noch weitergehend heißt das,
  
1:15:08 es herrscht
vollständige Leere vor.
  
1:15:16 Darüber sprechen wir jetzt nicht.
Wir hatten das neulich schon.
  
1:15:21 Nichtvorhandensein des Inhalts.
 
1:15:24 Vollständige Leere heißt aber nicht,
nichts mehr zu sehen,
  
1:15:26  
 
1:15:28 sondern Abwesenheit
dieses inneren Inhalts. – Richtig.
  
1:15:31  
 
1:15:41 Diese Leere
besitzt eine ungeheure Energie.
  
1:15:47 – Es ist Energie.
– Könnte man sagen,
  
1:15:48 das Gehirn hat durch die
zahllosen Verbindungen,
  
1:15:51 viel Energie gebunden?
– Das stimmt.
  
1:15:53 – Vergeudung von Energie.
– Wenn diese sich dann auflösen…
  
1:15:55 – Das stimmt.
…steht diese Energie zur Verfügung.
  
1:16:03 Wäre das körperliche
und auch andere Energie?
  
1:16:05  
 
1:16:07 – Nervliche Energie?
– Natürlich.
  
1:16:40 Nun Narayan,
Sie haben das jetzt gehört.
  
1:16:46 Wir können noch mehr ins Detail gehen,
aber Sie haben
  
1:16:52 im Prinzip
das Wesentliche gehört.
  
1:16:58 Ist es nur eine Theorie
oder eine Tatsache?
  
1:17:06 – Eine Theorie hätte keine…
– Nein, ich frage Sie. Weichen Sie nicht aus.
  
1:17:08  
 
1:17:13 Ist es eine schöne Idee
oder eine Tatsache?
  
1:17:19 Ich höre das alles.
 
1:17:23 Ich höre das mit den Ohren,
 
1:17:27 und mache daraus ein Modell.
 
1:17:31 Aber wenn ich zuhöre,
 
1:17:36 nicht nur
 
1:17:39 mit den Ohren, sondern
 
1:17:41 es in meinem Inneren höre,
 
1:17:46 mit meiner
 
1:17:48 innersten Struktur höre ich das.
 
1:17:54 Was geschieht dann?
 
1:17:58 Wenn das nicht geschieht,
 
1:18:01 bleibt es eine schöne Idee,
mit der wir uns ewig beschäftigen können,
  
1:18:05 damit herum spielen können.
Aber wenn da
  
1:18:09 sowas ist, "Ja, ich tu es",
verstehen Sie?
  
1:18:32 Also, Sir,
 
1:18:36 wir sind mehr oder weniger, Sie und ich
und vielleicht Narayan, mehr oder weniger
  
1:18:41 faszinierte Zuhörer.
 
1:18:49 Nehmen wir einen Wissenschaftler,
Bio-Feedback oder einen
  
1:18:55 andere Art von Gehirnspezialist.
Würden die dem zustimmen?
  
1:18:58 Würden sie überhaupt zuhören?
 
1:19:01 – Einige würden sicher,
aber die Mehrzahl bestimmt nicht. – Nein.
  
1:19:04 Also was dann?
 
1:19:12 Wie können wir,
 
1:19:17 das menschliche Gehirn beeinflussen,
wie können wir es berühren?
  
1:19:25 Ich glaube, dass den meisten Wissenschaftlern
das ziemlich abstrakt erscheinen wird,
  
1:19:28  
 
1:19:31 als möglich, als eine schöne Theorie.
– "Gut gemacht, interessant,
  
1:19:33 Ihnen zuzuhören."
– Wir haben keinen Beweis.
  
1:19:36 Sie würden sagen,
 
1:19:43 es klingt nicht sehr aufregend.
Ich sehe keinen Beweis.
  
1:19:48 So würde es
 
1:19:49 wohl ablaufen.
– Die Wohlgesonnenen würden so reagieren.
  
1:19:50 Wenn es
mehr Belege dafür gäbe,…
  
1:19:57 – "Wir kommen später wieder."
– …werden wir uns sehr dafür interessieren.
  
1:20:05 Sehen Sie,
es gibt keinen Beweis.
  
1:20:11 Was immer geschieht,
man kann es nicht
  
1:20:14 von außen erkennen.
– Natürlich, ich verstehe.
  
1:20:16 Aber die Frage ist,
was sollen wir tun?
  
1:20:20  
 
1:20:24 Unser Geist, unser Gehirn
gehört nicht uns.
  
1:20:30 Es ist das menschliche Gehirn an sich
nach Millionen Jahren Entwicklung.
  
1:20:37 Ein besonders schräger Typ,
eine biologische Besonderheit, kommt da raus.
  
1:20:41 Vielleicht,
er schafft es.
  
1:20:50 Wie kommt man
 
1:20:57 an den menschlichen Geist heran,
so dass er das sieht? – Ich denke,
  
1:21:03 man muss deutlich machen, wie notwendig
und unumgänglich das ist, was Sie sagen.
  
1:21:07 Man muss deutlich machen,
dass es notwendig und unumgänglich ist.
  
1:21:10  
 
1:21:12 SIe erklären es jemandem, er sieht es
mit eigenen Augen und sagt, "Es stimmt."
  
1:21:15  
 
1:21:18 Aber dazu
muss jemand zuhören.
  
1:21:23 Jemand, der das wirklich
 
1:21:27 verstehen will,
der es herausfinden will.
  
1:21:33 Das scheint eines
der schwierigsten Dinge im Leben zu sein.
  
1:21:38 Das ist
die Funktionsweise dieses
  
1:21:42 beschäftigten Gehirns. Es ist beschäftigt
mit sich selbst und hört nicht zu.
  
1:21:47 Eine Sache ist, dass dieses Beschäftigtsein
sehr früh im Leben zu beginnen scheint.
  
1:21:50  
 
1:21:55 Es ist eine starke Kraft
und es bleibt so das ganze Leben.
  
1:21:58  
 
1:22:01 – Wie kriegt man durch Erziehung hin,
– Oh, das ist eine ganz andere Sache.
  
1:22:05  
 
1:22:07 Ich würde eher warten,
bis jemand fragt, wie man damit
  
1:22:10 umgeht,
und dann darüber sprechen.
  
1:22:17 Sobald Sie das erkennen,
 
1:22:20 die Wichtigkeit
des Nichtbeschäftigtseins,
  
1:22:25 Sie sehen das für sich
als eine bedeutende Wahrheit,
  
1:22:29 finden Sie auch einen Weg,
ihnen zu helfen.
  
1:22:34 Das muss aus Ihnen
heraus kommen. Es kann
  
1:22:38 nicht einfach erzählt und dann
nachgemacht werden. Dann ist man verloren.
  
1:22:48 Die Frage ist dann,
wie man mit einem Gehirn kommuniziert,
  
1:22:52  
 
1:22:55 das sich weigert und nicht zuhört.
– Genau das frage ich mich.
  
1:23:00 – Gibt es einen Weg?
– Nein.
  
1:23:05 Nicht, wenn jemand
sich weigert zuzuhören.
  
1:23:08 Erzählen Sie das mal dem Papst.
Was wird er wohl sagen?
  
1:23:23 Sir, ich denke,
wir sollten zum Ende kommen.
  
1:23:39 Ich denke,
Meditation spielt dabei eine große Rolle.
  
1:23:46 Ich finde,
wir haben zusammen meditiert.
  
1:23:54 Normale Menschen würden das nicht
als Meditation bezeichnen.
  
1:23:59 Dieses Wort wird so
leichtfertig gebraucht.
  
1:24:01 Es ist eines dieser Dinge,
die verloren sind,
  
1:24:06 aus etwas Tiefem wurde etwas Gewöhnliches
gemacht. Das Wort ist unbrauchbar geworden.
  
1:24:14 Yoga, wie ich schon sagte,
war einmal etwas ganz Außerordentliches.
  
1:24:18  
 
1:24:24 Verstehen Sie mich nicht falsch,
wenn ich sage, es war für die Wenigen.
  
1:24:26 Es ist zu etwas Gewöhnlichem geworden.
Man verdient damit sein Geld. Es ist verloren.
  
1:24:30 So,
 
1:24:40 Meditation ist das,
 
1:24:48 Leerwerdenlassen des Bewusstseins.
 
1:24:50 Lassen Sie uns das klarstellen. Sie sagten,
es geschähe durch Einsicht.
  
1:24:53 Wollen Sie sagen,
Meditation fördert die Einsicht?
  
1:24:57 – Meditation ist Einsicht. – Sie ist bereits
Einsicht. Man tut auch etwas, aber
  
1:25:00  
 
1:25:03 Einsicht wird üblicherweise
als blitzartig verstanden.
  
1:25:06 – Ja, Einsicht ist ein Blitz.
– Aber Meditation hat eine zeitliche Ausdehnung.
  
1:25:07  
 
1:25:13 Wir sollten vorsichtig damit sein, welche
Bedeutung wir dem Wort "Meditation" geben.
  
1:25:15 Ja, das ist wichtig.
 
1:25:22 Wir können die anerkannten Systeme
beiseite lassen, die Methoden, ihre Autoritäten,
  
1:25:25  
 
1:25:30 Zen, tibetische Meditation,
hinduistisch, buddhistisch.
  
1:25:35 Wir können sie beiseite lassen. Offensichtlich
bestehen sie nur aus Tradition, Wiederholung,
  
1:25:38 Unsinn, der die Bindung
an Zeit fortsetzt.
  
1:25:41 Meinen Sie nicht,
einige von ihnen gründeten sehr tief?
  
1:25:48 Einige hatten vielleicht
wirklich ursprüngliche Einsichten.
  
1:25:52 Wenn ja, würden sie nicht zu einer Religion
gehören, den Christen, Hindus, Buddhisten.
  
1:25:55 – Sie wären nichts.
– In der Vergangenheit.
  
1:25:59 Wer weiß das schon?
– Ja.
  
1:26:07 Ich kann mit solchen
schlauen Fragen umgehen.
  
1:26:12 Also,
 
1:26:14 Meditation, Sir,
 
1:26:23 ist dieses Durchdringen.
 
1:26:25 Ich weiß nicht, ob dieses Wort passt.
Es ist eine Art von
  
1:26:33 Bewegung
ohne jegliche Vergangenheit.
  
1:26:46 Der wichtige Punkt ist,
 
1:26:47  
 
1:26:49 ob Sie mit dem Wort "Meditation"
mehr meinen als nur Einsicht.
  
1:26:55  
 
1:26:57 – Es scheint etwas mehr zu enthalten.
– Etwas mehr. Viel mehr.
  
1:27:04 Einsicht hat das Gehirn
von der Vergangenheit befreit, von der Zeit.
  
1:27:11 Das ist eine enorme Aussage.
 
1:27:18 Die übliche Meditation
ist ein Etwas-Werden,
  
1:27:24 und in jedem Werden
steckt Zeit. Also,
  
1:27:28 sollte es nicht
um das Werden gehen.
  
1:27:34 Aber das hieße,
dass man Einsicht haben muss,
  
1:27:38 wenn man meditieren will.
 
1:27:40  
 
1:27:43 – Ohne Einsicht kann man
nicht meditieren. – Natürlich nicht.
  
1:27:44  
 
1:27:46 – Es ist keine Methode, mit der man
zu Einsicht kommt. – Nein!
  
1:27:50 Sofort wäre wieder Zeit im Spiel.
 
1:27:53 Durch Prozeduren, Methoden oder ein
System Einsicht zu erlangen, klingt so verrückt.
  
1:27:56 Einsicht in die Gier,
 
1:28:02 in Angst, in all das
 
1:28:10 befreit den Geist davon.
 
1:28:14 Dann
 
1:28:16 hat Meditation
eine ganz andere Qualität.
  
1:28:19 Sie hat nichts zu tun
mit all diesen
  
1:28:22 Meditationsempfehlungen
der Gurus.
  
1:28:25 Richtig?
 
1:28:27 So, was bedeutet das?
 
1:28:39 Könnten wir sagen, Sir,
 
1:28:41 es sind alles nicht
die richtigen Worte,
  
1:28:48 um Einsicht zu haben,
braucht man Stille.
  
1:28:53  
 
1:28:55 Wir drehen uns
im Kreis.
  
1:28:57 – Nur für den Augenblick.
– Mein Geist ist still. – Stille.
  
1:28:59 Die Stille der Einsicht
 
1:29:06 reinigt,
 
1:29:11 hat all das gesäubert.
– Die Struktur des
  
1:29:12 Beschäftigtseins.
– Dann,
  
1:29:18 Meditation,
 
1:29:22 oh Gott, was ist es?
 
1:29:32 Es gibt da
 
1:29:34 keine Bewegung
im üblichen Sinne.
  
1:29:38 Bewegung heißt Zeit usw.
 
1:29:40 Es ist nicht
diese Art von Bewegung.
  
1:29:44 Eine andere Art?
 
1:29:53 Ich sehe nicht, wie wir das
in Worten ausdrücken können.
  
1:30:08 Dieses Gefühl
eines grenzenlosen Zustands.
  
1:30:16 Aber in Ojai sagten Sie,
es sei notwendig, Worte dafür zu finden.
  
1:30:18  
 
1:30:20 Sie haben gesagt,
 
1:30:23 es sei dennoch notwendig,
für das Unsagbare eine Sprache zu finden.
  
1:30:26 Ja. Wir werden noch
eine Sprache dafür finden.
  
1:30:32 Wir hören jetzt besser auf.
 
1:30:36 Sollen wir uns
kommenden Sonntag wieder treffen, okay?