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Kann der menschliche Geist völlig frei von Angst sein?

San Diego - 6 April 1970

Public Talk 2



0:17 Man muss ernsthaft sein.
 
0:22 Nur diejenigen, die wirklich
 
0:29 ernsthaft sind,
können richtig leben,
  
0:32 können ein Leben führen,
das vollständig und ganz ist.
  
0:39 Und diese Ernsthaftigkeit
schließt die Freude nicht aus.
  
0:54 Aber so lange man Angst hat,
 
1:02 ist es nicht möglich, ernsthaft
zu sein und Freude zu empfinden,
  
1:09 oder zu wissen,
was große Freude ist.
  
1:16 Und Angst scheint eine der
häufigsten Dinge im Leben zu sein,
  
1:26 und seltsamerweise haben wir
dies als eine Art zu Leben akzeptiert,
  
1:34 genauso, wie wir die Gewalt als
eine Art zu Leben akzeptiert haben,
  
1:44 haben wir auch akzeptiert,
und uns daran gewöhnt,
  
1:49 uns sowohl psychisch, als
auch physisch zu fürchten.
  
1:58 Und an diesem Abend,
wenn es möglich ist,
  
2:05 werden wir dieser Frage nachgehen.
 
2:12 Wir sollten dieser Frage
so vollständig nachgehen,
  
2:23 dass wir sie so vollkommen verstehen,
 
2:32 dass wir beim Verlassen
dieses Saals oder dieses Ortes,
  
2:37 von dieser Angst befreit sein sollten.
 
2:43 Ich denke, dass dies möglich ist,
 
2:46 es ist nicht bloß eine
Theorie oder eine Hoffnung,
  
2:56 sondern, wenn man,
wie wir es gerade tun,
  
3:01 seine vollkommene Aufmerksamkeit
dieser Frage nach der Angst widmet,
  
3:07 bin ich mir ziemlich sicher, dass man
durch die Erforschung der Ursachen,
  
3:10  
 
3:21 und auch der Herangehensweise an diese,
 
3:26 wie auf diese zu schauen ist,
wie sie vollständig beendet werden kann,
  
3:36 damit unser Geist,
 
3:39 der menschliche Geist,
der so viel gelitten hat,
  
3:44 der so viel Schmerzen ertragen hat,
 
3:47 der mit so viel Leid und Angst gelebt hat,
 
3:54 sich vollständig von dieser Sache
namens Angst befreien kann.
  
4:11 Und, um diese verstehen zu können,
 
4:15 müssen wir uns untereinander
relativ gut verständigen können.
  
4:25 Verständigung bedeutet,
das Wort selbst bedeutet,
  
4:31 ein gemeinsamen Erschaffen,
ein gemeinsamen Verständnis,
  
4:37 eine gemeinsame Arbeit,
 
4:42 und nicht, dass Sie einfach
dem Redner zuhören,
  
4:50 ein paar Worte oder Ideen hören,
 
4:54 sondern, dass Sie mit dem Redner
gemeinsam eine Reise unternehmen,
  
5:07 und dieses komplexe Problem
der Angst verstehen lernen.
  
5:18 Und, um uns zu verständigen,
 
5:23 um diese Reise gemeinsam zu unternehmen,
 
5:26 dürfen Sie weder akzeptieren,
noch ablehnen,
  
5:38 Sie sollten nicht sagen, dass es unmöglich
ist, sich von der Angst zu befreien,
  
5:39  
 
5:44 oder die Angst rationalisieren,
oder diese akzeptieren,
  
5:51 Sie benötigen einen freien Geist,
um der Frage nachzugehen,
  
5:59 einen Geist, der keine
Schlussfolgerungen hat,
  
6:05 der weder sagt, dass es möglich ist,
noch, dass es unmöglich ist.
  
6:10 Denn wir untersuchen und
erforschen gemeinsam.
  
6:15 Also müssen Sie frei sein,
um untersuchen zu können.
  
6:22 Das ist absolut notwendig.
 
6:31 Damit man keine Vorurteile hat,
 
6:34 die verhindern, die Wahrheit
der Sache zu verstehen,
  
6:36  
 
6:39 von dem "was ist".
 
6:42 Es gibt viele Formen der Angst,
 
6:51 physische, psychische und
psychosomatische Ängste.
  
6:55  
 
7:01 Und, um jeder dieser Formen
nachgehen zu können,
  
7:09 bräuchte man sehr viel Zeit,
eine Vielzahl an Tagen,
  
7:14 um jedem Aspekt
jeder Angst nachzugehen.
  
7:21 Aber ich denke, dass man
 
7:31 die Qualität der Angst, der
allgemeinen Angst beobachten kann,
  
7:38 nicht einer bestimmten Angst,
 
7:46 sondern die Natur der Angst,
 
7:53 die Struktur der Angst,
 
7:56 ohne sich in den Details einer bestimmten
Form der eigenen Ängste zu verlieren.
  
8:06 Denn, wenn wir die Natur und
die Struktur der Angst verstehen,
  
8:10  
 
8:16 können wir dieses
Verständnis dazu nutzen,
  
8:22 oder können mit Hilfe
dieses Verständnisses
  
8:26 den bestimmten Ängsten begegnen.
 
8:31 Man hat vielleicht Angst vor
der Dunkelheit, physisch,
  
8:37 oder man hat Angst vor der
eigenen Frau oder dem Mann,
  
8:44 oder Angst davor, was die
Öffentlichkeit denkt oder sagt.
  
8:51 Oder man hat Angst vor
dem Gefühl der Einsamkeit,
  
9:02 oder der Leere des Lebens,
 
9:10 oder der bedeutungslosen
Existenz, die man selbst führt.
  
9:21 Oder man hat Angst vor der Zukunft,
 
9:26 dem Morgen, der Ungewissheit,
der Unsicherheit,
  
9:34 der Bombe.
 
9:38 Oder man hat Angst vor dem Tod,
 
9:45 das Ende des eigenen Lebens.
 
9:51 Also gibt es verschiedene
Formen der Angst,
  
9:56 neurotische, als auch
vernünftige, rationale Ängste,
  
10:07 insofern Angst überhaupt
rational oder vernünftig sein kann.
  
10:11 Aber scheinbar haben die meisten von uns
 
10:16 neurotische Angst,
 
10:20 sowohl vor der Vergangenheit,
 
10:24 vor dem Heute und vor dem Morgen,
 
10:30 die Dinge, die man in der
Vergangenheit getan hat.
  
10:37 Oder auf Grund von Krankheiten und
Schmerzen, die man gehabt hat,
  
10:42  
 
10:44 und man möchte nicht,
dass sich diese wiederholen,
  
10:47 und daher fürchtet man sich davor.
 
10:53 Man hat Angst vor der Zeit,
dem Altwerden,
  
11:00  
 
11:02 Angst senil zu werden,
von anderen abhängig zu sein.
  
11:06  
 
11:11 Also ist da die Angst vor der Zeit,
 
11:23 Angst vor der Vergangenheit
und Angst vor der Zukunft.
  
11:35 Und die Angst vor der
Einsamkeit, vor dem Tod,
  
11:41 vor öffentlichen Meinungen,
und diesen nicht zu entsprechen,
  
11:47 nicht in der Lage zu sein,
erfolgreich zu werden,
  
11:51 nicht in der Lage zu sein,
sich zu verwirklichen,
  
11:54 ein niemand in dieser dummen
Welt zu sein, und so weiter.
  
12:02 Und es gibt so viele Ängste,
 
12:09 nicht nur bewusste Ängste,
 
12:16 Ängste, denen man sich bewusst ist,
 
12:20 sondern auch Ängste,
die tief innen liegen,
  
12:26 unentdeckt, unerforscht,
 
12:31 in entlegenen Winkeln
unseres Geistes.
  
12:42 Die Frage ist also
 
12:45 nicht nur, wie man mit den
bewussten Ängsten umzugehen hat,
  
12:53 sondern auch mit den Ängsten,
die verborgen sind,
  
12:58 die Angst vor der Zeit,
 
13:06 vor dem Gestern, vor den
Dingen, die man getan hat,
  
13:14  
 
13:21 die Wiederholung dieses
Elends, vor dem Morgen,
  
13:25 der Ungewissheit,
der Unsicherheit,
  
13:31 sowohl psychisch, als auch physisch.
 
13:42 Und da gibt es die Ängste
vor der großen Einsamkeit,
  
13:54 und die Flucht, vor dieser Einsamkeit.
 
14:00 Gewiss ist die Angst eine Bewegung
weg von dem, "was ist",
  
14:18 der Flug, die Flucht,
die Vermeidung
  
14:25 von dem, "was tatsächlich ist",
 
14:29 diese Bewegung davon weg,
erzeugt die Angst.
  
14:37 Daher, wenn es einen Vergleich
irgendeiner Art gibt,
  
14:41  
 
14:49 brütet dieser Vergleich die Angst,
 
15:00 sich selbst mit einem
anderen zu vergleichen,
  
15:04 den man für größer,
weiser und nobler hält.
  
15:12 Und der Vergleich von dem, was Sie
sind und dem, was Sie sein sollten.
  
15:24 Also ist Angst eine Bewegung weg von
dem Tatsächlichen, von dem "was ist",
  
15:32 die Bewegung, nicht das Objekt,
vor dem man flüchtet.
  
15:43 Und die Angst entsteht durch Vergleichen.
 
15:57 Und es gibt die Angst,
 
16:02 tief in einem verborgen,
 
16:06 der man sich nicht bewusst ist.
 
16:09 Also sind all diese
Probleme sehr komplex.
  
16:17 Und keine Angst kann mit dem
Willen aufgelöst werden,
  
16:28 indem man sagt:
"Ich werde keine Angst haben".
  
16:33 Der eigene Wille hat keine Bedeutung.
 
16:37 Ich hoffe, dass Sie alledem folgen.
 
16:43 Dies ist kein Spiel,
das ich mit Ihnen spiele,
  
16:48 oder, das Sie mit mir spielen.
 
16:53 Wir befassen uns mit
sehr ernsten Problemen,
  
17:02 und daher müssen Sie diesen
Ihre Aufmerksamkeit schenken.
  
17:07 Und das können Sie nicht tun, wenn
Sie interpretieren oder übersetzen,
  
17:11  
 
17:14 oder das Gesagte mit dem vergleichen,
das sie bereits darüber wissen,
  
17:20 Sie müssen zuhören.
 
17:23 Und die Kunst des Zuhörens
muss man erlernen,
  
17:34 denn man hört überhaupt nicht zu,
 
17:38 man ist ständig am
Vergleichen und Bewerten,
  
17:41 Beurteilen und Ablehnen.
 
17:47 Damit hindern Sie sich
daran, wirklich zuzuhören.
  
17:56 Einem anderen so vollkommen zuzuhören,
 
18:02 impliziert, dass Sie ihm Ihre
ganze Aufmerksamkeit schenken,
  
18:07 es bedeutet nicht, dass Sie
zustimmen oder ablehnen,
  
18:11 denn es gibt keine
Zustimmung oder Ablehnung,
  
18:14 wenn wir gemeinsam untersuchen.
 
18:18 Eventuell ist das Mikroskop,
durch das Sie schauen,
  
18:26 unklar oder blind.
 
18:34 Wenn Sie ein Präzisionsinstrument haben,
 
18:40 dann werden Sie das selbe sehen,
das auch ein anderer sieht.
  
18:48 Also stellt sich die Frage
 
18:51 von Zustimmung oder Ablehnung nicht.
 
19:00 Also versuchen wir diese Frage
 
19:05 nach der Angst zu untersuchen,
 
19:08 also müssen Sie Ihre Aufmerksamkeit
benutzen, denn es ist Ihr Leben,
  
19:14 denn die Angst betäubt den Geist,
 
19:18 sie macht den Geist
gefühllos und stumpf.
  
19:22 Wie kann ein Geist, der Angst hat, lieben?
 
19:28 Was kann ein Geist, der abhängig ist,
von Freude wissen, außer Angst?
  
19:30 Also
 
19:47 sowohl bewusste, als
auch verborgene Ängste.
  
19:54 Wie beginnt man die Untersuchung,
 
19:57 wie offenbart man die verborgenen Ängste?
 
20:02 Und, wenn man sie offenlegt,
 
20:05 wie wird man sich von ihnen befreien,
 
20:07 wie kann sich der Geist von ihnen
befreien? Das ist die erste Frage.
  
20:13 Bitte folgen Sie dem,
 
20:23 Sie müssen es selbst tun,
 
20:26 Sie müssen es selbst beobachten,
 
20:29 der Redner gibt
Ihnen nur hinweise.
  
20:39 Wie gelingt es, die verborgenen
Ängste zu öffnen,
  
20:42  
 
20:48 diese offen zu legen?
 
20:51 Man kennt die bewussten Ängste,
 
20:58 und wie man mit diesen umgeht,
besprechen wir in Kürze.
  
21:03 Aber es gibt die verborgenen Ängste,
 
21:06 die vielleicht noch wichtiger sind.
 
21:09 Wie beschäftigt man sich mit diesen,
 
21:13 wie legt man diese offen?
 
21:15 Darf ich meinen Anzug ausziehen?
Haben Sie etwas dagegen?
  
21:19  
 
21:21 Also untersuchen wir,
 
21:26 wie die tiefen Schichten der verborgenen
Ängste offengelegt werden können.
  
21:34  
 
21:38 Können diese durch Analyse
offengelegt werden?
  
21:47 Diese analysieren und
ihre Ursachen sehen.
  
21:53 Wird die Analyse den Geist
von der Angst befreien,
  
22:03 nicht von einer bestimmten
neurotischen Angst, sondern
  
22:06 von der gesamten Struktur
der Angst. Analyse?
  
22:11  
 
22:17 Die Analyse impliziert Zeit,
 
22:23 viele, viele Tage, Jahre
oder Ihr ganzes Leben,
  
22:28 und am Ende verstehen Sie
vielleicht ein wenig davon,
  
22:31 aber Ihr Leben ist dann
schon fast vorbei.
  
22:36 Und die Analyse impliziert
auch den Analysator.
  
22:44 Wer ist der Analysator?
Ist es der Therapeut,
  
22:48  
 
22:52 der Experte,
der einen Titel hat,
  
22:59 der Ihre tiefen verborgenen
Ängste analysieren wird?
  
23:07 Und er wird auch
Zeit in Anspruch nehmen
  
23:14 und daher auch Ihr Geld.
 
23:21 Also impliziert die Analyse
den Analysator, der der Zensor ist,
  
23:33 der das Resultat von vielen
Arten an Konditionierungen ist.
  
23:41 Und er wird die Angst analysieren,
 
23:46 die er selbst erschaffen hat.
 
23:51 Richtig?
 
23:53 Ich hoffe, dass Sie alledem folgen,
 
23:58 denn unsere Absicht ist es,
 
24:04 dass Sie beim Verlassen
dieses warmen Saales,
  
24:10 keine Form der Angst mehr haben.
 
24:18 Es ist machbar.
 
24:24 Und dann werden Sie ein ganz
anderes Leben kennenlernen,
  
24:30 Sie werden wahrhaftige
Freude kennen,
  
24:39 einen Geist, der vollständig
 
24:40 frei von dieser furchtbaren
Sache ist, die wir Angst nennen.
  
24:53 Und, um davon frei zu sein,
 
24:58 müssen wir gemeinsam den Weg gehen.
 
25:02 Sie werden genauso hart daran
arbeiten, wie es der Redner tut.
  
25:14 Also impliziert die Analyse
Zeit und den Analysator.
  
25:24 Bitte sehen Sie diese Wahrheit,
 
25:27 nicht als eine Meinung der Redners,
der sie Ihre eigene gegenüberstellen,
  
25:30 oder die Meinung oder
das Wissen eines anderen,
  
25:33 sehen Sie die Tatsache,
dass eine Analyse Zeit benötigt.
  
25:45 Und das Intervall zwischen dem,
das Sie analysieren und
  
25:51 dessen Ende bedingt einen
Zeitverlauf und daher
  
25:55  
 
25:59 jede Menge anderer Faktoren, die
der Sache eine andere Richtung geben.
  
26:02 Der Analysator ist ein Fragment
unter vielen anderen Fragmenten,
  
26:07 die das "Selbst", das "Ich",
das "Ego" ausmachen.
  
26:15 Also wird er zum Analysator,
 
26:19 er übernimmt die Autorität
des Analysators,
  
26:24 und seine Analyse muss
jedes Mal vollständig sein,
  
26:30 denn was für einen Sinn
hat sonst eine Analyse?
  
26:38 Also führt die Analyse, die Zeit
und Fragmentierung impliziert
  
26:43 nicht zum Ende der Angst.
 
26:49 Ist das ein einigermaßen klar?
 
26:56 Wenn Sie dies erkennen, bedeutet dies,
dass Sie die Idee einer schrittweisen
  
26:59  
 
27:04 Veränderung komplett
beiseite gelegt haben,
  
27:13 denn der Faktor der Veränderung,
 
27:18 ist einer der Hauptursachen der Angst.
 
27:28 Sind Sie alle fasziniert?
 
27:38 Denn für mich, für den Redner,
ist dies eine sehr wichtige Sache,
  
27:42 daher hat er starke Gefühle,
 
27:46 er spricht intensiv,
er macht keine Propaganda,
  
27:48  
 
27:53 Sie können keiner
Sache beitreten,
  
27:56 es gibt nichts, an das
Sie glauben können,
  
28:04 Sie können nur
beobachten und lernen
  
28:11 und sich damit
von der Angst befreien.
  
28:15 Also ist Analyse keine Lösung.
 
28:20 Wissen Sie, was es bedeutet,
 
28:21 wenn Sie die Wahrheit darin erkennen?
 
28:35 Es bedeutet, dass Sie nicht länger
aus der Sicht des Analysators denken,
  
28:47 der untersuchen wird,
der analysieren wird,
  
28:51 der beurteilen und bewerten wird,
 
28:58 daher ist Ihr Geist von dieser
Last der Analyse befreit,
  
29:05 daher hat er die Möglichkeit
direkt zu beobachten.
  
29:18 Und,
 
29:29 wenn Analyse nicht die Lösung
und daher der falsche Weg ist,
  
29:38 wie sollen Sie dann
auf die Angst schauen?
  
29:43 Wie werden Sie die ganzen
Zusammenhänge erkennen,
  
29:52 all die verborgenen
Teile der Angst?
  
29:55 Durch Träume?
 
30:03 Träume sind die Fortsetzung der Stunden
des Wachseins, während des Schlafes.
  
30:10 Oder nicht?
 
30:15 Folgen Sie alledem?
 
30:21 Ich weiß nicht, ob Sie bemerkt haben,
 
30:23 dass es in den Träumen
immer lebhaft zugeht,
  
30:26 man tut etwas oder
etwas passiert,
  
30:31 was das selbe ist, wie in
den Stunden des Wachseins.
  
30:36 Die Fortsetzung der
Stunden des Wachseins,
  
30:43 durch die Träume,
während man schläft,
  
30:46 ist immer noch ein
Teil der ganzen Bewegung.
  
30:52 Also
 
30:54 sind Träume wertlos.
 
31:01 Akzeptieren Sie all dies?
 
31:03 Ich hoffe sehr,
 
31:05 ich bin mir sicher, dass Sie es
nicht tun, aber das macht nichts.
  
31:13 Denn Sie sehen, was passiert,
 
31:16 wir eliminieren die Dinge,
an die Sie gewohnt sind:
  
31:25 Analyse, Träume, Wille,
 
31:33 Zeit,
 
31:38 und wenn Sie diese eliminieren,
 
31:41 wird der Geist außerordentlich feinfühlig.
 
31:53 Und durch diese Eliminierung,
 
31:56 wird er nicht nur feinfühlig,
 
32:01 sondern auch intelligent.
 
32:07 Nun werden wir mit dieser
Feinfühligkeit und Intelligenz
  
32:11 auf die Angst schauen. Richtig?
 
32:18 Gehen wir den Weg gemeinsam?
 
32:24 Wissen Sie, es ist ein großer Spaß,
wenn Sie sich wirklich darin vertiefen,
  
32:31 denn Sie drehen sich dann weg,
und Sie kehren der sozialen Ordnung
  
32:35 Ihren Rücken zu, in der Zeit,
 
32:39 Analyse und der Wille funktionieren.
 
32:53 Was also ist Angst?
 
33:01 Was ist Angst,
wie entsteht sie?
  
33:09 Die Angst hat immer einen
Bezug zu einer Sache,
  
33:14 sie existiert nicht allein für sich.
 
33:19 In Bezug zu etwas, das dauerhaft ist,
 
33:24 zu einer anderen Sache,
die ebenfalls dauerhaft ist.
  
33:32 Richtig?
 
33:38 Man hat Angst, vor dem,
was gestern passiert ist,
  
33:44 und, dass es sich
morgen wiederholen könnte,
  
33:49 sei es nun ein Schmerz
oder eine andere Sache,
  
33:54 es gibt immer einen fixen Punkt,
zu der ein Bezug besteht.
  
34:11 Wir werden dieser Sache gleich nachgehen.
 
34:14 Wir haben also gesagt,
 
34:16 dass Angst nur in Bezug zu
einer anderen Sache existiert.
  
34:23 Ansonsten gibt es keine Angst.
 
34:31 Ein Bezug zur Vergangenheit.
 
34:34 Die Erinnerung an die vergangenen
Schmerzen, und man möchte nicht,
  
34:42 dass sich diese morgen oder
heute wiederholen.
  
34:52 Also ein Bezug, zu einer
Sache, die bereits geschehen ist.
  
35:00 Und was ist Angst?
 
35:03 Sie hatten gestern Schmerzen,
 
35:09 das ist offensichtlich,
Sie haben diese gehabt.
  
35:13 Oder es gibt einen Plan für morgen,
der vielleicht nicht zustande kommt.
  
35:21 Also gibt es Angst
vor dem gestrigen Tag,
  
35:26 und es gibt Angst
vor dem morgigen Tag.
  
35:29 Wie entsteht diese Angst?
 
35:37 Nicht ich stelle diese Frage, sondern Sie.
 
35:42 Also arbeiten Sie hart daran.
 
35:50 Ich hatte gestern
offensichtlich Schmerzen,
  
35:56 und ich habe Erinnerungen daran,
 
35:59 und
 
36:07 ich möchte die Schmerzen
morgen nicht erneut haben.
  
36:11 Wie kommt nun die Angst ins Spiel?
 
36:17 Das Denken über die Schmerzen von gestern,
 
36:27 die Erinnerungen an die
Schmerzen von gestern,
  
36:34 das Denken projiziert die
Schmerzen auf morgen
  
36:37 und somit entsteht
die Angst vor morgen.
  
36:39 Also erzeugt das Denken
die Angst. Richtig?
  
36:46 Nein? Folgen Sie mir?
 
36:57 Das Denken weckt und erzeugt die Angst,
 
37:01 und das Denken kultiviert
auch das Vergnügen.
  
37:07 Um die Angst verstehen zu können,
müssen Sie auch das Vergnügen verstehen,
  
37:14 denn diese hängen zusammen,
 
37:17 ohne die eine Sache zu verstehen,
können Sie die andere nicht verstehen.
  
37:21 Sie können zum Beispiel nicht sagen:
 
37:22 "Ich darf nur Vergnügen
haben und keine Angst".
  
37:28 Denn die Angst ist die andere Seite
der Medaille, die wir Vergnügen nennen.
  
37:34  
 
37:41 Richtig? Folgen wir einander?
 
37:48 Man hatte gestern Vergnügen,
 
37:51 sexuell oder auf eine andere Art,
 
37:55 Sie denken darüber nach, über das Bild,
und Sie wiederkäuen das Vergnügen,
  
38:00  
 
38:05 Sie denken darüber nach.
 
38:12 Und Sie werden es morgen
vielleicht nicht mehr haben.
  
38:17 Also erzeugt
 
38:21 das Denken die Angst.
 
38:27 Ich denke, dass das
ziemlich klar ist, oder?
  
38:33 Also hält das Denken nicht
nur das Vergnügen aufrecht,
  
38:41 sondern nährt auch die Angst,
 
38:50 und das Denken hat sich als
der Analysator abgespalten,
  
38:58 denn die Sache, die man analysiert,
ist auch Teil des Denkens.
  
39:06 Also spielt sich das Denken
selbst einen Streich.
  
39:16 Daher lautet die Frage:
 
39:23 Wenn das Denken all diese Dinge tut,
 
39:30 das Denken, das es ablehnt die verborgenen
 
39:36 und unbewussten Ängste zu untersuchen,
 
39:41 das Denken, das den Analysator
 
39:44 von der analysierten Sache getrennt hat,
 
39:49 das Denken, das die Zeit
ins Spiel gebracht hat,
  
39:59 als ein Mittel, um der Angst zu
entkommen, aber diese aufrecht erhält,
  
40:09 und das Denken, das das
Vergnügen nährt,
  
40:16 was überhaupt nichts
mit Freude zu tun hat,
  
40:23 denn die Freude ist kein
Produkt des Denkens,
  
40:34 es ist kein Vergnügen.
 
40:38 Sie können das Vergnügen kultivieren,
 
40:41 Sie können endlos darüber nachdenken,
 
40:47 und daran großes Vergnügen finden,
 
40:50 aber mit der Freude
können Sie das nicht tun.
  
40:54 In dem Augenblick, in dem Sie
es versuchen, ist sie verschwunden.
  
40:57 Dann wird es zu einer Sache,
von der Sie Vergnügen ableiten,
  
41:00 und daher zu einer Sache,
die Sie Angst haben zu verlieren.
  
41:07 Also ist das Denken für beides, dem
Vergnügen und der Angst, verantwortlich.
  
41:14  
 
41:24 Und das Denken hat auch Angst
davor vollkommen allein zu sein.
  
41:35 Das Denken hat es bereits verurteilt,
 
41:42 und daher erfindet das Denken einen
Weg, um vor der Einsamkeit zu flüchten,
  
41:47 durch verschiedene Formen der
religiösen Unterhaltung,
  
41:52 oder kulturell, oder auf eine andere Art,
 
42:00 die endlose Suche nach
 
42:06 weiteren und tieferen Abhängigkeiten.
 
42:10 Also ist das Denken verantwortlich.
 
42:15 Was soll man nun tun?
 
42:19 Ich hoffe, dass Sie all dies verstehen.
 
42:23 Was soll man tun, wenn man
erkennt, dass das Denken,
  
42:33 das die Reaktion des Gedächtnisses
 
42:37 auf jede noch so kleine oder
große Herausforderung ist,
  
42:46 die das Vergnügen und
die Angst aufrecht erhält,
  
42:52 das sind alles Fakten und nicht
die Erfindungen des Redners,
  
42:59 oder seine sonderbare
Philosophie oder Theorie,
  
43:04 dies sind absolute und täglich
beobachtbare Fakten.
  
43:13 Dann ist die nächste Frage:
Was soll man tun?
  
43:19 Das Denken ist da,
 
43:23 Sie können es nicht töten,
 
43:29 Sie können es nicht zerstören,
 
43:34 Sie können nicht sagen:
"nun ja, ich werde es vergessen",
  
43:40 Sie können nicht widerstehen,
 
43:44 wenn Sie es tun, ist das
erneut eine Form des Denkens.
  
44:05 Das Denken ist die
Reaktion des Gedächtnisses.
  
44:10 Und Sie benötigen dieses Gedächtnis,
um täglich funktionieren zu können,
  
44:16 um ins Büro zu gehen,
um nach Hause zu gehen,
  
44:19 um sprechen zu können,
 
44:25 dieses Gedächtnis, ist das Lager
Ihres technischen Wissens.
  
44:34 Also brauchen Sie dieses Gedächtnis.
 
44:40 Und Sie sehen auch, dass das
Gedächtnis die Angst stärkt,
  
44:50 durch das Denken, indem
Sie gestern Vergnügen hatten,
  
44:53  
 
44:56 Sie haben die Schönheit
des Sonnenuntergangs gesehen,
  
45:03 und Sie möchten die selbe
Erfahrung erneut wiederholen,
  
45:08 entweder mit Hilfe von
Drogen, oder indem Sie
  
45:11  
 
45:14 an diesen bestimmten Ort gehen,
und in das wunderbare Licht schauen.
  
45:18 Und, wenn es nicht erneut eintritt,
erleiden Sie Schmerzen,
  
45:21 Enttäuschung und Frust.
 
45:24 Also Denken.
 
45:29 Sie benötigen das Gedächtnis
 
45:30 mit der Klarheit des Denkens
auf eine bestimmte Art,
  
45:42 technisch, um täglich
funktionieren zu können,
  
45:50 um den Lebensunterhalt
zu verdienen und so weiter.
  
45:53 Und Sie sehen auch
die Tatsache, dass
  
46:01 das Denken die Angst weckt.
 
46:09 Was soll man tun?
 
46:16 Was soll der Geist tun?
 
46:20 Haben Sie die Frage verstanden?
 
46:23 Ist sie klar?
 
46:26 Sie stellen sich die Frage selbst,
 
46:28 ich stelle Ihnen die Frage nicht.
 
46:36 Wenn Sie die Frage des
Redners annehmen,
  
46:40 dann ist es nicht Ihre Frage.
 
46:45 Wenn es Ihre Frage ist,
 
46:50 und sie muss es sein,
 
46:52 nach dieser Untersuchung,
 
46:57 wenn sie es nicht ist,
sind Sie eingeschlafen.
  
47:00 Wenn es Ihre eigene Frage ist,
wie werden Sie diese beantworten?
  
47:09 Wie werden Sie diese Frage beantworten,
 
47:12 nachdem Sie
 
47:17 die verschiedenen Fakten
der Analyse, der Zeit,
  
47:25 der Flucht und der
Abhängigkeiten gesehen haben,
  
47:36 Sie sehen, dass die Bewegung weg von
dem "was ist" bereits Angst ist,
  
47:45 diese Bewegung selbst ist die Angst.
 
47:50 Nachdem Sie all dies beobachtet haben,
 
47:54 und die Wahrheit dieser
Dinge erkennen, keine Meinung,
  
47:57  
 
47:59 keine lässige Bewertung,
 
48:08 was ist Ihre Antwort
auf diese Frage,
  
48:16 dass das Denken höchst
effizient funktionieren muss,
  
48:23 vernünftig,
 
48:27 und zur gleichen Zeit auch
eine Gefahr darstellt,
  
48:33 denn sie erzeugt auch die Angst.
 
48:40 Bevor Sie nun diese Frage beantworten,
 
48:43 in welchem Zustand
befindet sich der Geist,
  
48:47 der durch diese
Untersuchung gegangen ist?
  
48:54 Verstehen Sie, was ich meine?
 
48:55 Wie tief ist das
Verständnis Ihres Geistes,
  
49:02 des Geistes, der all diese
 
49:05 verschiedenen Dinge
untersucht und entlarvt hat,
  
49:10 die erklärt oder beobachtet wurden,
 
49:14 wie ist der Zustand Ihres Geistes jetzt,
 
49:19 denn auf diesem Zustand
basierend werden Sie antworten.
  
49:31 Wenn Sie den Weg nicht mitgegangen sind,
 
49:35 haben Sie keine Antwort.
 
49:39 Aber wenn Sie den Weg Schritt
für Schritt mitgegangen sind,
  
49:43 und jeder Sache nachgegangen sind,
die wir angesprochen haben,
  
49:50 dann werden Sie sehen, dass
 
49:52 Ihr Geist außerordentlich intelligent
und feinfühlig geworden ist,
  
49:57 denn er hat sich von allen Lasten
befreit, die er angesammelt hatte.
  
50:01  
 
50:10 Dann stellt sich die Frage,
 
50:19 wie Sie den gesamten Prozess
des Denkens beobachten?
  
50:31 Denken Sie aus einem Zentrum heraus?
 
50:36 Bitte folgen Sie alledem.
 
50:44 Das Zentrum, das der Zensor
ist, derjenige, der urteilt,
  
50:49 bewertet, verurteilt und rechtfertigt.
 
50:55 Denken Sie immer noch
aus diesem Zentrum heraus?
  
51:02 Oder
 
51:07 es gibt überhaupt kein Zentrum
mehr, aus dem heraus man denkt,
  
51:11 und dennoch denken Sie. Richtig?
 
51:15 Sehen Sie den Unterschied?
 
51:19 Wird Ihnen das zu viel?
 
51:24 Bitte sagen Sie es mir.
 
51:28 Nein?
 
51:32 Das wundert mich,
 
51:37 denn ich fürchte, dass
Sie mir kaum zuhören.
  
51:42 Schauen Sie.
 
51:45 Das Denken hat ein Zentrum
in Form des "Ich" erzeugt.
  
51:55 Ich, meine Meinung,
mein Land, mein Gott,
  
51:59 meine Erfahrungen,
mein Haus, meine Möbel,
  
52:02 meine Frau, meine Kinder, mein Land,
Sie wissen schon, ich, ich und ich.
  
52:08 Das ist das Zentrum, von dem
aus Sie handeln und denken.
  
52:16 Dieses Zentrum erzeugt eine Trennung.
 
52:22 Und wegen dieses Zentrums
und dieser Trennung
  
52:26 muss es zu Konflikten kommen.
 
52:30 Wenn Ihre Meinung der Meinung
eines anderen gegenübersteht,
  
52:34 mein Land, dein Land und
diese Dinge. Trennung.
  
52:39 Das bedeutet, dass dieses
Zentrum immer trennend wirkt.
  
52:45 Und, wenn Sie von diesem
Zentrum heraus denken,
  
52:49 und die Angst von diesem
Zentrum heraus beobachten,
  
52:56 sind Sie in der Angst gefangen,
 
53:02 denn dieses Zentrum hat
sich von dieser Sache,
  
53:06 die es Angst nennt, getrennt.
 
53:10 Und daher sagt dieses Zentrum:
"Ich muss davon loskommen",
  
53:13 "ich muss es analysieren", "ich muss
es überwinden und dagegen ankämpfen".
  
53:14  
 
53:19 Und dadurch verstärken Sie die Angst.
 
53:26 Kann also der Geist auf die Angst schauen,
 
53:35 was wir etwas tiefer untersuchen werden,
ohne dieses Zentrum zu verwenden?
  
53:37  
 
53:39 Können Sie auf diese Angst
schauen, ohne diese zu benennen?
  
53:44 Denn sobald Sie es als Angst bezeichnen,
handelt es sich bereits um die
  
53:52 Vergangenheit, denn Sie haben es benannt.
 
53:56 Folgen Sie alledem?
 
54:02 Trennen Sie nicht eine Sache,
indem Sie diese benennen?
  
54:09 Die Weißen und die Schwarzen,
 
54:10 und die Braunen und die
Kommunisten, ist es nicht so?
  
54:20 Und diese Trennung ist eine
Form des Widerstandes,
  
54:29 des Konfliktes und der Angst.
 
54:33 Also lautet die Frage:
ohne das Zentrum
  
54:35 zu beobachten,
 
54:42 und diese Sache namens Angst nicht
zu benennen, wenn sie auftaucht.
  
54:48 Dies alles verlangt enorme Disziplin.
 
54:58 Sie wissen, dass das
Wort Disziplin bedeutet,
  
55:05 dass man etwas von jemandem lernt.
 
55:13 Aber Sie lernen nicht von dem Redner,
 
55:15 sondern Sie lernen von sich selbst.
 
55:18 Und, wenn Sie all dies sehr genau
und mit Sorgfalt beobachten,
  
55:29 was Zuneigung und
Aufmerksamkeit bedeutet,
  
55:35 dann schaut der Geist ohne
das trennende Zentrum,
  
55:41 an welches es sich gewöhnt hat.
 
55:46 Daher findet die Angst ein Ende,
 
55:50 sowohl die verborgene,
als auch die sichtbare.
  
55:57 Falls Sie es heute Abend
nicht getan haben,
  
56:00 nehmen Sie es nicht mit nach
Hause, um darüber nachzudenken.
  
56:08 Die Wahrheit ist etwas, das
Sie unmittelbar sehen müssen.
  
56:18 Und, um etwas klar und
unmittelbar sehen zu können,
  
56:22 muss man sein Herz, seinen Verstand
 
56:24 und sein ganzes Sein geben.